Geplante Vertreibung aus Deutschland - Brandenburger AfD-Fraktion steht hinter Inhalten des rechten Geheimtreffens

Mi 17.01.24 | 11:33 Uhr
  88
Archivbild: Die Abgeordneten der Brandenburger AfD, aufgenommen am 23.11.2023 während der Sitzung des Brandenburger Landtags in der Aktuellen Stunde. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Audio: rbb24 Inforadio | 17.01.2024 | Jessica Wiener | Bild: dpa/Soeren Stache

Die AfD-Fraktion in Brandenburg hält weiter an ihrem Sprecher Tim Krause fest, der an dem rechten Treffen in Potsdam teilgenommen hatte. Auch inhaltlich steht die Fraktion dahinter. Das Treffen ist am Mittwoch Thema im Hauptausschuss in Potsdam.

  • Brandenburger AfD-Fraktion distanziert sich nicht von "Remigrations"-Ideen des Geheimtreffens in Potsdam
  • Fraktionssprecher Tim Krause, der an dem Treffen teilgenommen hat, soll im Amt bleiben
  • Treffen ist am Mittwoch Thema im Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung Potsdam

Inhaltlich distanziert sich die AfD-Fraktion in Brandenburg nicht zu den Positionen, die auf dem rechtsextremen Geheimtreffen in Potsdam besprochen wurden. Unter dem Begriff "Remigration" wurde dort geplant, Millionen Menschen aus Deutschland zu deportieren.

"Remigration ist kein Geheimplan, sondern ein Versprechen. Das sagte der Bundestagsabgeordnete René Springer, und besser kann man es nicht ausdrücken", so Hans-Christoph Berndt, Fraktionsvorsitzender der AfD im Brandenburger Landtag. Er verglich die Correctiv-Recherche mit der Bespitzelung in einem totalitären Staat. "Das was jetzt hier als versuchter Skandal aufgebaut wird, das ist ja ganz erkennbar der propagandistische und geheimdienstliche Versuch, die AfD zu zerquetschen". Das werde nicht funktionieren, so Berndt auf einer Pressekonferenz im Landtag.

Weidel trennte sich von Referent

Der Fraktionssprecher der AfD, Tim Krause, der an dem Treffen teilgenommen hatte, werde im Amt bleiben, gab Berndt auf einer Pressekonferenz bekannt. Tim Krause selbst war am Dienstag nicht anwesend. Krause nehme nicht selber an der Konferenz teil, um ihn vor Fragen der Journalisten zu schützen.

AfD-Parteichefin Alice Weidel hatte sich von ihrem Referenten Roland Hartwig getrennt, nachdem bekannt geworden war, dass er an dem Treffen teilgenommen hatte.

Strafrechtliche Einordnung im Hauptausschuss in Potsdam

Das Treffen von AfD-Politikern, Rechtsextremen und Neonazis in einem Hotel in Potsdam soll am Mittwoch Thema im Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung von Potsdam sein. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hat dazu den Verfassungschutz eingeladen. Dieser soll die Bedeutung des Treffens in strafrechtlicher Hinsicht einordnen.

Schubert betonte seit dem Bekanntwerden des Treffens mehrfach, dass für rassistisches Gedankengut in Potsdam kein Platz sei. Für den Fall, dass sich die vom Rechercheverbund Correctiv erhobenen Vorwürfe bestätigen, kündigte Schubert strafrechtliche Schritte an. Potsdam dürfe nicht in Verbindung mit menschenverachtenden Gewaltfantasien stehen, so Schubert.

Der Bundestag befasst sich am Donnerstagnachmittag in einer Aktuellen Stunde mit dem Thema. Die einstündige Debatte wurde von den Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP beantragt, wie der Bundestag am Mittwoch mitteilte.

Am Mittwochvormittag wurde das Treffen bereits im Innenausschuss des Bundestags besprochen. SPD, Grüne und FDP wollen dabei über "Erkenntnisse der Bundesregierung und des Bundesverfassungsschutzes über Treffen der Rechtsfront in Potsdam zur Erstellung von Plänen für eine 'Remigration'" sprechen, hieß es.

Linke für AfD-Verbotsverfahren

Der Fraktionschef der Brandenburger Linken spricht sich indes für ein Verbotsverfahren der AfD aus. "Ich weiß nicht, wie viele Empörungswellen wir jetzt noch wollen, bis wir einsehen, dass diese Partei keine normale Partei ist, auch wenn sie vielleicht demokratisch gewählt ist", sagte Sebastian Walter am Dienstag.

