Einfahrt zum Zentralen Festplatz
Audio: Inforadio | 08.11.2019 | Sebastian Schöbel | Bild: imago

Standort für neue Fußballarena - Hertha und Senat kommen sich im Stadionstreit näher

Tegel, Olympiapark, Brandenburg? Viele Standorte für Herthas neues Stadion wurden diskutiert, ohne Ergebnis. Nun aber sprechen Verein und Senat konkret über ein Grundstück, das sogar ein Plätzchen für das Gründungsschiff bietet. Von Sebastian Schöbel

Eigentlich hat sich seit dem 31. März 2017 nichts verändert: Damals verkündete Hertha BSC offiziell den Plan, ein neues, eigenes Fußballstadion zu bauen - am liebsten im Olympiapark. Heute, mehr als zweieinhalb Jahre später, sagt Herthas Stadion-Manager im rbb-Interview: "Wir halten nach wie vor das Olympiagelände für den besseren Standort, weil er die bessere infrastrukturelle Anbindung hat."

Nur kann Hertha dort nicht bauen: Das bevorzugte Grundstück in der Sportforumstraße gehört einer Wohnungsgenossenschaft. Die hat, wie der rbb im Oktober exklusiv erfuhr, erneut und endgültig ein millionenschweres Kaufangebot des Vereins abgelehnt.  

Alle Augen auf Tegel

Nun wird also das Angebot des Senats, die Arena stattdessen auf oder am Flughafengelände in Tegel, zu bauen, immer konkreter, sagt Teichert. "Wir haben mit unseren Planern die Standortoptionen, die aus unserer Sicht in Betracht kommen, durchgespielt, und die Tegel Projekt GmbH hat das für die präferierten Standorte auch gemacht. Jetzt haben wir unsere Sachen zusammengelegt. Das wird jetzt ein kooperatives Miteinander und lässt sich gut an."

Dass der Vorschlag zu Tegel von Innensentaor Andreas Geisel (SPD) kam, wertet Teichert als kleinen Sieg: Man habe damit Herthas Stadionwunsch akzeptiert. Allerdings sind bei den vier untersuchten Standorten in Tegel, darunter auch dem Festplatz, noch etliche Fragen offen, vor allem beim ÖPNV-Anschluss. Der fehlt dort nämlich. Trotzdem wird nun ernsthaft geprüft, ob ein Stadionbau am Zentralen Festplatz möglich wäre. Teichert jedenfalls bleibt beim angekümdigten Zeitplan. "Wir wollen im ersten Quartal 2022 mit dem Bau anfangen, weil wir dann bis zum Sommer 2025 die Baumaßnahme abschließen können."

Genau in diesem Punkt gewinnt aber der Olympiapark mit seinem gigantischen S-Bahnhof jeden Vergleich. Deswegen bringt Teichert weiterhin das Maifeld als Stadionstandort ins Gespräch. Der Platz sei nämlich ausreichend, sagt Herthas Stadionmanager, der Denkmalwert hingegen fraglich. "Es ist als nationalsozialistischer Aufmarschplatz geplant und gebaut worden", so Teichert, "und danach war dann relativ wenig Betrieb dort."

Jedenfalls nicht so viel wie 1937, als hier Italiens faschistischer Diktator Mussolini auf Einladung von Adolf Hitler auftrat und zu 700.000 Berlinern sprach.

Am Festplatz wäre sogar Platz für die "Hertha" (das Schiff)

Das Maifeld: Ein Nazi-Relikt, das nicht geschützt werden sollte? Berlins oberster Denkmalschützer, Christoph Rauhut, sieht das anders. Auf Nachfrage des rbb, ob das Maifeld Stadionbauplatz sein könnte, antwortet der Landeskonservator: Das Feld sei ein "überragendes Zeugnis der Olympischen Idee wie aber auch der Bau- und Kunstpolitik im Dritten Reich. Eine Überbauung des Maifelds ist insofern nicht genehmigungsfähig."

In Tegel gäbe es keinen solchen historischen Ballast. Der Zentrale Festplatz inklusive der umliegenden Grünfläche bietet laut Insidern sogar genug Raum für Parkplätze - und einen U-Bahnanschluss. Die passende Geschichte für das neue Zuhause auf dem Festplatz würde sich dann fast von selbst schreiben: Die Heimkehr der Hertha. Denn der Festplatz liegt im Wedding. Und als der sich noch Bezirk nennen durfte, hatte Hertha BSC dort sein erstes echtes Stadion, die "Plumpe".

