Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister spricht am 13.08.2020 in Berlin. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Video: Abendschau | 18.08.2020 | S. Wendling | Bild: dpa/Britta Pedersen

Corona-Pandemie - Müller will bei Corona-Regeln in Bars und Kneipen "nachsteuern"

Am Dienstagmittag hat der Berliner Senat über das Corona-Geschehen in Berlin informiert. Der Regierende kündigte an, dass die Testkapazitäten deutlich erhöht werden sollen. Handlungsbedarf sieht Müller auch bei Kneipen - und plädiert für eine Kampagne.

Angesichts anhaltender Verstöße gegen Corona-Regeln in Kneipen und Restaurants sieht der Berliner Senat Handlungsbedarf. "Wir haben das Gefühl, dass da nachgesteuert werden muss", sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag nach der Senatssitzung.

Aufklärungskampagne in Bars und Kneipen

In die Sitzung des Senats am Dienstagvormittag waren Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga eingeladen worden, die ihre Erfahrungen schilderten. Sie sicherten Müller Unterstützung zu. So wolle der Verband noch einmal den Wirten nahe bringen, wie man Anwesenheitslisten korrekt führe und warum das auch im Interesse der Gäste liege. Denkbar sei auch eine Aufklärungskampagne mit Plakaten, Postkarten oder Radiospots.

Er plädiere für eine Kampagne, "die ein bisschen wachrüttelt", so Müller. Denn: "Wenn mit den Regeln nicht durchsetzbar ist, was uns wichtig ist, wenn die Infektionszahlen steigen (....), wenn das nicht anders geht, muss man vielleicht die nächsten Lockerungen verzögern,
aussetzen oder sogar Dinge zurücknehmen."

Alkoholverbot an Hotspots nicht beschlossen, aber denkbar

Viele Gastwirte und auch Gäste gingen verantwortungsvoll mit der Situation in der Corona-Pandemie um. "Aber wir sehen eben auch das Gegenteil - von der Eckkneipe bis zum Sterne-Lokal", beklagte Müller. Abstandsregeln würden bisher nicht beachtet, Anwesenheitslisten zur
Kontaktnachverfolgung gar nicht oder unter Missachtung des Datenschutzes geführt.

Aus diesem Grund sei auch immer noch ein Alkoholverbot vorstellbar, das nur an einigen Hotspots gelten könnte. Müller verwies hierbei auf die Zuständigkeit der einzelnen Bezirke. Den Ordnungsämtern sei zusätzliches Personal zur Verfügung gestellt und geschult worden, sagte Müller. Wichtig sei bei der Umsetzung eines Alkoholverbots aber auch, es richtig umzusetzen: "Neue Regeln muss man dann mindestens exemplarisch durchsetzen, sodass sich bei den Betroffenen auch ein Lerneffekt einstellen kann."

Testskapazitäten deutlich ausweiten

Müller informierte auch darüber, dass der Senat eine Ausweitung der Testkapazitäten in zwei Wochen plant, zum Beispiel über private Testlabore. "Es kommen immer mehr Reiserückkehrer, wir wollen auch immer mehr in Schulen testen und auch bei Sportveranstaltungen und Kultur usw.", sagte Müller.

Auch die Teststationen an den Flughäfen sollen länger geöffnet bleiben und sich an die Landezeiten der Flugzeuge an den Berliner Flughäfen anpassen. Zuletzt berichteten Fluggäste mehrfach, dass sie nach der Landung am Abend vor verschlossenen Teststationen standen.

Müller lobt Konzept des 1. FC Union - hält es aber für nicht umsetzbar

Lobend sprach sich Müller über die Idee des FC Union aus. Der Fußballverein stellte am Dienstag seine Teststrategie vor, damit Zuschauer wieder in die Stadien kommen können: Präventive Tests sollen an den Ticketverkauf gekoppelt werden und damit die Abstandsregeln ersetzen. Mit seinem Konzept hat der Klub beim Gesundheitsamt ein Testspiel von 3.000 Zuschauern beantragt.