Dass sich die AfD von dem rechtsextremen Geheimtreffen nicht distanziere, mache den Sachverhalt noch deutlicher, so SPD Fraktionschef Daniel Keller. "Es kann niemand mehr sagen, der sein Kreuz bei der AfD macht, dass er nicht weiß, wofür sie steht und was sie eigentlich will", so Keller.

Bartsch fordert weniger Reden und mehr Handeln

Der Linken-Bundestagsabgeordnete, Dietmar Bartsch, sieht in einem Verbotsverfahren allein nicht die Lösung. Er sagte am Mittwoch im rbb24 Inforadio: "Da ist die Auseinandersetzung in der Gesellschaft, wo Parteien eine Rolle spielen, aber wo genauso
Kirchen, Gewerkschaften, Sozialverbände, letztlich jeder und jede einzelne gefordert sind, das darf nicht die juristische Auseinandersetzung ersetzen. Deswegen ja, Prüfung, ja Unterstützung, bitte weniger darüber reden, sondern mehr konkretes Handeln."

Bartsch nannte dabei Bundestag, Bundesrat und die Bundesregierung als diejenigen, die aktiv werden müssen. Mit Blick auf die Prüfungen für einen Verbotsantrag sagte der Linken-Politiker, was nicht passieren dürfe, sei, dass so ein Verfahren scheitert.

"Drei Bundesländer haben die AfD als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Das ist ja nicht irgendwie mal eine Wortformulierung, sondern da gibt es handfeste Begründungen. Wenn man das liest, kriegt man doch einigermaßen Angst, und genau das, diese Dimension, müssen wir sehen", so Bartsch.

Nach den Informationen von der Rechercheplattform Correctiv sprachen die Teilnehmer bei dem Treffen in Potsdam im vergangenen November über die Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland.

Sendung: rbb24 Inforadio, 17.01.2024, 10:40 Uhr

88 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 88.

    Die AfD in Brandenburg ist genauso rechtsradikal wie in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Der Verfassungsschutz muss auch bei uns den Landesverband als gesichert rechtsradikal einstufen.

  2. 87.

    Morgen in der Heute-Show:
    Migrant Sellner kann ja den Anfang machen, schleich di, "aussi, aussi, ab zum Südbahnhof" (Drahdiwaberl)
    Er wäre nicht der erste Österreicher, der abgeschoben wird (siehe Polacek/FAP) und zuhause erwartet ihn sicherlich auch ein Verfahren wegen "Wiederbetätigung", weil er mit deutschen Fahnen posiert.
    Aber natürlich ist das genauso kein Thema wie schweizer Wohnsitze "deutscher" Politiker oder lustige Dialekte von "berliner" AfD-Politikern, die glauben Prenzlauerberg wäre Pankow.
    Ansonsten gilt: "Wer FÜR Deutschland ist, ist GEGEN Berlin" und da Berlin nie gefragt wurde, obs Hauptstadt will, heissts auch nicht mehr Berlin, sondern endlich wieder Bonn.

  3. 86.

    Von 15% auf 13% ist kein Abstieg?
    Auf diesem schwachen Niveau immerhin 13% Wahlstimmenverlust seit 21.12.2023 (Allensbach)
    Q:
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/30321/umfrage/sonntagsfrage-zur-bundestagswahl-nach-einzelnen-instituten/

  4. 85.

    Prima, aber was wollen Sie mir sagen?
    Der gegenteilige Fall scheint markant häufiger.

  5. 84.

    Langsam um diese Partei in Brandenburg als gesichert Rechtsextrem einstufen zu können.

    Wann wird das entluch , der Demokratie zu liebe erfolgen.

  6. 83.

    Nochmal was zu @Steffens über 200000 Ausreisepflichtigen:

    Diese Zahl ist grob irreführend, weil über 85% von diesen eine Duldung oder anderen rechtlichen Grund haben, der eine Abschiebung in einem Rechtsstaat unmöglich macht.

    Wird "Rechten" natürlich nicht gefallen, aber im Zweifel wird halt der Rechtsstaat abgeschafft von den Rechtsextremen.

