Elena Bashkirova (Quelle: Monika Rittershaus)
Bild: Monika Rittershaus

Interview | Elena Bashkirova zum Festival "Intonations" - "Man muss wie in einem Konzert spielen, nur noch perfekter"

Wegen der Corona-Pandemie findet das Kammermusikfestival "Intonations" ab Dienstag online statt. Die Festival-Leiterin und Pianistin Elena Bashkirova spricht im Interview über die besonderen Herausforderungen von Konzerten ohne Live-Publikum.

Das Festival "Intonations - Das Jerusalem International Chamber Music Festival" findet in Berlin seit 2012 statt. Geplant war 2020, wie die acht Jahre zuvor, sechs Tage lang im Frühling namhafte Musikerinnen und Musiker neben jungen Talenten im traditionell ausgebuchten Glashof des Jüdischen Museums auftreten zu lassen. Doch auch diese Veranstaltung musste wegen der Regelung zur Eindämmung der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Für die Gründerin und künstlerische Leiterin des Festivals, die Pianistin Elena Bashkirova, war das ein harter Schlag. Weil aber inzwischen viele Events durchaus erfolgreich ins Internet verlagert werden konnten, beschlossen die Festival-Macher und das Museum, auch "Intonations" so umzugestalten, dass es online statt finden kann. An drei Abenden, vom 12. bis 14. Mai, finden nun Konzerte statt, die über den Youtube-Kanal des Jüdischen Museums gestreamt werden.

rbb: War es schwierig für Sie als künstlerische Leiterin, das Konzept und das Programm an die Online-Bedingungen anzupassen?

Elena Bashkirova: Das Tolle an Berlin ist, dass hier so viele Musikerinnen und Musiker leben wie in kaum einer anderen Stadt. Auch viele, die bei dem diesjährigen "Intonations"-Festival auftreten sollten. Es war also nicht schwierig, sie zusammen zu bringen. Das Thema des Festivals dieses Jahr ist der Walzer. Ich wollte am geplanten Programm soweit wie möglich festhalten. Und es ist mir gelungen, Elemente des ursprünglichen Programms zu behalten. Wir spielen also auch Stücke, die sowieso eingeplant waren. Und das mit den Künstlerinnen und Künstlerin, die sowieso hätten auftreten sollen.

Ich, zum Beispiel, spiele bei dem ersten Konzert unter anderem den "Rosen aus dem Süden"-Walzer von Johann Strauß (Sohn) in Bearbeitung von Arnold Schönberg. Und dann spiele ich das Klavierkonzert Nr. 13 von Mozart. Mozart hat günstigerweise drei seiner Klavierkonzerte so bearbeitet, dass man sie mit einem Streichquintett spielen kann.

Ein anderes Klavierkonzert und den Schatz-Walzer von Johann Strauß (Sohn) wird Denis Kozhukhin spielen. Dann gibt es weitere Werke von Mozart und Schönberg, aber auch Mahler und Brahms, die von vielen spannenden Künstlerinnen und Künstlern präsentiert werden.

Wie wichtig war es für Sie, dass die Konzerte am gewohnten Ort stattfinden?

Ich bin wahnsinnig froh und glücklich darüber, dass wir das im Museum, in unserem Saal machen können. So wird zumindest ein Teil der schönen Atmosphäre trotz der allgemeinen Umstände erhalten bleiben. Das ist sehr wichtig. Ich finde, die Konzerte von einem anderen Ort aus zu streamen, wäre nicht das Gleiche. Denn der Raum ist wichtig für die Musik. Es ist eine emotionale Sache. Akustisch ist es natürlich ganz anders, so ohne Publikum zu spielen. Vielleicht wird es ohne das Publikum sogar besser klingen. Allerdings wir als Konzert-Musiker brauchen eigentlich Publikum.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Online-Konzerten machen können?

Persönlich noch nicht. Das Festival "Intonations" wird in dieser Hinsicht eine Premiere für mich sein. Aber ich war dabei, als mein Mann, Daniel Barenboim, vor ein paar Wochen einige Konzerte aus dem Pierre Boulez Saal gestreamt hat. Ich musste als Notenumblätterin bei ihm sitzen, weil wegen der Quarantäne-Bestimmnungen kein anderer das machen konnte.

Es ist schon was ganz anderes als ein Konzert, es fühlte sich eher wie eine Aufnahme an. Aber eine Aufnahme unter Live-Bedingungen. Man muss wie in einem Konzert spielen, aber eigentlich sogar noch perfekter. Die Konzentration, die man dabei braucht, ist vielleicht sogar größer als bei einem Konzert vor Publikum. Was mich betrifft, ich werde versuchen, es so gut zu machen, wie ich kann. Ich denke, es ist sehr wichtig, einen guten Klang zu erzeugen.

Ein Online-Festival aus drei Konzerten, die gestreamt werden, ist natürlich kein Ersatz für ein komplexes Kultur-Event. Warum war das für Sie so wichtig, das Festival nicht ausfallen zu lassen?

Wir verstehen diese kleine Online-Ausgabe des Festivals "Intonations" als einen Gruß an unser Publikum. Damit wir uns nicht ein ganzes Jahr nicht sehen und es sozusagen kein Loch entsteht. Und wir sind alle wahnsinnig glücklich, unser Publikum auf diese Weise wieder erreichen zu können, eben einen Gruß zu schicken.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Elena Bashkirova führte Vera Block, rbbKultur.

Mehr Infos

Sendung: rbbKultur, 12.02.2020, 16:10 Uhr

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