Hinterm Zubringer ist's fruchtbar (Quelle: Marcus Behrendt)
Bild: Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 13. Tür: Hinterm Zubringer ist's fruchtbar

Den Kampf um das so wichtige Grün in der Großstadt, um die fruchtbare Natur, kämpft jede Generation aufs Neue und immer unter neuem Label. Das alte Schrebergärtnern ist das neue "Urban Gardening".

24 kleine Geschichten über die großen Errungenschaften und kleinen Niederlagen der Brandenburger und Berliner in Sachen "Essen und Trinken". Alle Türchen auf einen Blick finden Sie hier.

Auch wenn es schön ist, dass Berlin echt viele Bioläden hat und dort der Salat ein bisschen nach Torf riecht - die Fingernägel schwarz und sandig macht sich der Stadtromantiker auch dort nicht. Der moderne Urbanist will selber buddeln. Für ihn ist am Wochenende Gartenzeit in der City.

Natürlich kann man den Neugärtnern vorwerfen, dass die grüne Idee eine Wohlstandsmarotte ist. Wie jede Marotte polarisiert auch das Stadtgärtnern. Einerseits sorgt das Gärtnern für Vielfalt der Bodennutzung inmitten von Loftbebauung und Gewerbeeffizienz. Andererseits ist da jetzt ein neuer Bodenkonkurrent und scheint die Mietpreise mit hochzutreiben. Monetär potente Neuberliner Pflanzenanbeter schaffen sich ihr Möhrenparadies.

Das Türenteam

Marcus Behrendt (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Grafiker und Zeichner Marcus Behrendt, alias "EMBE", zeichnet immer dann am besten, wenn er gut gegessen hat. Dann gelingen ihm die lustigen Charactere besonders gut, die grimmigen Figuren haben Hunger. Gleich nach diesem Weihnachtskalender setzt sich "EMBE" an "Hainer, den kleinen Hai" oder den "Sandmann".

Stefan Ruwoldt (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Redakteur Stefan Ruwoldt isst in der Regel in Berlin, kostet viel im Havelland, sucht Pilze in der Lausitz und probiert Fisch überall, wo es Fisch gibt. Und wenn er das nicht tut, schreibt er Nachrichten und Berichte über Brandenburg und Berlin, fährt Fahrrad oder guckt den Eisernen beim Ball spielen zu.

Die alte Idee vom urbanen Stadtacker

Ein wenig nüchterner betrachtet, ist diese Idee vom Pflanzen und Ernten mitten im Hinterhof und auf dem Stadtacker eine sehr alte Idee, und wie schon vor hundert Jahren ist dieses Beharren auf Buddelerde für die erwachsenen Stadtindianer wichtig für das urbane Leben. In den früheren Zeiten der Schreberbewegung ging es dabei nicht wie heute um eine Art Beschäftigungsalternative und auch nicht um den Zurück-zur-Natur-Moment, sondern um den pragmatischen Effekt der Selbstversorgung mit Frischem, das sonst nicht so leicht und günstig zu haben war für die ärmeren Schichten. Die industrieabgasverpestete Luft und die vitaminlose Billigkost konnten mit Hilfe der kleinen Innenstadtoase durch eigene Ernte und Sitzen-im-Grünen ausgeglichen werden. Heute gleicht die neu entdeckte Scholle Bewegungsmangel aus: Der Büromensch will auch mal schippen, jäten und sich das Kreuz verrenken.

Dabei geht die Dichte der Neu-Deutsch-Urban-Gardening-Projekte auch einher mit der Naturferne zum Umland: die Prinzessinnengärten oder das Ton-Steine-Gärten-Projekt am Mariannenplatz in Kreuzberg, das Wriezener Freiraum Labor und der Bürgergarten Laskerwiese in Friedrichshain oder der Pryramidengarten in Tempelhof. Doch die meisten der Berliner Urban Gardening Projekte sind auch sozial engagierte Projekte, die für Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen die Potentiale der Stadt erschließen helfen. Gärtnern, sich draußen treffen und Gemüse und Obst selber ernten, soll auch Menschen helfen, die neu in der Stadt oder einfach nur auf der Suche nach Gemeinschaft sind.

