Personalmangel - BVG kürzt Busangebot zum Fahrplanwechsel deutlich

Fr 17.11.23 | 06:06 Uhr | Von Thorsten Gabriel
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Symbolbild: Ein BVG-Bus fährt am Zoologischen Garten vorbei. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Video: rbb24 Abendschau | 17.11.2023 | Dorit Knieling | Studiogast: Jens Wieseke | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Weil Hunderte Fahrer fehlen, ist das Busangebot der BVG schon länger eingeschränkt. Doch nun wird der Fahrplan erneut drastisch gekürzt. Für die Verkehrssenatorin eine "ganz bittere Nachricht", zumal Entspannung nicht in Sicht ist. Von Thorsten Gabriel

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) reduzieren ihr Busangebot zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember weiter. Wegen Personalmangels werde der Busfahrplan um insgesamt sechs Prozent reduziert, teilte BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt dem rbb mit. Anstatt der geplanten 100 Millionen werden es nur 94 Millionen Buskilometer.

Bereits jetzt könnten 2,5 Prozent der vereinbarten Fahrleistung nicht erbracht werden, weil 350 Busfahrerinnen und -fahrer fehlten. Mit der Kürzung des Fahrplans solle trotz reduzierten Angebots zumindest Verlässlichkeit für die Fahrgäste geschaffen werden. "Wir haben uns schweren Herzens dazu entschlossen, um wieder Stabilität in den Plan zu bekommen", so Erfurt.

Schreiner: Ausfälle entsprechen ganzem Bezirk

Wo genau das Angebot gekürzt werde, will die BVG zwei Wochen vor Inkrafttreten des neuen Fahrplans bekanntgeben. Fest steht aber, dass größtenteils außerhalb der Stoßzeiten reduziert werden soll, etwa zur Mittagszeit, am späten Nachmittag sowie am Wochenende. Auch soll dies vor allem dort geschehen, wo es Parallelangebote gebe oder auf eher touristisch nachgefragten Strecken wie der Linie 100, 200 und 300. Alle 6.500 Haltestellen würden aber weiterhin bedient. Schulen, Krankenhäuser und andere wichtige Ziele sollen in gewohntem Umfang angefahren werden.

Die Berliner Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) nannte die geplanten Fahrplankürzungen eine "ganz bittere Nachricht", zumal die Ausfälle der Bus-Versorgung einem ganzen Bezirk entsprächen. Die Bemühungen der BVG, Personal zu rekrutieren, müssten mit Hochdruck weiterlaufen. Gleichzeitig betonte Schreiner, dass der Senat gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben daran arbeite, die Rahmenbedingungen auf der Straße für den Busverkehr zu verbessern. Es werde identifiziert, wo Busspuren ausgebaut und weitere Vorschaltampeln eingerichtet werden könnten.

Katastrophale Nachricht für Berliner Fahrgastverband

Für den Berliner Fahrgastverband IGEB ist das "eine katastrophale Nachricht", sagte deren Sprecher Jens Wieseke der rbb24 Abendschau am Freitagabend. Umgerechnet auf Spandau bedeuteten die BVG-Pläne, dass hier gar keine Busse mehr fahren würden, sondern nur noch die U7. Da der Westteil Berlins größtenteils Straßenbahn-frei sei, treffe es diese Bezirke härter, so Wieseke. "Es werden Verstärkerfahrten fehlen, es wird kuscheliger in Bussen, und das ist ein Problem. Es wird nicht attraktiver, weder für das Personal noch für die Passagiere."

Prämie für Anwerbungen soll auf 2.500 Euro erhöht werden

Eine Entspannung der Personalsituation ist kurzfristig nicht in Sicht. "Wir stellen ein, wir stellen ein, wir stellen ein", betonte der Betriebsvorstand. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt sei aber weiter sehr angespannt. "Da wird schon mit sehr harten Bandagen gespielt." Es werde auf dem Markt auch "viel über Geld geregelt", sagte Erfurt und spielte darauf an, dass private Unternehmen Wechselprämien anbieten würden. "Wir spielen dort fair, wir machen keine Deals unter dem Tisch oder werben mit Handgeldern."

Im nächsten Jahr will die BVG nach den Worten Erfurts 950 neue Fahrerinnen und Fahrer einstellen. 800 von ihnen sollen direkt bei der BVG ausgebildet werden. Für 2024 seien bereits zwei Dutzend Werbeveranstaltungen auf BVG-Betriebshöfen geplant, bei der Interessierte Busse auch Probefahren dürften. Außerdem soll das BVG-interne Empfehlungsprogramm ausgeweitet werden. Bislang erhalten BVG-Beschäftigte 1.500 Euro, wenn sie Bekannte als neue Fahrerinnen und Fahrer werben würden. Diese Prämie soll noch in diesem Jahr auf 2.500 Euro erhöht werden.

Sendung: rbb24 Inforadio, 17.11.2023, 8 Uhr

Beitrag von Thorsten Gabriel

163 Kommentare

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  1. 163.

    Die BVG schafft es nicht einmal die kurze u4 autonom fahren zu lassen. Nürnberg ist hier seit Jahren weiter.

    Wie will die BVG dann oberirdisch autonom fahren? Etwas mehr Realismus bitte. Bitte einen Schritt vor dem anderen. So lange keine autonome U-Bahn geplant wird, sollte man kein Geld in autome Busse stecken.

  2. 162.

