Pro & Contra - Ist Trainer Nenad Bjelica für Union Berlin noch tragbar?

Do 25.01.24 | 12:56 Uhr | Von Till Oppermann & Patrick Richter
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Union-Trainer Nenad Bjelica. (Bild: imago / Sven Simon)
Bild: imago / Sven Simon

Union-Trainer Nenad Bjelica sorgte mit seiner Tätlichkeit gegen Leroy Sané beim Bundesliga-Spiel in München am Mittwoch für einen Eklat. Till Oppermann und Patrick Richter kommentieren, warum Bjelica für Union Berlin noch tragbar ist - oder auch nicht.

Darum muss Bjelica bleiben

Wert ist größer als Schaden

Nenad Bjelicas Wert für den 1. FC Union ist größer als der Schaden, den der Trainer mit seiner Tätlichkeit gegen Leroy Sané - er griff diesem am Rande einer hitzigen Partie gleich zweimal ins Gesicht - angerichtet hat. Bjelica hat dem 1. FC Union in seiner kurzen Amtszeit genau das gegeben, was der Klub dringend gebraucht hat. Mit ihm holte die Mannschaft sieben ihrer 14 Bundesligapunkte. Bjelica hat die historische Sieglos-Serie gestoppt.

Mindestens genauso wichtig ist die Art und Weise, wie seine Mannschaft spielt: Das Team tritt endlich wieder so auf, wie man Union lange kannte – gut organisiert, körperlich und selbstbewusst. Trotz Bayerns Übermacht am Ball und des Rückstands direkt nach der Pause blieben die Eisernen bis zum Ende im Spiel. Das wäre noch im November undenkbar gewesen.

Glaubwürdigkeit zurückholen

Natürlich war Bjelicas Tätlichkeit gegen Leroy Sané eine dumme Aktion. Sie kostet den Trainer einige Spiele an der Seitenlinie und den Verein öffentliches Ansehen. Viel entscheidender ist eine andere Frage: Wie steht es um Bjelicas Ansehen bei seinen Spielern?

Über die noch zu verhandelnde Sperre durch das Sportgericht hinaus sollte er sich überlegen, wie er sich selbst bestraft (Update: Inzwischen hat der DFB eine Sperre von drei Spielen bekanntgegeben, Anm. d. Red.). Zum Beispiel mit einer saftigen Zahlung an die Mannschaftskasse. Bjelica muss der Mannschaft zeigen: 'Seht her: Was für euch gilt, gilt auch für mich.' Die eigene Undiszipliniertheit macht ihn sonst unglaubwürdig, wenn er von seinen Spielern weiter Disziplin fordert.

"Das ist nicht zu tolerieren, ich werde mich bei meiner Mannschaft entschuldigen", sagte der Trainer noch am Abend und genau in dieser Entschuldigung liegt eine Chance für alle bei Union. Fehler machen nahbar. Und Nähe ist im Abstiegskampf nicht zu unterschätzen.

Darum muss Bjelica zwingend gehen

So eine Tätlichkeit ist nicht tolerierbar

Schlagen, ins Gesicht greifen oder eine "Watschn" verpassen - wie immer man es nennen möchte, was sich Nenad Bjelica gegen Leroy Sané leistete: Keine dieser sprachlichen Variationen entlastet den Trainer. Er hat das verraten, wofür er stand. Auf der Antritts-Pressekonferenz im November hatte der Kroate deutlich gemacht, was für ihn zählt: Disziplin. Immer wieder forderte Bjelica diese von seinen Spielern ein. In der 74. Minute des Nachholspiels in München hat Bjelica nun seine Glaubwürdigkeit verspielt.

Wie sollen die Spieler noch einem Trainer folgen, der eiserne Disziplin einfordert, seine Emotionen aber nicht im Griff hat? Und sich dafür nicht einmal richtig entschuldigt. Selbst wenn die Aktion noch tolerierbar wäre, ist es die Reaktion darauf nicht. Eine Entschuldigung gab es nur an seine Mannschaft, nicht aber an Sané. Reue für seine Tat? Fehlanzeige. Der Bayern-Star habe ihn schließlich provoziert. Eine Verdrehung der Täter-Opfer-Rolle, wildes Schimpfen noch von der Tribüne und nur wenig Einsicht in den Interviews nach dem Spiel - das ist nicht nur eines Bundesliga-Trainers unwürdig, sondern auch eines Vereins wie Union Berlin.

