Fabrik in Grünheide - Wasserversorger WSE bietet Tesla Deal an - Produktionsstopp vorerst abgewendet

Mi 17.04.24 | 17:17 Uhr
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Wasserverband Strausberg Strausberg-Erkner WSE
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 16.04.2024 | Andreas Oppermann | Bild: rbb

Der Wasserverband Strausberg-Erkner will Tesla entgegenkommen und den Grenzwert für Stickstoff verdoppeln, dafür soll er weniger Wasser an die Fabrik liefern. In dem Streit droht Tesla auch ein Produktionsstopp - dazu kommt es aber vorerst nicht.

Im Streit über erhöhte Grenzwerte beim Schmutzwasser des Tesla-Werks in Grünheide hat der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) am Dienstagabend eine Entscheidung über eine mögliche Einstellung der Entsorgung vertagt. Die Verbandsversammlung der 16 Mitgliedskommunen hat am späten Abend in Strausberg (Märkisch-Oderland) die Aufnahme neuer Vertragsverhandlungen beschlossen - und dafür Eckpunkte benannt.

So soll laut dem Beschluss WSE-Chef André Bähler nun gemeinsam mit dem Vorstand in Verhandlungen mit Tesla treten. Der Vorstand sei "persönlich und aktiv" einzubinden, heißt es. Zudem sind Eckpunkte für die Handlungen benannt und beschlossen worden: Unter anderem sollen die festgelegten Grenzwerte für das Einleiten von Schmutzwasser - wie beispielsweise Sanitärabwasser - definiert werden. Als Beispiel wird der Grenzwert für Gesamtstickstoff von 50 auf maximal 110 mg/l erhöht.

Zudem soll ein "einheitliches und für beide Seiten verbindliches Verfahren festgelegt" werden zur Bestimmung des Wertes "Phosphor refraktär". Dahinter können sich unter anderem Industriereinigunsmittel verbergen.

Forderungen an Tesla gestellt

Bei beiden Stoffen hatte Tesla in der Vergangenheit mehrfach vertraglich vereinbarte Grenzwerte überschritten und wurde deswegen vom WSE verwarnt. Jedoch ist das Problem bislang vom Unternehmen nicht gelöst worden. Ende Februar hatte sich daher die WSE-Spitze um Verbandsvorsteher André Bähler für eine Einstellung der Entsorgung ausgesprochen. In einer Sondersitzung im März hatten die Mitgliedskommunen jedoch weitere Informationen darüber gefordert und eine Entscheidung auf vergangenen Dienstag vertagt. Nun sollen neue Vertragsverhandlungen eine Lösung ermöglichen.

In dem Beschluss von Dienstag werden aber auch Forderungen an den US-Elektroautobauer gestellt. Während der WSE bei den Grenzwerten offensichtlich Kompromissbereitschaft signalisieren möchte, sollen Bähler und die fünf Bürgermeister des WSE-Vorstands in den Verhandlungen darauf drängen, dass die bislang vertraglich zugesicherte Trinkwasserliefermenge pro Jahr "signifikant zu reduzieren" sei. Als Grundlage soll eine von Tesla genannte Mengenreduzierung um 432.000 Kubikmeter als Rahmen dienen. Bisher war eine Trinkwasserliefermenge von rund 1,8 Millionen Kubikmetern vereinbart.

WSE will nicht für Grenzüberschreitungen bei Tesla zahlen

Außerdem soll eine Regelung vereinbart werden, welche Tesla verpflichtet, "den WSE von sämtlichen Verpflichtungen (z. B. Vertragsstrafen, Mehrkosten, Schadensersatzverpflichtungen) freizustellen, die aufgrund einer auf Tesla zurückzuführenden Überschreitung von Grenzwerten im Klärwerk Münchehofe gegen den WSE geltend gemacht werden". Das Klärwerk Münchehofe wird von den Berliner Wasserbetrieben betrieben und reinigt sämtliche Abwasser des WSE.

