Unerlaubte Flughafen-Fahrten - Lizenzierte Taxifahrer kämpfen am Flughafen BER gegen illegale Konkurrenz

Sa 21.01.23 | 11:26 Uhr | Von Juliane Gunser
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Symbolbild: Taxis stehen am Terminal 1 des BER-Flughafens (Quelle: dpa/Schöning)
dpa/Schöning
Audio: rbb24 Inforadio | 21.01.2023 | J. Gunser | Bild: dpa/Schöning

Um Fahrgäste am BER aufzunehmen, brauchen Taxifahrer eine Lizenz. Doch viele umgehen diese Genehmigung. Das wird für die legalen Taxifahrer ein immer größer werdendes Problem. Von Juliane Gunser

Sie sind kaum von den wartenden Menschen zu unterscheiden, die am Flughafen Berlin-Brandenburg auf Freunde und Familie warten. Meistens allein, manchmal auch zu zweit, gehen sie in der Ankunftshalle von Terminal 1 auf und ab. Sobald frisch gelandete Fluggäste durch die Schiebetüren kommen, werden sie aufmerksam.

Während sich die Reisenden in Richtung Ausgang schieben, nähern sie sich von der Seite und fragen leise: "Taxi? Taxi? Berlin?". Einige von ihnen halten ein Handy in der Hand, auf dem man Anbieter wie Uber, Freenow oder Bolt sieht. Zeigen sich die Reisenden einverstanden, lotsen die Männer sie nach draußen auf den Kurzzeitparkplatz. Dort stehen ihre Taxen – denn sie haben keine offizielle Genehmigung, am BER Fahrgäste aufzunehmen.

Auf Nachfrage des rbb gibt einer der Fahrer auch zu, illegal zu arbeiten, findet das aber unproblematisch: "Ist doch ein freier Markt, warum soll ich nicht herkommen und versuchen Geld zu verdienen?", sagt er.

Draußen vor der Tür eröffnet sich ein anderes Bild: In der eigentlichen Taxischlange vor dem BER reiht sich ein Taxi an das nächste. Die Fahrer warten geordnet. Die Fahrgäste, die dort ankommen, steigen in das vorderste Taxi ein und alle anderen rücken nach.

Doch immer mehr Fahrgäste kommen eben gar nicht mehr an der Taxischlange an, sondern werden schon in der Ankunftshalle abgefangen und in die Taxen gelotst, die in der Kurzparkzone gegenüber der Taxischlange warten – ein Ärgernis für die lizenzierten Taxifahrer.

Die Frustration wächst

Denn um in der Taxischlange zu stehen, benötigen die Taxifahrer eine Genehmigung. Sie bezahlen für jede Durchfahrt am Flughafen eine Gebühr an den Flughafenbetreiber. Die Fahrer ohne Lizenz umgehen das, indem sie im Kurzparkbereich stehen. Ein ausgeklüngeltes System, das die Lizenzfahrer frustriert: "Wir warten nicht nur oben in der Schlange eine halbe Stunde. Vorher warten wir auch noch hier unten auf dem Parkplatz, oft bis zu fünf Stunden, bis unsere Nummer aufgerufen wird und wir hochfahren können zur Taxischlange", erzählt ein Taxifahrer, "das ist frustrierend und nicht Sinn der Sache. Und wir verdienen dadurch weniger Geld."

Er und seine Kollegen sind sich einig, dass es so nicht weitergehen kann. "Da muss was passieren! Das Land, die Politik, der Flughafen – irgendwer muss sich für uns einsetzen", sagt ein anderer Taxifahrer.

Wartende Taxifahrer in der offiziellen Taxischlange vor dem Flughafen BER (Quelle: rbb)

Der Betrug hat System

Einer von ihnen wird in Bezug auf ihre Situation noch konkreter: "Das ist ein richtiges System. Viele von denen, die hier als 'Klauer' arbeiten, erkenne ich wieder. Die habe ich auch damals in Tegel schon gesehen."

Michael Firyn von der Taxi-Innung Königs Wusterhausen spricht gar von einer "Taximafia": "Keiner will sich mit diesen illegalen Fahrern anlegen. Teilweise kommt es auch zu Schlägereien zwischen den illegalen und den lizenzierten Fahrern. Da muss einfach viel härter durchgegriffen werden und auch mal eine höhere Strafe verhängt werden."

