Samstag in Berlin - Polizei erlässt breiten Auflagenkatalog für pro-palästinensische Demo

Fr 03.11.23 | 17:00 Uhr | Von Georg-Stefan Russew
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Archivbild: Bei einer Pro-Palästina-Demo in Berlin werden Palästina-Flaggen geschwenkt. (Quelle: imago images/Geisler)
Audio: rbb24 Inforadio | 04.11.2023 | Thomas Weber | Bild: imago images/Geisler

Unter strengen Auflagen soll am Samstag eine pro-palästinensische Demo in Berlin-Mitte stattfinden. Es könnte die größte Versammlung dieser Art werden. Die Polizei hat Vorkehrungen getroffen. Von Georg-Stefan Russew

  • mehrere pro-palästinensische Gruppierungen haben zu der Demo in Berlin am Samstag aufgerufen
  • Gewerkschaft der Polizei erwartet fünfstellige Teilnehmerzahl
  • 1.000 Polizisten im Einsatz
  • zahlreiche Auflagen der Polizei zu Symbolik und Aufrufen im Verlauf der Demo

Für einen am Samstag in Berlin-Mitte geplanten Protestmarsch gegen Verbote von pro-palästinensischen Demonstrationen sind vom Anmelder bisher 2.000 Teilnehmende benannt worden.

Mehrere pro-palästinensische Gruppierungen haben zu der Demo unter dem Titel "Demokratische Grundrechte verteidigen: Meinungsfreiheit auch für Palästinenser:innen" aufgerufen. Angemeldet hat diese nach Polizeiangaben eine Privatperson. Es sei nicht auszuschließen, dass die Versammlung mehr Zulauf erhalte, sagte Polizeisprecherin Anja Dierschke dem rbb. "Wir sind auch darauf vorbereitet", fügte sie hinzu.

Route der pro-palästinensischen Demo am Samstag in Berlin

Pro-Palästina-Demo am Samstag, 4.11.2023. (Quelle: rbb)
| Bild: rbb

Protest unter Auflagen

Hierfür habe die Polizei für die Versammlung einen breiten Auflagenkatalog erlassen, so Dierschke. Unter anderem wurde von der Polizei untersagt, dass von dem Aufzug nichts Gewaltverherrlichendes, nichts Antisemitisches und nichts Antiisraelisches ausgehen darf.

So sind demnach Symbole, Fahnen und Ausrufe sowie das Werben für Hamas, PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) und Samidoun untersagt. Ebenso wie der "From the river to the sea"-Ausruf und andere Parolen, die sich gegen das Existenzrecht Israels richten und antisemitisch zu werten sind. Sogenannte Palästinensertücher sowie Palästina-Flaggen seien erlaubt, könnten aber beschlagnahmt werden, wenn sie im oben genannten Kontext "unterstützend" eingesetzt werden.

"Wir werden zudem bis Versammlungsbeginn überprüfen, ob die Auflagen ausreichend sind oder gegebenenfalls durch das Betätigungsverbot von Hamas und Samidoun durch irgendwas ergänzt werden muss", so Dierschke weiter. Die Auflagen seien dem Anmelder bereits bekanntgegeben worden, unterstrich die Polizeisprecherin.

GdP rechnet mit fünfstelliger Teilnehmenden-Zahl

Insgesamt betrachtet geht auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) von einer "sehr dynamischen Lage aus", sagte deren Sprecher Benjamin Jedro dem rbb am Freitag. Denn: "Wir haben mittlerweile ein Konglomerat. Das ist nicht nur eine Organisation, die zum Protest aufruft. Es sind mittlerweile viele und es wird bundesweit mobilisiert", so Jendro weiter.

Unter anderem über soziale Medien haben die Gruppen "Palästina spricht" und die sogenannte "Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" für den Protest mobilisiert. "Wir rechnen am Samstag mit einer fünfstelligen Zahl an Teilnehmern", so Jendro.

Die Demo soll am Alexanderplatz am Neptunbrunnen um 14 Uhr starten und über die Karl-Liebknecht-Straße, Humboldt-Forum, Unter den Linden, Friedrichstraße und Leipziger Straße zum Potsdamer Platz ziehen. Bis maximal 19 Uhr soll die Versammlung laut Polizei laufen.