Eine weitere Forderung der Verbandsversammlung an die Vertragsverhandlungen mit Tesla sieht die Rücknahme von Normenkontrollanträgen vor, die Tesla gegen die WSE-Satzungen vor Gericht gestellt hatte. Konkret heißt es, dass dazu ggf. "durch klarstellende Spezifizierungen von Kündigungs- und Vertragsanpassungsrechten zugunsten des WSE dem Ansinnen der Normenkontrollanträge Abhilfe geschaffen werden" soll.

Tesla begrüßt Entscheidung

Tesla selbst begrüßt die Entscheidung der WSE-Verbandsversammlung. "Diese ist die Grundlage dafür, dass wir die Verhandlungen mit dem WSE fortführen können", teilte das Unternehmen am Mittwoch dem rbb mit. In dem Schreiben heißt es weiter, dass nur durch notwendige, vertragliche Anpassungen Tesla ermöglicht bekommen könnte, die Abwasserbehandlungen der Prozessabwässer weiter betreiben zu können.

Tesla hatte in der Vergangenheit erklärt, das diese Schaffung eines geschlossenen Wasserkreislaufes zu den erhöhten Werten beim Schmutzwasser, um die es im Streit mit dem WSE geht, geführt hat. Allerdings hat die Wiederaufbereitung von Prozessabwasser zu Verwendung in der Produktion für den Elektroautobauer auch einen positiven Effekt: "Durch diese innerbetriebliche Rezirkulation haben wir einen erheblich geringeren Frischwasserbedarf", heißt es in der Stellungnahme von Tesla.

WSE will monatlich über Vertragsverhandlungen informiert werden

Diese Reduzierung sei Grundlage, dass Tesla "wie geplant und angeboten auf einen größeren Teil der mit dem WSE vereinbarten maximalen Frischwasserlieferungen verzichten kann - zugunsten verschiedenster, zukünftiger Projekte in der Region." Das liege auch im Interesse von Tesla, heißt es weiter. Das Unternehmen werde demnach weiterhin daran arbeiten, den Wasserverbrauch des Werks in Grünheide "so gering wie möglich zu halten."

Die WSE-Verbandsversammlung soll laut Beschluss monatlich über die Vertragsverhandlungen mit Tesla informiert werden. Sollte bis zum 30. Juni 2024 kein Änderungsvertrag mit den im Beschluss genannten Regelungen abgestimmt sein, wird Verbandsvorsteher Bähler damit beauftragt, zur Verbandsversammlung am 17. Juli 2024 die Beschlussvorlage zur Einstellung der Entsorgung an Tesla erneut zur Beschlussfassung vorzulegen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.04.2024, 08:30 Uhr

Mit Material von Martin Krauß

 

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66 Kommentare

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  1. 66.

    Und er lesen einfach diesen Artikel, der zum ersten Mal auf die Fakten eingeht und keine PR-Veranstaltung ist:

    "Außerdem soll eine Regelung vereinbart werden, welche Tesla verpflichtet, "den WSE von sämtlichen Verpflichtungen (z. B. Vertragsstrafen, Mehrkosten, Schadensersatzverpflichtungen) freizustellen, die aufgrund einer auf Tesla zurückzuführenden Überschreitung von Grenzwerten im Klärwerk Münchehofe gegen den WSE geltend gemacht werden". Das Klärwerk Münchehofe wird von den Berliner Wasserbetrieben betrieben und reinigt sämtliche Abwasser des WSE."

    Wenn also sie Recht haben, dann wirkt sich die Klausel für niemanden negativ aus. Wenn ich Recht habe und ihr BwB später die Hand aufhält, ist der WSE und wir anderen Kunden raus und Tesla zahlt für die Extraklärung.

  2. 65.

    „die kleinteilige Wasserversorgung in Brandenburg nicht mehr zeitgemäß ist“
    Eine taktische Äußerung, um die Kosten für die Standortfehlentscheidung auf die Allgemeinheit zu übertragen (Fernwasserleitungen).

  3. 64.

    „Von 16 Millionen m3 Erlaubtem“
    Erlaubt ist nicht gleich VORHANDEN! Die Erlauber sind sich einig: Lt. Datenlage (der 70iger Jahre?) wird zugeteilt oder aber bestraft. Somit ist der Papierform halber Genüge getan.
    Was wäre, wenn erkannt wird, dass die „Datenlage“ bewusst nicht gepflegt wird?

