Ausschreitungen im Gästeblock - Energie Cottbus verpasst in Unterhaching den Aufstieg in die dritte Liga

So 11.06.23 | 15:18 Uhr
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Enttäuschung bei Energie Cottbus: Jonas Hildebrandt. / imago images/foto2press
Video: rbb | 11.06.2023 | SpVgg Unterhaching - Energie Cottbus in voller Länge | Bild: imago images/foto2press

Energie Cottbus hat die Rückkehr in den Profifußball verpasst. Die Lausitzer verloren das Rückspiel um den Drittliga-Aufstieg in Unterhaching mit 0:2. Die Partie musste zwischenzeitlich wegen Ausschreitungen im Cottbuser Block unterbrochen werden.

Energie Cottbus muss auch in der kommenden Saison in der viertklassigen Regionalliga Nordost antreten. Die Lausitzer verloren am Sonntagnachmittag das Rückspiel um den Drittliga-Aufstieg mit 0:2 (0:1) bei der SpVgg Unterhaching. Auch im ersten Duell am Mittwoch hatte sich das Team von Trainer Claus-Dieter Wollitz bereits geschlagen geben müssen. Ex-Cottbuser Mathias Fetsch erzielte bereits nach 17 Minuten im ausverkauften Sportpark das 1:0 für die Gastgeber, Simon Skarlatidis legte in der Nachspielzeit das entscheidende 2:0 nach.

Mitte der zweiten Hälfte warfen die Cottbuser Fans Leuchtraketen, Bierbecher und Eisenstangen auf den Platz und versuchten, in den Innenraum einzudringen. Die Polizei marschierte auf und setzte Tränengas ein. Nach einer fast viertelstündigen Unterbrechung wurde das Spiel - mit zahlreichen Einsatzkräften vor dem Auswärtsbereich - fortgesetzt.

Drei Wechsel in der Startelf

Claus-Dieter Wollitz wechselte nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel drei Mal. Wie erwartet startete der - am Mittwoch noch gesperrte - Dennis Slamar in die Innenverteidigung. Tobias Eisenhuth rückte dafür wieder auf seinen angestammten Platz im Mittelfeld und verdrängte dort Arnel Kujovic. In der Offensiv-Abteilung durften gleich zwei Neue von Beginn an ran: Jan Shcherbakovski und Malcolm Badu ersetzten Maximilian Oesterhelweg und - durchaus überraschend - Nicolas Wähling, den Regionalliga-Toptorschützen der Lausitzer.

Das Selbstvertrauen der Lausitzer war trotz des missglückten ersten Spiels groß. "Wir steigen am Sonntag auf", hatte Wollitz angekündigt und das gleich mehrfach. Mindestens 5.000 Cottbuser Fans - allesamt ganz in rot - unterstützten ihr Team lautstark im Sportpark am Rande von München. Sie sahen eine Anfangsphase, die auf dem Platz nicht mit dem Spektakel auf den Rängen mithalten konnte. Unterhaching stand - mit dem Sieg im Rücken - sehr tief und kompakt in der Defensive und machte es bemühten Cottbusern schwer, Lücken zu finden.

Shcherbakovski scheitert, Haching trifft

Das gelang erstmals nach 14 Minuten: Da flankte Kapitän Axel Borgmann von der linken Seite, Shcherbakovski köpfte im Tiefflug am zweiten Pfosten aufs Tor und zwang SpVgg-Torhüter René Vollath zu einer Glanzparade. Während der 33-Jährige so eine - durchaus verdiente - Cottbuser Führung verhinderte, zeigten die Hachinger auf der anderen Seite kurz darauf erneut die Effizienz des Hinspiels. Nach einem Einwurf dribbelte sich Patrick Hobsch ohne entscheidende Gegenwehr in den Strafraum der Lausitzer. Den Schuss der Topstürmers der SpVgg aus kurzer Distanz konnte FCE-Keeper Elias Bethke noch so gerade abwehren, der Abpraller landete jedoch genau vor den Füßen von Mathias Fetsch, der zur 1:0-Führung für die Hausherren traf (19.).

Cottbus war vom überraschenden Rückstand spürbar geschockt. Haching stand nun deutlich höher, presste aggressiver und stellte die verunsicherten Gäste immer wieder vor große Probleme. Energie spielte in dieser Phase viel zu ungenau und hatte Glück, dass die Bayern - etwa durch einen Hobsch-Kopfball nach einem Freistoß (29.) - nicht auf 2:0 erhöhten. Es wäre eine frühe Vorentscheidung gewesen.

