Angriffe auf Menschen - Hunde beißen in Berlin deutlich häufiger als in Brandenburg

Do 27.07.23 | 17:14 Uhr | Von Roberto Jurkschat
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Ein Hund zeigt seine Zähne (Quelle: dpa)
Bild: dpa

Bei Hunde-Attacken wurden in Brandenburg zuletzt mehrere Menschen schwer verletzt. Eine Zunahme solcher Vorfälle lässt sich statistisch nicht belegen. Dafür zeigen die Zahlen einen auffälligen Unterschied zwischen Berlin und Brandenburg. Von Roberto Jurkschat

  • In Brandenburg werden pro Jahr etwa 300 Hundeangriffe auf Menschen gemeldet, in Berlin waren es zuletzt mehr als 550
  • Im Bundesdurchschnitt kostet ein Schaden durch einen Hundebiss rund 1.000 Euro, in schweren Fällen 50.000 Euro und mehr
  • In Berlin müssen Hundehalter eine Hundehaftpflichtversicherung abschließen - in Brandenburg gilt das nur für Halter "gefährlicher Hundearten"

Gleich zwei gefährliche Hundebisse wurden am Anfang der Woche der Brandenburger Polizei gemeldet. In Burg (Spreewald) attackierten demnach drei Labrador-Terrier-Mischlinge eine 61-jährige Radfahrerin. Ein Rettungshubschrauber musste die Frau mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus bringen.

In Perleberg (Prignitz) wurde ein 53-jähriger Passant von einem Schäferhund in den Oberschenkel gebissen. Als der Mann um eine Hausecke bog, soll sich das Tier nach Angaben des Hundehalters erschrocken und zugebissen haben. Auch er kam in ein Krankenhaus.

Nur zwei Wochen zuvor, Anfang Juli, meldete die Polizei, dass ein Hund zweijähriges Mädchen in Falkenhagen (Märkisch-Oderland) in den Kopf gebissen und schwer verletzt hatte. Ein besonders schwerer Fall ereignete sich außerdem im April: Ein 81-jähriger Mann starb in einem Krankenhaus bei Seelow (Märkisch-Oderland), nachdem er laut Staatsanwaltschaft von vier englischen Bulldoggen attackiert wurde.

300 gebissene Menschen pro Jahr

Verletzungen durch Hundebisse sind nach Angaben des Brandenburger Innenministeriums keine Seltenheit: Der Behörde zufolge ereignen sich jährlich rund 300 Hunde-Attacken in Brandenburg - also beinahe eine pro Tag. Die Zahl ist seit 15 Jahren relativ stabil.

Im vergangenen Jahr gingen die meisten Angriffe zurück auf Mischlinge (72), Schäferhunde (64), Golden Retriever (43), Boxer (24) und Rottweiler (18) - allerdings ist unklar, wie groß der zahlenmäßige Anteil dieser Hunderassen an den 126.000 in Brandenburg registrierten Vierbeinern ist.

Aus einer früheren Auswertung des Ministeriums geht hervor, dass nur ein kleiner Teil der Angriffe die fünf Hunderassen betrifft, die in Brandenburg als "unwiderleglich gefährlich" gelten. In diese Kategorie fallen American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Staffordshire Terrier und Tosa Inu.

Die Haltung dieser Arten ist an verschiedene Auflagen gebunden, unter anderem müssen die Hunde in der Öffentlichkeit einen Maulkorb tragen. 2020 waren in Brandenburg laut Innenministerium lediglich 24 solcher Hunde registriert. Insgesamt waren in diesem Jahr 273 Menschen durch Hundebisse verletzt worden.

Hunde in Berlin beißen häufiger zu

In Berlin waren nach Angaben der Finanzverwaltung im Mai 2022 insgesamt 126.300 Hunde registriert - das sind fast genau so viele wie in Brandenburg. Allerdings ist die Zahl der gemeldeten Hundebisse in der Hauptstadt fast doppelt so hoch. Auf Anfrage von rbb|24 erklärte die Justizverwaltung, dass durch Hundeangriffe im vergangenen Jahr 489 Menschen leicht und 87 schwer verletzt wurden. 35 dieser Verletzungen gingen dabei auf Bisse von Hunden zurück, deren Arten in Berlin als "gefährlich" gelten.

