Adventskalender 2019 - 21. Tür: Bier unterm Baum

Sa 21.12.19 | 00:15 Uhr | Von Stefan Ruwoldt
Bier unterm Baum (Quelle: Marcus Behrendt)
Bild: Marcus Behrendt

"Bier her!" hört man nicht mehr so oft in Berlin. Der bundesweite Vergleich zeigt: Der Durst fehlt in der Hauptstadt. Für den ganz neuen Taste sorgt nun "Beer", also die Produkte der kleinen Craft-Brauereien. Der neue Trend soll die Zapfhähne wieder glühen lassen.

24 kleine Geschichten über die großen Errungenschaften und kleinen Niederlagen der Brandenburger und Berliner in Sachen "Essen und Trinken". Alle Türchen auf einen Blick finden Sie hier.

Biermeile, Bierseminar, Bierwoche - Berlin ist in Sachen Bier ganz vorne mit dabei. Das Bier ist in Berlin ein Ereignis. Die Leute steigen mit dem Bier in den Bus und gönnen sich schon das erste Fläschchen aus dem frischen Kasten im Einkaufswagen, wenn sie an der Kasse stehen (natürlich bezahlen sie das dann auch, denn Berlin ist auch total ehrlich). Berlin ist also Bierhauptstadt. Könnte man denken. Stimmt aber nicht. Noch nicht.
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Mehr Durst in Brandenburg

Brandenburg ist das wahre Bierboomland. Zumindest in Sachen Verbrauch. Laut Marktforschungsunternehmen Nielsen kommen alljährlich in Brandenburg 106 vertrunkene Liter auf einen Brandenburger oder eine Brandenburgerin. In diesen Bierdurstregionen bewegen sich lediglich noch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit jeweils ebenfalls über 100 alljährlich vertrunkenen Litern pro Einwohner. Berlin dagegen kommt auf 45 Liter pro Jahr und ist damit bundesweit an vorletzter Stelle der Verbrauchsstatistik, unterboten lediglich von Hamburg mit durchschnittlich 35 Litern.

Wenn also der Berliner sein Bier gerade zu zwei Dritteln geleert hat, ist beim Brandenburger bereits der zweite Liter weg und der dritte steht schon an der Theke bereit. Es sind Bierwelten, die hier zwischen Berlin und Brandeburg liegen.

Kurios ist allerdings, dass der Bierkonsum offenbar komplett entkoppelt ist von der Bierproduktion: In Sachsen-Anhalt, also dem Land mit den durstigsten Bewohnern, zählten die Marktforscher lediglich 23 Brauereien, was bundesweit nur noch von Mecklenburg-Vorpommern (22) unterboten wird. Berlin liegt mit 70 Brauereien, die meisten davon sehr klein, an fünftletzter Stelle im Bundesländervergleich. Spitze ist Bayern mit 654 Brauereien.

Das Türenteam

Marcus Behrendt (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Grafiker und Zeichner Marcus Behrendt, alias "EMBE", zeichnet immer dann am besten, wenn er gut gegessen hat. Dann gelingen ihm die lustigen Charactere besonders gut, die grimmigen Figuren haben Hunger. Gleich nach diesem Weihnachtskalender setzt sich "EMBE" an "Hainer, den kleinen Hai" oder den "Sandmann".

Stefan Ruwoldt (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Redakteur Stefan Ruwoldt isst in der Regel in Berlin, kostet viel im Havelland, sucht Pilze in der Lausitz und probiert Fisch überall, wo es Fisch gibt. Und wenn er das nicht tut, schreibt er Nachrichten und Berichte über Brandenburg und Berlin, fährt Fahrrad oder guckt den Eisernen beim Ball spielen zu.

Billig, wenig Brauereien, geringer Pro-Kopf-Durst - und doch ein Boom

Wenn es dann ans Bezahlen geht - erhoben wurde hier der Einzelhandelspreis -, kommt der Brandenburger auf den (fast) günstigsten Preis pro Liter von 1,13 Euro. Nur noch unterboten von Sachen-Anhalt mit 1,12 Euro. Berlin liegt im Mittelfeld mit 1,33 Euro und die Spitzenkassierer sind die Bayern mit 1,49 Euro pro Liter.

Billig, wenig Brauereien, geringer Pro-Kopf-Durst - all das deutet nicht auf einen Bierboom hin, doch das täuscht. Denn Berlin ist deutschlandweit eine der Städte, in denen das Craft Beer aus kleinen Brauereien sich ganz exzellent verkauft. Craft-Biere sind so eine Art Bierspezialität aus der Experten- und Experimentierwerkstatt. Die Biere aus diesen Brauereien machen derzeit aber bundesweit nur einen Anteil am Bierabsatz im geringen einstelligen Prozentbereich.