    Hatte in einem Gespräch unter 2 Busfahrern aufgeschnappt, dass in einem Zeitraum x 120 Busfahrer gekündigt haben sollen. Kann es nicht kontrollieren.

    Wer sich vom vorgesetzten oder Arbeitgeber schlecht behandelt wird, der sucht sich woanders einen neuen Job.

    Aber wie wäre es statt auf Videos und Aktionen die eigenen Fahrer zu halten. Mehr Angebote für Mitarbeiter. Sei es irgendwo billiger essen, billiger Fitness, billiger Schwimmen oder so was oder Team abende/Angebote. Mitarbeiter halten.

  3. 159.

    Antwort auf "Elke Hube " vom Freitag, 17.11.2023 | 07:47 Uhr
    "Ich hoffe, dass bei uns in Tegelort der 220 Bus endlich einmal regelmäßig kommt." Seit wann fährt der denn nach Tegelort??

  4. 158.

    Warum kann man die Tram denn nicht schon heute autonom fahren lassen? Fährt doch auf Gleisen...

  5. 157.

    Bitte zeitnah auf autonom fahrende Rufbusse umsteigen. Alles andere ist völlig aus der Zeit gefallene Besitzstandswahrung. In Hamburg bereitet der Bürgermeister auch alles auf den Umstieg vor.

  6. 156.

    Mein Vorschlag die Buslinie 100. Komlet einstellen diese Linie fährt mit der neuen u5 und. mit der s.bahn( Stadtbahn) paralel

  7. 155.

    Seit 2011 sind in Berlin ca. 500 000 Menschen zugezogen, davon im letztem Jahr ca. 23 000 Asylbewerber. Offensichtlich hat man versäumt diesen Zuwachs fur die BVG und andere Bereiche fit zu machen. Da reicht ein schneller Schein nicht aus. Da muss man früher ansetzen und den Beruf attraktiver machen. Integration muss sich lohnen und muss ernsthafter betrieben werden. Da gibt es Leute deren Abschlüsse hier nichts wert sind, die im eigenem "Saft" feststecken und denen nicht geholffn wird. Die Arbeitgeber jammern, keine Leute. Doch es sind genug da, aber die muss man nun mal an die Hand nehmen. Und wenn der öffentliche Arbeitgeber bei Tarifverhandlungen nicht mal ein Angebot abgibt, braucht er sich nicht zu wundern, wenn er keine Leute mehr bekommt.

  8. 154.

    Die von Linksalternativen aus der Ringbahnblase getrieben Verkehrswende stellte dem ÖPNV lieber Pfosten in den Weg denn den als Stütze des Umweltverbund zu erkennen. Das wirkt nach. Es bedarf Zeit, die Schulungskapazitäten zu erhöhen.

  9. 153.

    Ich arbeite bis 23 Uhr und der Nachtdienst kommt dann nicht mehr zur Arbeit und ich nicht nach Hause. Hier leben ganz andere nicht im hier und jetzt und haben die besseren Zeiten zum Arbeiten aussuchen können. Kann leider nicht jeder.

  10. 151.

    Man plant einfach mehr Zeit ein und sucht sich die angenehmsten Routen. Ich bin von Berlin nach Brandenburg gezogen und bereue es nicht. Aber ich bin nur Busfahrer, daher habe ich auch keine Ahnung.

  11. 150.

    Es wäre auch ausreichend, wenn die BVG schon ab ca. 23 Uhr auf Nachtbuslinienverkehr umstellt.

  12. 149.

    So wird in Berlin die Verkehrswende nie geschafft. 2022 verdiente BVG-Chef Rolf Erfurt für seine Schlechleistung 412.300 Euro. Bei eingeschränktem Leistungsangebot von 6% müssten eigentlich die Fahrpreise sinken. Aber nein,
    ab dem 1. Januar 2024 steigen die Preise für Fahrkarten im Durchschnitt um 6,7 %

  13. 148.

    Ist das dann die Wende weg von der "Verkehrswende"?
    Scheint so. Man könnte sein Personal natürlich auch anständig bezahlen...

  14. 147.

    Bei der BVG und ielen anderen Verkehrsunternehmen ist der angelernte Busfahrer seit Jahrzehnten die Regel. Das hat nichts mit der aktuellen Situation zu tun.

    Bei Moped habe ich A1 und A2 verwechselt.

  15. 146.

    Nicht so traurig sein. Wir machen noch ein lustiges Video und ein tolles Musical und schwupps stehen die neuen Fahrpersonale schlange. Dann bekommt die Jenny auch ihre üppige Bonuszahlung, weil sie x neue Leute eingestellt hat. Wie viele am Ende bleiben ist unwichtig…

  16. 145.

    2. Übrigens habe ich doch Recht, klassische Bussfahrerausbildung 3 Jahre, bei der BVG nur vereinfachte Notausbildung wegen Personalmangel. Muss wohl eine Sondergenemigungen dafür geben.
    Hier in Potsdam gibt es bei der Vip auch Fahrer mit Hintergrund, die reagieren nicht mal auf einen guten Morgen Gruß. Aber der Fahrstiel ähnelt denen der, die auch auf unseren Autobahnen auffallen.

  17. 144.

    Wenn es sonst so scheint das Sie allwissend sind, beim Thema A1 und A sind Sie im Irrtum.
    Da ich das im gesetzten Alter selbst gemacht habe, kann ich Ihnen sagen, keine Theorie aber 2 mal Fahrstunden und 2 mal Praktische Prüfung bei der Dekra. Ohne alles geht nur 125 er fahren.

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