Bjelica ist nicht kontrollierbar

Hinzu kommen die sportlichen Auswirkungen. Für eine Tätlichkeit gibt der DFB eine Strafandrohung von bis zu sechs Monaten vor. Ein Verein, der so tief im Abstiegskampf steckt, kann und darf sich keinen Trainer leisten, der - durch so ein Fehlverhalten - an entscheidenden Spieltagen fehlt.

Auf eine Sache können sich wahrscheinlich alle einigen: Ex-Union-Trainer Urs Fischer wäre das nicht passiert. Er wusste: Niemand steht über dem Verein. Ein Motto, das bei Union Berlin so gelebt wird wie bei wenigen anderen Vereinen. Bjelica hatte sich bei der erwähnten Antritts-PK noch als "Soldat des Vereins" bezeichnet. Nun hat er bewiesen, dass er dieses Motto nicht respektiert oder respektieren kann.

Mit diesem Verhalten hat er klar gezeigt, dass er für Union Berlin nicht mehr tragbar ist – menschlich und sportlich.

Sendung: DER TAG, 25.01.2024, 18 Uhr

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Beitrag von Till Oppermann & Patrick Richter

32 Kommentare

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  1. 32.

    Nun ja, wer nicht mehr alles tragbar ist im Deutschen Fußball darüber entscheiden Andere. Und auch ich finde viele Verantwortliche im Deutschen Fußball nicht mehr tragbar bzw.ertragbar. Kann ich es ändern? Nö.

  2. 31.

    NEIN! Nicht mehr tragbar im Deutschen Fußball. Peinlich für Union, sollte er seinen Vertrag behalten.

  3. 30.

    Darum war ich aktiver (Großfeld), heute passiver Handballer.
    Da gibt es keine Rudelbildung nach gelb oder 2 Minuten, man ärgert sich,mehr nicht.
    Aber jede Sportart hat entsprechendes Personal und Publikum.

  4. 29.

    Ja !

  5. 28.

    Wenn es nach mir ginge dürfte er gehen, aber wenn es nach mir ginge wäre er auch nie gekommen (:

  6. 27.

    Ich denke wir reden hier über Fußball. Da tritt man sich gepflegt vor das Schienbein oder vielleicht auch in den Allerwertesten. Aber man packt bestimmt nicht fremden Menschen ins Gesicht!
    Wenn da keine Hemmschwelle existiert, dann hat der Herr sicher auch im richtigen Leben Probleme.

  7. 26.

    Diese Heuchelei ist schwer zu ertragen. Natürlich sollte Bjelica weitermachen. Es war eine minderschwere Tätlichkeit, bei der niemand körperlich zu Schaden gekommen ist. Eine Entschuldigung von Bjelica muss allerdings noch kommen. Mit 3 Spielen Sperre sind Bjelica und Union genug bestraft. Eine zweite Chance hat der Trainer selbstverständlich verdient.

  8. 25.

    Mein Kommentar galt Urs Fischer.Ich habe auf ein Kommentar von, SC 'geantwortet.Also immer schön ruhig bleiben.

  9. 24.

    Soooooo, und jetzt alle "Experten" mal durchatmen...........
    Fakten: der Spieler ist ein arrogantes A........h und der Trainer ist ein arrogantes A........h!
    Zwei A.........cher kabbeln sich!
    Und nu???
    Sportlich war es von beiden keine Glanzleistung, aber der Trainer trägt nunmal mehr Verantwortung, MUSS Vorbild sein!
    Drei Spiele Sperre = völlig Korrekt, weiter Trainer bei UNION = NEIN!
    Einen Urs Fischer werden Sie so schnell zwar nicht mehr finden, aber
    UNION sollte seinem Ruf als "anders als alle anderen" wieder gerecht werden und Fr. Ata als Trainerin berufen! Did wäa ma wat......, ma wat neuet, wat verrücktet.....!
    Hat sich noch keena jetraut, 'ne Frau bei die Männas.........., und dann och noch jewinn......, DID wär dea Knalla!!!!