Bier mit Doppel-e in der Mitte liegt im Trend

Berlin ist bei diesem Craft-Bier-Boom die große Hoffnung auf mehr. Von Bier-Renaissance ist dann die Rede. Und Renaissance heißt es deshalb, weil Berlin einst groß war als Bierproduzent. Immer wieder wird als Referenz für neuen Berliner Bierboom die Zeit um 1900 genannt. Damals war Berlin Europas größter Bierproduzent und das hatte natürlich auch seine Ursache darin, dass hier richtig viel Bier getrunken wurde. Große Brauereien, deren Gebäude bis heute stadtbildprägend sind, produzierten etwa im Bötzowviertel, am Pfefferberg, an der Schönhauser Allee auf dem Gelände der heutigen Kulturbrauerei oder in den Engelhardt-Betrieben in Pankow und Charlottenburg.

Bier mit Doppel-e in der Mitte ist in diesem großen neuen Trend nicht mehr der große Durstlöscher sondern ein Lebensstil-Getränk, dessen neue Namen schon eine gewisse Aussprache-Expertise erfordern. Sie sind meist in englisch gehalten oder ein Konglomerat daraus: "Berlin Pale-Ale“, "Bohemian Pilsner", "Berliner Berg" oder "German IPA". Die Namen sind hip, noch hipper sind die Bärte der neuen Wirte und mit Sicherheit wächst auch Hipfaktor des "Berlin Taste". Im Moment allerdings bremst den Berliner Durst noch ein hipper Schluckauf.

Der Adventskalender

Lustig macht sauer (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 2. Tür: Lustig macht sauer

Die Gurke muss knackig sein. Und saftig sowieso. Und natürlich muss der Biss stimmen. Gurkenliebhabern läuft allein bei der Erwähnung des Spreewalds das Wasser im Mund zusammen: Sie denken nur noch an die Gurke. Doch ihr Name kann auch missbraucht werden.

Alte Sorte, neue Frische (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 4. Tür: Alte Sorte, neue Frische 

Jeder kennt den alten Spruch von der so umfassenden Gesundmachung durch täglich mindestens einen Apfel. Doch täglich einen "Jonagold" - wer will das schon. In Müncheberg pflegt eine kleine Anstalt ein großes Apfelerbe.

Der Auskenner sammelt lokal (Quelle: Marcus Behrendt)
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Adventskalender 2019 - 7. Tür: Der Auskenner sammelt lokal

Berlin ist kein Naturparadies - und ein Pilzparadies schon gar nicht. Aber es gibt ein paar Eckchen, wo der Pfifferling oder die Marone zu finden sind. Allerdings muss man sich beeilen - und vor den Hunden im Unterholz sein.

Flecken auf dem Chemisett (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 8. Tür: Flecken auf dem Chemisett

Wenn das Ragout fin auf der gestärkten Hemdbrust landet, wird klar, was die Berliner den Hugenotten alles zu verdanken haben. Und das gilt nicht nur kulinarisch - merken die Lebemänner spätestens beim abendlichen Amüsement.

Adventskalender (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 9. Tür: Pelmeni auf der Karl-Marx-Allee

Knapp 50 Jahre waren in und um Berlin sowjetische Truppen stationiert. Doch anders als bei den West-Alliierten war der kulinarische Einfluss der Russen auf die Berliner Küche ein wenig reduziert. Wer aber aufmerksam an den Berliner Töpfen schnuppert, kann ihn schmecken.

Adventskalender (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 10. Tür: Abgekocht in den Tank

Nach dem Braten ist vor der Entsorgung: Das ungenutzte Fett gehört nicht einfach so in den Abfluss. Für die Fettbeseitigung und -aufbereitung gibt es ein aufwändiges System. Und am Ende sorgt das überschüssige Gänsefett für umweltfreundliche PS.

Berliner Schaum zum Fest (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 11. Tür: Berliner Schaum zum Fest

Mit "Oh - es riecht gut, oh - es riecht fein" startet ein Kinderlied übers Weihnachtsbacken. Auch wer nicht backt, hat in Berlin viele Gelegenheiten, lokales Zuckerzeug zu erstehen. In Reinickendorf zum Beispiel kommt die Süßigkeit aus dem Kupferkessel und hat handgetupfte Augen.