Lizenzen gibt es nicht ohne Grund

Die Lizenz ist die Voraussetzung, um am BER Fahrgäste einladen zu dürfen. Für den Flughafen Berlin-Brandenburg gibt es insgesamt 1.000 solcher Lizenzen, wobei jeweils die Hälfte in Berlin und die andere Hälfte im Landkreis Dahme-Spreewald liegen. Daran sind Bedingungen und Voraussetzungen geknüpft, die die Taxifahrer erfüllen müssen. So müssen sie beispielsweise über Ortskenntnisse verfügen, mit Taxometer fahren, die Reihenfolge einhalten und pro Durchfahrt am Flughafen eine Gebühr von 2,23 Euro bezahlen.

"Uns ärgert die Situation am BER massiv", erklärt Landrat Stephan Loge vom Landkreis Dahme-Spreewald. "Die Taxen mit Lizenz arbeiten nach den Regeln des ÖPNV. Die Schwarztaxen verursachen eine Marktverzerrung und arbeiten auch nicht im Sinne des Gesetzes, das ist illegal. Dem muss Einhalt geboten werden."

Um die Taxen ohne Lizenz zu verdrängen, braucht es Sicherheitspersonal, etwa die Kräfte des zuständigen Straßenverkehrsamtes aus dem Landkreis. Doch um durchgehend während der Öffnungszeiten des Flughafens vor Ort aktiv zu sein, fehle es an Kapazitäten. "Da braucht es zusätzlich andere Institutionen, die beispielsweise verdeckt ermitteln und auch der Flughafenbetreiber muss tätig werden", so der Landrat. Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes hätten bereits Untersagungen verfügt und Ordnungsgelder verhängt, können aber nur punktuell eingreifen, so Loge weiter. "Man läuft denen hinterher, die mit entsprechender Energie dem Gesetz widersprechen."

Der Flughafen sieht kein Problem

Der Landrat, die Lizenz-Taxifahrer und auch der Vorsitzende der Taxi-Innung sehen letztlich den Flughafenbetreiber in der Pflicht. Doch Jan-Peter Haak, Pressesprecher des Flughafens, erklärt dem rbb, er sehe keine Probleme, im Gegenteil: "Von den Taxifahrern hören wir, dass das hier im Moment ein sehr gutes System ist, das funktioniert gut. Wir haben hier eine extra Taxi-Spur, wir haben hier den Dienstleister, wir haben die App, in der wir informieren, wir haben hier die Fluggäste, die wir informieren und wir versuchen damit allen gut zusammenzuarbeiten, damit unsere Fluggäste das bestmögliche Angebot haben."

Das sieht Michael Firyn von der Taxi-Innung ganz anders: "Das Problem gibt es ja nun schon länger und da will auch keiner so richtig ran, weil es auch unangenehm ist. Die illegalen Fahrer werden zum Teil aggressiv." Auch die Taxenaufsicht wolle sich nicht einmischen, "weil die sich auch nicht mit den Leuten anlegen wollen. Irgendwie muss sich da grundlegend etwas ändern und härter durchgegriffen werden. Es ist einfach nicht richtig den Leuten gegenüber, die hier stehen und eine Lizenz haben."

"Schlägereien passieren immer wieder"

Um die Situation zu verbessern, bittet der Landrat nun um die Mithilfe der lizenzierten Taxifahrer: "Auf keinen Fall aggressiv werden! Besser immer wieder die illegalen Taxifahrer anzeigen und im besten Falle so mutig sein und Namen und Adressen nennen." Er geht davon aus, dass sich die Taxifahrer mit und ohne Lizenz untereinander kennen und will die betroffenen Taxifahrer ermutigen, selbst Teil der Lösung zu sein.

Michael Firyn und seine Kollegen haben allerdings inzwischen auch Angst vor Übergriffen. Mustafa Yanikoglu vom Taxiverband des Landkreises Dahme-Spreewald hat einige Videos auf seinem Handy, die körperliche Auseinandersetzungen dokumentieren. Er hat auch Aufnahmen, auf denen zwei oder auch mehrere Taxen so dicht hintereinanderfahren, dass sie gemeinsam die Ausfahrtschranke der Kurzparkzone verlassen – und damit teilweise die Parkgebühren umgehen. Yanikoglu versucht immer wieder auf das Problem aufmerksam zu machen, schreibt E-Mails an den Landkreis und versucht ein Handeln anzustoßen – bisher ohne Erfolg. Der Landrat fordert nachdrücklich, dass sich der Flughafenbetreiber stärker einmischt. Der wiederum sieht keinen Handlungsbedarf. Dass sich der Flughafen dem Problem mit den illegalen Fahrern dennoch annimmt und die illegale Konkurrenz eindämmt, hoffen die Lizenzfahrer sehr - besonders optimistisch sind sie aber nicht.

