Schutz vor Pleitewelle - Brandenburger Kliniken fordern vom Bund schnelle Nothilfe

Do 22.09.22 | 20:52 Uhr
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Ein Mitarbeiter vom Gesundheitsprojekt "HerzCheck" für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommer untersucht eine Frau und macht am 26.07.2022 eine MRT-Untersuchung. (Quelle: dpa)
dpa
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 22.09.2022 | Bild: dpa

Vielen der 66 Krankenhäuser in Brandenburg drohen in den kommenden Wochen enorme finanzielle Probleme. Die Landeskrankenhausgesellschaft warnt vor Pleiten, sollte der Bund nicht rasch handeln.

Die Brandenburger Landeskrankenhausgesellschaft warnt vor weitreichenden Zahlungsausfällen in Kliniken im Land, falls der Bund angesichts der Kostensteigerung keine schnelle Nothilfe leistet.

In diesem Jahr noch drohten Liquiditätsengpässe bei dem ein oder anderen Krankenhaus, dies werde sich aber vor allem im kommenden Jahr zeigen, sagte der Vorsitzende der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg (LKB), Detlef Troppens, am Donnerstag bei rbb24 Brandenburg aktuell.

Auch Ministerin Nonnemacher fordert Bundeshilfen

Energiekrise und Inflation, aber auch schwer stemmbare Investitionen gefährdeten die Kliniken. "Kurzfristig brauchen wir einen Inflationsausgleich, damit es nächstes Jahr nicht zur Pleitewelle kommt", so Troppens. Der Bund müsse für dieses Jahr einen Zuschuss geben, um die Betriebskosten der Häuser abzufedern. "Ansonsten können die Krankenhäuser ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Wir brauchen neben der Nothilfe aber auch eine grundsätzliche Reform des Finanzierungssystems", betonte Troppens zugleich.

Das Land Brandenburg könne nur bei den Investitionen unterstützen, fügte er hinzu. Die zugesagten 82 Millionen Euro der Landesregierung seien "besser als nichts", reichten aber bei weitem nicht aus, um die Krankenhäuser gegen die Inflation zu wappnen. Auch Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sagte am Donnerstag, der Bund müsse sehr schnell helfen.

Insolvenzfall in Spremberg - Investitionsstau in Potsdam

Es gibt bereits einen ersten Fall von Zahlungsunfähigkeit in Brandenburgs Krankenhausgesellschaft: Das Krankenhaus Spremberg (Kreis Spree-Neiße), das nach Ministeriumsangaben um die 130 Betten hat, beantragte vor etwa zehn Tagen eine Planinsolvenz als Schutzschirmverfahren. Damit soll die Möglichkeit einer Unternehmenssanierung gegeben sein. Die Krankenhausgesellschaft und auch Nonnemacher äußerten sich nicht zur Frage, ob bereits weitere Kliniken Insolvenz beantragt haben.

Besonders deutlich wird derweil der Investitionsstau im Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam. Wie der Leiter der Haustechnik, Thomas Schuder, in rbb24 Brandenburg aktuell erklärte, müsse besonders das Bettenhaus C dringend saniert werden. Würden hier beispielsweise die veralteten und oft undichten Fenster sowie die Fassade erneuert, könnten hier über 40 Prozent der Energiekosten eingespart werden, so Schuder.

Energetisch saniert wurden im Bergmann-Klinikum bislang nur neun der insgesamt 37 Gebäude. Wären alle saniert, könnten rund 1,5 Millionen Euro Energiekosten im Jahr gespart werden, so Schuder. Doch für solche Investitionen fehlt dem Klinikum das Geld.

Lauterbach hat Hilfen angekündigt

In Brandenburg gibt es dem Gesundheitsministerium zufolge 66 Krankenhaus-Standorte. Bundesweit schrieben bereits 2021 viele Kliniken nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft rote Zahlen. Auch über akuten Personalmangel und Auswirkungen der Corona-Pandemie klagt die Gesundheitsbranche.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kündigte vor zwei Wochen ein Hilfspaket für die Kliniken wegen der stark gestiegenen Betriebskosten an. Dafür sollten in den nächsten Wochen konkrete Vorschläge vorgelegt und mit den Ländern beschlossen werden.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 22. September 2022, 19:30 Uhr

13 Kommentare

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  1. 13.

