Vergleichweise wenig Staus - Polnische Bauern legen weiterhin Grenzübergänge bei Frankfurt und Guben lahm

Mo 18.03.24 | 16:25 Uhr
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Landwirte aus Polen blockieren am 18.03.2024 beide Fahrspuren der Autostrada A2 (Europastraße 30) an der deutsch-polnische Grenze (Luftaufnahme mit einer Drohne). (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 17.03.2024 | Nachrichten | Bild: dpa/Patrick Pleul

Aus Protest gegen die EU-Agrarpolitik blockieren polnische Bauern seit Sonntag Übergänge an der deutsch-polnischen Grenze. Der Verkehr auf der A12 Richtung Polen wird kurz vor der Grenze abgeleitet. Ein Verkehrs-Chaos ist bis dato ausgeblieben.

  • Blockaden polnischer Landwirte an Grenzübergänge bei Frankfurt und Guben dauern an
  • Proteste sollen bis Mittwoch 22 Uhr dauern
  • Aktionen richten sich gegen Agrarpolitik der EU

Polnische Bauern haben auch am Montag ihre Blockade zweier Autobahn-Grenzübergänge in Brandenburg fortgesetzt. In Swiecko bei Frankfurt (Oder) campieren seit Sonntag Landwirte mit rund 100 Traktoren auf der Fahrbahn, wie Reporter des rbb berichten. Auch der Grenzübergang Gubinek bei Guben ist dicht. Der Verkehr wird abgeleitet.

Polizei: rechtzeitige Warnungen sind wirksam

Die Polizei zog inzwischen eine erste positive Zwischenbilanz. Das erwartete Verkehrschaos durch eine Umfahrung über die Frankfurter Stadtbrücke sei bis dato ausgeblieben, sagte Polizeisprecher Roland Kamenz am Montagmittag dem rbb. Dennoch komme es dort immer wieder zu längeren Rückstaus.

Die rechtzeitigen Hinweise zu den Sperrungen an der Autobahn 12 und Hinweise, diese weiträumig zu umfahren, hätten sich bewährt. "Zur Wahrheit gehört aber auch, dass natürlich der gewerbliche Güterverkehr in Richtung Polen und Osteuropa verstärkt erst zur Wochenmitte einsetzt", sagte Kamenz. "Aktuell haben wir die Verkehrsströme eher in Richtung Berlin, in Richtung Westen."

Die Polizei appelliert auch weiterhin an Lkw-Fahrer, alternativ andere Routen beispielsweise über die A 15 über Forst (Spree-Neiße) und die A 11 bei Schwedt (Uckermark) nutzen. Grund dafür ist, dass auch die Grenzübergänge in Coschen in der Gemeinde Neißemünde (Oder-Spree), Küstrin-Kiez (Märkisch-Oderland) und der Stadtbrücke Frankfurt (Oder) nicht für den Güterverkehr nicht nutzbar sind.

Nach Angaben des Autobahnbetreibers soll der Güterverkehr auf der polnischen Seite Richtung Westen beim Verkehrsknotenpunkt Jordanowo von der A12 auf die Schnellstraße S3 umgeleitet werden. Der Personenverkehr wird in Swiecko auf die Landstraße 29 geführt.

Übergänge seit Sonntag dicht

Ab dem Sonntagmittag kam es zunächst zu Behinderungen am Grenzübergang Swiecko bei Frankfurt (Oder), zu dem die A12 führt. Auf polnischer Seite waren zuvor - auf der dort A2 genannten Autobahn - mehr als 100 Traktoren Richtung Swiecko und Richtung Oder gefahren. "Ab der Anschlussstelle Frankfurt (Oder) Mitte wird der Transitverkehr über die B112 abgeleitet", teilte ein Sprecher der Polizei mit. Über die Autobahn sei weder eine Einreise noch eine Ausreise möglich.

Auf der Strecke zwischen Berlin und Warschau verkehren täglich bis zu 18.000 Lkw. Medizinisches Personal und Sondertransporte wollen die Demonstranten durchlassen.

Seit Sonntagabend ist auch den Grenzübergang Gubinek-Guben (Spree-Neiße) blockiert.

Protest bis Mittwoch angesetzt

Wie die Polizei weiter mitteilte, ist dieser Protest der polnischen Landwirte bis Mittwoch, 22 Uhr geplant. Am Mittwoch sei laut Autobahnpolizei zudem mit "großflächigen Protestaktionen auf polnischer Seite" zu rechnen.

Zwei Autobahnmeistereien waren bereits am Samstag im Einsatz, um Vorwarntafeln auf dem östlichen Berliner Ring aufzustellen. Die mobilen LED-Tafeln sollen ab Sonntag zweisprachig auf die Blockade des Grenzübergangs zu Polen auf der A12 warnen. Daneben sollen auf allen fest installierten Hinweistafeln rund um Berlin ebenfalls Warnungen zur Blockade auf der A12 angezeigt werden. Damit wird auf dem gesamten Berliner Ring allen Autofahrern die Möglichkeit gegeben, Alternativrouten zu finden.