Wenn Geschädigte wegen einer Bissverletzung Anzeige bei der Polizei oder beim Ordnungsamt erstatten, kann das für Hundehalter teuer werden: Neben den Kosten für die medizinische Behandlung sieht das Gesetz zum Teil hohe Schmerzensgelder vor. Ein Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft sagte rbb|24, im Bundesdurchschnitt koste ein Schaden durch einen Hundebiss rund 1.000 Euro. Allerdings gebe es pro Jahr etwa 100 Unfälle, die 50.000 Euro und mehr kosten.

In Berlin sind Hundehalter verpflichtet, eine Hundehaftpflichtversicherung abzuschließen, die Kosten von bis 1.000.000 Euro übernimmt - und einen maximalen Eigenanteil von 500 Euro vorsieht. In Brandenburg gilt eine solche Pflicht nur für die Halter sogenannter "gefährlicher Hunde".

Hundetrainer: Räumliche Enge kann zu Problemen führen

Dass Hunde in Berlin deutlich häufiger zubeißen, hat nach Auffassung des Hundetrainers und Verhaltenspsychologen Bernd Schetzek vor allem etwas mit den räumlichen Gegebenheiten zu tun. "In urbanen Gebieten kommt es deutlich häufiger zu Begegnungen zwischen Menschen und Hunden, dadurch ergeben sich auch mehr Situationen, in denen es überhaupt zu Hundebissen kommen kann", sagt Schetzek, der in seiner Hundeschule in Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) auch sogenannte "Problemhunde" trainiert, die schon einmal zugebissen haben.

"Es hängt auch immer von der Haltung des Hundes und der Sozialisierung ab", sagt Schetzek. "Wenn ein Hund wenig Umweltreizen ausgesetzt war, entsteht gerade in urbanen Umgebungen Unsicherheit und Angst - und damit auch unter anderem Aggression."

Auch die Erfahrungen eines Hundes seien ausschlaggebend dafür, wie sich das Tier in ungewohnten Situationen verhalte. "Wenn ein Hund geschlagen oder bedroht wurde, wenn er von Menschen schon einmal in die Enge getrieben wurde, kann das Beißreaktionen auslösen."

Zu Konflikten mit anderen Hunden könne es zudem kommen, wenn Hunde Nahrung, einen Liegeplatz oder ein Territorium verteidigen wollten. Hundehalter, gerade an beengten Orten, an denen es wenige Ausweichmöglichkeiten gibt, sollten Hunde deshalb eng an der Leine führen, sagt Schetzek.

Leinenpflicht und Maulkorbzwang

In Berlin und in Brandenburg ist die Leinenpflicht gesetzlich geregelt. In Berlin etwa gilt eine umfassende Leinenpflicht, die nicht viele Ausnahmen kennt. In Bussen und Bahnen müssen Hunde entweder in einer Transportbox mitgenommen werden oder einen Maulkorb tragen. In öffentlichen Verkehrsmitteln und auf Bahnhöfen müssen die Tiere zudem immer angeleint sein.

Auf Spielplätzen, in Badeanstalten und an gekennzeichneten öffentlichen Badestellen und Liegewiesen sind Hunde generell verboten, das gilt in Berlin und in Brandenburg gleichermaßen. Hierher dürfen Hunde auch angeleint nicht mitgenommen werden. Die Wälder Berlins unterliegen, ähnlich wie andere Grünflächen, der Auflage, dass die Hundeleine höchstens zwei Meter lang sein darf. Die Pflicht, einen Maulkorb zu tragen, gilt in Berlin für die sogenannten gefährlichen Hunde ab einem Alter von sieben Monaten.

In Brandenburg sind Leinenpflicht und Maulkorbzwang unter Paragraf 3 der Hundeverordnung geregelt. Hunde müssen demnach an einer maximal zwei Meter langen Leine geführt werden, wenn sie sich beispielsweise auf öffentlichen Veranstaltungen, auf Sport- und Campingplätzen, in Garten und Grünanlagen, Einkaufszentren, Fußgängerzonen oder in Verwaltungsgebäuden befinden. Gefährliche Hunde sind außerhalb der Wohnung beziehungsweise des befriedeten Besitztums überall an einer maximal zwei Meter langen Leine zu führen und müssen zusätzlich einen Beißkorb tragen.

