Mutmaßliches Bekennerschreiben - Polizei geht bei Kabelbrand nahe Tesla-Baustelle von Anschlag aus

Kabelbrand Tesla
Video: Brandenburg Aktuell | 26.05.2021 | Anja Meyer | Bild: Philip Barnstorf/rbb

Eine Stromleitung nahe dem künftigen Tesla-Werk bei Grünheide hat am Mittwoch gebrannt. Dabei wurde ein Kabel beschädigt, das die Baustelle mit Strom versorgt. Der Staatsschutz geht von einer politischen Tat aus. Im Internet kursiert ein Bekennerschreiben.

Nach einem Brand von Stromkabeln in der Nähe der Tesla-Baustelle bei Grünheide (Oder-Spree) geht die Brandenburger Polizei aktuell von einem Anschlag aus.

In der Nacht zu Mittwoch war der Polizei zufolge kutz vor 3 Uhr 500 Meter vor der Baustelle entfernt zu einem Feuer gekommen, bei dem auch ein kleines Waldstück von etwa drei Quadratmetern in Flammen aufging. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei beschädigten offensichtlich gleich mehrere noch unbekannte Täter die Kabel und manipulierten sie so, dass sie in Brand gerieten. Hierzu sollen sie eine brennbare Flüssigkeit genutzt sowie die Kabel per Draht an einen Bauzaun geknüpft haben, hieß es.

Die armdicken Kabel versorgen unter anderem auch die Baustelle der Autofabrik, die derzeit errichtet wird. Trotz des Feuers seien die Kabel aber noch funktionsfähig, hieß es am Morgen von der Polizei.

Auf dem Tesla-Gelände brannte am frühen Mittwochmorgen, den 26.05.2021, an der Kabeltrasse, die die Tesla-Baustelle mit Baustrom versorgt, rund drei Quadratmeter Waldboden. (Quelle: TNN)
Brandstelle im Wald: Sie liegt knapp 500 Meter von der Giga-Factory entfernt. | Bild: TNN

Politisches Motiv nicht ausgeschlossen

Auch weil ein politisches Motiv für die Tat nicht ausgeschlossen werden kann, haben der Staatsschutz der Polizeidirektion Ost sowie das Landeskriminalamt (LKA) eine Aufklärungsgruppe gebildet. "Wir haben es hier mit stromführenden Leitungen zu tun, die sowohl eine große Industrieanlage als auch einen Stadtteil von Erkner mit Strom versorgen, und da ist der Einsatz des Staatsschutzes angezeigt", erklärte LKA-Sprecher Joachim Lemmel. Es wurde auch ein Spürhund angefordert.

Tesla Kabelbrand
Der Brandort in der Nähe des künftigen Tesla-Werks. | Bild: Philip Barnstorf/rbb

Unterdessen ist im Internet ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Unter dem Autorennamen
"Vulkangruppe" heißt es darin: "Wir haben in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 2021 die Stromversorgung der Baustelle der Tesla-Giga-Fabrik in Grünheide bei Berlin gekappt, indem wir an sechs überirdisch verlegten Hochspannungskabeln Brand gelegt haben."

Die Tat richtet sich demnach gegen den Tesla-Konzern: "Tesla ist weder grün, ökologisch noch sozial", heißt es in dem auf einer linksradikalen Internetseite veröffentlichten Schreiben. "Unser Feuer steht gegen die Lüge vom grünen Automobil."

Der Name "Vulkangruppe" tauchte in den vergangenen Jahren mehrfach im Zusammenhang mit Brandanschlägen auf. Die Polizei prüfe die Echtheit dieses Schreibens, hieß es.

Bürgerinitiative wendet sich gegen gewalttätige Aktionen

Unterdessen hat die Bürgerinitiative (BI) Grünheide, die den Bau der Tesla-Fabrik kritisch begleitet, sich gegen gewalttätige Aktionen an der Baustelle des US-Elektroautobauer gewandt, teilte aber auch mit, dass sie so etwas für möglich halte. "Wir haben das befürchtet, weil sich viele Menschen nicht mitgenommen fühlen im demokratischen Prozess der Ansiedlung von Tesla", teilte Streffen Schorcht von der Bürgerinitiative mit. Die Initiative habe sich aber immer gegen Gewalt ausgesprochen und die Bürger aufgefordert, die demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten zu nutzen, so Schorcht.

Keine Auswirkungen auf Baufortschritt

Der Energieversorger Edis teilte am Nachmittag mit: "Unmittelbare Versorgungsunterbrechungen waren bisher nicht erforderlich." Einsatzkräfte seien seit den frühen Morgenstunden vor Ort, um den entstandenen Schaden zu begutachten und weitere notwendige Schritte einzuleiten und zu koordinieren, sagte Unternehmenssprecher Danilo Fox.

Der durch den Brand verursachte Sachschaden scheint derweil gering. Aus Erkner (Oder-Spree) sind bislang keine Stromausfälle bekannt. Tesla-Mitarbeiter hatten am Mittwochmorgen von Ausfällen auf der Baustelle gesprochen. Mittlerweile teilte Tesla mit, der Brand habe keine Auswirkungen auf die Bauarbeiten.

