Füchse-Trainer Jaron Siewert, hier noch im Dress von TuSEM Essen. Quelle: imago images/Beautiful Sports
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Interview | Neuer Füchse-Coach Jaron Siewert - "Jetzt muss der Traum mit Leben gefüllt werden"

Jaron Siewert wechselt vom TuSEM Essen zu den Füchsen - seinen "neuen" Verein kennt er aber bereits bestens. Lange Jahre war er als Spieler bei den Füchsen aktiv. Am Freitag leitet Siewert erstmals das Training der Bundesliga-Mannschaft. Für ihn erfüllt sich ein Traum.

rbb|24: Jaron Siewert, Sie sind 26 Jahre jung und schon Trainer bei den Füchsen Berlin. Nicht von irgendeiner Jugendmannschaft, sondern Coach der Bundesliga-Mannschaft. Mittlerweile ist das kein Traum mehr, sondern Realität. Haben Sie sich daran schon gewöhnt?

Siewert: Gewöhnung wird wohl nie eintreten - es ist immer etwas Besonderes, in der ersten Liga und dann noch beim Heimatverein aktiv zu sein. Man wird die Rolle also irgendwann wahrnehmen und verstehen, Gewohnheit wird es aber hoffentlich nie.

Theoretisch könnten Sie vom Alter her sogar noch Spielertrainer sein. Kommt das noch in Betracht für Sie?

(Lacht) Nein, auf keinen Fall! Es ist mittlerweile schon vier Jahre her, dass ich das letzte Mal ein Spiel bestritten habe - der Trainingsrückstand wäre also sehr groß. Mit dem Kapitel habe ich abgeschlossen.

Beim Begriff Spielertrainer fällt einem sofort Jürgen Klopp ein. Auch Klopp hat in Mainz den fließenden Übergang vom Spieler zum Trainer gewählt. Er wurde mittlerweile als Welttrainer des Jahres ausgezeichnet. Wie sehen Ihre langfristigen Ziele aus?

Ich bin damals schon mit dem Ziel gestartet, erstklassig arbeiten zu können. Das habe ich als Spieler nur sehr kurz geschafft. Als Trainer wollte ich deshalb schnellstmöglich in die erste Liga und im besten Fall auch zu den Füchsen Berlin zurück - das habe ich nun geschafft. Jetzt muss der Traum, der wahr geworden ist, mit Leben gefüllt werden. Ich möchte gewinnen und Erfolge mit den Füchsen haben. Natürlich möchte ich den Füchsen auch etwas zurückgeben - sie haben mir schon sehr viel ermöglicht. Persönliche Ziele stelle ich deshalb erst einmal hinten an.

Was bedeutet Ihnen die Rückkehr nach Berlin konkret?

Es war ein großes Ziel, vielleicht ein Plan, der in Erfüllung geht. Ich habe bewusst den Schritt nach Essen gemacht und investiere täglich viel Energie und Leidenschaft in diesen Sport. Natürlich ist es auch ein Schritt zurück zu meiner Familie - auch der Verein ist ein Stück Heimat für mich. Bei den Füchsen bin ich aufgewachsen und habe hier einen sehr großen Teil meiner Jugend verbracht. Trotzdem werde ich aber auch Essen immer verbunden bleiben. Dort habe ich meine Freundin kennengelernt, auch mein Sohn ist dort vor knapp acht Monaten zur Welt gekommen.

Sie haben mit manchen Ihrer Spieler, zum Beispiel Fabian Wiede oder Paul Drux, in der Jugend zusammengespielt. Wie ist Ihr Umgang als Trainer jetzt mit den ehemaligen Kollegen?

Es ist natürlich eine andere Art des Zusammenspiels. Man muss die Arbeit ganz klar von dem trennen, was einen privat oder abseits des Handballs miteinander verbindet. In der Trainingshalle oder bei Spielen haben wir jetzt ein Arbeitsverhältnis. Es ist aber natürlich auch gut, dass ich sie schon lange kenne. Man hat eine gewisse Basis, ein Vertrauensverhältnis. Das ist ein sehr großer Vorteil.

Sie können sehr leidenschaftlich über Handball sprechen. Andere Sportarten wie Fußball waren in der Kindheit nie eine Option für Sie?

Ich habe sehr spät angefangen, ein bisschen zu kicken. Alle, die mich kennen, werden meine Fußballkünste aber nicht unbedingt loben. Sie werden wohl eher sagen: Es war gut, wenn er im Tor stand und uns nicht behindert hat... Andere Sportarten liegen mir nicht wirklich - ich habe mein ganzes Leben lang Handball gespielt. Immerhin war ich seit meinem sechsten Lebensjahr bei den Füchsen.

Wie kam es damals dazu, dass Sie bei dem Klub anfingen?

Ich bin in Berlin-Reinickendorf aufgewachsen - in unmittelbarer Nähe des Flughafen-Tegel. In meiner Schule, der Mark-Twain-Grundschule, gab es eine Handball-AG. Die betreuenden Trainer waren von den Füchsen. Es hat mir einen solchen Spaß gemacht, dass ich dann irgendwann auch zum Vereinstraining gegangen bin - dort bin ich dann über all die Jahre hängen geblieben.

Was sind Ihre Ziele mit den Füchsen in der Zukunft?

Der Verein hat in der Vergangenheit schon Erfolge gefeiert. Ich komme auch nicht zu den Füchsen und sage, komm' lasst uns die internationalen Plätze erreichen. Das Ziel muss sein, oben anzugreifen. Keiner sagt: Platz zwei ist ein super Ziel. Am Anfang geht man von der Spitze aus. Wenn es dann am Ende nicht funktioniert, muss man sehen, woran es noch gehapert hat - grundsätzlich gehen wir aber ins Training, um die Besten zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jens-Christian Gußmann, rbb Sport. Es handelt sich um eine redigierte und gekürzte Fassung.

Sendung: Inforadio, 17.07.20, 10:45 Uhr

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