Allerdings sei das Konzept wegen der fehlenden Testkapazitäten nur schwerlich realisierbar, so Müller. Die Prioritäten lägen derzeit an anderer Stelle: "Wir brauchen sie im Moment viel dringender im medizinischen und Ausbildungsbereich diese Tests." Außerdem kenne Müller aktuell noch keinen Wissenschaftler, der verlässlich bestätigen könnte, dass ein negativer Test ein Garant dafür sei, 24 bis 36 Stunden nach dem Test niemanden anstecken zu können. "Solange wird es nicht eins zu eins umzusetzen sein, wie sich Union das vorstellt."

Sendung: Inforadio, 18.08.2020, 6:30 Uhr

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86 Kommentare

  1. 83.

    Humor ist ..... wenn man trotzdem lacht !
    Aber es wird doch erst jetzt interessant, denn jetzt geht es an die Dinge die alle betreffen und nicht nur die Spaßgesellschaft, Fußballfans, Reisende usw.
    Jetzt werden die Weihnachtsmärkte verboten und Spahn hat schon mal vorsorglich angekündigt, dass es im nächsten Jahr mit dem Karneval nicht gut aussieht.
    Und da gab es dann doch Gegenwind...... "die Entscheidung ob Karneval oder nicht hat nicht Herr Spahn zu treffen"

  2. 82.

    Hey, das Leben ist schön und für permanente Ernsthaftigkeit und womöglich noch Verbiestertsein viel zu kurz!
    Und wenn jetzt schon Humor, Ironie, Spott, Sarkasmus auf Inkompetenz schließen lassen, bin ich inzwischen vielleicht sogar schon subversiv? So schnell kann's gehen.
    Dann also, extra für Sie, ein Hurra auf die Digitalisierung in Deutschland! In 20 Jahren sind wir dann ja vielleicht auch so weit wie Estland heute.
    Ach so, die neuen Zahlen heute im Tagesbulletin des RKI: der Anteil der positiven Tests steigt nicht, die Testzahlen der Vorwoche wurden ordentlich nach oben korrigiert und der Anteil der positiven Tests ist offenbar so gering, dass inzwischen zwei Nachkommastellen ausgewiesen werden statt einer.

  3. 81.

    Was gibts jetzt an den Zahlen des RKI zu zweifeln? Der Prozentsatz der positiven Tests bezogen auf die Gesamtheit ist von Juni bis heute stetig von knapp 5 auf 2,5% gefallen. Nachdem sich die Zahl der Tests aber weit mehr als verdoppelt hat muss natürlich auch die absolute Zahl der positiven Ergebnisse steigen.

  4. 80.

    Verraten Sie alleine durch die Tatsache nun Berlin isoliert von Deutschland sehen zu können.
    Weiterhin ist die Positivrate steigend, wie Sie ja selbst zugeben müssen.
    Wir waren Wochen stabil bei 0,6 % bis Tönnies als isoliertes Ereignis die Zahlen verändert hat.
    Wir haben derzeit keine isolierten Ereignisse mehr, sondern eine Ausbreitung in der gesamten Fläche.
    Den Zahlen von Berlin traue ich ohnehin nicht, da Berlin natürlich versucht unter 160 Infektionen zu bleiben, da ansonsten die zweite Ampel auf Rot stünde.
    Von Finnland wurde Deutschland heute zum Risikogebiet erklärt.
    Leider sind unter den Verschwörungstheoretiker mittlerweile auch Ärzte in dubiosen Arbeitsgruppen vertreten, die per Internet Gefälligkeitsatteste für Maskenmuffel verkaufen.
    Ihr ironischer Tonfall spricht da auch nicht gerade für Kompetenz!

  5. 79.

    Da hat's wohl einer nicht so mit dem Sarkasmus :-)
    Der Anteil der positiven Tests ist in Deutschland bis zur 22. KW stetig gesunken und wabert seitdem im Diagramm nahezu gleichmäßig um die 1% dahin. Abgesehen von einem kurzzeitigen Allzeittief in der 27. und 28. KW bei 0,6%. Morgen kommen dann die genauen Zahlen für die letzte Woche, heute muss man sich vorerst noch mit den Rategrafiken begnügen, bei der ich für Berlin sogar einen niedrigeren Anteil vermuten/erraten würde, ist leider unscharf - RKI-Technik des 21. Jahrhunderts, smile - wie in den Schulen.