Aufrufende Organisationen nicht unproblematisch

Die aufrufenden Gruppen sind nach Angaben des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, nicht unproblematisch. "Die 'Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost' kommt auf den ersten Blick erstmal nicht aggressiv daher. Sie haben aber Sympathien für die BDS-Bewegung", so Klein.

BDS steht für die Abkürzung "Boycott, Divestment and Sanctions". Es handelt sich um eine transnationale politische Kampagne. Führende BDS-Vertreter bestreiten offen das Existenzrecht Israels und wollen diesen Staat abschaffen. "Und die Gruppe 'Palästina spricht' hat zumindest direkte Kontakte zu Hamas-Sympathisanten", so Klein.

Betätigungsverbot für Samidoun und Hamas erhöht Rechtssicherheit für Polizei

Klein äußerte großes Zutrauen in die Arbeit der Berliner Polizei und der Ordnungsbehörden. Gerade in den vergangenen Wochen nach dem Terror-Anschlag der Hamas am 7. Oktober in Israel hätten die Behörden die Situation mit vielen Demonstrationen in der Bundeshauptstadt sehr gut im Griff gehabt, vor allem wenn man das mit anderen Ländern vergleiche.

Das Betätigungsverbot für Samidoun und Hamas in Deutschland erhöhten zudem noch die Rechtssicherheit, dass die Polizei das Demonstrationsgeschehen im Griff behält, so Felix Klein weiter. Im Zweifel könne mit dem Verbot eine Versammlung schneller abgebrochen und aufgelöst werden. Aber mit Blick auf die letzten zwei Wochen liege laut Klein die Vermutung nahe, dass es zur Eskalation kommen könnte. Die genannten Vereinigungen hätten Kontakte in Milieus, die hochaggressiv agierten und dies möglicherweise ausnutzten, um die Stimmung anzuheizen, so Klein.

Am vergangenen Samstag hatten sich nach Polizeiangaben knapp 11.000 Menschen in Berlin an einer pro-palästinensischen Demonstration beteiligt. Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte zuvor mit Blick auf den Nahost-Konflikt das Recht auf Versammlungen in der Stadt bekräftigt.

Auch für pro-palästinensische Demonstrationen gelte die Versammlungsfreiheit, "so man keine Straftaten verübt", sagte Slowik dem rbb. Von 35 pro-palästinensischen Versammlungen, die zwischen dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober und dem 27. Oktober der Polizei angezeigt wurden, seien 17 untersagt worden, sagte Slowik.

1.000 Berliner Polisten im Einsatz

Die Berliner Polizei will am Samstag mit rund 1.000 eigenen Polizeikräften in den Einsatz gehen. Hierzu sind laut Dierschke auch Kräfte enthalten, die im gesamten Stadtgebiet unterwegs seien und entsprechende Einrichtungen schützten.

Die Berliner GdP hätte sich überdies gewünscht, wenn die Berliner Polizei aus anderen Bundesländern personelle Unterstützung bekommen hätte. Wenn die pro-palästinensische Szene bundesweit mobilisiere, müsste dies auch für die Polizeien gelten", so Landeschef Stephan Weh am Freitag.

Sendung: rbb24 Inforadio, 03.11.2023, 15 Uhr

Beitrag von Georg-Stefan Russew

48 Kommentare

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  1. 48.

    Nein Danke erstens reicht mir der Erdkundeunterricht und 2. keinen Bedarf. Ich kann nichts daran ändern, dass jetzt jeder meint sich sein Territorium zurückzuholen. Amiwahlen sind ja erst 2024, wer weiss was dann wieder auf der Welt los Ist Nachrichten sehe ich im Moment keine, möchte keine explodierenden Häuser sehen.Es muss endlich für die betroffenen Länder eine friedliche Lösung her.Es darf nicht sein, dass die Welt im Krieg versinkt.

  2. 47.

    Wenn Sie schon "Exodus" empfehlen, dann würde ich auf alle Fälle eher zu dem ursprünglichen Roman von Leon Uris raten. Das Buch gehört für mich auf alle Fälle zu meiner persönlichen Bestsellerliste.

  3. 45.