    Das haben Sie gut, sogar auch in meinem Sinne erweitert! Respekt, auch hier wieder meine Häkchen!
    Ja, die "(max. 1000 Z.)" eignen sich offenbar nur, um zu meckern oder ja, ja zu sagen.
    Aber diese Problemlage hier ist halt komplizierter und bedarf schon einer differenzierten Betrachtung. Ebenfalls mit besten Grüßen.

  2. 12.

    Herr Lauterbach hat maßgeblich an der Fallpauschale vor ca. 20 Jahren mitgearbeitet.
    Ansonsten kommen die Kliniken, nicht nur in Brandenburg an ihre Grenzen. Zum einen weil die Energiekosten immer höher steigen und bedingt dadurch steigen die Kosten für benötigte Krankenhausmaterialien über Verbandmaterial, Medikamente, OP-Besteck, Sterilisation, sterile Bekleidung und und ....

  3. 11.

    Mit dem vorletzten Satz sprach ich auch die andere Seite an und auch den Grund, warum sich das unter Herrn Lauterbach nicht ändern wird, eher verschlimmern! Die Abschaffung der Fallpauschale, Deprivatisierung und erhöhte Personalschlüssel sind notwendig. Die Grünen lagen in vielen Punkten richtig, ändern aber nichts. Sobald in Verantwortung agieren sie entweder konträr oder aggressiv, statt innovativ. Es ist immer eine Frage, wie man etwas vermittelt oder umsetzt! Man muss ein Bewusstsein schaffen, man kann und darf es nicht oktruieren! Das erzeugt unnötigen Widerstand, statt Verständnis! Es ist zudem nicht demokratisch! Fleisch höher besteuern, Lebensmittelampel einführen, Raucher/Trinker höhere Beiträge zahlen lassen (wie in pKV) und endlich Werbung für Alkohol verbieten, dann ändert sich etwas! Zuviel blinde Ideologie bestraft alle, selbst für richtiges Handeln, wie aktuell bei den Strompreisen durch Gasverstromung, aber das ist ein anderes Thema! Besten Gruß

  4. 10.

    Wenn sich das einfach feststellen ließe, warum jemand ein gesundheitliches Problem hat! Und was, wenn der starke Raucher derjenige ist, der seit Jahren die allerhöchsten Krankenkassenbeiträge und viele Steuern zahlt? Welchem Kind will man vorwerfen, dass es zur U-Untersuchung muss es aber keinen Arzt mehr gibt? Davon abgesehen geht ihr Kommentar ein bisschen am Thema vorbei. Kliniken sollen "wirtschaften", und in Zeiten einer Pandemie am besten keine Patienten haben, so verstehe ich den Beitrag. Hausärzte sollen 3 Minuten Zeit aufwenden pro Patient, am besten nix verschreiben und 80 Stunden/Woche arbeiten. die Bürokratie macht sich von selbst. Dumm nur, wenn der Arzt viele ältere Leute unter den Patienten hat, mit Mitte achtzig hat fast jeder ein Gesundheitsthema. Ich will wissen: Bezahle ich Krankenkassenbeiträge, damit Aktionäre gut bedient werden können - oder damit eine Gesundheitsvorsorge existiert?

  5. 9.

    Sie haben die eine Seite der Medaille angesprochen - zu Recht, so dass man hinter jeder Aussage ein Häkchen setzen kann. Erinnern Sie sich noch, als vor Jahren die Grünen Tacheles verbreiteten, wir sollten unseren Fleischkonsum einschränken, jeden Abend ein Schnitzel oder so, das ginge nicht? Der Sturm der Entrüstung brauste über das Land. Eingriffe in die Freiheit usw... Nur sind es leider Wahrheiten, die den Bürgern von jeder Seite einschlägiger Literatur oder publizistischen Material, selbst bunter seichter Blätter entgegenwehen. Aber es wird tapfer ignoriert. Dabei haben derart Forderungen durchaus ihren medizinischen Sinn u. gut für die Umwelt ist auch, wie zwischenzeitlich errechnet wurde. Man könnte für die Gesundheit der Menschen noch mehr tun, wenn diese etwas wählerischer bei den ausgemachten Körpergiften wären. Also muss man offen sein für derart Lebensthemen.Dennoch bedarf es zusätzlicher finanzieller Mittel in die Krankenhausgebäude, Gebäudetechnik, kostet alles viel Geld

  6. 8.