  10. 23.

    Ich möchte Sie mal sehen, wenn Ihnen ein Fremder 2x ins Gesicht grabscht..... Da ist er mit drei Spiele Sperre noch glimpflich davon gekommen.

  11. 22.

    Und ist vom Platz geflogen,weil er den Schiedsrichter angegangen ist.Immer schön bei der Wahrheit bleiben.Unser Urs war auch nicht ohne.

  12. 21.

    Bei Union werden Dinge gerne mal verharmlost. Schön, dass man von Gosens und Vogt deutliche Worte dazu hören konnte. Sollte einige, die kommentieren, mal drüber nachdenken. Einem Urs Fischer wäre das never ever passiert, und der war durchaus auch mal sauer.

  13. 20.

    Absolut unsinnig mit dem Trainer weiter zu machen. Union sollte sich schnell trennen. Bei Gewalt im Jugend Bereich kommen Aufschreie und dieser Mann soll Vorbild Funktion haben?? Hoch bezahlt?

  14. 19.

    Wenn Sie Gewlt tolerieren wollen, ist das Ihre Privatsache.
    Hier gibt es kein "privat" oder "kann mal". Wir sprechen hier über professionelle Organisationen.
    Die Sofortige fristlose Entlassung des Trainers ist alternativlos, wenn Union Berlin nicht als Gewalt tolerierende Organisation dastehen möchte.

  15. 18.

    "Ist Trainer Nenad Bjelica für Union Berlin noch tragbar? "
    Nein, ist er nicht.
    Für eine Person in der Rolle und Verantwortung "Trainer" ist eine Handgreiflichkeit ein absolutes No-Go: Wer sich nicht im Griff hat, hat keine Reife, Kompetenz und genug Ehre, andere zu trainieren oder ein Vorbild zu sein.
    Union hat m. E. die moralische Verspflichtung, diesen Herrn fristlos zu feuern und sich von den Tätlichkeiten zu distanzieren.
    Agieren gegen eine Welt mit Fewalt beginnt hier und jetzt - vielleicht auch bei Union Berlin? Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Verein als Beispiel dastehen will, Gewalt zu tolerieren. Daher gibt es keine Alternative.

  16. 17.

    Co-Trainerin Marie-Sophie Ata auf den Posten. Dass wollt ihr Unioner doch, denn Urs Fischer wird nich wiederkehren. Damit wird dann ein sehr aufregend und außergewöhnlicher Abstieg perfekt.

  17. 16.

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Wir sind alles nur Menschen. Sane ist kein Unschuldslamm. Da kann einem schon mal die Hutschnur reißen. Die beiden sollten sich aussprechen gemeinsam mit der Mannschaft und gut ist. Krone richten weitermachen. Es ist kein Grund , gleich den Trainer rauszuwerfen.

  18. 15.

    Bjelica hat Sane zwei Mal ins Gesicht gefasst. Er hat dafür zurecht eine rote Karte bekommen und wird auch noch eine Spielsperre bekommen. Damit ist es dann aber auch gut.

  19. 14.

    Und seine Profiabteilung auflösen? Immerhin hat der Verein gerade zum wiederholten Mal eine saftige Geldstrafe wegen Pyro u.a. bekommen und liegt mit 3 roten, 27 gelben und einer gelbroten Karte auf Platz 12 der Fairneßtabelle. (War nicht ganz ernst gemeint. Ich finde die ganze Aufregung ziemlich überzogen. Das ist ja kurz vor dem Aufruf zum Lynchen und kann doch nicht ernsthaft was mit der Rangelei zu tun haben. Bei Gersbeck z.B. war sie nicht so groß.)

  20. 13.