    Ich finde gut, dass an der Demo auch einige Israelis und Juden beteiligt waren. Frieden wird es nur mit einer Zwei-Staatenlösung geben, wozu sich beide Seiten die Hände reichen müssen. Der Krieg muss endlich aufhören!

  4. 44.

    Zitat: "Welcher "demokratische Prozess" ist das bitte, den es hier geben soll? Meinen Sie, Demos verbieten ist demokratisch? Auflagen erteilen, die bestimmte Meinungen verbieten, wie da oben im Artikel, ist demokratisch?"

    Ich bin grundsätzlich gegen ein pauschales Verbot von Demos; selbst wenn diese vereinzelt Menschen anziehen könnten, die unsere demokratischen und überhaupt geltenden zivilen Grundwerte missachten. Aber natürlich muss es dabei bestimmte Auflagen geben, die der Polizei die Möglichkeit gibt, bei Verstoß dagegen einzuschreiten. Denn wenn bspw. auf einer Anti-Kriegs-Demo Parolen wie "From the River to the Sea" o. ä. skandiert werden, müssen die Ordnungskräfte einschreiten können, da es sich dabei um Volksverhetzung und der Aberkennung des Existenzrechts Israels handelt.

  5. 43.

    Wer mehr über die Geschichte der Gründung des Staates Israel erfahren möchte, dem empfehle ich den 3,5 Stunden Film "Exodus", auch bei amazon-prime.

  6. 42.

    Meine Güte, zappa, natürlich kann nicht jeder einzelne "Ossi", "Wessi", "Südi" oder "Nordi" in einer parlamentarischen Demokratie, wie sie hierzulande besteht, an Gesetzesvorhaben der Bundesregierung mitarbeiten. Also was soll Ihre Polemik? Man kann sich aber bspw. durch Bürger-/Volksbegehren an Entscheidungsfindungen beteiligen und so das Leben in seinem 'Rajon' mitgestalten.

    Der User "Ossi" meinte ganz pauschal, dass hier in Deutschland keine Demokratie herrscht, weil man ja nur alle vier Jahre "Marionetten" wählen kann. Diese Aussage müsste doch selbst Ihnen etwas aufstoßen, zappa.

  7. 41.

    Obwohl sie mit ihrem Befund Recht haben, kann gerade Deutschland die Türkei nicht aus der Gleichung nehmen; insbesondere dann nicht, wenn uns unmittelbar das Flüchtlings- und Rohstoffthema und mittelbar die kalten- und warmen Kriegsherde nicht alle um die Ohren fliegen sollen.
    Tja das ist eben reale Weltpolitik. Und die Sache mit Griechenland ruht ja auch nur, solange beide Staaten Mitglieder der NATO sind.

  8. 40.

    Sorry, aber ihr Beitrag ist Unsinn. Wenn sie hier öfter lesen stellen sie fest, dass ähnliche Kritik öfter durchrutscht.

  9. 39.

    Da kommt heute viel Arbeit auf die Berliner Polizei zu. Die gestrigen Demos anderswo zu dem Thema deuten auf viel Antisemitismus und Terrorverherrlichung hin.

  10. 38.

    ...jetzt bekennt sich auch Erdogan für die Hamas - geht's noch? Die Türkei will in die EU aufgenommen werden. Ich glaube, das sollte so lange auf Eis gelegt werden, bis die antidemokratische Regierung in Ankara abgelöst wurde.

    Zudem muss der geplante Staatsbesuch von der Bundesregierung abgesagt und Erdogan ausgeladen werden!

  11. 37.

    Wenn Sie so am Grundgesetz hängen dann sollte Sie alle Artikel lesen. So auch den Artikel 8 GG. der lautet:
    Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
    Art 8
    (1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
    (2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.
    Wenn das Grundgesetz gilt dürften Viele nicht demonstrieren. Warum wird der Artikel 8 Abs.1 nicht angewendet? Danach dürften viele der Pro Palästina Demonstranten nicht daran teilnehmen.
    Übrigens, die Meinungsfreiheit ist kein absolutes Recht sondern nur in Grenzen der gültigen Gesetze erlaubt. Das fängt bei der Beleidigung an und geht über Kriegshetze und anstiften zum Völkermord. Das alles und vieles mehr wird nicht durch die Redefreiheit gedeckt.

