AfD bezichtigt Müller der Panikmache - Irritation um jungen Corona-Toten in der Charité

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller bei einer Rede im Abgeordnetenhaus. Quelle: dpa/Fabian Sommer
Bild: Fabian Sommer/dpa

In der Berliner Charité soll in der vorigen Woche ein junger Mann an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben sein. Doch in der Statistik taucht er nicht auf. Die AfD warf dem Regierendem Bürgermeister Müller deshalb vor, er habe den Todesfall nur erfunden.

Die AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus hat dem Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) Panikmache und die Verbreitung einer falschen Erzählung in Bezug auf die Corona-Pandemie vorgeworfen.

Am Donnerstag hatte Müller bei einer Plenarsitzung angemahnt, dass die Lage in der Corona-Pandemie ernst sei und eine Virus-Infektion auch für junge Menschen lebensgefährlich sein könne. Dabei nannte Müller das Beispiel eines jungen Mannes in der Charité, der an Covid-19 gestorben sei. Konkret sprach Müller von einem 30 Jahre alten Türken, einem "Kerl wie ein Baum", der ohne Vorerkrankungen auf die Intensivstation gekommen und verstorben sei.

AfD spricht von "Fakenews"

Der AfD-Abgeordnete Marc Vallendar suchte darauf in der amtlichen Statistik und wies Müller darauf hin, dass dieser Todesfall nicht in der Statistik des Senats auftauche: "Haben sie diesen Fall erfunden oder ist die Statistik des Senats falsch?", fragte Vallendar.

Darauf entgegnete Berlins Regierender Bürgermeister, dass er sich mit seiner Aussage auf Angaben der Ärzte in der Charité berufe. Auf diese Angaben verlasse er sich, so Müller.

Die AfD-Fraktion warf Müller daraufhin in den sozialen Medien die Verbreitung von "Fakenews" vor und teilte mehrere Bilder der amtlichen Statistik als vermeintliche Belege. "Zum Glück gibt es in der offiziellen Statistik NULL Tote in diesem Alter", so die Fraktion. Der Tweet wurde bis Freitagnachmittag bereits mehr als 250 Mal geteilt und mehr als 650 Mal mit "gefällt mir" markiert.

Müllers Verwechslung

Tatsächlich hat sich ein ähnlicher Fall, wie Müller ihn beschrieben hat, ereignet. Nach Informationen des rbb starb vorige Woche in der Charité allerdings nicht ein 30-jähriger Türke, sondern ein 33 Jahre alter Lkw-Fahrer aus Rumänien, der auf dem Weg durch Deutschland erkrankt war und mehrere Tage in der Charité behandelt wurde.

Insofern dürfte Müller zwei Fälle verwechselt haben: Denn ein 30 Jahre alter türkischer Staatsbürger liege derzeit auf der Intensivstation in der Charité und wird dort künstlich beatmet.

Dass der Fall des verstorbenen Lkw-Fahrers nicht in der offiziellen Berliner Statistik auftaucht, liegt daran, dass Corona-Fälle stets in die Statistik der offiziell gemeldeten Wohnorte einfließen. "Die Meldung hat an das Gesundheitsamt zu erfolgen, in dessen Bezirk sich die betroffene Person derzeitig aufhält oder zuletzt aufhielt", heißt es beim Robert-Koch-Institut [rki.de]. Das bestätigte eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI) rbb|24 am Freitag auch noch einmal. Die zuständige Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit war am Freitagnachmittag für Anfragen nicht mehr zu erreichen.

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82 Kommentare

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  1. 82.

    Es dürfte bekannt sein, dass rumänische (und andere osteuropäische) LKW Fahrer unter erheblichem Stress stehen.
    Schlafmangel (schlafen oft die paar Stunden in den LKW´s), überlange Fahrzeiten, kein so gutes Essen, dazu schlechte Bezahlung, Existenzsorgen über die heimische Familie usw.
    Großer negativer Stress befördert es krank zu werden bzw. macht sogar krank.
    Und ob der Rumäne (wenn die Geschichte so stimmen sollte) tatsächlich dann an Covid19 ursächlich gestorben ist, darf dann auch nochmal angezweifel werden. Hat man das etwa mit diesem untauglichen PCR-Test festgestellt?

  2. 81.

    Auf jeden Fall hat es nachweislich jetzt auch einen prominenten AfD-Querdenkerdemoteilnehmer aus Sachsen erwischt. Ende November noch in Berlin mit Post ganz stolz auf der "friedlichen" Querdenkerdemo, dann erkrankt, intubiert und jetzt verstorben. Auch hier wussten Ärzte und Pfleger die eigene Gesundheit riskieren, um zu behandeln. Und wie viele wurden von ihm angesteckt!

  3. 80.

    Niemand darf der AfD das Monopol auf Desinformation, Lügen und Disruption streitig machen. Mit Fakenews kennt man sich dort schließlich aus - man verbreitet mehrheitlich genau solche. Mit Doppelstandards hat man es bei Rechten ja öfter mal zu tun. Es macht das eigene Weltbild so viel bequemer. Müller, im Unterschied zu AfD-Abgeordneten wie Wähler*innen, hat sich aber nicht auf Facebook, Telegram oder PI-News "informiert", sondern in einer meidizinischen Angelegenheit einen Mediziner wiedergeben wollen. Dass es gar keine Rolle spielt, ob es exakt um Person xy geht, sondern darum, dass diese Krankheit nunmal grundsätzlich jede*n erwischen und schwere Folgen auch nach Genesung hervorrufen kann, ist zu sachlich. Das möchte die AfD nicht. Stattdessen fordert man die Genauigkeit und Transparenz ein, die man selber nie liefert und redet am eigentlichen Thema bewusst vorbei. Hauptsache, Empörung und heiße Luft. Inhalt? Null.