Ukrainische Bauern als Konkurrenz

Der Protest richte sich gegen die Agrarpolitik der EU aber auch die Einfuhr von günstigerem Getreide aus der Ukraine, so die Organisatoren. In Swiecko sagte einer der demonstrierenden Landwirte am Montag dazu: "Natürlich ist die Blockade weiterhin sinnvoll für uns. Wir haben gar keinen anderen Ausweg als so zu protestieren. Hart ist es schon, in der Nacht waren es bis zu -3 Grad. Also standen wir die ganze Nacht über hier an dem Lagerfeuer. Wir rotieren hier, wechseln uns jede paar Stunden ab."

Ukrainische Bauern dürfen seit 2022 zollfrei ihr Getreide ins Land bringen und für wenig Geld verkaufen. Polnische Landwirte würden deshalb auf ihrem Getreide sitzenbleiben. Ein Treffen zwischen Vertretern der polnischen Bauern und Polens Premierminister Donald Tusk am vergangenen Samstag führte zu keiner Einigung.

Polnische Landwirte hatten bereits Ende Februar mit einer ähnlichen Aktion die Autobahn 24 Stunden lang blockiert. Etwa 1.000 Bauern mit 500 Traktoren sowie 300 Lkw und Transportern sperrten den Grenzübergang Swiecko-Frankfurt (Oder) in beide Fahrtrichtungen.

Der 24-stündige Protest der polnischen Landwirte hätte ursprünglich über mehrere Wochen dauern sollen, wurde aber aus Rücksicht auf die Spediteure verkürzt. Auch auf deutscher Seite gab es Proteste an der Frankfurter Stadtbrücke sowie am Grenzübergang Schwedt/Krajnik Dolny. Noch ist es unklar, ob sich diesmal auch deutsche Landwirte am Protesteil beteiligen werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.03.2024, 11:54 Uhr

24 Kommentare

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  1. 24.

    18 000 LKWs pro Tag!

    Seit über 70 Jahren will man so viel auf die Schiene bringen und es wird dagegen immer mehr Verkehr auf der A12 und den anderen AB. Und jetzt sollen noch Teslas auf die Schiene.
    Wer es glaubt, sei glücklich!

  2. 23.

    18 000 LKWs pro Tag!

    Seit über 70 Jahren will man so viel auf die Schiene bringen und es wird dagegen immer mehr Verkehr auf der A12 und den anderen AB. Und jetzt sollen noch Teslas auf die Schiene.
    Wer es glaubt, sei glücklich!

  3. 22.

    Da sind doch die Baumbesetzer bei Tesla echte Engel oder nicht?

  4. 21.

    Die Frage nach einer Quelle ist doch überflüssig. Sie können sich auf seriösen Seiten des Netzes darüber informieren, auch über die Klage der UKR gegen EU-Länder wg. des Importverbotes ihres Getreides. Dieses wurde u.a. wegen einer Pestizidbelastung, entweder zu hohe Werte oder nicht mehr zugelassene Stoffe, von versch. Ländern erlassen. Bei der Gelegenheit finden sie auch die Bezuschussung der EU für Getreide aus der UKR das ins EU-Ausland exportiert wird. Die EWR-Staaten haben übrigens schon dankend abgelehnt.

  5. 20.

    Gott sei Dank, werden die polnischen Landwirtproteste nicht, wie die der deutschen Kollegen, von Rechtsradikalen, Nazis und Schwobler unterwandert.

  6. 19.

    Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben, in Polen ist inzwischen die PO an der Regierung und die Bauern protestieren trotzdem, weil die Gründe dafür immer noch dieselben sind. Von der PO werden sie dabei im Übrigen unterstützt.

  7. 18.

    Nee, wie kommen Sie zu der Unterstellung? Nur weil ich Kritik an Fehlentwicklungen übe, lehne ich noch lange nicht das Gesamtkonstrukt ab. Ich profitiere persönlich von der EU, auch wenn mich vieles nervt.

  8. 17.

    Es geht ihnen überhaupt nicht um die polnischen oder deutschen Landwirte, sondern ausschließlich darum Stimmung gegen die EU zumachen!

  9. 16.

    "Aber der angebliche Transit des Getreides als sicherer Weg auf den Weltmarkt entpuppt sich nun doch als unkontrollierter Import in die EU zu Lasten der eigenen Bauern."

    Wie kommen sie zu den frei erfundenen Behauptungen? Sie verbreiten hier die Wahlpropaganda der vorherigen PiS-Regierung. Logisch, steht die doch ihrer rechtsextremen AfD und deren Anti EU Kurs am nähesten.