    (Daher auch das Beispiel meines Kollegen, dessen 3 Töchter alle studiert haben, das Studium der Töchter ist zb bis zur Einbürgerung auch so ein Duldungsgrund gewesen. Wird die Wirtschaft echt geil finden die alle abzuschieben.)

  7. 82.

    Wo sehen Sie einen Abstieg in Wahlumfragen bei den Grünen? Sie phantasieren..

  8. 81.

    Wo sehen Sie einen Abstieg in Wahlumfragen bei den Grünen? Sie phantasieren..

  9. 80.

    Bitte konkret! @Steffen

    Was muss die CDU/CSU denn ändern? Eine TOP5 würde mir schon reichen.

  10. 78.

    ... genau deshalb wird auch nicht nach Herkunft unterschieden, einfach, weil die Unterschiedlichkeit der Herkunft den Normalfall darstellt.

    Im Prinzip eine recht nachvollziehbare Logik, die der Kreis vom Lehnitzsee allerdings aufheben will.

  11. 77.

    Ist es von Bedeutung, den Deutungs-Unterschied eines Zeit-Journalisten und eines Richters herauszustellen oder ist das, auf Grund Ihres Kommentars, das Gleiche?
    Was haben Sie eigentlich gegen die CDU? Warum machen Sie alle Parteien schlecht, die nicht SPD heißen? Hat das Jobgründe, warum Sie Veränderungen nicht wollen?

  12. 76.

    Ich bin schockiert.... Ich dachte, wir hätten aus der Geschichte gelernt. Nie wieder darf es so weit kommen. Wehret den Anfängen!!

  13. 75.

    Die altbekannte Forderung der Rechtsextremen. Man müsse nur die "Politik" der Rechtsextremisten machen und schon wären die Rechtsextremisten überflüssig.

    Obendrein will uns die Stimme der rechtsextremen AfD noch weismachen die "Politik" der AfD wäre konservativ, bzw. die cDU Politik der letzten Jahrzehnte. Mitnichten.

    Die cDU hatte Faschisten in ihren Reihen hat aber nie faschistische Politik gemacht. Die Forderungen nach Deportationen und ethnischen Säuberungen beweisen das.

  14. 73.

    Wenn die afd Fraktion im Landtag hinter den Inhalten steht, dann schießen sie sich selbst ab. Und dann zu recht. Jedoch gibt es für mich auch die andere Seite zum Vorgang. Mittlerweile liest man ja auch die anderen ddtailierteren Begründungen, wie es gemeint war, was in der Berichterstattung nicht wirklich vorkommt, also Wahrheit durch weglassen. Zum anderen würde ich gern wissen, wie correvtiv an die Termine und Inhalte gekommen ist. Sollte ein V- Mann vom Verfassungsschutz dabeigewesen sein, könnte die ganze Sache kippen. Das sind alles Punkte, die mich dazu interessieren. Spätestens seit der Doku "Schattenwelten" auf ZDF stehe ich vielen Berichterstattung skeptisch gegenüber. Fatal ist nur der Zeitpunkt die s Treffens und dem Abstieg von SPD und Grünen bei wahlumfragen.

  15. 72.

    Ich selbst habe jahrelang mit einem Kosovoalbaner zusammengearbeitet, der 13 Jahre "nur" eine Duldung hatte, also offiziell "ausreisepflichtig" war. Mein AG *Chemieindustrie) wäre garantiert nicht gerade amused gewesen, wenn er diesen geschätzten Mitarbeiter (Chemietechniker) wegen einer dusselligen rechtsextremen AFD Regierung verloren hätte.

  16. 71.


    Ich selbst habe jahrelang mit einem Kosovoalbaner zusammengearbeitet, der 13 Jahre "nur" eine Duldung hatte, also offiziell "ausreisepflichtig" war. Mein AG *Chemieindustrie) wäre garantiert nicht gerade amused gewesen, wenn er diesen geschätzten Mitarbeiter (Chemietechniker) wegen einer dusselligen rechtsextremen AFD Regierung verloren hätte.

  17. 70.

    Ist es von Bedeutung, den Deutungs-Unterschied eines Zeit-Journalisten und eines Richters herauszustellen oder ist das, auf Grund Ihres Kommentars, das Gleiche?
    Was haben Sie eigentlich gegen die CDU? Warum machen Sie alle Parteien schlecht, die nicht SPD heißen? Hat das Jobgründe, warum Sie Veränderungen nicht wollen?

Nächster Artikel