Das imposante Polizeipräsidium, "die rote Burg" am Alexanderplatz (Quelle: X Filme | ARD Degeto | sky | Beta)
Bild: X Filme | ARD Degeto | sky | Beta

Filmort: Die "Rote Burg" - Das Gebäude ist so groß wie der Apparat

Die Rote Burg am Alex ist riesig und respekteinflößend für jeden Menschen im Berlin der 1920er. Die Berliner Polizei residiert hier, genau wie wichtige Ämter der Stadt. Später wüten hier Nazi-Schergen, heute shoppen Touristen auf dem Gelände.

Jeder Berliner kennt in den Zwanzigerjahren das wuchtige Polizeipräsidium am Alexanderplatz. Für den Bau des respekteinflößenden roten Backsteingebäudes müssen das ehemalige Arbeitshaus und die so genannte Irrenanstalt weichen. An ihrer Stelle errichtet die Stadt Berlin zwischen 1886 und 1889 ein zentrales Polizeidienstgebäude von erstaunlichen Ausmaßen: Fast 200 Meter misst die Front an der Alexanderstraße. Die "Rote Burg" ist bei ihrer Einweihung nach dem Schloss das zweitgrößte Gebäude der Stadt. Es gibt neun Höfe und eine Reitbahn für die berittene Polizei. Ein Hof hat ein Glasdach, damit bei Regen die Akten nicht nass werden und die Schutzmannschaft antreten kann.

Die rote Klinkerfassade und die wuchtigen Ecktürme dominieren den Alexanderplatz so stark, dass er fast zum Synonym wird für – je nach Standpunkt – Ruhe und Ordnung oder Überwachung und Polizeigewalt.

Die Polizei ist berühmt - und berüchtigt

Nicht nur das Gebäude ist groß, groß ist vor allem der Berliner Polizeiapparat. Der Polizeipräsident wohnt in einer geräumigen Dienstwohnung mit Blick auf den Alexanderplatz. Im Präsidium ist das Hauptquartier der uniformierten Schutzpolizei, die auf der Straße im Streifendienst präsent ist und bei Demonstrationen eingesetzt wird. Außerdem residiert hier die Kriminalpolizei mit der berühmten Mordinspektion unter Leitung von Ernst Gennat, genannt der Buddha.

Zur Kriminalpolizei gehört auch die Sittenpolizei, die bei Moralverstößen im Sündenbabel Berlin einschreiten soll. Seit 1926 gibt es eine Weibliche Kriminalpolizei, bei der nur Frauen beschäftigt sind. Ihr Aufgabengebiet umfasst insbesondere Sittlichkeitsvergehen von Frauen und Minderjährigen. Die Rote Burg ist auch die Zentrale der Politischen Polizei, die gegen Staatsfeinde vorgeht und nach 1933 zur Gestapo umgewandelt wird. Das Polizeigefängnis ist berüchtigt, denn hier werden aus politischen Gründen inhaftierte Menschen festgehalten. Im Kaiserreich ist Platz für 328 Männer und 94 Frauen.

Historische Fotografie: Das beschädigte Gebäude des Polizeipräsidiums am Alexanderplatz ("Rote Burg") nach Berliner Straßenkämpfen im März 1919. (Bild: dpa)

In der "Roten Burg" gibt es auch Publikumsverkehr. Hier befindet sich das Einwohnermeldeamt, das Informationen über alle Einwohner Berlins sammelt, über deren Familienstand ebenso wie über eventuelle Eintragungen in das Strafregister. Im Polizeipräsidium befindet sich eine Passstelle für In- und Ausländer. Hier ist das zentrale Fundbüro untergebracht, in dem Fundsachen aus ganz Berlin zusammengetragen werden. Und hier befindet sich die Wohlfahrtsstelle, die hilfsbedürftige Jugendliche an Schutzorganisationen oder Heime vermittelt. Zum traurigen Alltag einer Großstadt gehört ein Schaukasten im Präsidium, der Fotos von nicht identifizierten Leichen zeigt.

Die "Rote Burg" wird im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Anstelle des roten Backsteinbaus befindet sich heute ein rosa Shoppingcenter – noch größer als das frühere Polizeipräsidium.

Historische Fotografie nach 1932: Blick über den Alexanderplatz auf die Bürohochhäuser und die Königstraße. Rechts Kaufhaus Tietz, links das Polizeipräsidium "Rote Burg". (Bild: dpa)

Babylon Berlin im Ersten

ARD BABYLON BERLIN: Free-TV-Premiere im Ersten am 30. September 2018 (Quelle: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky)
ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky

Sendetermine

Die Serie läuft erstmalig am 30.09. um 20.15 Uhr im Ersten, danach immer am Donnerstag um 20.15 Uhr. Zur Homepage der Sendung

Beitrag von Johanna Niedbalski

Weitere DRehorte

Standbild aus Babylon Berlin: Historische Holz-Ruderboote auf dem Berliner Wannsee. (Bild: X Filme | ARD Degeto | sky | Beta)
X Filme | ARD Degeto | sky | Beta

Drehort: Schloss Hubertushöhe - Der Akademische Ruderclub Wannsee

Kein Prinz, sondern der Unternehmer Büxenstein hat das Schloss Hubertushöhe am Storkower See gebaut. Im Film ist der Schlosspark ein schnieker Ruderclub am Wannsee. Charlotte Ritter und Greta Overbeck sind die "Besuchs-Proleten" mit uncoolen Badeanzügen.

Standbild aus Babylon Berlin: Alfred Nyssen (Lars Eidinger) spricht in der Kirche St. Martin auf einer Gedenkveranstaltung für gefallene Soldaten. (Bild: Frédéric Batier | X Filme | ARD Degeto | sky | Beta)
Frédéric Batier | X Filme | ARD Degeto | sky | Beta

Drehort: Kirche St. Martin - Die Gedenkfeier für gefallene Soldaten

Der Zufall führte das Babylon-Team in die St.-Martin-Kirche nach Kaulsdorf. Lars Eidinger sollte als Afred Nyssen unbedingt in einem modernen Kirchenbau der gefallenen Soldaten des 1. Weltkriegs gedenken. Klare Worte gegen den Waffenproduzenten kommen von Helga Rath.  

Standbild aus Babylon Berlin: Im Spot eines Scheinwerfers singt Sängerin Swetlana Sorokina (Severija Janusauskaite) auf einer Kleinkunstbühne ihr schwermütiges Lied. (Bild: Frédéric Batier | X Filme | ARD Degeto | sky | Beta)
Frédéric Batier | X Filme | ARD Degeto | sky | Beta

Drehort: Kleine Nachtrevue - Im Cabaret in Paris

Eine schwarze Bühne, ein muschelförmiger Leuchtkörper überspannt die Decke und Swetlana Sorokina singt ein allerletztes Mal - in Paris und nicht in Berlin. Gedreht wurde dennoch in einer Berliner Theaterbar, der Kleinen Nachtrevue.