  6. 78.

    Nachsteuern ist zuwenig - klar definierte Maßnahmen sind erforderlich !

  7. 77.

    Der Virus ist da und wir werden damit leben müssen wie mit Grippe und Aids. Es kann und wird keinen ewigen Shutdown geben. Sowie es, laut anerkannten Virologen, auch keinen 100 prozentigen Impfstoff geben wird. Wir werden lernen müssen damit um zu gehen. Man will jetzt sehen, wie weit sich der Bürger in seiner Freiheit einschränken lässt, ohne zu rebellieren.

  8. 76.

    Wir wissen ja nicht, in welchen Sphären sich Katharina bewegt, aber 3000 € (ich nehme mal brutto an) sind imho nicht prekär. Vielleicht käme sie damit auch netto nicht über den Monat....
    Gruß
    Hajakon

  9. 75.

    Ich werde mein Wahlverhalten wohl überdenken müssen.

  10. 74.

    Ja, aber bitte! Berliner Abendschau 01.08.: Polizeisprecher und Reporter vom rbb sprechen von einer friedlichen Demo. Darauf im Studio im Interview mit Müller, der redet von Chaoten, Randalierern. Volker Wieprecht sieht sich genötigt nachzufragen, was denn der Reg. Bürgermeister mehr als die Polizei weiß. Na ja stammelt Müller ... An diesem Abend war in Neukölln die Linke Hölle los mit vielen Verletzten ... nichts dazu vom Meister Müller.

  11. 73.

    Das war die Antwort auf Frankreich Masken auch auf der Straße.
    Die von mir genannten Zahlen beziehen sich auf ganz Deutschland.
    Ergebnis Anzahl Anteil ( % )
    negativ 4.034.686 - 97,5
    positiv 105.255 - 2,5
    Gesamt 4.139.941 - 100,0
    Es ist zwar die Gesamtzahl aller Tests....die neu hinzugekommenen erhöhen hier nicht das Ergebnis Test/Infektionen

  12. 72.

    Es ist schon ein Kreuz...... da will Müller hart durchgreifen und schon die Androhung reicht aus und schwups sind die Zahlen wieder unter 100.
    Er entwickelt sich zu einem 2. Chuck Norris :D

  13. 71.

    Die Positivrate ist von KW 28 bis 32 von 0,6 auf 1,0% gestiegen und steigt auch weiter!
    Unabhängig der Anzahl von Testungen steigt der prozentuelle Anteil an!
    Ansonsten könnte Ihre Tonalität etwas freundlicher sein.
    Wer alleine an einer Ampel steht, der braucht auch keine Maske!
    Lächerliche Erfindungen der Aluhüte.

  14. 70.

    Unverantwortlich in Berlin..... da Infizieren sich täglich zig Leute weil sie ohne Maske an der Ampel stehen und auf grün warten und keinen interessiert es.
    Ach wer dann mal schauen möchte wie sich die Zahlen entwickeln ..... aber Vorsicht einige könnten schockiert sein.....der Anteil Test/Neuinfektion sinkt seit Wochen kontinuierlich weiter....
    https://ars.rki.de/Content/COVID19/Main.aspx

  15. 69.

    Schon mal einer darauf gekommen das vllt Plastikbecher in Bars die Ansteckung reduzieren könnte.
    Hab noch nie gehört das das Zusammengefechte in den Öffis zu den Hotspots gehört.
    Warum sollte es also in Bars anders sein?
    Wie aber Gläser in Kneipen und Bars abgewaschen werden haben die meisten schon erlebt.

    Oh mein Gott. Hab ich Plastikbecher gesagt .
    Jetzt werden mich die grünen verfluchen.

  16. 68.

    "so können auch die mattesten Pennys an Diskussionen teilnehmen", wie Sie ja mit Ihrem beleidigenden Kommentar unter Beweis stellen.

  17. 67.

    Lieber Herr Klinger,

    haben wir auf dem Schirm und werden auch zu gegebener Zeit von (vor)berichten.

    Liebe Grüße,
    rbb|24

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