In der Fabrik sollen pro Jahr bis zu 500.000 Fahrzeuge produziert werden. Tesla-Chef Elon Musk will auf dem Gelände auch die weltgrößte Batteriefabrik errichten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.05.2021, 15:40 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 26.05.2021 um 21:45 Uhr geschlossen

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67 Kommentare

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  1. 67.

    Man wundert sich schon, warum Elon ueberhaupt seine wichtigste Fabrik in Deutschland baut. Mega-Regulierung, Umwelt-Extremisten, extrem hohe Loehne, all das in einem Land, was fuer seine voellige Unfaehigkeit zur Organisation von Grossprojekten bekannt ist.

    Geht's noch?

  2. 66.

    Umgehungstatbestand nennt sich das, wenn nicht gegen die Buchstaben, sondern gegen den Sinn von Gesetzen verstoßen wird. Der Sinn des ganzen ist hier ein konzentriertes immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren, welches mit dem Bau einer Lagerhalle, die "rein gar nichts mit dem restlichen Vorhaben zu tun hat" (Voraussetzung der separaten Genehmigung), umgangen wird.

    Da kommt doch eine kleine Brandstiftung zur Ablenkung gerade recht!

  3. 65.

    Die Rückwirkung im Falle eines Kurzschlusses bei Vollbrand der Kabel über die Station , die auch Teile von Erkner versorgt ist durchaus gegeben.

  4. 64.

    Von A..Neumann ist noch kein einziger kritischer Kommentar zum Thema Tesla verfasst worden. Als man damals meinte aus der Waldfläche ein Industriegebiet zu machen war ja an Elektroautos und Akkuproduktion überhaupt nicht zu denken. Man griff gierig für Tesla diesen Plan auf ohne zuvor mit den Bürgern zu reden. Man versteckt alles hinter der erforderlichen Geheimhaltung. Diese Art der Salamitaktikgenehmigung ist uns Bürgern fremd. Ob so viele Teslas mal Absatz finden ist eher fraglich. Was dann ? Wir sind ja nicht gegen das Autowerk aber niemand gibt uns die Gewissheit, dass dieser Betonklotz keinen Einfluss auf den Untergrund-Trinkwasserschutzgebiet- hat. Dazu eventuelle Schädigungen durch die Art des Produktes. Jeder Anschlag ist natürlich kriminell. Das passt nicht zu uns Bürgern.

  5. 63.

    Volksentscheid?Wen würden Sie denn fragen wollen?Landkreis?Angrenzende Landkreise mit dazu?Das ganze Bundesland?Alle die in 30 Minuten Entfernung wohnen?

  6. 62.

    Vielleicht sind die Grünen auch einfach nur für Emobilität, weil zumindest die Realos in der Partei erkannt haben, dass Verzichtspredigten nicht gerade die Wählerstimmen zufliegen. Und wenn der Deutsche Wähler nun einmal auf seiner individuellen Mobilität besteht, dann wenigstens mit umweltfreundlichen EAutos, neben Ebikes, Erollern und einem guten ÖPNV Angebot. Aber natürlich kommen dann noch H2-Autos und Synfuels.....

    Aber wie waren hier nochmal die Diskussionen? Was "nur" 500km Reichweite? Ich will doch zu jeder Tages/Nachtzeit spontan 1500 km in die Toscana fahren ohne anzuhalten, höchstens 1 mal zum 5 Minuten Tanken.....aber dann reicht natürlich auf der anderen Seite ein I3 mit 200 km Reichweite in der Stadt.....

  7. 61.

    Schauen Sie sich das Bild mit den Polizisten an! Die Brandstelle war auf dem Boden genau dort wo die Kabel auch liegen. Wissen Sie wie schwer solche Kabel sind? Die sind jetzt für gewöhnlich auch nicht in "Schleifen" verlegt, dass man die einfach mal zur Seite schieben bis zum Bauzaun schieben kann und in die Höhe hebt um die am Zaun zu befestigen.

    Benzin drüber und schön in der Benzinlache brennen/schmoren lassen klingt mir logischer. Dumm nur, dass solche Kabel eine sehr dicke Isolierung haben die noch dazu Brandhemmend ist und nicht selbst brennt.....

  8. 60.

    Ein Teil von Erkner wird über diese provisorischen Kabel mit Strom versorgt? Echt jetzt?

  9. 59.

    Eben doch.

    Für die Änderung einer Lagerhalle in eine Sekundärzellenfabrik (um mal beim Fachbegriff zu bleiben) braucht es eine Genehmigung nach einem Änderungsantrag. Was sollte daran verwerflich sein? Ist ganz normaler Standard. Ein Unternehmen beantragt eine Änderung der Nutzung und bekommt diese wenn alles in Ordnung ist genehmigt.

    Nix Skandal....

  10. 58.

    Kenne mich besser aus als sie denken. Aber gleich zum Thema: Gegen Mittag konnten wir hier alle noch lesen, dass die Typen Kabel mit einem Draht am Zaun befestigten um dann mit ??? ( ja, möglicherweise Benzin..wie sie schreiben das/ die Kabel in Brand zu setzen. Wenn das jetzt anders beschrieben ist wenden sie sich an rbb24 direkt.