Und das bis dahin wohl restaurierte Gründungsschiff "Hertha" könnte sogar direkt an der Arena anlegen. Denn direkt vor der Haustür verläuft der Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal.

Kommentar

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25 Kommentare

  1. 25.

    Brandenburg reicht doch wohl für Herta.

  2. 23.

    warum muss denn die ganze Stadt zugebaut werden ??? Das macht doch keinen Spaß mehr, geht doch ins Umland, wo noch platz ist... hm Schönefeld wäre vielleicht gut, da ist ein Gebäude, sollte mal ein Flughafen werden.....

    Der Stadtring wird hübsch aussehen, wenn die wirklich auf den Zentralen Festplatz gehen. Zudem gibts in berlin denn auch keinen Rummelplatz mehr. gewinnt bei der ganzen Sache auch jemand ? Außer das Ego vom Bauherren ?

  3. 21.

    Hallo Berta, Ihr Kommentar wurde inzwischen freigegeben. Wir lesen jeden Beitrag sorgfältig und beantworten ihn gegebenfalls, wodurch es zu Verzögerungen in der Freischaltung kommen kann. Geduld ist eine Tugend.

  4. 20.

    ..und Frank Zander hat dort ne Imbissbude…:-)

  5. 19.

    Die Lage des neuen Stadions wäre okay, aber die fehlende Bahn Anbindung schließt diesen Standort doch schon wieder aus. Selbst wenn man die Verbindung zeitlich schafft: Wie will man das den Menschen z. B. im Märkischen Viertel verkaufen, die schon seit Jahrzehnten auf eine Anbindung warten?

  6. 18.

    Die östliche Seite ab der A111 ist Ortsteil Wedding. Reinickendorf ist westlich der A111. Es kommt also darauf an wo sich der Bauplatz befinden soll. Der Festplatz ist östlich, also Wedding (Mitte).

  7. 17.

    RBB hat mein Kommentar wieder mal nicht gepasst?

  8. 16.

    Natürlich entsteht tatsächlich der Eindruck, das der Senat durch ständiges zünden von Nebelkerzen, den Bau dieses Stadions verzögert. Die wollen unbedingt die Miete für das Olympiastadion und am liebsten über 2025 hinaus. Es gibt einfach keine (ausreichende) ÖPNV-Anbindung zum Festplatz. Nur mit Bussen wird sich so ein Bundesligaspiel sicher nicht abzuwickeln lassen. U-Bahn ? Das würde in Berlin wahrscheinlich Jahrzehnte dauern. Ausreichend Parkplätze ? Bei dem fanatischen Hass von R-R-G auf den Autoverkehr kann ich mir das nicht vorstellen. Nein, der Plan des Senats ist für mich persönlich klar. Verschieben, prüfen, verwerfen, anbieten, prüfen, blockieren ….. bis ein Stadion nicht mehr in der benötigten Zeit gebaut werden kann.

  9. 15.

    Stimmt - das klang 1997 tatsächlich noch ganz anders - und man wundert sich
    "„Ja, wir sind mit Hertha im Gespräch“, bestätigt Thorsten Schmitt, Vorstandsmitglied der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG, die zu Beginn des Jahres die Wohnanlage von einem norwegischen Fond gekauft hat. „Denn einem Stadionneubau möchten wir nicht im Wege stehen.“"
    siehe https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/immobilien/wohnungen-im-berliner-olympiapark-fuer-herthas-neues-stadion-muessten-die-mieter-weichen/19939772.html

  10. 13.

    Bis zur Verwaltungsreform 2001 war der Wedding ein eigenständiger Bezirk, seit dem ist Wedding ein Ortsteil des Bezirks Mitte. In der Ecke verläuft die Grenze zwischen Reinickendorf und Wedding/Mitte, entlang des Kurt-Schumacher-Dammes bis zum Kapweg. Die Kaserne gehört ebenfalls zu Wedding/Mitte, genauso wie der Baumarkt. Der Kutschi (der Platz)mit U-Bahn und Einkaufscenter sind Reinickendorf.

  11. 11.