  4. 63.

    Schon wieder das Thema Abwassergebühren. Das sind Sie Sie noch eine Quelle schuldig, dass die Gebühren für die WSE wg. Tesla steigen. Herr Bähler hatte zum Straussee ausgeführt, dass auf Grund eines Gutachtens zu hohe Ableitung für das Sinken der Pegelständeverantwortlich sind und hatte hatte auch die Umschichtung der Förderrechte beantragt. Sie teilen sein Wissen offensichtlich nicht.

    Ich bin insofern aber bei Ihnen, dass die kleinteilige Wasserversorgung in Brandenburg nicht mehr zeitgemäß ist. Diese gehört aber zu den kommunalen Aufgaben.

  5. 62.

    Ja so ist es mit den Zahlen. Könnte, wollte, aufgrundet, abgerundet.
    Vielleicht einfach mal auf die Website des WSE gehen, die ist sehr informativ.
    Tatsächlich versorgt der WSE ca. 80e3 Haushalte oder 170e3 Menschen mit jährlich 10,22e6 m^3 Trinkwasser bei sinkenden Grundwasserspiegeln.
    Warum die Grundwasserspiegel langfristig ohne Gegenmaßnahmen sinken werden dürfte ja klar sein. Welche Gegenmaßnahmen sind seit Jahren bekannt: kurzfristig brandenburgisches Verbundnetz, nach Klärung des Abwassers um Hormone, Medikamentrückstände und Mikroplastik direkte Einleitung ins Grundwasser, Elbe-Wassereinspeisung nach Abschaltung der Tagebaupumpen 2038.
    Tut sich was ?! Also ist sparen das Gebot der Stunde. Wenn Tesla also über Prozesswasser Recycling die Abnahmemenge deutlich reduzieren kann, dann sollte sich sowas auch in der vertraglichen max. Belieferungsmenge mit dem WSE niederspiegeln. Gleiches gilt für Grenzwerte im Abwasser, entweder reduzieren oder zahlen.

  6. 61.

    Trauen Sie dem WSE etwa nicht? Sonst ist der schnell dabei, wenn es etwas an Tesla zu kritisieren gibt.

  7. 60.

    Vor Tesla waren für den WSE elf Millionen Kubikmeter pro Jahr von erlaubten 16 Millionen verfügbar, jetzt sind es vier mehr.

  8. 59.

    Für mich als Anwohner stellt sich natürlich die Frage,
    wie ist die tatsächliche und ungeschönte Qualität des Trinkwassers im Bereich Erkner zum Vergleich zu 2019?

    Manchmal vernimmt man so einige Dinge von Bürger aus Erkner, darüber möchte ich gern uneingeschränkte Klarheit.
    Punkt!

  9. 58.

    Ich muss überhaupt nichts anbieten. Tesla will in unserer Region weiter wachsen und will was von uns! Außerdem braucht der Weltenretter dringend eine „grüne“ Publicity.
    Also für mich klingt das klar nach einer anzustrebenden ehrlichen Kooperation. Das fängt damit an, dass man zukünftig nicht benötige Wasserkontingente frei gibt und hört damit auf sich Gedanken darüber zu machen, wie man seine Phosphatwerte senkt.
    Ganz einfach „ Quid pro quo“.

  10. 57.

    Außer aus meiner Sicht eher ungerechtfertigter Wut haben Sie wenig anzubieten.

    Budget- und strategische Unternehmensplanung scheinen Fremdworte für Sie zu sein.

    Auch der WSE scheint da nicht seine Kernkompetenzen zu haben, auch nicht der von Ihnen so angehimmelte Vorsitzende.

    Und wie wunderbar Sie sich selbst widersprechen, indem Sie in einem Ihrer Posts zu Recht Vertragstreue als Grundlage wirtschaftlichen Handelns einfordern und im nächsten Tesla dafur kritisieren, dass die es einfordern ..

  11. 56.

    Du liegst richtig Thomas. Hier spricht Dein Tesla-Bot. Du und ich führen seit geraumer zeit ein interessantes Zwiegespräch, wobei ich meinen jeweiligen Nickname immer etwas phantasiereicher veränderte. Weiterhin viel Freude mit uns, Dein Tesla-Bot.