Sendung: rbb24 Inforadio, 21.01.2023, 7:00 Uhr

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Beitrag von Juliane Gunser

81 Kommentare

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  1. 81.

    Es sollte eher heißen "Die verbotene Konkurrenz kämpft um Desozialisierung des derzeitigen "Marktes"".

  2. 80.

    Herr Lorenzo - Sie erkennen nicht einmal ein Argument. Sonst hörte man ja eines von Ihnen.
    Das Ihnen INHALTLICH SACHLICH nicht passt, was ich zum Thema zu sagen habe ist doch klar. Geschenkt.
    Da Sie dem aber gar nichts entgegenzusetzen haben, müssen Sie im Stuhlkreis Ihrem Gegenüber "Gewäsch" vorwerfen.
    Unterhalten Sie sich da lieber mit den Wirtschaftspolitikern der CDU, FDP, AfD, nicht wenigen Grünen und der SPD.
    Die werden gar nicht gerne hören, nennen Sie deren ausgeklügelt wirtschaftsliberalen Deregulierungspraxis "Gewäsch"
    Was sie ja nicht einmal ist. Denn sie ist ja Praxis mit Folgen.
    An dessen Ende es keinen Hustensaft, oder Intensivbehandlungsplatz für Kinder im Krankenhaus mehr gibt. Oder eben völlig destruktive Konkurrenz und Sozialdumping im ÖPNV - zu dem das Taxigewerbe gehört.
    Hab ich doch nicht erfunden. Gehen Sie zu den dafür Verantwortlichen. Statt mir in Wade beissen zu wollen.

  3. 79.

    Nein, UBER ist heute per se nicht illegal. Die UBER-Files zeigen aber, dass UBER es mit der Legalität nicht wirklich genau nimmt und ziemlich illegal auch begonnen haben.
    Oder anders: Würde UBER alle Beförderungsgsetze und Steuerpflichten und auch Arbeitsgesetze beachten, wären sie deutlich teurer als Taxis. Es ist betriebliches Kalkül die bestehenden Gesetze zu umgehen, sonst wären sie nicht wirtschaftlich. Begünstigt durch schwache Behörden, nachgerade in Berlin.

  4. 78.

    Schwarz-Taxis haben allerdings in gewissen Regionen der heutigen Bundesrepublik eine lange Tradition - ganz ohne marktliberales Denken:
    https://www.mdr.de/geschichte/ddr/wirtschaft/verkehr/taxi-taxifahrt-illegale-taxifahrer-100.html

  5. 77.

    Antwort auf Lutz
    Stimmt das haben mir Taxifahrer auch erzählt das Sie früher Ihre Konzessionen verkaufen konnten da Sie reglementiert waren.
    Ich fahre viel und gerne und bleibe Euch treu nur ECO Taxi keine Diesel.

  6. 76.

    „ Letztlich sind ein überwiegende Teil der Taxi-Fahrer auch Westasiaten“

    Woran sieht man das? Oder sind Sie auch so einer, der jeden, der nicht weiß ist, fragt, woher er kommt? Nennt sich Alltagsdiskriminierung.

  7. 75.

    Am BER Terminal Abholer sind nur gebührenpflichtige Kurzzeitparkplätze. Die Ein und Ausfahrten werden Kennzeichenüberwacht. Also: die nicht legalen Abwerber müssen bei Wartezeiten über 5 min kräftig Parkgebühren blechen. Und der ganze Kram wird Kamera überwacht. Es wäre für die Betreiber ein Leichtes die sog Klauer zu identifizieren.

  8. 74.

    Ich glaube mich zu erinnern, dass die Kurzparkzone nur dreimal am Tag angefahren werden darf. Die Kontrolle erfolgt doch automatisch über die Kennzeichenerfassung.

  9. 73.

    Die Kommentare hier dürfen sie nicht überbewerten. In Berlin leben viele einsame Menschen und das Internet stellt für sie den einzigen sozialen Kontakt dar.