Aufbrühen und Warmhalten (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 12. Tür: Aufbrühen und Warmhalten

Wir tragen Levis-Jeans und fahren Daimler, und immer wenn die Knochen knacken, gehen wir zum Röntgen. Ginge es nach dieser Logik, müssten wir unterwegs beim Trinken eines heißen Kaffees sagen: Hm, ein echt heißer Burger. Reinhold Burger kam aus Brandenburg.

Hier suppt nichts durch (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 14. Tür: Hier suppt nichts durch

Diese Brandenburger Erfindung gehört derzeit zu den wohl am meisten gehassten Umweltsünden. Schon allein bei seiner Erwähnung häuft man eine Tonne CO2 auf seinem persönlichen Umweltkonto an. Dabei war es so sauber gestartet.

Draußen nur Kännchen (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 15. Tür: Draußen nur Kännchen

1721 soll es das erste Kaffeehaus in Berlin gegeben haben, also vor fast 300 Jahren. Seitdem hat sich in Berlin eine ordentliche Kaffeehauskultur entwickelt. Geblieben aber ist aus dieser Zeit, dass das doppelte "E" am Ende keine Pflicht ist.

Ein Kuchen für die Ewigkeit (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 16. Tür: Ein Kuchen für die Ewigkeit

Eberswalde hat eine süße Tradition und pflegt sie auch. Ein Kuchen trat von hier aus seinen Eroberungszug in die weite Welt an: der Spritzkuchen. Sein Schöpfer gehört zu den großen "Köpfen" des Landes. Ein Botschafter der Süße.

Genauso weich in kürzerer Zeit (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 18. Tür: Genauso weich in kürzerer Zeit

Weihnachten gibt's Geschenke und natürlich auch alle möglichen Speisen. Zum Beispiel "Neunerlei". Zu diesem "Neunerlei" aber gehört eine Zutat, die Vorlauf in der Zubereitung braucht. Ein Potsdamer Forscher sorgte dafür, dass die Zubereitung in 10 Minuten gelingt.

Dem Fest die Krone aufgesetzt (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 19. Tür: Dem Fest die Krone aufgesetzt

Wenn der Zahn nicht mehr will, kommt die Zange zum Einsatz. Das galt früher, heute arbeitet die Zahnmedizin minimalinvasiv, wobei die deutschen akademischen Wurzeln dieses Zweigs in Berlin liegen. Weihnachten erinnern wir uns daran gern, wenn wir bei der Gans auf den Knochen beißen.

Prozente statt Vitamine (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 20. Tür: Prozente statt Vitamine

Ohne Ballon geht hier gar nichts. Brandenburg ist ein Weinland mit einem nur sehr spärlichen Anteil an Hanglagen. Die Chardonnay- oder Merlot-Trauben gedeihen hier nicht so. Dafür aber wird in Ballons der Saft aus Quitten oder Äpfeln verwinzert.

Bier unterm Baum (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 21. Tür: Bier unterm Baum

"Bier her!" hört man nicht mehr so oft in Berlin. Der bundesweite Vergleich zeigt: Der Durst fehlt in der Hauptstadt. Für den ganz neuen Taste sorgt nun "Beer", also die Produkte der kleinen Craft-Brauereien. Der neue Trend soll die Zapfhähne wieder glühen lassen.

Großeinsatz im kleinen Kreis (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 22. Tür: Großeinsatz im kleinen Kreis

Kulinarisch groß aufgefahren wird auf Berlins Wachen im Kreis der Feuerwehrleute und zwar im Beisein des Weihnachtsmanns. Bei nicht wenigen Berliner Feuerwehren feiert die Mannschaft mit Kollegen und Familien - ein Brauch aus alten Einsatzzeiten.

Tierisch viel Soße (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 23. Tür: Tierisch viel Soße

Die Kuh ist in ihrer Klima-Bilanz eine Bombe, eine Methan-Bombe. Das Schwein ist nur ein bisschen besser. Und jeder bekommt feuchte Augen, wenn es ums Thema Massentierhaltung geht. Aber es gibt Alternativen. Von Brandenburgs Höfen sind da ganz neue Tiergeräusche zu hören. Eine Schlachtpartie.
Satt nachgedacht (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 24. Tür: Satt nachgedacht

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) erforscht die Unwägbarkeiten rund um unsere Ernährung. Und wenn auch nicht viele, so doch einige der Erkenntnisse der Wissenschaftler sind kleine Heilsbotschaften für die Weihnachtsmahlzeiten.

Beitrag von Stefan Ruwoldt

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