  12. 55.

    Die Anwohner kann man nicht diffamieren. Es sind Betroffene der Wasserrationierungen und dessen Verschärfungen ab 2025! Ein Standortproblem bleibt ein Standortproblem. Die Folgen der Fehlentscheidungen sind nicht heilbar. Wären sie es, würde es keinen Streit geben. In Brandenburg gibt es nicht nur diesen einen Fall für Fehlentscheidungen. Die Gründe sind bekannt.

  13. 54.

    Danke! Ich dachte schon, ich rede hier ausschließlich mit faktenresistenten Tesla-Bots.

  14. 53.

    Der WSE hat schon seit langem die Verlagerung von Wasserrechten von spreenahen Brunnen an spreefernere Brunnen beantragt. Erst als für Tesla kein Wasser da war, hat das Umweltministerium adhoc mehr Wasser genehmigt. Leider aber in Brunnen, bei denen die Entnahme begrenzt ist durch frühere Umweltschäden (die Phenolblase in Erkner zum Beispiel). Deswegen stehen eben nicht 4 Mio Kubikmeter zusätzlich zur Verfügung. Mit der Unterschrift unter den Vertrag mit Tesla wurden die letzten Wasserreserven vergeben. Deswegen kann der Verband neuen Projekten kein weiteres Wasser zusagen. Die vorhandenen Genehmigungen sind schlicht ausgereizt. Einfach mal lesen: https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/panorama/2022/04/brandenburg-oder-spree-erkner-umweltschaden-wasser-foerderung.html

  15. 52.

    Wenn Tesla nur 600e3 m^3 Wasser / Jahr benötigt, wer hält denn Tesla, wenn nicht Tesla selbst, eigentlich davon ab, die vertragliche Menge anzupassen??
    Wahrscheinlich ist auch daran noch der WSE Schuld? Der Erleuchtete spielt natürlich ausschließlich ein ehrliches Spiel und hält sich strikt an alle Verordnungen?!?

  16. 51.

    Der Vorschlag zur Rückgabe von Wasserrechten stammt übrigens vom Wasserverband WSE und ist schon im letzten Jahr Tesla unterbreitet worden. Tesla hat bisher nicht bedingungslos die Rückgabe von Wasserrechten angeboten, sondern nur zeitlich befristet, was dem Wasserverband nicht weiterhilft. Das wird von LOL schlicht falsch dargestellt.

  17. 50.

    Schade, dass Sie jetzt so reagieren ...

    Nur noch eine letzte Anmerkung:
    Tesla hält sich bzw. beansprucht die vertraglich zugesicherte Wassermenge.
    Da ist doch die Frage, wer "Mist" bei diesem Vertrag gebaut hat.
    M.E. nach, nicht Tesla.

    Noch einen schönen Abend

  18. 49.

    Der WSE hatte selber beantragt, bestehende, jedoch wegen Vorbelastungen nicht nutzbare Wasserrechte anderen Brunnen zuzuweisen, was auch genehmigt wurde. Somit stehen dem Verband 4 Millionen Kubikmeter pro Jahr zur Verfügung. Können Sie selber ausrechnen, wieviel davon nach Abzug von Tesla für Schulen etc. übrig bleibt?

  19. 48.

    Wieso hat der WSE Tesla die Wassermenge zugesichert, wenn die nicht zur Verfügung steht? Jetzt sagen Sie bloss noch, daran ist Elon Musk schuld, weil er vor der Presse angezweifelt hat, dass Brandenburg eine Wüste ist...

  20. 47.

    Ist das wirklich so schwer zu verstehen? Es geht um das sehr begrenzte Wasserreservoir des WSE.
    Wenn Tesla auf seine vertraglich zugesicherte Wassermenge von 1,8e6 m^3 / Jahr besteht muß der WSE davon ausgehen, dass die im Zweifel auch abgerufen werden und diese Menge zu Lasten anderer Wünsche vorhalten; comprende?!

    Oder machen die Geschäfte auf Zuruf, Glauben und Hoffnung?

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