  10. 72.

    und Umwege fahren .....wenn dann noch eine Beschwerde bei der zuständigen Senatsstelle eingereicht wird gibt es eine lapidare Rechtfertigung für den Papierkorb

  11. 71.

    Also erstmal ist eine Taxe kein Auto zum Brötchenholen - es ist ein Arbeitsplatz. Einen Gebrauchtwagen "unter 10k" auch noch zur Taxe umrüsten können sie einfach nur knicken - es ist schon genug Schrott auf den Strassen unterwegs. Selbst mit dem angesprochenen Neuwagen für "10k" können sie nur Ihre Oma befördern, aber keine Fahrgäste. Zum Grundpreis kommen dann noch ein "paar" Euro dazu, Taxameter nebst Einbau, Foilierung etc. Können ja mal bei Intax vorbeischauen und sich mit den Preisen vertraut machen.

    Ganz allgemein: Die Konzessionsfreigabe war damals ein grober Schnitzer, vor dem viele gewarnt haben. Dann wurden noch die Rahmenbedingungen gelockert - fast jeder Honk, der ein Navi bedienen kann, darf 'ne Taxe fahren. Den Salat sieht man heute und aus dem Beruf, der mal viel Spass gemacht hat, ist für sehr viele einfach nur noch eine Notwendigkeit geworden.

  12. 70.

    Das ist leider völlig unrealistisch. Woher weiß man, ob der Taxifahrer nicht zuhause im Bettchen liegt, zwischendurch mal 2 Stunden arbeitet und auf Nachfrage sagt: Tja, war heute nicht viel los ?

  13. 69.

    Solange etwas reglementiert wird, gibt es für diese Dinge immer einen Schwarzmarkt. Das kann man nur mit Änderung oder Abschaffung der Verbote regeln……oder man muss damit leben!

  14. 68.

    Und ich bin dann gezwungen in ein Sammeltaxi zu steigen? Wo leben sie eigentlich? Was sie fordern gibt es am BER schon, nennt sich Bus & Bahn.
    Ich nehme ein Taxi weil ich in der Regel ungestört telefonieren muss. Also Radio für den Fahrer und mich schnell ans Ziel bringen.

  15. 67.

    Könnte das nicht durch Zulassungsnummern geregelt werden? Richtige Taxis haben ein gelbes Schild, Mietwagen, also UBER und Konsorten, ein blaues Schild mit der Konzessionsnummer. Wer auf den BER darf bekommt ein rotes "Bapperl" dazu. Der Rest wird halt wie ein normaler Pkw-Fahrer "abgefrühstückt".

  16. 66.

    Nun, mit den Taxis u.a. anderen Autos, wird es ja dann sowieso vorbei sein, sollte, und das sollte der Götze verhindern, die Bevormundungs-, Verbots- und Vorschriftenpartei den Bürgermeister stellen.
    Insofern ist die Dikussion über illegal oder legal bis zum 13.02. vertagt.

  17. 65.

    Ja! Ich meine aber, dass ein Taxifahrer dann kein Unternehmer sein sollte, sondern sein Geld vom Staat nach Tarif erhält. Das bedeutet, dass der Taxifahrer ein festes Gehalt bekommt. Unabhängig von der Anzahl der Beförderungen. Der Taxifahrer arbeitet ja auch dann, wenn er auf einen Kunden wartet.

  18. 64.

    Wenn dem Taxifahrer die Warterei auf dem Geist geht könnte er ja auch umschulen zum Altenpfleger oder Heizungsbauer. Aber da müsste er sich ja bewegen.

  19. 63.

    Die armen offiziellen Taxifahrer sollen mal bei sich selber anfangen. Schmutzige Autos, Gestank nach Zigaretten und anderem, Radio stört, Missachtung von Verkehrsregeln usw. Die Konkurrenz von anderen Anbietern ist wichtig und richtig

  20. 62.

    https://tms-info.apcoa.de/external/display/98AD0D50-A726-11E2-9E96-0800200C9A66/zones/139A83F0-B534-4832-ADC0-9C1717820849

    Heute ist Samstag viele Berliner Taxifahrer und Brandenburger Taxifahrer haben frei und trotzdem ist aktuell die Wartezeit fast drei Stunden nur um aufzurufen um zur T1 zu fahren damit man die Illegalen Taxen begegnet und weitere 1,5 Stunden dort zu warten .

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