Lustig macht sauer (Quelle: Marcus Behrendt)
Bild: Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 2. Tür: Lustig macht sauer

Die Gurke muss knackig sein. Und saftig sowieso. Und natürlich muss der Biss stimmen. Gurkenliebhabern läuft allein bei der Erwähnung des Spreewalds das Wasser im Mund zusammen: Sie denken nur noch an die Gurke. Doch ihr Name kann auch missbraucht werden.

24 kleine Geschichten über die großen Errungenschaften und kleinen Niederlagen der Brandenburger und Berliner in Sachen "Essen und Trinken". Alle Türchen auf einen Blick finden Sie hier.

Es ist 2019 und wir befinden uns im Jahr der Gurke. Und da dieses "2019" so wunderbar gurkig war, ist auch das nächste Jahr noch einmal ein Jahr der Gurke geworden. Diese doppelte Jahresüberschrift ist keine Order des Gurkenverbands (gibt's nicht) sondern des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt.

Der Verein ist in Sorge um diese wunderbare landwirtschaftliche Frucht und hat darum die Gurke für zwei Jahre zu ihrem aktuellen Botschafter der kulinarischen Vielfalt gemacht. Wir helfen dabei und haben darum auch die Gurke in dieses Kalendertürchen eingelegt.
 
Deutschland ist weltwelt nicht gerade ein Bigplayer im Gurkenanbau. China produziert laut der Lebensmittel- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen etwa 300 Mal so viele Gurken. Deutschland bewegt sich rein mengenmäßig auf dem Weltrang 19 - etwa auf einem Gurkenniveau zwischen Weißrussland und dem Sudan.

Die Gurke als Einzelexemplar aus der Dose

Qualitativ gesehen gibt es allerdings gurkenmäßig weltweit nur ein Spitzenprodukt - und zwar die Spreewaldgurke. Entscheidend dabei ist genau auch dieser Namen. Die Spreewaldgurke reagiert nicht, wenn man sie so ein bisschen angeenglischt mit "cucumber" oder "gherkin" anspricht, auch "Cornichon" trifft es nicht. "Essiggurke" wäre eine kulinarische Verkürzung, und die Bezeichnungen "Gommern", "Gümmerle", oder "Umurke" mögen in anderen Regionen Deutschlands oder der Nachbarn die Gurke meinen. Im Spreewald und rundrum ist die einzig erlaubte Bezeichnung der Spreewaldgurke eben "die saure Gurke", also die in der Salzlake, - und dann noch die Spreewälder Gewürzgurke in Branntweinessig.

Die Spreewaldgurke aber ist nicht nur ein Fall für den Duden, sondern auch für Gourmets. Restaurants können die Spreewaldgurke mittlerweile einzeln und vakuumverpackt in Minidöschen ordern. Die Gurke kommt dann in ganz verschiedenen Variationen etwa mit Dill, Piment, Basilikum, Senf, Meerrettich, Kirschblättern, Lorbeer, Salz, Essig, Zwiebel, Knoblauch, Senfkörnern, Pfeffer, Chili und mit vielen großen und kleinen teils sehr geheimen anderen Zutaten feinstens abgeschmeckt. Klar dürfte dabei auch sein, dass die Spreewaldgurke nicht einfach nur im Spreewald eingelegt wird: Die später sauren Gurken müssen auch schon als Rohprodukte aus der Region kommen, also angebaut werden.

Produktion von Spreewaldgurken bei der Obst & Gemüseverarbeitung "Spreewaldkonserve" (Quelle: dpa/Jochen Zick)
...Bild: dpa/Jochen Zick

Denn sie trägt saure Liebe in sich

Sicherstellen, dass die Spreewaldgurke auch im und rund um den Spreewald gewachsen ist und hier versauert wurde, soll ein regionales Qualitätssiegel, das sogenannte "EU-Gemeinschaftszeichen". "Spreewaldgurke" ist darum nun eine geschützte geographische Angabe und festgehalten in der EWG-Verordnung 628/2008. Ein amtliches Siegel des besonderen Geschmacks.

Außerdem gibt es bei der Spreewaldgurke noch eine Art Detailstreit: die große Frage nach Eimer, Fass und Glas - also nach dem genau richtigen Behältnis für die Gurke. Freddy von "Freddys Gurkenfass" aus Lübbenau klärt dazu genauestens auf: "Die Einlegegurken aus dem Spreewald werden mit frischen Kräutern und Gewürzen im Fass eingelegt. Um die Frische und die Qualität zu erhalten, müssen die Fassgurken gekühlt werden. Um die Kühlkette nicht zu unterbrechen, ist der Versand nur in der kalten Jahreszeit von Oktober bis April möglich. Die Fassgurken sind gekühlt circa drei Wochen haltbar und die Mindestbestellmenge beträgt sechs Eimer." Erst also im Fass, dann noch für ein paar Tage im Eimerchen und wer es haltbarer will, holt sich die Gurke im Glas.