    Der Vollständigkeit halber sollte man auch die Vorgeschichte erzählen. Was macht der Herr Sane´ in der Coachingszone?
    Sicher hätte der Trainer besonnen reagieren sollen. Fußball ist eben emotional - sonst wäre es irgendwas anderes.

  21. 12.

    Der Trainer muss mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen. Daran ist wohl nicht zu rütteln.
    Schon alleine wegen der Vorbildfunktion nicht mehr tragbar. Aber was mich stört ist der unterschiedliche Maßstab,
    welcher von Person zu Person zum Tragen kommt. Nehmen wir das Beispiel Sportfreund Klopp. Aktuell tätig in England.
    Nicht vergessen sind seine Ausraster als Trainer in der Bundesliga. Nicht nur einmal stand er sich Stirn an Stirn mit allen möglichen Widersachern gegenüber. Von den Verbalattacken mal ganz abgesehen. Der ist gesellschaftlich anerkannt, wird ge- und verehrt, ausgezeichnet und wird medial sonst wie herumgereicht. Völlig überzogen diese Ehre nach meiner Meinung. Also auch kein Wunder, dass man sich an dem Auftreten auf und neben dem Platz seines „Zöglings“ reibt.

  22. 11.

    Steht im Tagesspiegel, und eine Diffarmierung ist das nicht. Tatsache: Er war der Stasi unterstellt und ist Investoren gegenüber positiv gestimmt.

  23. 10.

    es gibt Grenzen, und die hat er nunmal überschritten ...

  24. 9.

    Union sollte selbst ein Zeichen setzen und nicht erst auf die Strafe warten.

  25. 8.

    Auch schlimm. Aber reinster whataboutism.

    Ein Trainer, der zurecht wohl 4 bis 6 Wochen aus dem Verkehr gezogen wird, steht selbstverständlich zur Diskussion!

  26. 7.

    Er ist weiter tragbar! Warum wird überhaupt nicht drüber geschrieben, das Schiedsrichter und Ordnungsdienst es zu gelassen haben, dass Union und sein Präsident als Stasi diffamiert werden!

  27. 6.

    So ein Verhalten auch noch nach dem Spiel wo keine Einsicht gegenüber Sane da ist und selber noch das Opfer spielt,ist für einen tollen Verein wie Union nicht tragbar!!!
    Hätter er sich mit Sane nach dem Spiel ausgesprochen und entschuldigt wäre alles im Grünen.
    Steffen Baumgart wartet schon wenn Union sein Herzensrein anruft.

  28. 5.

    Bei ihren Beispielen geht es um Spieler, hier um einen Trainer, der sich nicht unter Kontrolle hat. Um weiteren Schaden von der Mannschaft fern zu halten hilft nur eine Trennung. Anerkennung und Respekt in der Bundesliga hat er eh schon verspielt. Den nimmt keiner mehr ernst.

  29. 4.

    Ich kann mir vorstellen, dass es ihnen lieber ist, wenn Hertha BSC und nicht Union in den negativen Schlagzeilen ist.
    Es kommentiert sich doch viel leichter, wenn es z.B. gegen einen Torwart von Hertha BSC geht. Da ist man dann nicht betroffen und kann leichter ein negatives Statement abgeben.
    Jetzt will man am liebsten gar nichts davon wissen, dass man einen unbeherrschten Choleriker als Trainer hat, der sich von Jugendlichen provozieren lässt.

  30. 3.

    Auf dem Fußballfeld ist niemand ein Unschuldslamm, gerade auch Sané nicht. Der Vergleich hinkt zwar enorm, aber Zidane hat man am Ende auch verziehen. Und Last but not least: für Unterhaltung wurde gesorgt. Also alle einmal tief durchatmen und weitermachen.

  31. 2.

    Einen Vorfall gab es schon mal vor vielen Jahren mit teilweisem Berufsverbot für längere Zeit. Der jetzige Trainer hat keine Vorbildfunktion. Man sollte überlegen ob er weiterhin für diesen Verein noch tragbar ist.

  32. 1.

    Na da haben die deutschen Qualitätsmedien ja wieder ein Thema.

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