    Man liest, dass bereits im Jahr 2021 viele Krankenhäuser rote Zahlen schrieben, obwohl ein Personalmangel besteht, und somit weniger Personalkosten anfielen. Angeblich sucht man Personal, aber kann ihn nicht bezahlen.
    Die Krankenhäuser kamen, wor den Privatisierungen gut zu recht, der Personalschlüssel war höher, und es war nicht schwierig Fachpersonal zu bekommen.
    Es ist an der Zeit, dass die Politik in dieser Sache endlich ihren grundlegenden Handlungsbedarf begreift und handelt, aber mit einer Geldspende ist dieses Problem nicht gelöst.

  7. 7.

    Die Krankenhäuser gehen nicht insolvent, sie hören lediglich auf Patienten zu behandeln. Später können sie wieder anfangen mit der Behandlung

  8. 6.

    Das hängt sehr davon ab, warum jemand ein gesundheitliches Problem hat. Jahrelanger Drogenmissbrauch treibt in Deutschland jährlich, 200000 Menschen in den Tod, nur Alkohol und Tabak! Diese belegen vorher oft lange Zeit die Klinikbetten und Ärzte. Ist ähnlich wie mit den Unternehmen - "Vorteile" privat nutzen und dann Nachteile sozialisieren. Gesellschaftliche Missstände und Gewalt füllen die Psycho-Praxen und viele (Gesellschafts-) Erkrankungen wären vermeidbar, bei gesünderem Lebensstil. Die von Berlo angesprochenen Probleme sind existent, besonders der Missbrauch der Notaufnahme. Und dann wäre da noch die Fallpauschale...die Medaille hat zwei Seiten und Sie beide recht, will ich sagen!

  9. 5.

    Patienten handeln nicht unwirtschaftlich, sondern haben ein gesundheitliches Problem. Übrigens: Bei vielen Problematiken gibt es überhaupt keine Termine mehr beim Facharzt, weil es schlicht keine Fachärzte mehr gibt bzw. keine Termine. Bei Hausärzten sieht es nicht viel besser aus. Es ist einfach alles schlecht organisiert und aufs Finanzielle getrimmt. Gibt es den Beruf des Arztes denn, weil z.B. Helios schon immer mal Aktionäre bedienen wollte? Oder gibt es Ärzte, weil kranken Menschen geholfen werden kann?

  10. 4.

    Vielleicht sollte unser Gesundheitssystem mal grundlegend reformiert werden? Das funktioniert doch alles hinten und vorne nicht...

  11. 3.

    'Unternehmerisches Risiko' heißt mal wieder Gewinne privat, Schulden verallgemeinern, aber wehe der kleine Mann ruft um Hilfe, dann ist es wieder Marktwirtschaft u. der Staat keine Hängematte. Und gibt es nicht in den Rechtsformen Pflichten zu Rücklagen? Und Med. Behandlung zu privatisieren v. wg. bessere Wirtschafter.....

  12. 2.

    Vielleicht sollte man das unwirtschaftliche handeln vieler Patienten beenden.

    Viele Patienten missbrauchen die Notaufnahmen für Erkrankungen. bei denen keine Lebensgefahr besteht. Nur aus Faulheit um nicht zum Hausarzt gehen zu müssen.

    Ebenso wird viel zu wenig ambulant operiert und behandelt. Außerdem gibt's zuviele Krankenhausbetten.

    So können auch Patienten zu Kosteneinsparungen beitragen. Aber anstatt das Verhalten der Patienten zu ändern wird auf Investitionen geschimpft

  13. 1.

    Bitte die privaten Träger ausnehmen, die die Rendite so hoch fahren, um ihre Aktionäre bedienen zu können, anstatt in die Krankenversorgung zurück zu investieren.

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