Latten-Kopfball und Unsicherheiten beim Keeper

Erst nach einer guten halben Stunde kam das Team von Claus-Dieter Wollitz langsam wieder zurück in die Partie. Erneut war es Vollath, der nach 36 Minuten im Eins-gegen-Eins gegen Timmy Thiele rettete und so den Ausgleich verhinderte. Es blieb aber die einzige Top-Chance bis zur Pause für Energie. Gegen die gut sortierte Abwehr der Bayern fehlten die Ideen. So war Unterhaching weiterhin das torgefährlichere Team - sei es nach Kontern oder Standards. Manuel Stiefler köpfte nach einer Ecke an die Latte (44.), kurz darauf war es erneut der 34-Jährige, der nach einem Freistoß fast von einem Patzer von Bethke profitierte (45.+2).

Zur zweiten Hälfte wechselte Wollitz: Für Tobias Hasse, dem die Gelb-Rote Karte drohte, kam Paul Milde. Und nur eine Minute nach Wiederanpfiff hatte Cottbus die riesige Chance zum 1:1: Nach einem Steilpass tauchte Badu völlig frei vor Vollath auf, doch der blieb lange stehen und entschied das Duell - wie schon gegen Shcherbakovski und Thiele in der ersten Hälfte - für sich (46.). Cottbus war danach bemüht, den Druck hochzuhalten. Das Spiel in die Spitze lief weitaus schneller als noch in den ersten 45 Minuten, Unterhaching igelte sich zusehends ein.

Spielunterbrechung: Cottbuser Fans drängen in den Innenraum

Wollitz versuchte nun alles, brachte mit Wähling und Tim Heike weitere Power für die Offensive. Erfolg hatte das aber zunächst nicht. Stattdessen verlagerte sich der Schauplatz auf die Ränge. Cottbuser Fans warfen rund 20 Minuten vor Spielende Leuchtraketen, Bierbecher und Eisenstangen auf den Platz. Zudem gelang es ihnen, mehrere Tore zum Spielfeld von innen zu öffnen. Ordnungsdienst und Polizei hielten die Anhänger - auch unter Einsatz von Pfefferspray - davon ab, in den Innenraum zu stürmen. Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz und Präsident Sebastian Lemke gingen in die eigene Fankurve und waren bemüht, die Situation zu beruhigen. Für fast eine Viertelstunde war die Partie unterbrochen.

Als das Spiel wieder lief, sorgte die SpVgg Unterhaching für die sportliche (Vor-)Entscheidung. Hobsch setzte Simon Skarlatidis in Szene, der - alleine gelassen von weit aufgerückten Cottbusern - aus rund 16 Metern zum 2:0 traf (90.+3). Für die Bayern geht es nun in die dritte Liga, während Regionalliga-Nordost-Meister Energie Cottbus viertklassig bleibt.

Sendung: Fritz, 11.06.2023, 15:30 Uhr

52 Kommentare

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  1. 52.

    Nein nicht im geringsten! Gemessen am Fußballdurchschnitt in Deutschland, bleibt Cottbus einfach ein Provinzverein , und so benimmt sich auch der Anhang.
    Das einzige wo Energie Cottbus Champions League reif ist , ist das Mimimi wenn es mal nicht läuft wie erwartet, aber das kennt man ja aus dem Landstrich nun schon zur Genüge… , bei jeder sich bietenden Gelegenheit wird rum geheult.

  2. 51.

    Und Energie war nicht in der Lage diesen kleinen popligen Verein zu schlagen. Wer ist nun Popliger.

  3. 50.

    Nach diesen schlechten Spielen hat diese Gurkentruppe in der 3. Liga
    einfach nichts zu suchen.

  4. 49.

