Berlin, Bernau, Potsdam, Cottbus - Tausende Polizisten gedenken des getöteten Kollegen aus Mannheim

Fr 07.06.24 | 15:16 Uhr
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07.06.2024, Berlin: Polizisten nehmen an einem Schweigemarsch teil. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
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Video: rbb24 Abendschau | 07.06.2024 | U. Wichert/S. Chahbani | Bild: dpa/Christoph Soeder

Mit Gedenkveranstaltungen und Schweigeminuten wurde am Freitag an einen Polizisten erinnert, der vor einer Woche in Mannheim getötet wurde. In Potsdam kündigte Innenminister Stübgen an, die Polizei besser ausstatten zu wollen.

  • Rund 5.000 Menschen haben sich in Berlin an Schweigemarsch beteiligt
  • In Potsdam gedachten hundert Polizeikräfte ihres getöteten Kollegen
  • Innenminister Stübgen kündigt bessere Schutzausrüstung für brandenburgische Polizeikräfte an

Rund 5.000 Menschen haben nach Polizeiangaben bei einem Schweigemarsch in Berlin an den bei einer Messerattacke in Mannheim getöteten Polizisten Rouven L. erinnert. Zu der Aktion hatten die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) aufgerufen. Damit sollte am Freitag ein klares Zeichen für die Demokratie gesetzt werden, wie es im Aufruf hieß.

Fahnen, Flaggen und Transparente waren unerwünscht. Unter den Teilnehmern waren Polizisten in Uniform prominent zu sehen. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) nahmen an dem Trauermarsch teil.

Stübgen will bessere Schutzausrüstung für Polizisten

In Potsdam gedachte die Polizei ihres getöteten Kollegen. Rund hundert Polizeikräfte und Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) kamen zu einer Schweigeminute um 11.34 Uhr vor dem Filmmuseum zusammen. Zwischen zwei Polizeimotorrädern war ein großes Porträt des getöteten Polizisten zu sehen. Am Freitag vor einer Woche war es um 11.34 Uhr zu der tödlichen Attacke in Mannheim gekommen.

Stübgen sagte nach der Veranstaltung, er wolle die Schutzausrüstung für brandenburgische Polizeikräfte verbessern. "Wir müssen natürlich mehr tun, damit unsere Polizei ausreichend geschützt ist", sagte er. "Gerade mit Blick auf den feigen Mord in Mannheim werden wir sehen, ob wir Verbesserungen des Schutzes hinbekommen können." Hundertprozentige Sicherheit werde es aber nicht geben.

Geprüft werde etwa, ob spezielle Schals als Stichschutz für die Polizei sinnvoll sein könnten, sagte Stübgen. Darüber habe er auch bereits mit dem Polizeipräsidenten gesprochen. "Wenn das wirklich eine [...] Verbesserung des Schutzes ist, werden wir auch kurzfristig etwas tun", so der Innenminister. Die Polizeigewerkschaft hatte die Schutzausstattung als unzureichend kritisiert.

Auch in Bernau (Barnim) kamen Dutzende Polizisten und Polizistinnen auf dem Marktplatz für eine Gedenkminute zusammen. Bereits seit Dienstag fahren viele Polizisten in der Region mit Trauerflor an ihren Fahrzeugen.

In Cottbus haben rund 100 Personen des getöteten Polizisten vor der Polizeidirektion Süd gedacht. "Wir als Polizei begreifen uns immer als große Familie, es gibt nicht den Polizisten in Cottbus oder den in Bayern. Es gibt uns als Polizeifamilie. Das heißt, wenn einer angegriffen wird, werden alle angegriffen", sagte Marco Schiller, erster Polizeihauptkommissar aus Cottbus dem rbb.

Bundespräsident in Mannheim

Ein 25-jähriger Afghane hatte am vergangenen Freitag auf dem Mannheimer Marktplatz fünf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bewegung Pax Europa sowie einen Polizisten mit einem Messer verletzt. Der 29 Jahre alte Beamte erlag später seinen Verletzungen.

In Mannheim gedachte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier des Polizisten. Steinmeier, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) hielten um 11.34 Uhr in stiller Trauer inne. Auch die Eltern des getöteten Polizisten sowie weitere Angehörige nahmen an dem Gedenken teil. Die Polizei Baden-Württemberg hatte zu der Gedenkminute aufgerufen.

Sendung: rbb24 Abendschau, 07.06.2024, 19.30 Uhr

25 Kommentare

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  1. 25.

    Während die Polizei ihren Kollegen betrauern, lacht sich die Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhazus darüber kaputt. Es ist beschämend.

  2. 24.

    Jeder Polizist / - in im Außendienst sollte eine LEICHTE optimale Schutzweste haben!

  3. 23.

    Leider berücksichtigen die Rechtsextremisten der AfD nicht Ihren Wunsch. Sieht man ja hier.

  4. 22.

    Man kann ja auch nicht alle Nachrichten mitbekommen, aber bei Interesse einfach mal lesen was diese Woche bei der Abgeordneten-Sitzung für eine 'Stimmung' war :-(

  5. 21.

    Wer lacht wo und worüber? Drücken sie sich doch bitte klar aus.

  6. 20.

    Viel Kraft den Angehörigen. Hoffentlich wird es nicht zu sehr politisiert...

  7. 18.