Ein Restrisiko bleibt

Hundetrainer Schetzek ist allerdings der Ansicht, dass die Hundehalter bei der Prävention von Bissen eine entscheidende Rolle spielen. "Wenn wir einen Hund bekommen, der gebissen hat, dann schauen wir uns immer als erstes an, wo und wie der Hund lebt. Oft ist die Umgebung zu eng oder die Erziehung des Hundes stimmt nicht." In Hundeschulen lasse sich ein weniger aggressives Verhalten antrainieren, sagt Schetzek. "Eine Garantie ist das aber nicht. Wenn ein Hund einmal zugebissen hat, kann leider nie ganz ausgeschlossen werden, dass das noch einmal passiert."

Sendung: Brandenburg aktuell, 26.07.2023, 19:30 Uhr

Beitrag von Roberto Jurkschat

33 Kommentare

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  1. 33.

    Das ist mir vollkommen klar ;-)
    Mir ging es eher, um den Punkt zu Beginn des Artikels: "Im Bundesdurchschnitt kostet ein Schaden ..."
    Die Folgen - auch psychische - eines Hundesbisses z.B. für das kleine Mädchen in "von-bis-Euro im Bundesdurchschnitt" zu beziffern, finde ich sehr traurig, aber vielleicht geht es nicht anders?!

  2. 32.

    Dem Gesagten kann ich nur beistimmen. Ein Hund ist kein Sportgerät welches ich nach Lust und Laune mal länger benutzte oder mal kaum. Ich habe Pflichten. Es gibt genug Literatur zum Schlaumachen.
    Ein Garten ist schön, aber es gibt viele Hunde, die im Zwinger oder an Kette gehalten werden.
    Es werden überwiegend negative Nachrichten über Hunde geschrieben, aber wieviel Menschenleben durch sie gerettet werden, das ist vielleicht zu uninteressant.
    Ein Hundeführerschein für den Ersthund

  3. 31.

    Solange ich Leute mit mehreren grossen Hunden in 6. Etage plattenbude ohne Fahrstuhl tagtäglich erlebe....und dann diese Tiere mit ihren Herrchen blökend kläffend im Wohngebiet....null Verständnis. Die Tiere können nichts dafür. Halter sehr wohl. Aggressionen entladen sich halt dann beim Tier. Verbieten sollte man diese Hundehaltung.

  4. 30.

    Bei uns im Wald mal mitgekriegt, wie ein Dobermann eine kleine Kitagruppe angebellt hat und der Halter so schulternzuckend meinte, ist ja Hundeauslaufgebiet.

    Mal miterlebt, wie win großer Jagdhund einen Fahrradfahrer hinterher war und der Halter musste drüber lachen??

    Und dann wurde ein Jogger angebellt und nachgerannt, uff und der Hundehalter war dann mega aggresiv. :(

    Ich kann nur den Kopf schütteln schütteln und es sind ja die großen Hunde, die mehr Schaden anrichten können...

    Ich bin klar dafür, auch wenn ich Hunde mag, dass es keine Zucht mehr vom Hund geben sollte...
    Haustiere züchten ist mega merkwürdig.

  5. 29.

    Wer beim Berliner Senat eine Wesensprüfung und Hundehalterprüfung ablegt, der darf dann ohne Leine und Maulkorb seinen Hund ausführen.
    Aber jeder sollte sich verantwortungsvoll zeigen ob der Hund zu seinem Bedürfnisse passt.
    Grosse Hunde brauchen mehr Auslauf als kleine ,am besten im Tierheim sich erkundigen und dort unterstützt man die gierigen Züchter nicht.
    Im Gegenteil man bekommt Tios und wird sogar noch vom dortigen Tierarzt unterstützt.

  6. 28.

    Kann man diese netten Hunde auf den Bildern nicht mal nach Magdeburg ausleihen übers Wochenende.

  7. 27.

    Vorher: "Ach, der tut nix!" Und nachher: "Ui, das hat der ja noch nie gemacht!" Es gibt schon wirklich einige schlimme Hundehalter. Die Tiere selbst sind immer unschuldig, die Verantwortung tragen alleine die Halter und Halterinnen.

  8. 26.

    Literatur-Nobelpreistraeger Günter Grass hat in seinem Buch "HUNDEJAHRE" doch auf einen möglichen Grund für die aggressiven Hunde dieser Region hingewiesen :"Der altpreussische Gott Perkun ist ein schwarzer Hund, der von einer litauischen Wölfin abstammt."

  9. 24.