  10. 15.

    Ukrainisches Getreide ist billiger, weil dort kaum Auflagen für die Bauern bestehen und zusätzlich die riesigen Agrarbetriebe natürlich Kostenvorteile haben. Dort ist genau das der Normalfall, was hierzulande als Agrarindustrie verteufelt wird. Die Polen haben kein Problem mit ukrainischer Konkurrenz an sich, aber sehr wohl damit, wenn deren riesige Exportmengen die Preise in der EU Richtung Boden drücken. Der Bedarf an Getreide in der EU ist nicht groß genug, um die gewaltigen Importmengen ohne Nebenwirkungen wegzustecken. Wenn dadurch die einheimische Landwirtschaft kaputt gemacht wird, verlieren am Ende alle.

  11. 14.

    Also wird ukrainisches Getreide pro tonne subventioniert?

    Bitte ne Quelle dazu.

    Ich gehe davon aus, polnische Bauern verkaufen zu Marktpreisen? Oder drückt die EU da staatlich die Preise?

  12. 13.

    Wie so oft, wurde es auch hier politisch wieder anders verkauft. Dass die Ukrainer auf die Exporte wirtschaftlich dringend angewiesen sind, kann Jeder nachvollziehen und es wird breite Zustimmung geben. Aber der angebliche Transit des Getreides als sicherer Weg auf den Weltmarkt entpuppt sich nun doch als unkontrollierter Import in die EU zu Lasten der eigenen Bauern.

  13. 12.

    Denken Sie wirklich, dass die EU den Bauern die Traktoren schenkt? Selbst wenn es dafür kleine Zuschüsse gibt, müssen die Traktoren und die Anbauteile über jahrelange Kredite abbezahlt werden. Gleichzeitig werden die Betriebskosten immer mehr erhöht und die Preise für die Erzeugnisse politisch gewollt, zum Beispiel durch Freihandel oder den zollfreien Import von Agrarprodukten aus der Ukraine, immer stärker gedrückt. Die Bauern wollen oder brauchen die Subventionen nicht, um reich zu werden sondern diese sind lediglich ein Teilausgleich für die politisch hochgetriebenen Mehrkosten.
    Und dann wundert man sich hier in den Kommentaren auch noch, dass die kleinen Bauern aufgeben und ihre Betriebe an Agrarkonzerne verkaufen.

  14. 11.

    Traktoren die mit EU Subventionen finanziert werden.

  15. 10.

    "Ukrainische Bauern dürfen seit 2022 zollfrei ihr Getreide ins Land bringen und für wenig Geld verkaufen."
    Was vor kurzem noch als unabdingbar für die Welternährung galt ist heute Billigware für Europa. Bestimmt voll mit kritischen Substanzen und erzeugt von Billiglöhnern.

  16. 9.

    Beiträge hier sprachen von völliger Unkenntnis der Tatsachen. Lest mal nach,, was polnische Bauern bekommen für ihr Getreide und wie der Preis für ukrainisches von EU gedrückt wird. Große Agenda seitens EU ist Agrar green deal. Mal sehen ob Post durchkommt

  17. 8.

    Man darf nicht vergessen, dass die hohen Nitratbelastungen durch die damaligen Düngemengen seitens Empfehlungen des Herstellers als auch der öffentlichen Seite kommen (gerne mal alte Lehrbücher aus der Landwirtschaft lesen)
    Gerne auch mal beispielsweise über die Nitratbelastung bei der Rollrasen Herstellung oder dem Kahlschlag im Wald lesen . Die Industrie muss ich ja nicht erwähnen.
    Gerne auch mal beim nächsten Kauf im Supermarkt auf den Bestand des Düngers achten. Macht der Privatanwender Bodenproben von seinem Garten und düngt nur nach Analyse?

    Das Thema ist sehr vielfältig und immer dem Bauern die Schuld geben ist einfach aber kurzsichtig.

    Ich denke man muss bei der Landwirtschaft ganz klar zwischen dem Bauern um die Ecke und der industriegeführten Landwirtschaft unterscheiden.
    Wissen Sie wieviel Prozent der Landwirtschaft von der Industrie geführt wird? Sie werden überrascht sein.



  18. 7.
    Antwort auf [HaPe] vom 17.03.2024 um 21:18

    Es geht um die polnischen Bauernproteste auf polnischem Gebiet. Artikel wirklich gelesen? Der Bericht informiert nicht über eine Aktion in Deutschland.

  19. 6.

    "Warum darf man einen Grenzübergang blockieren. Ist das kein Eingriff in den Straßenverkehr? " Das müssen Sie in Polen fragen, da es außerhalb des Geltungsbereichs deutschen Rechts liegt.

  20. 5.

    Warum darf man einen Grenzübergang blockieren. Ist das kein Eingriff in den Straßenverkehr?

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