    Danke Rouven, Dein Traum, andere zu schützen, hat Dein Leben beendet.
    Es ist definitiv eine traumatische Situation auch für alle Anwesenden,
    Dem Verstorbenen ist absoluter Respekt, Achtung und Dank zu zollen.
    Jeder der in Ausübung seines Jobs sein Leben verliert, ist einer zuviel.
    In dem Fall auch Respekt vor der Berufswahl mit allen gegenwärtigen Risiken.
    Wie und ob der Angriff vermieden werden können ist schwer bzw. nicht zu bewerten.
    Dem Polizist, der so unvermittelt und unabsehbar angegriffen wird hilft auch keine Weste.
    "Was passiert nun, um diese Angriffe zu minimieren." - nun, Kollegen sollten "Neutralisierungmaßnahmen", auch "Selbstschutz" schneller Ausüben dürfen, mit allen verfügbaren Mitteln.
    (Sorry, aber warum kommen mir da diverse Silvesterkravalle in den Sinn?)

    "In Potsdam kündigte Innenminister Stübgen an, die Polizei besser ausstatten zu wollen." - es geht nicht um die Ausstattung, die bestehende muss bzgl. der Anwendung erleichtert werden!

  8. 17.

    Na schön, der der Verursacher dieser Situation, derBundespräsident, beweist Anteilnahme. Gestern nocht tat er sich mit der Bewertung des terroristischen Übergriff schwer.

  9. 16.

    I'm Trauer sind wir vereinigt. Aber es ist auch Zorn vorhanden was ist aus Radikalität und Kriminalität in den letzten Jahren entstanden.

  10. 15.

    Nein, die habe ich nicht vergessen, nur zum Thema passend, nicht erwähnt.

  11. 14.

    Rouven ist tot. Der Schweigemarsch ist beendet.
    Das Schweigen sollte beendet werden. Über Probleme muss man reden und Lösungen finden, die kann man nicht totschweigen.

  12. 13.

    Jeden Tag werden in diesem Land Bürgerinnen und Bürger, mit und ohne Uniform angegriffen, sehr häufig verletzt, häufig so verletzt dass Schäden für immer ein Leben beeinträchtigen. Mitunter auch getötet. Polizisten und Lehrer haben Angst, zumindest Sorge bei der Berufsausübung. Das ist unakzeptabel und abartig. Was passiert nun, um diese Angriffe zu minimieren. Oder geht es, wie im Straßenverkehr, mit hohem Blutzoll weiter. Unfälle, Verletzungen, Todesfälle wird man nie ganz vermeiden können. Dazu müssten alle Menschen immer sachlich und stets konzentriert sein. Das wird es nie geben. Aber man kann schreckliche Ereignisse erheblich minimieren. Durch Gesetzgebungen, Regeln, Vorgaben und vor allem die Durchsetzungen dieser. Ich frage Gesetzgeber und Verantwortliche? Was passiert nun konkret, damit dieser schreckliche Tod nicht ganz umsonst war? Mit Gedenken ist es nicht getan! Oder spart der Staat, wir alle – wie bei Pflegebedürftigen, Krankenhauskeimen – auf Kosten von Menschenleben.

  13. 12.

    Vor einigen Jahren haben wir als Verwandte an der Trauerfeier für einen an schwerer Krankheit verstorbenen, 31-jährigen Polizisten teilgenommen.
    Schon auf dem Weg zum Friedhof waren überall Polizeiautos und Menschen in Polizeiuniformen auf der Straße unterwegs. Als es an einer kleinen Kreuzung zu einem Stau kam, regelte ein Polizist ganz spontan den Verkehr.
    Als man merkte, dass wir uns nicht auskennen, hat man uns angesprochen und uns erklärt, wo sich die Trauerhalle befindet.

    Die Trauerhalle war voll. Wir setzten uns auf eine Bank davor. Und konnten so beobachten, wie unzählige Polizistinnen und Polizisten zur Trauerfeier strömten und sich überall auf dem Friedhof verteilten.

    Die Feier wurde über Lautsprecher übertragen. Ein Polizist umrahmte die Feier musikalisch. Er spielte Gitarre und sang dazu. Niemals werden ich "Euch zum Geleit" vergessen.

    Da traf sich eine Polizei-Familie, um sich zu verabschieden.

    Ich wünsche allen Trauernden viel Kraft.

  14. 11.

    Wieviel Leid hier über die Familie gebracht wurde ist wohl unermesslich. Nach diesem Schweigemarsch kann man gespannt sein, ob die Berliner Abendschau endlich zum Thema berichtet. Bisher scheint "Mannheim" ja nicht in der Realität der Redaktion vorzukommen.

  15. 10.

    Meinen größten Dank an alle Polizisten für diese Aktion. Der Mord an Rouven L. ist für mich absolut unerträglich. Möge er in Frieden ruhen. Alle Polizisten haben meinen größten Respekt. In Gedanken bin ich bei den Angehörigen von Rouven L. und ich wünsche ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit.

  16. 9.

    Da haben Sie aber einige genau so wichtige Kräfte vergessen denen man auch Danke sagen müsste.

  17. 8.

    "... gedenken des getöteten Kollegen ..." ist richtig! Plural wäre es, wenn dort "der getöteten Kollegen" stünde. Dem Verb "gedenken" folgt der Artikel im Genitiv.
    Herzliches Beileid den Hinterbliebenen.

  18. 7.

    Mein Beileid gehört den Angehörigen.
    Ich verneige mich vor Rouven der sein Leben lassen musste.


    Ich hoffe das von den Politikern nicht nur warme Worte kommen sondern endlich eine knallharte Maßnahme gegen solche Täter

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