Gärtnern mit Kisten und ohne Thujahecke

Die Stadtgärtnerei des heutigen Berlins ist ein Mix etwa aus diesem historischen Schrebergartentum der Arbeiter, der Aktivisten der ökologischen Bewegungen, der nach Unabhängigkeit strebenen Hausbesetzerszene und der in die Stadt migrierten Neuberliner aus weniger urbanen Gebieten. Sie alle sorgten dafür, dass andere Organisationsformen ermöglichten, dass der Apfel im Hinterhofgarten und die Kartoffen auf dem Stadtacker gedeihen konnten. Die Prinzessinnengärten sind solch ein Beispiel für das Stadtgärtnern der Neuzeit: Es macht die Umgebung rund um den Moritzplatz grüner und setzt im Gegensatz zum Dr. Schreber auf das mobile Gärtnern mit Kisten, gemeinsamen Ertragsflächen und ganz ohne Thujahecke.

"Urban" steht dabei nicht einfach für "Stadt", sondern auch für die Umstände der Stadt, wo die gemeinschaftlich genutzte Agrarfläche auch schon mal am Autobahnzubringer oder zwischen Gewerbehöfen liegen kann. Und "urban" heißt hier auch, dass die "Gardening"-Fläche eben nicht fürs Federballspiel mit den Enkeln geeignet ist. "Urban" heißt hier, aus dem etwas machen, was da ist. Und "Urban" ist auch noch ein Label, dass viel besser mit IPhone passt, als "Gartenanlage". Nur in den Zähnen knirscht's genauso, wenn man die Radieschen nicht richtig wäscht.

Der Adventskalender

Lustig macht sauer (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 2. Tür: Lustig macht sauer

Die Gurke muss knackig sein. Und saftig sowieso. Und natürlich muss der Biss stimmen. Gurkenliebhabern läuft allein bei der Erwähnung des Spreewalds das Wasser im Mund zusammen: Sie denken nur noch an die Gurke. Doch ihr Name kann auch missbraucht werden.

Alte Sorte, neue Frische (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 4. Tür: Alte Sorte, neue Frische 

Jeder kennt den alten Spruch von der so umfassenden Gesundmachung durch täglich mindestens einen Apfel. Doch täglich einen "Jonagold" - wer will das schon. In Müncheberg pflegt eine kleine Anstalt ein großes Apfelerbe.

Der Auskenner sammelt lokal (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 7. Tür: Der Auskenner sammelt lokal

Berlin ist kein Naturparadies - und ein Pilzparadies schon gar nicht. Aber es gibt ein paar Eckchen, wo der Pfifferling oder die Marone zu finden sind. Allerdings muss man sich beeilen - und vor den Hunden im Unterholz sein.

Flecken auf dem Chemisett (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 8. Tür: Flecken auf dem Chemisett

Wenn das Ragout fin auf der gestärkten Hemdbrust landet, wird klar, was die Berliner den Hugenotten alles zu verdanken haben. Und das gilt nicht nur kulinarisch - merken die Lebemänner spätestens beim abendlichen Amüsement.

Adventskalender (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 9. Tür: Pelmeni auf der Karl-Marx-Allee

Knapp 50 Jahre waren in und um Berlin sowjetische Truppen stationiert. Doch anders als bei den West-Alliierten war der kulinarische Einfluss der Russen auf die Berliner Küche ein wenig reduziert. Wer aber aufmerksam an den Berliner Töpfen schnuppert, kann ihn schmecken.

Adventskalender (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 10. Tür: Abgekocht in den Tank

Nach dem Braten ist vor der Entsorgung: Das ungenutzte Fett gehört nicht einfach so in den Abfluss. Für die Fettbeseitigung und -aufbereitung gibt es ein aufwändiges System. Und am Ende sorgt das überschüssige Gänsefett für umweltfreundliche PS.

Berliner Schaum zum Fest (Quelle: Marcus Behrendt)
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Adventskalender 2019 - 11. Tür: Berliner Schaum zum Fest

Mit "Oh - es riecht gut, oh - es riecht fein" startet ein Kinderlied übers Weihnachtsbacken. Auch wer nicht backt, hat in Berlin viele Gelegenheiten, lokales Zuckerzeug zu erstehen. In Reinickendorf zum Beispiel kommt die Süßigkeit aus dem Kupferkessel und hat handgetupfte Augen.

