Olympiasiegerin Franziska John beim Kajak-Einzel (Quelle: picture alliance / dpa / Soeren Stache)
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Kanutin Franziska John - Trainingseinheit mit Kinderwagen

Kanutin Franziska John sitzt wenige Monate nach der Geburt ihrer Zwillinge wieder im Boot. Die Qualifikation für die Spiele in Tokio kommt für sie zwar zu früh, aber ihre Karriere will die Potsdamer Olympiasiegerin noch nicht beenden. Von Lynn Kraemer

Wenn Franziska John momentan früh aufsteht, dann greift sie nicht mehr nach ihrer Trainingstasche und rennt zum Training. Stattdessen kümmert die Potsdamerin sich um ihre Söhne Theo und Henri. Die Zwillinge kamen Anfang Januar zur Welt. Franziska Johns gesamter Alltag hat sich dadurch verändert. Für ihre große Leidenschaft, den Kanusport, versucht sie, so gut es geht, Zeit zu finden.

"Ich schaue, ob man es schafft, dass man wenigstens einmal am Tag ein bisschen Sport machen kann", sagt die Olympiasiegerin von 2012. Schon während der Schwangerschaft trainierte sie so lange wie möglich weiter, um fit zu bleiben. Jetzt machen Familie und Freunde das Training möglich, wenn ihr Mann keine Zeit hat auf die Zwillinge aufzupassen. Ihr Umfeld sei “so groß, wie es nur geht und dafür sind wir unendlich dankbar.” Sie findet aber auch nicht immer jemanden, der eine Runde mit dem Kinderwagen drehen kann, während sie im Kraftraum oder auf dem Wasser ist. "Da bleibt dann der Sport, dass man einige zügige Schritte mit dem Kinderwagen durch Potsdam schiebt", sagt Franziska John.

Familienplanung und Leistungssport

Dass die 31-Jährige nach der Geburt wieder in den Spitzensport zurückkehren will, ist nicht selbstverständlich. Die Beispiele von Sportlerinnen mit Kindern sind in der Weltelite eher selten. In einer nicht repräsentativen Online-Befragung des SWR unter 719 Spitzensportlerinnen gab nur jede zehnte Teilnehmerin an, dass sie sich von ihrem Verein oder Verband dabei unterstützt fühlt, ein Kind zu bekommen und weiter am sportlichen Wettbewerb teilzunehmen. Jede zweite Sportlerin sagte, dass die Karriere Einfluss auf die Familienplanung hat [swr.de].

Beim Kanu-Club Potsdam ist Franziska John als Mutter nicht allein. Mit Katrin Wagner-Augustin, der vierfachen Olympiasiegerin, hat sie sogar ein Beispiel, dass es möglich ist, schnell wieder an die vorherigen Erfolge anzuknüpfen. Wagner-Augustin bekam ihren Sohn im August 2011, schaffte es sich für die Olympischen Spiele in London zu qualifizieren und holte zusammen mit Franziska John im Vierer-Kajak Silber.

Keine Olympischen Spiele im Sommer

Für Franziska John wird es voraussichtlich keinen Medaillenjubel in Tokio geben. Da ist sie realistisch: "Das Herz brennt schon noch dafür, aber die Qualifikationswettkämpfe kamen jetzt für mich und für meinen Körper auch einfach viel zu früh." Nach den ersten leichten Trainingseinheiten fehle es ihr vor allem an Kraft. "Ich merke auch, was natürlich ganz normal ist, nach einer Schwangerschaft, dass ich die Rumpfmuskulatur noch gar nicht wieder so nutzen kann, wie das vorher der Fall war", sagt sie.

Im Training will sie auf ihren Körper hören und sich nicht überfordern. "Ich glaube, er braucht auch einfach Zeit, um wieder der zu werden, der er mal war", sagt Franziska John und fügt mit einem Lachen hinzu: “Wenn ich gekonnt hätte, wie ich gewollt hätte, hätte ich schon drei Tage nach der Geburt wieder im Boot gesessen, aber so geht das halt nicht." Sie setze sich da nicht unter Druck.

"Man fragt sich schon, wo man gelandet wäre"

So ganz kann die Kanutin aber nicht loslassen. "Man guckt dann neben sich und sieht die Jungs, wie sie einen anstrahlen und dann denkt man schon, das ist genau das Richtige. Aber der Leistungssportler in einem hat halt noch Feuer gefangen und man fragt sich dann schon, wo man gelandet wäre", erzählt Franziska John.

Zu den Zwillingen kommt auch Johns Studium dazu. In Potsdam studiert sie Bauingenieurwesen. Noch ist sie in Elternzeit, will aber in diesem Jahr ihren Abschluss machen. Wirkliche Zeit für Pausen hat Franziska John nicht. Aber sie ist motiviert für die Olympischen Spiele in drei Jahren in Paris zu trainieren, "weil ich einfach wissen will, was mein Körper und ich unter diesen Bedingungen leisten kann."

Sendung: rbb UM6, 10.04.2021, 18 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ja, dieser Sport kann süchtig machen :-). Alles Gute für die Zukunft.

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