Keine Antwort allerdings bekommt man im Spreewald auf die Frage, warum "du Gurke" ein Schimpfwort ist. Eigentlich ist die Gurke knackig, und sie ist würzig und sogar spritzig und hat damit ja Eigenschaften, die dem Wort "Gurke" den Rang eines Ehrentitels einräumen. Doch trotzdem nutzt niemand die Worte "du Gurke!" als Liebesbeweis. Die passgenaue Antwort einer als "Gurke" bezeichneten Gurke lautet natürlich artgerecht: "Jetz' bin ich sauer!"


Der Adventskalender

Lustig macht sauer (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 2. Tür: Lustig macht sauer

Die Gurke muss knackig sein. Und saftig sowieso. Und natürlich muss der Biss stimmen. Gurkenliebhabern läuft allein bei der Erwähnung des Spreewalds das Wasser im Mund zusammen: Sie denken nur noch an die Gurke. Doch ihr Name kann auch missbraucht werden.

Alte Sorte, neue Frische (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 4. Tür: Alte Sorte, neue Frische 

Jeder kennt den alten Spruch von der so umfassenden Gesundmachung durch täglich mindestens einen Apfel. Doch täglich einen "Jonagold" - wer will das schon. In Müncheberg pflegt eine kleine Anstalt ein großes Apfelerbe.

Der Auskenner sammelt lokal (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 7. Tür: Der Auskenner sammelt lokal

Berlin ist kein Naturparadies - und ein Pilzparadies schon gar nicht. Aber es gibt ein paar Eckchen, wo der Pfifferling oder die Marone zu finden sind. Allerdings muss man sich beeilen - und vor den Hunden im Unterholz sein.

Flecken auf dem Chemisett (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 8. Tür: Flecken auf dem Chemisett

Wenn das Ragout fin auf der gestärkten Hemdbrust landet, wird klar, was die Berliner den Hugenotten alles zu verdanken haben. Und das gilt nicht nur kulinarisch - merken die Lebemänner spätestens beim abendlichen Amüsement.

Adventskalender (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 9. Tür: Pelmeni auf der Karl-Marx-Allee

Knapp 50 Jahre waren in und um Berlin sowjetische Truppen stationiert. Doch anders als bei den West-Alliierten war der kulinarische Einfluss der Russen auf die Berliner Küche ein wenig reduziert. Wer aber aufmerksam an den Berliner Töpfen schnuppert, kann ihn schmecken.

Adventskalender (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 10. Tür: Abgekocht in den Tank

Nach dem Braten ist vor der Entsorgung: Das ungenutzte Fett gehört nicht einfach so in den Abfluss. Für die Fettbeseitigung und -aufbereitung gibt es ein aufwändiges System. Und am Ende sorgt das überschüssige Gänsefett für umweltfreundliche PS.

Berliner Schaum zum Fest (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 11. Tür: Berliner Schaum zum Fest

Mit "Oh - es riecht gut, oh - es riecht fein" startet ein Kinderlied übers Weihnachtsbacken. Auch wer nicht backt, hat in Berlin viele Gelegenheiten, lokales Zuckerzeug zu erstehen. In Reinickendorf zum Beispiel kommt die Süßigkeit aus dem Kupferkessel und hat handgetupfte Augen.

Aufbrühen und Warmhalten (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 12. Tür: Aufbrühen und Warmhalten

Wir tragen Levis-Jeans und fahren Daimler, und immer wenn die Knochen knacken, gehen wir zum Röntgen. Ginge es nach dieser Logik, müssten wir unterwegs beim Trinken eines heißen Kaffees sagen: Hm, ein echt heißer Burger. Reinhold Burger kam aus Brandenburg.

Hier suppt nichts durch (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 14. Tür: Hier suppt nichts durch

Diese Brandenburger Erfindung gehört derzeit zu den wohl am meisten gehassten Umweltsünden. Schon allein bei seiner Erwähnung häuft man eine Tonne CO2 auf seinem persönlichen Umweltkonto an. Dabei war es so sauber gestartet.

Draußen nur Kännchen (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 15. Tür: Draußen nur Kännchen

1721 soll es das erste Kaffeehaus in Berlin gegeben haben, also vor fast 300 Jahren. Seitdem hat sich in Berlin eine ordentliche Kaffeehauskultur entwickelt. Geblieben aber ist aus dieser Zeit, dass das doppelte "E" am Ende keine Pflicht ist.

Beitrag von Stefan Ruwoldt

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