Aufbrühen und Warmhalten (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 12. Tür: Aufbrühen und Warmhalten

Wir tragen Levis-Jeans und fahren Daimler, und immer wenn die Knochen knacken, gehen wir zum Röntgen. Ginge es nach dieser Logik, müssten wir unterwegs beim Trinken eines heißen Kaffees sagen: Hm, ein echt heißer Burger. Reinhold Burger kam aus Brandenburg.

Hier suppt nichts durch (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 14. Tür: Hier suppt nichts durch

Diese Brandenburger Erfindung gehört derzeit zu den wohl am meisten gehassten Umweltsünden. Schon allein bei seiner Erwähnung häuft man eine Tonne CO2 auf seinem persönlichen Umweltkonto an. Dabei war es so sauber gestartet.

Draußen nur Kännchen (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 15. Tür: Draußen nur Kännchen

1721 soll es das erste Kaffeehaus in Berlin gegeben haben, also vor fast 300 Jahren. Seitdem hat sich in Berlin eine ordentliche Kaffeehauskultur entwickelt. Geblieben aber ist aus dieser Zeit, dass das doppelte "E" am Ende keine Pflicht ist.

Ein Kuchen für die Ewigkeit (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 16. Tür: Ein Kuchen für die Ewigkeit

Eberswalde hat eine süße Tradition und pflegt sie auch. Ein Kuchen trat von hier aus seinen Eroberungszug in die weite Welt an: der Spritzkuchen. Sein Schöpfer gehört zu den großen "Köpfen" des Landes. Ein Botschafter der Süße.

Genauso weich in kürzerer Zeit (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 18. Tür: Genauso weich in kürzerer Zeit

Weihnachten gibt's Geschenke und natürlich auch alle möglichen Speisen. Zum Beispiel "Neunerlei". Zu diesem "Neunerlei" aber gehört eine Zutat, die Vorlauf in der Zubereitung braucht. Ein Potsdamer Forscher sorgte dafür, dass die Zubereitung in 10 Minuten gelingt.

Dem Fest die Krone aufgesetzt (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 19. Tür: Dem Fest die Krone aufgesetzt

Wenn der Zahn nicht mehr will, kommt die Zange zum Einsatz. Das galt früher, heute arbeitet die Zahnmedizin minimalinvasiv, wobei die deutschen akademischen Wurzeln dieses Zweigs in Berlin liegen. Weihnachten erinnern wir uns daran gern, wenn wir bei der Gans auf den Knochen beißen.

Prozente statt Vitamine (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 20. Tür: Prozente statt Vitamine

Ohne Ballon geht hier gar nichts. Brandenburg ist ein Weinland mit einem nur sehr spärlichen Anteil an Hanglagen. Die Chardonnay- oder Merlot-Trauben gedeihen hier nicht so. Dafür aber wird in Ballons der Saft aus Quitten oder Äpfeln verwinzert.

Bier unterm Baum (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 21. Tür: Bier unterm Baum

"Bier her!" hört man nicht mehr so oft in Berlin. Der bundesweite Vergleich zeigt: Der Durst fehlt in der Hauptstadt. Für den ganz neuen Taste sorgt nun "Beer", also die Produkte der kleinen Craft-Brauereien. Der neue Trend soll die Zapfhähne wieder glühen lassen.

Großeinsatz im kleinen Kreis (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 22. Tür: Großeinsatz im kleinen Kreis

Kulinarisch groß aufgefahren wird auf Berlins Wachen im Kreis der Feuerwehrleute und zwar im Beisein des Weihnachtsmanns. Bei nicht wenigen Berliner Feuerwehren feiert die Mannschaft mit Kollegen und Familien - ein Brauch aus alten Einsatzzeiten.

Tierisch viel Soße (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 23. Tür: Tierisch viel Soße

Die Kuh ist in ihrer Klima-Bilanz eine Bombe, eine Methan-Bombe. Das Schwein ist nur ein bisschen besser. Und jeder bekommt feuchte Augen, wenn es ums Thema Massentierhaltung geht. Aber es gibt Alternativen. Von Brandenburgs Höfen sind da ganz neue Tiergeräusche zu hören. Eine Schlachtpartie.
Satt nachgedacht (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 24. Tür: Satt nachgedacht

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) erforscht die Unwägbarkeiten rund um unsere Ernährung. Und wenn auch nicht viele, so doch einige der Erkenntnisse der Wissenschaftler sind kleine Heilsbotschaften für die Weihnachtsmahlzeiten.

Beitrag von Stefan Ruwoldt

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