Bahngipfel in Berlin - Wegner und Woidke fordern schnellen Ausbau des Schienennetzes

Mo 10.06.24 | 21:36 Uhr
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Michael Theurer (l-r), Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, und Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn, kommen zum Bahngipfel von Berlin und Brandenburg ins Rote Rathaus. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Audio: Antenne Brandenburg vom rbb | 10.06.2024 | Dietmar Woidke | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Berlins und Brandenburgs Länderchefs fordern eine Beschleunigung des Schienennetz-Ausbaus. Besonders die Strecken rund um Berlin und nach Polen seien von großer Bedeutung, sagten sie bei einem Treffen mit Bahnchef Lutz in Berlin.

Berlin und Brandenburg fordern vom Bund einen zügigen Ausbau der Schienenverbindungen in der Hauptstadtregion, nach Polen und in die Lausitz. Das betonten Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Montag nach einem Treffen mit Bahnchef Richard Lutz und Vertretern des Bundes in der Hauptstadt.

Die Länderchefs regten an, den Ausbau des Knotens Berlin in den "vordringlichen Bedarf" des sogenannten Bundesschienenwegeausbaugesetzes aufzunehmen. Das würde die Potsdamer Stammbahn, den südlichen und westlichen Berliner Innenring, die sogenannte Nordbahn und die Verbindung nach Wustermark betreffen. "Wir müssen stärker auf Beschleunigung setzen", sagte Wegner. Der Bahnverkehr dürfe nicht "ausgebremst" werden.

Von besonderer Bedeutung für den grenzüberschreitenden Schienenverkehr mit Polen sei der zweigleisige elektrifizierte Ausbau der Strecke Berlin-Küstrin. Als besonders wichtige Projekte hoben sie zudem die Strecke Berlin-Stettin, deren laufender Ausbau 2027 abgeschlossen sein soll, sowie Lübbenau-Cottbus hervor.

Woidke spricht sich für Kredite aus

Brandenburgs Ministerpräsident Woidke sagte, er spreche sich dafür aus, für den Ausbau der Infrastruktur auch mehr Kredite aufzunehmen. Jetzt nicht zu investieren, sei eine Art verspielte Zukunft für Deutschland, sagte er.

Er zeigte sich aber auch froh darüber, dass die Baufinanzierung für die Elektrifizierung und den zweigleisigen Ausbau der Strecke Lübbenau-Cottbus nun gesichert sei. Dafür seien 265 Millionen Euro eingeplant. "Damit rücken Berlin und Cottbus zukünftig näher zusammen. Ab 2027 werden deutlich mehr Züge in kürzeren Abständen auf der Strecke Berlin-Cottbus fahren können", so Woidke.

Täglich 300.000 Pendler zwischen Berlin und Brandenburg

Beide Regierungschefs wiesen darauf hin, dass zwischen Berlin und Brandenburg täglich 300.000 Menschen pendelten. "Wir brauchen ein zuverlässiges und zukunftsfähiges Bahnnetz, damit die Verkehrswende gelingt und wir unsere ehrgeizigen Klimaziele erreichen."

Ministerpräsidenten wollen schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren

Berlin und Brandenburg hätten bereits 335 Millionen Euro für die Planungen des Gemeinschaftsprojekts i2030 gebunden. Nun sei der Bund am Zug. "Wir fordern, dass der Bund seine Finanzierungszusagen einhält und die Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung Wegners und Woidkes.

Im Zuge des 2017 gestarteten Gemeinschaftsprojekts i2030 soll die Schieneninfrastruktur in der Hauptstadtregion entlang von acht Korridoren sowie im S-Bahn-Netz modernisiert und erweitert werden. Bis zu 200 Kilometer Bahnstrecke und bis zu 100 Stationen sollen neu- beziehungsweise um- oder ausgebaut werden. Dafür ist ein Investitionsvolumen von 10,6 Milliarden Euro vorgesehen. S-Bahnen und Regionalzüge sollen dann auf neuen Strecken, mit längeren Zügen oder in einem deutlich kürzeren Takt fahren.

Bahnchef will investieren

"Eine boomende Hauptstadtregion braucht eine starke Schiene, um noch mehr Menschen den Umstieg auf klimafreundliche Mobilität zu erleichtern", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Lutz. "Deshalb investieren wir 2024 gemeinsam mit den Ländern Berlin und Brandenburg und dem Bund rund zwei Milliarden Euro in die Eisenbahninfrastruktur." Damit würden wichtige Projekte vorangetrieben. Auch werde die Basis für weiteres Wachstum und eine Verkehrsverlagerung auf die Schiene geschaffen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 10.06.2024, 21:00 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Woidschker (Bahn)Gipfel? Da kommt immer was raus. Nämlich das was vorher schon alle wussten... „Ich erwarte, fordere, finde...“
    Es gibt einen liberalen Verkehrsminister im Bund, der der Bahn für die Infrastruktur Rekordinveatitionen zur Verfügung stellt. Gerade soviel wie verbaut werden kann. Wofür will nun der Finanzexperte Woidke die Jugend belasten? Da wo er Einfluss hat passiert wenig, oder doch? Wie weit ist denn die Kosten-Nutzen-Ananlyse der Stammbahn? Oder will er diese, ohne aktuelle Daten und schneller genehmigen lassen, ähnlich der „Flugroutenmethode“ oder „Grünheider-Grundwassermethode“?

  2. 15.