    Cottbus ist so ein richtiger Witzfiguren-Verein, in der Führung, auf und um dem Platz bis hin zur Berichterstattung.
    Überall werden aberwitzige Ausreden für das eigene Versagen gesucht und teils Fakten verdreht.
    Die SpVgg Unterhaching gibt es schon länger als jeder hier alt ist, das ist ein Fakt.
    Vielleicht sind bei Cottbus mehr "Fans" im Stadion, aber auf diese Hooligans kann denke ich jeder verzichten.
    Wer die eigene Trainerbank mit Leuchtrakten beschießt und bis zur Brandstiftung randaliert,
    der gehört aus diesem Sport vollständig entfernt, solche "Fans" will keiner im Stadion haben.
    Natürlich wird auch hier die Ursache und Begründung beim Sicherheitskonzept gesucht.
    Ohne solche "Fans" bräuchte man gar keines und die normalen Leute und Familien waren froh,
    dass die Polizei so schnell reagiert und eingegriffen hat.
    Schlechtes Verlieren, das einzige das dieser Verein kann.

  5. 48.

    Das war ich: Die Fankultur in Unterhaching ist ja wohl um Lichtjahre angenehmer als die Aggressionsschübe der Cottbuser. Und der Fußball dort scheint auch deutlich besser zu sein.

  6. 47.

    Die Gründungen von Fußballclubs in der DDR wurden nicht von Staats wegen aufoktroiert, sondern vom DFV durchgeführt, um eine Konzentration der Fußballtalente zu erreichen; und zwar ausnahmslos an traditionsreichen Standorten - manche auch in Gegenden, die nach gutem Fußball lechzten, wie hier schon richtig geschrieben wurde. Energie Cottbus blieb dabei übrigens eine BSG und hatte in den 80ern dann eins der stimmungsvollsten Stadien der Oberliga. In der DDR war es übrigens so, dass jeder Sportverein einen Trägerbetrieb hatte. Und das ständige Lamento mit Tradition und Plastikclubs habe ich doch wohl am meisten aus München, Dortmund, Frankfurt Westberlin etc. vernommen. Irgendwer wollte hier noch mit Fankultur in Unterhaching anfangen... ähm...??? Und ich glaube, keine/r der Kommentatoren hier war gestern im "Stadion" und hat miterlebt, wie unwürdig und unerträglich die Zustände da sind, wenn mal mehr als 200 den Weg dahin finden.

  7. 46.

    Dass es bei dieser Relegation um 3. Liga geht merkt man allzu deutlich. Beide Mannschaften machten mehrere Stockfehler bei den Abspielen besonders, Kunststück auch, wenn sie besser spielen würden, wäre ja die Spielklasse eine andere. Eins möchte ich unbedingt noch sagen, wer sagt,dass der Energie-Torwart Wein grosses Talent hat, naja, bei Flanken irrt er hin und her und strahlt Unsicherheiten aus die sich auf seine Mitspieler übertragen.

  8. 45.

    Ich bin sehr traurig. Aber jetzt heißt es nächstes Jahr alles klar machen. Direkter Aufstieg ohne dieses Relegationsspiel. Alles gute und viel Erfolg an die Mannschaft.

  9. 44.

    Wenn man selber nichts hat, erfreut man sich am Unglück des Anderen. Ärmlich...

  10. 43.

    Daher auch der größte Zuschauerschnitt in Liga 4, sowie 5000 zahlende Gäste im trüben Südbayern...Wahrnehmungsstörung?

  11. 42.

    Die Relegation ist schreiende Ungerechtigleit zugunsten weniger im Südwest und zu Lasten anderer Regionalverbände. DER NOFV deckt locker 1/3 der Fläche der Bundesrepublik ab mit 6 Bundesländern von 16 insgesamt. Im zweiten Jahr in Folge in eine Relegation verwickelt zu werden, während andere durchmarschieren, ist grobe Unsportlichkeit. Man könnte meinen, Vereine aus dem Osten sind unerwünscht. Das wäre ja mal ein Zeichen, wenn der NOFV seinen zeitweisen Austritt aus dem DFB erklärte.
    Wenn man aber schon die Relegation als gegeben ansieht, sollte man in zwei Spielen schon mal wenigstens ein Tor aus dem Spiel heraus erzielen. In der Tat war es von Cottbus 2 x eine schwache Kür, Haching einfach kleverer - wenn auch mitunter mit äußerst fraglichen Methoden, wie dem ständigen Liegenbleiben auf dem Rasen bei geringsten Anlässen oder dem "Eingreifen" des Maskottchens bei Cottbuser Eckbällen.

  12. 41.

    Genau, alle wollen nur den SV Babelsberg sehen. Deshalb haben die in Potsdam so gewaltige Zuschauerzahlen.

  13. 40.