  11. 57.

    Was kommt da auf uns zu? Der weltgrößte Elektroautobauer ohne Strom, dass ist noch schlimmer wie Hackfleisch in der Ladesäule. Mensch Alfred, wir haben bald kein Wasser und kein Strom! Schaun ma mal.

  12. 56.

    Herr Dominik, was sie da behaupten, mag alles wahr sein oder auch nicht. Bloß welche Verbindung besteht zwischen dem Herrn Urban und den Sauereien in Freienbrink, das kann ich nicht erkennen. Da halte ich mich lieber an den früher singenden, inzwischen in der Versenkung verschwundenen roten Vogel und an den jetzt krächzenden Grünen. Nach dem Farbwechsel im Jahr 2019 versucht er das lästige auffällige Federkleid abzulegen und es tritt immer mehr schwarz, braun und grau ans Tageslicht. Es scheint Gesetz zu sein, dass der Mensch im Alter erblindet oder mindestens farbenblind wird. Unser Umweltmister scheint beides zu sein? Ich würde mir wünschen, dass er gezwungen wird, sich vor das Gate 2 in Freienbrink zu stellen, um dort die einzelnen Passagen seines Grünen Parteiprogramms mit der Entwicklung der Giga-Factory Berlin in Deckung zu bringen, wobei ihm verwehrt sein muss, seine Vasallen den Herrn Steffens oder die Frau Hermann um Hilfe zu rufen.

  13. 55.

    "Es ist ja bekannt, dass vor allem die volksbraunen Energiewendegegner gegen Eautos, WKA und Solar sturm laufen."

    Falsch! Das Bekennerschreiben war von Linksradikalen, nicht von Volksbraunen. Gegen E-Autos sind auch Teile der CDU/CSU, die Linke, aber auch die AfD.

  14. 54.

    Den Behörden sind die Hände gebunden, da die an Recht und Gesetz gebunden sind und eben nicht wie Sie es als Anwohner von irgendwas außerhalb der "Tesla-Region" hier immer wieder fordern, willkürlich nach Ihrem persönlichem Willen entscheiden.

  15. 53.

    " - Der Bau einer solchen Fabrik ist allerdings anders als Brandstiftung grundsätzlich legal. - "

    Jedoch nicht, wenn im Bauantrag "Bau einer Lagerhalle" geschrieben steht und diese dann nach Fertigstellung in eine Batteriefabrik umgewidmet wird.

  16. 52.

    Im Zusammenhang mit dem Ablauf in Grünheide von Demokratie zu reden, ist bezeichnend. Wie wäre es mit einem Bürgerentscheid anstelle der Besinnung auf einen 20 Jahre alten B-Plan bei derart weitreichenden Veränderungen in der Region?
    Und in meinen Augen ist auch die Verunglimpfung von gesetzlich geschütztem Wald als "hiebreifer wertloser Stangenwald" eine geistige Brandstiftung.

  17. 51.

    Der Bau einer solchen Fabrik ist allerdings anders als Brandstiftung grundsätzlich legal. Erst vor kurzem wurde in einem Wasserschutzgebiet gleich um die Ecke in Ludwigsfelde eine Batteriefabrik neben einer Autofabrik in Betrieb genommen.

  18. 50.

    Die geistigen Brandstifter sind diejenigen, die die demokratischen Abläufe in einem Rechtsstaat entsprechend den gelten Gesetzen und Verordnungen etc. nicht akzeptieren wollen und willkürlich Hetzschriften verbreiten.

  19. 49.

    Das letzte Sicherheitsgutachten hatte ja bereits mögliche Schwachstellen bei eventuellen Störfällen benannt und nun dies. Da wird mir ja Himmelangst was noch alles passieren könnte. Da brennen offenliegende Kabel im Wald und keiner hatte es bemerkt. Gehört der Tatort noch zum Gelände des Vorhabenträgers? Gut bewacht ist das gesamte Baugelände ja. Bei so einer bekannten und umstrittenen Baustelle hätte man eigentlich damit rechnen müssen. Bloß gut das der Wald nicht gebrannt hat. Mein Kühlschrank hat den kurzen Stromausfall bislang gut verkraftet. An die Straftäter: "Gogelt wo anders und nicht im Wald, z. B. an Eurem Grill!"

  20. 48.

    Anders als Sie als Anwohner von irgendetwas außerhalb der "Tesla-Region" einsehen wollen, sind sowohl die Politik wie auch die Behörden an Recht und Gesetz gebunden. Stöbern Sie mal in den Grundsatzdiskussionen vom Spätherbst 2019. Dort würde ausführlich dargelegt, warum der Bau einer Autofabrik im Industriegebiet Freienbrink-Nord grundsätzlich legal ist. Dass Ihnen oder auch die mutmaßlichen Straftätern, die hier im Forst einen Brand gelegt hatten, sich wenig für die geltende Rechtlage interessieren, ist nichts neues.

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