    Die Fehler bitte ignorieren, da hat die Texterkennung wieder mal gemacht was sie wollte und ich nicht richtig drübergelesen, bevor ichs abgesendet habe. Was peinlich auch......

  10. 23.

    @daniel
    Sorry, aber das ist vom Ansatz her falsch. Hunde können in jeder Wohnung wunderbar zurecht kommen. Entscheidend ist die tägliche Auslastung. Ausflug in den Wald und Umgebung sowie geistige Auslastung. Pauschal das 800qm Grundstücksargument zu ziehen, geht oftmals ins Leere. Viele Hausbesitzer lassen ihren Hund kurz in den Garten und denken, damit wäre es getan. Ein Hund heißt, Verantwortung zu übernehmen.

  11. 22.

    „ aber über die Verschmutzung der Grünflächen wird nie etwas unternommen. “
    Weil die selbe Spezies daran Schuld ist, die Grünflächen vermüllen sich nicht von allein!

  12. 21.

    Mann, das ist doch klar: Es gibt viel, viel mehr Verletzte durch Hundeattacken als durch Wolfsbisse, weil es mehr Hunde als Wölfe gibt.
    Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass Thomas aus Erkner daraus schlussfolgert, es müssten alle Hunde abgeschossen werden. Aber die Bejagung der Wölfe ist nicht notwendig.

  13. 19.

    „ Können wir aus den prozentual häufigeren Hundebissen jetzt auf prozentual mehr aggressive Menschen in Berlin schlussfolgern? Würde mal sagen: Ja.“
    Würde auch mal sagen: Ja
    Dann kommt da noch die Scheißegalhaltung gegenüber Regeln hinzu. Fahren sie doch mal mit dem Fahrrad duch den Wald. Wenn Sie von freilaufenden Hunden nicht vom Rad geschmissen werden, sterben sie fast an einem Herzinfarkt, weil ein Hund und manchmal gleich eine Horde aus dem Wald geschossen kommen. Von Leinenzwang keine Spur! Autotür auf und raus schießt Fiffie!

  14. 18.

    Tolle Bilder, die die Antihaltung einiger nur anfeuern. Gehört der RBB jetzt bereits zum Boulevard?

  15. 16.

    Wo bitte ist "hier"?
    Also unserer Fellnasen laufen nur im Hundeauslaufgebiet ohne Leine und Dortmund bei unklaren Situationen an der Leine. In unseren Nachbarschaft lebt eine Frau mit Angststörung und wird immer begleitet. Sobald wir sie sehen, wechseln wir die Straßenseite oder weichen aus, wie wir dass auch bei entgegenkommenden Menschen mit Hund machen. Sie scheinen aber auch in einem komischen Bezirk zu leben. Der Trainer hatte übrigens gut argumentiert: das Problem haben Hunde meist am oberen Ende der Leine und es gibt zuviele unwissende und ungehobelte Hundehaltende. Deren Fellnasen tun mir leid, denn solche Leute sind es, die den anderen alles versauen können.

  16. 15.

    @sabi. Oben im Artikel ist von einem kleinen Mädchen die Rede, die bei einem Angriff in den Kopf gebissen wurde. In solchen Fällen kann es sehr teuer werden. Gerade auch wegen Folgeschäden.

  17. 14.

    In Deutschland sollte in sämtlichen Wohn- und Parkanlagen sowie auch auch in Ländlichen Gebieten durch die Ordnungsämter engmaschig kontrolliert werden! Die Ordnungsämter müssten dafür natürlich mehr Stellen ausschreiben und Länder und Kommunen müssten dafür die Kostenschraube bei den Verstößen nach oben schrauben. Dafür werden die Ordnungshüter mit viel Arbeit plus viele Einnahmen belohnt. Inklusive nicht registrierte Tieren. Soviele Verstöße alleine nur bei den Kot der auf den ganzen Gehwegen die mir Alltag begegnen zusammen mit den hier in den Kommentaren bereits erwähnten Dingen. Den Kot kann man über DNA Tests ermitteln, wenn der dazugehörige Hund nicht regestriet und nicht bei den Vermietern angegeben ist kommt nochmal einmal ein Bußgeld obendrauf. Ebenso sollten auch Tierärzte verpflichtet werden bei nicht Vorlage der Papiere die Halter die Behörden zu informieren. Die Halter müssen dann auch sämtliche Tierheimkosten tragen.

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