    Denkmalschutz bedeutet die Aufbewahrung des Feuers und nicht der Asche. Was an einem nationalsozialistische Aufmarschplatz so eine "überragendes Zeugnis der Olympischen Idee" sein soll, soll doch der Herr Rauhut genauer erklären. Jetzige Olympische Idee ist vorallem die Nachhaltigkeit, davon kann hier nicht die Rede sein. Alles was nicht von Hertha genutzt wird verfällt seit Jahrzehnten vor sich hin.

    "Die hat, wie der rbb im Oktober exklusiv erfuhr, erneut und endgültig ein millionenschweres Kaufangebot des Vereins abgelehnt. " 2017 klang das noch ganz anders. Der RBB kann auch mal berichten das im Hintergrund seitens der Politik geklüngelt wurde um den Stadionbau zu verhindern. Wie kommt es dass die Genossenschaft die Bauten plötzlich erweitern will? Die Fläche ist für Wohnungsbau nicht vorgesehen. Auch wird in der Umgebung der Wohnungsbau gezielt verhindert und daran scheiterte das Angebot von Hertha weil der Bezirk Bauflächen nicht zu Verfügung stellen will.

  12. 10.

    Inwieweit ist man sich näher gekommen?

    Die bisherigen Veranstalter haben einen gültigen Mietvertrag und wollen sicher ein Ausweichplatz für einen Umzug. Noch steht der Vertrag!

    Ein Anschluss an den ÖPNV gfehlt komplett. Von südlicher Seite kann man das Gelände nur über die Autobahn erreichen. Hier müsste der Senat etliche Millionen investieren. Zeitlich müsste man dann zusätzlich zum Sank-Nimmerleins-Tag warten.

    Berlin hat bereits ein gigantisches Gelände das eigentlich dem professionellen Leistungssport und Großveranstaltungen gewittmet ist und hervorragend am ÖPNV angeschlossen ist. Dies blockiert man sich wegen Schwarzbauten und einen seltsamen Denkmalschutz.

  13. 8.

    Es hat schon etwas Komisches wenn man diesen Artikel liest. Es ist ja schon zu begrüßen, dass man jetzt Gespräche führt, das ganze läuft dann auf einen 10 bis 15 Jahresplan hinaus Verkehrsanbindung zur Baugenehmigung usw. Somit bleibt Hertha im Oly. Das ganze mit dem Hinweis das Maifeld ist schützenswert weil es die "Olympische Idee aber auch Bau und Kunst im Dritten Reich wiederspiegelt" ?! Hallo geht's noch! Haben wir nicht in Berlin genügend Hinweise die auf Bau und Kunst im Dritten Reich hinweisen! Das Gelände sollte als Sportstätte aktiviert werden das ist die Olympische Idee und kein Denkmal als Paradestätte. Das alles von einem linken Senat hat schon etwas ulkiges. Da kann ich nur sagen toll gemacht Herr Geisel Punktsieg.

  14. 7.

    Der Zentrale Festplatz gehört tatsächlich zum Bezirk Mitte - genauso wie die Kaserne. Reinickendorf endet am Flughafen bzw. dem Autobahnzubringer.

    Ansonsten unterschreibe ich: Hauptsache eine neues Stadion! HaHoHe!

    Aufgrund der fehlenden U- oder S-Bahn ist der Platz aber absolut ungeeignet - und bis da vielleicht mal eine U-Bahn fährt dauert es noch mindestens 10 Jahre. Es nützt ja nix, 2025 dort ein neues Stadion zu haben - und keiner weiss, wie er da hinkommt.
    Und obwohl die Autobahn daneben verläuft, wird es schwierig sein, auch die Autos effektiv dahin zu bekommen. Denn es würde nur eine einzige Zu- bzw. Abfahrt über den Autobahnzubringer geben - und damit ein schönes Nadelöhr.

    Auch hier Vorteil des Geländes am Oly - hier kann man auf vielen Straßen aus allen Himmelsrichtungen fahren.

    Dann lieber doch auf dem Maifeld - vielleicht etwas tiefer gelegt, damit die tollen "Sichtachsen" erhalten bleiben...

  15. 6.

    Nein, die Autobahn, die dort entlangfährt, gehört zwar noch zu Reinickendorf, der zentrale Festplatz hingegen liegt aber schon im Wedding :)

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