    Es ist schon drollig, wenn man Cottbus mit durchschnittlich knapp 6000 Zuschauern für einen echten Fußballverein hält und sich in einer ganz anderen Liga wähnt als Unterhaching mit 2500 Zuschauern. Da zählt es natürlich nicht, dass U. mit Manfred Schwabl einen fachkundigen Präsidenten hat, C. dagegen eine ziemliche Heulsuse, wie man aus den anschließenden Interviews erkennen musste. Glücklicherweise konnte man das Spiel auch im BR sehen.

  14. 39.

    Nein, das ist nicht diskreditierend, das war einfach so. Es mag für manche Leute selbstverständlich sein, dass dem "Bedürfnis der Bevölkerung nach Fußballsport, das im Osten ebenso groß wie im Westen und in allen Regionen vorhanden war, entsprochen" wurde, indem Vereine per Dekret von oben aus dem Boden gestampft wurden. Dass diese Vorgänger gehabt haben mögen, sei unbenommen, sie existierten aber in dieser Form nicht. Die Gründungsdaten von Union und Energie liegen keine zwei Wochen auseinander. Heute werden Vereine, die von Privatpersonen bzw. Wirtschaftsunternehmen gegründet werden, massiv angegriffen, gerade auch von Leuten, die mit dem Sportsystem der DDR nicht die geringsten Probleme haben. Übrigens und weil Sie anderes vermuten: Mir als Herthafan geht es sehr gut, weil es ganz großartig ist, wie unbeeindruckt junge und alte Fans am Verein festhalten. Aber das gehört überhaupt nicht hierher.

  15. 37.

    Warum Cottbus und seinen Anhang kein Mensch in irgendeinem Stadion dieser Welt sehen will, bestätigen Sie hier eindrucksvoll.

  16. 36.

    Welch ein Glück dass die Fans der Berliner Vereine noch nie Randale gemacht und gezündelt haben. Da kann die Berliner Community mal richtig vom Leder ziehen, denn gewalt bereite Fans gibt es schließlich nur bei Energie. Trotzdem sind die Ausschreitungen nicht zu entschuldigen und Energie ist leider verdient nicht aufgestiegen. Schade und auf ein Neues.

  17. 35.

    Zitat: "Abgesehen davon, dass Unterhaching ein Traditionsverein von 1925 ist und nicht wie Cottbus eine DDR-Gründung von 1966 (fast zeitgleich mit Union Berlin, alles staatlich angeordnet) . . ."

    Mein lieber Stefan, bei allem Verständnis für Ihren 'Hertha Frust', der bei Ihnen in letzter Zeit ziemlich durchzuschlagen scheint, unterlassen Sie doch bitte künftig solche diskreditierenden Äusserungen über zu "DDR Zeiten" gegründete Fußballvereine. Diese wurden nicht von der SED als "Opium fürs Volk" installiert oder gar erfunden, sondern es wurde dem Bedürfnis der Bevölkerung nach Fußballsport, das im Osten ebenso groß wie im Westen und in allen Regionen vorhanden war, entsprochen.

    Und falls es Ihnen unbekannt sein sollte, mal dieser Hinweis: die Tradition des FCU reicht bis ins Jahr 1906 zurück. Wobei im Stadion An der Alten Försterei seit 1920 gespielt wird.

  18. 34.

    Das Argument 'die Polizei provoziert uns mit ihrer Anwesenheit!' gab es doch sonst nur im 1.Mai-Umfeld in Berlin,in der Rigaer Straße oder am KaLi...
    Wenn nur Mannschaften mit Fans mit sauberen Führungszeugnis und tadellosen Leumund in den ersten drei Ligen spielen dürften, würde es doch ein arg ausgedünntes Starterfeld geben.S

  19. 33.

    Auf dieser Kommentarseite finden sich immer sehr viele "Freunde" von Energie Cottbus.
    Unsere Mannschaft ist leider nicht so gut, wie sie von außen gemacht wird. Von der Geldrangliste her hätten wir in der Regionalliga höchstens Fünfter werden dürfen. Die Meisterschaft war ein weiteres Wollitz-Wunder mit vielen Spielern, die bei anderen Regionalligisten aussortiert wurden. Für die 3.Liga haben wir eh kein Geld. Ich sehe lieber 21 Siege in der Regionalliga als 25 Niederlagen in der 3.Liga.

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