  12. 36.

    Fehlt da das Fragezeichen? Wenn Demonstriert wird, kann ich nicht mehr machen was ich will. Denn ich muss mir andere Wege suchen. Auch da gibt es etliche Beispiele, das dem nicht so ist.Schlimm genug, dass gewisse Dinge einfach geduldet wurden und man sich in Berlin nicht mehr frei bewegen kann.

  13. 35.

    "Hier darf man nur sagen und denken, was die Politik vorgibt."

    Hier bei mir gilt das Grundgesetz und die darin verbriefte Rede- und Meinungsfreiheit. Selbst hier beim RBB kann man völligen Unsinn in die Welt posaunen. Und Politik wird gemacht von Menschen, die wir in ihre Positionen frei gewählt haben - fallweise muss man sich nur damit abfinden, dass eine Mehrheit der Mitmenschen jemand anderes für befähigter hält.
    Wo kann ich mich informieren, was Ihre Politik Ihnen vorgibt? Will ja nichts falsches denken oder schreiben, falls ich mal in Ihrer Diktatur vorbeikomme...

  14. 34.

    Kein Krieg ist gerecht und kein Opfer in der Zivilbevölkerung zu akzeptieren. Dieser Konflikt wird nicht auf unseren Straßen entschieden. Ich hoffe, alles bleibt friedlich und die Kundgebungen haben den Fokus nur auf die Menschen, die es aushalten müssen in Nahost.
    Menschen, die in Deutschland leben, egal wo sie herkommt oder an was sie glauben, müssen sich sicher fühlen. Wenn jetzt schon die Angst da ist und jüdische oder palästinensische Menschen instrumentalisiert werden, dann ist das falsch. Wenn Freundschaften in Frage gestellt werden, dann ist das beängstigend.

  15. 33.

    Und noch einmal für Sie. Das Massaker der Terroristen und der ständige Beschuss der Hamas, Hisbollah, Islamischer Dschihad, der Aufruf zur Vernichtung Israels erlaubt es tatsächlich, dass der demokratische Staat Israel sich nach dem Völkerrecht verteidigen darf. Palästinenser sollen sich in Sicherheit bringen. Wer hat die Babys Israels gewarnt? Alles andere ist zutiefst antisemitisch, weil absichtlich verdreht. Aus Respekt vor den Opfern, den Geiseln bitte fair bleiben, denn die Hamas befreien niemanden, der Terror lebt von Hass und Unfreiheit. Der Terror ist längst auf unseren Straßen und Juden erleben ähnliche Ängste, wie vor 100 Jahren. Der Terror muss vernichtet werden, er bedroht offensichtlich die liberale Welt, schauen Sie auf unsere Straßen. Es geht um die Existenz Israels und die weltweite Bedrohung von Menschen eines Glaubens. Es ist keine Zeit für Unwahrheit, das sind wir unseren jüdischen Mitbürgern tatsächlich schuldig. Habeck zuhören.

  16. 32.

    Was heißt, sogar -als "Ossi".? Was meinen Sie mit demokratischen Prozess? Ich kann mich mit den führenden Rechtsanwaltskanzleien in Verbindung setzen, wenn Gesetzestexte formuliert werden? Oder ich werde ganz einfach Lobbyist? Oder ich Gründe einfach eine Partei? Alles Problemlos möglich. Und sooo demokratisch. Ein Hinweis noch: In einer Demokratie ist die Freiheit der Presse elementar. Schauen Sie sich mal um: Die Großen fressen die Kleinen. Was bleibt auf der Strecke?Unabhängigkeit.

  17. 31.

    danke dass es zugelassen worden ist , dass man sich in Berlin nicht mehr bewegen kann.


  18. 30.

    Ach Ossi, die Demokratie ist so stark wie jene, die geschlossen vor der freiheitlich demokratischen Grundordnung stehen. Wo stehen Sie?

  19. 29.

    Sie leben in Russland, liebe Viola? Können Sie nicht irgendwie einen Weg finden, um aus der Diktatur zu fliehen, hier, in unsere freie Welt? Hier darf man alles sagen, tatsächlich.

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