    Die mit Abstand bestausgebaute Strecke zwischen D. und P. ist die Linie R4. Wenn man die polnische Grenze Richtung Stettin erreicht hat denkt man man befände sich im Jahr 1946, also kurz nach dem Krieg. Gut finde ich auch wenn man von Berlin nach Pasewalk fährt ist die R4 gerade losgefahren und man wartet an einem netten Bahnhof 2 Stunden auf den nächsten Zug.
    Die Strecke Guben Richtung Polen und Frankfurt Richtung Polen sind nach 34 Jahren Ende des Kalten Krieges auch schön nostalgisch. Es gibt auch noch einen Schienenersatzverkehr zwischen Angermünde und Stettin, auf der man viele nette Dörfer kennenlernt. Die Strecke nach Küstrin/Kostrzyn hat ja eine neue, teure Brücke über die Oder bekommen, welche die Strecke um 2 Minuten verkürzt.

  3. 14.

    Zu den Zeiten hab ich von Seelow nach Schwedt 5 Stunden mit der Bahn gebraucht. Längste war der Aufenthalt in Angermünde. 2 oder 3 halbwegs nutzbare Verbindungen am Tag.
    Das ginge heute mit 2,5-3,5 Stunden noch nicht richtig schnell aber deutlich schneller und im 2 Stundentakt auch deutlich häufiger.
    Solange das Bundesverkehrsministerium in CSU oder FDP Hand bleibt, wird die Bahn aber weiterhin weit unter ihren Möglichkeiten bleiben.

  4. 13.

    Das wird ganz hervorragend! :)
    Wir sprechen und in fünf Jahren und werden leider mal wieder feststellen dass absolut nichts passiert ist.....

  5. 12.

    Hat Herr Woidtke nicht großmundig verkündet das die S-Bahn wieder bis nach Rangsdorf fahren soll? Und dann hieß es plötzlich: Nö, lohnt sich wohl doch nicht. Komisch nur das die Regiozüge im Berufsverkehr mehr als gut genutzt sind. Sind doch alles nur Phrasen im Wahlkampf!
    Vielleicht sollten ja die Straßen besser ausgebaut werden und Fahrradwege zugunsten neuer Fahrstreifen für Autos genutzt werden, das ist doch der neue Zeitgeist in diesem Land. Rückwärts immer, vorwärts nimmer oder so...

  6. 11.

    ach, was hat hr. wegner nicht alles vor seiner wahl versprochen....bisher alles nur heiße luft...

  7. 10.

    Es gab Zeiten da bin ich fast in jedes Dorf mit der Bahn gefahren.

  8. 9.

    Vor ein paar Jahren wäre daß so viel einfacher, einfach Strecken die in die 90er Jahre geschlossen wurden reaktivieren.

  9. 8.

    Seit Jahrzehnten nur schöne Absichtserklärungen und Bla Bla Bla von den Verantwortlichen! Man müsste, man sollte, man könnte.... oder wollten die Herren nur mal den SPNV in und um Berlin nutzen und sind nun in der täglich desaströsen Wirklichkeit angekommen. Wie so oft denkt der geneigte Leser und SPNV (Schienenpersonennahverkehr) Nutzer: Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! ...."ich verstehe ihre Frage so dass es Menschen in Berlin und Brandenburg gibt die meinen dass wir das Schienenetz verkommen lassen, ääh...mir ist nicht bekannt das solche Absicht besteht und die dafür notwendigen Mittel voll eingesetzt werden. Niemand hat die Absicht das Schienennetz verkommen zu lassen"...

  10. 7.

    Berlin - Cottbus im südlichen Abschnitt nur eingleisig, das ist echt ein Armutszeugnis. Ist so, als wenn man die A13 nur als einspurigen Feldweg baut, wo jedes Fahrzeug stoppen muss, um den Gegenverkehr vorbei zu lassen.

  11. 6.

    Ich erlebe jeden Tag Ausfälle der s- Bahn ( Teltow - Friedrichstraße) ich kann es nicht mehr hören „ Zug fällt leider aus“ . Die S26 fällt jeden morgen aus. Bin seit 5 Uhr unterwegs )6:00 Uhr nur um zur Friedrichstraße zu kommen und ich bin noch nicht angekommen! Ich bin mehr als sauer und fühle mich auf den Arm genommen.

  12. 5.

    Herr Woidke möchte Kredite aufnehmen? Was hat das Land Brandenburg die ganzen Jahre mit den steigenden und sprudelnden Steuereinnahmen gemacht? Wohnungsbau stottert, Infrastruktur? Und es bleibt wieder einmal bei den üblichen Aussagen: "Wir sollten, wir müssten ". 2027 soll dann endlich der zweigleisige Ausbau Richtung Cottbus fertig sein. Schon? Eine berauschende Geschwindigkeit.

  13. 4.

    Aus den Erfahrungen der letzten 30 Jahre bedeutet der letzte Absatz nichts anderes als noch mehr Ausfälle durch unfähige Bauplanung und desaströse Bauausführung! Diese Meldung ist doch ein Witz! Wegner als ein Vertreter der Autofahrer Partei nummer Eins, ist völlig unglaubwürdig! Seit der Wende wurde Schienennetz permanent abgebaut und nun kommen die Herren aus dem Musstopf!? Das ist doch ne Finte, deswegen grinsen die auch so!

  14. 3.

    Was die Ostbahn angeht, so sollte der zweigleisige üAusbau der Strecke Vorrang vor einer möglichen Elektrifizierung haben. Nur so lässt sich die extreme Verspätungsanfälligkeit gerade dieser Strecke verringern.

  15. 2.

    Ausbau ok und gleich die alten Schienen renovieren.
    Woidke/Wegner ein Dream-Team! Wirklich!

    Das wird gut.

  16. 1.

    Wird ehrlich gesagt auch langsam mal Zeit

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