  4. 78.

    Von den in der Verantwortung stehenden Personen kann man erwarten und verlangen, dass sie sich über Krankheitsverläufe informieren lassen, auch durch Ärzte. Solange keine Namen genannt werden, wüsste ich aus meiner Sicht nicht, was daran zu beanstanden wäre.

  5. 77.

    Nicht den Sachverhalt verdrehen. Der Afd Mann hat die gültigen offiziellen Statistiken ausgewertet. Das muss reichen, Es ist Müller, der angabengemäß auf Zuruf ohne konkret zu werden, von irgendwelchen "Ärzten" redet, Müller hat ggf. auch Mitarbeiter, die das vorher genauer prüfen können. Das ganze klingt sowieso konstruiert, seit wann plaudern "Ärzte" über Krankengeschichten Dritter mit Müller?

  6. 76.

    Erst einmal war es eine Verwechslung, Fake News sind Sache ihrer rechtsextremen AfD. Zum anderen, welche Fehler?

  7. 75.

    Was sagt denn der Datenschutzbeauftragte der Charite ? Wer posaunt denn da Persönliche Daten ? Woher weiß Hr. M Müller etwas, das normalerweise nicht einmal die Unverheiraten Mütter der biologischen Väter erfahren würde ?

  8. 73.

    Wenn jemand diese Bezeichnung verdient, dann doch wohl die Allianz für Demagogie, die in Ihrem Städtchen die stärkste Fraktion stellt. Aber Sie wünschen sich anscheinend die totale Machtübernahme dieser nach den nächsten Wahlen.

  9. 72.

    Was hätten Sie wohl gesagt, wenn die AfD diese unwahre Geschichte verbreitet hätte? Wahrscheinlich beschimpft, beleidigt etc.

    Aber schließlich kann man die Partei schön für alles Elend verantwortlich machen, um von seinen eigenen Fehlern abzulenken.

  10. 71.

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    *hüstl*

  11. 70.

    Diese Hoffnung ist wohl vergebens.

    Die SPD wird wahrscheinlich auch 2021 wieder ins Abgeordnetenhaus wieder einziehen!

  12. 69.

    Auch wenn es zu einer Verwechslung kam, 33 ist kein Alter und es geht ums Prinzip: Diese Krankheit tötet auch junge und vor Kraft strotzende Menschen. Das ist allgemein bekannt und muss deswegen nicht weniger stimmen, nur weil es zurzeit keinen Berliner betrifft.

  13. 68.

    Ich war zwischen diesem und dem ersten Lockdown über 30 Mal in meinem Lieblingsrestaurant essen. Mein Restaurant wurde in dieser Zeit nie wegen einem Corona-Fall aufgrund der Kontaktverfolgung geschlossen. Dafür hatte mein Restaurant jedoch sehr viele Hygienemaßnahmen umgesetzt. Ich denke, die Restaurants allgemein sind wirklich nicht das Problem.

    Herr Müller sollte sich wirklich um Genauigkeit bemühen und keine schwarzen Schafe benennen, wo es sie gar nicht gibt. Die Rufschädigung, welche Einzelhandel und Restaurantgewerbe sonst einklagen könnten, wird wahrscheinlich der Steuerzahler tragen müssen und nicht Herr Müller persönlich.

  14. 67.

    Ja, meine Frage war rhetorisch und sollte zum Nachdenken anregen. Es geht um alle intensivpflichtige Patienten- das scheinen manche zu verdrängen.

  15. 66.

    Ich wundere mich,dass auf einmal Einzelhandel und ÖPNV an der Verbreitung schuld sein sollen,obwohl dort seit Monaten Maske getragen wird.

  16. 65.

    Hoffentlich scheitert die Spezialdemagogische Partei 2021 an der Fünfprozenthürde.

  17. 64.

    Klingt ziemlich aufgeregt, Ihr Kommentar. Ich bleibe trotz Ihrer Tirade dabei, dass man sich als Politiker absichern sollte und nicht plappert, bevor man ausreichend recherchiert hat. Ich bestreite mit keinem Wort, dass auch junge Menschen an Corona oder gar harmloseren Sachen sterben können. Deren Anteil ist aber gering. Es hochzuspielen, mit Fakefällen sogar, dient der Sache nicht und ist sogar schädlich.

  18. 63.

    "Für welche Patienten wurden denn die ganzen Intensivbetten vor der Corona-Krise benötigt?"

    Nun: Nachbeatmung/mehrtägiges künstl.Koma nach großen Ops, Unfälle(Straße,Arbeit,Haushalt), Herzinfarkt, Ang.pectoris,Schlaganfall,Leber/Nierenversagen(gern auch gleichzeitig),Diabetes (Schock/Koma), Bauchspeicheldr.-entzündung, Herzrhythmusstörungen,Atemnot versch. Ursachen,Blutgerinnungsstörungen,schwere Verläufe von Infektionskrankheiten, Sepsis, Vergiftungen(Unfall/vers.Selbsttötung),Rauchvergiftung,Strangulation,Verbrennungen, Lungenentzündung,Lungenversagen, Embolien, Thrombosen,Schilddrüsenüberfkt., Blutungen im Magen/Darmtrakt, Krampfanfall,Alkoholentzugsdelir, COPD,Pat.unter Blutgerinnern op-fähig machen(weil akut notwendig) usw-usf

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