Maik Woraschk vom SCC Schwarzheide am Rednerpult vor einem leeren Saal
Bild: rbb

Kein Karneval in der Lausitz - "Es tut schon weh, das Narrenherz"

"Karnevalistinnen kürzen 50 Schlipse" - Schlagzeilen wie diese dürfte es zur Weiberfastnacht am Donnerstag nicht geben. Coronabedingt fällt die fünfte Jahreszeit aus. Doch manche Clubs aus der Karnevalshochburg Lausitz sind erfinderisch. Von Martin Schneider

 

 

Schnipp, schnapp - Schlips ab: Eigentlich würde am Donnerstag mit der Weiberfastnacht die Karnevalszeit in die heiße Phase gehen. Vor allem für den Süden Brandenburgs ist das jährlich der erste Höhepunkt in den Veranstaltungskalendern. Doch durch die Corona-Pandemie müssen Kontakte reduziert werden, Veranstaltungen sind verboten, und so haben viele Karnevalsvereine der Region ihre Arbeit bis auf Null runtergefahren. Aber: In manchen Clubs brennt noch Licht. Sie haben an Alternativen gearbeitet - auch, um zumindest zwei Schlipse abschneiden zu können.

Maik Woraschk SCC Schwarzheide (Foto: rbb/Screenshot)
Maik Woraschk | Bild: rbb

"Es tut schon weh, das Narrenherz"

"Haben geprobt, ein ganzes Jahr schon, waren lange noch optimistisch, doch auf einmal ist alles versaut." Das singt Maik Woraschk, der Zeremonienmeister beim Schwarzheider Carneval Club (Oberspreewald-Lausitz) in einem Musikvideo [youtube.com], das der Club als eine Art Lebenszeichen veröffentlicht hat. Entstanden ist es im Vorfeld des 11. November 2020, als klar war, dass die 42. Karnevalssession des Vereins nicht wie gewohnt stattfinden kann.

"Es tut schon weh, das Narrenherz", sagt Woraschk dem rbb. Er vermisse gerade am meisten, dass man sich mit Gleichgesinnten, "die dem Karneval treu sind", nicht treffen könne. Die Stimmung sei trotzdem positiv, die Vereinsmitglieder würden nach vorne gucken und sich nicht unterkriegen lassen, sagt er.

Aktive Garde vom SCC Schwarzheide trainiert per Videochat (Foto: rbb/Screenshot)
Training per Videochat | Bild: rbb

Das zeigt auch ein Blick in den "Narrenhof" in Schwarzheide. Hier bauen Vereinsmitglieder zurzeit an Requisiten und Kostümen. Auch die Frauen Ü15 von der Aktiven Garde trainieren weiter, per Video-Chat. Was analog nicht möglich ist, wird ins Digitale verlagert. Und so plant der Club statt einer Karnevalsveranstaltung für den 13. Februar eine Karnevalssendung. Der Regionalsender "seenluft24" überträgt die Talkshow mit Programm aus dem Narrenhof.

Ersatzprogramm im Internet

Einen ähnlichen Weg geht der Finsterwalder Sängerkarneval (Elbe-Elster). Der Verein mit seinem preisgekrönten Männerballett plant ebenfalls für den 13. Februar einen Livestream. Hier wird es ein Best-Of aus 68 Jahren Sängerkarneval werden, zum Stream kommt man über die Vereinsseite [mce-finsterwalde.de].

"Wir waren lange Zeit optimistisch, dass wir eine Präsenzveranstaltung mit reduzierter Zuschauerzahl machen können", sagt Vereinspräsident Thomas Freudenberg. Das Hygienekonzept sei fertig gewesen. "Aber die Wirklichkeit hat uns leider eingeholt."

Sebastian Loos vom Männerballett Finsterwalde mit einem Kostüm in der Hand (Foto: rbb/Screenshot)
Sebastian Loos | Bild: rbb

Obwohl Karnevalsveranstaltungen aktuell nicht möglich sind, trainiert das Männerballett weiter.
Zweimal in der Woche schalten sich die 16 Aktiven über eine Videokonferenz zusammen. "Wir versuchen uns fit zu halten und die Tänze nicht zu vergessen", sagt Sebastian Loos vom Männerballett dem rbb. "Es geht ja irgendwann wieder los und dann kann man nicht bei null anfangen." Doch das digitale Treffen hat seine Grenzen. Neue Tänze zu lernen sei auf diese Weise schwierig, da brauche es den persönlichen Kontakt, sagt Loos.

Der Schlips kommt trotzdem ab

Wie wichtig ein regelmäßiges Training ist, betont auch die Präsidentin des Vereins "Cottbuser Narrenweiber". Die Funkengarde trifft sich einmal pro Woche virtuell. "Das Training muss sein, weil man sonst ein halbes Jahr später keinen Spagat mehr kann", sagt Hirche dem rbb.

Die alte Tradition, zur Weiberfastnacht die Schlipse von Herren zu kürzen, wollen sich die Narrenweiber aber trotz Corona nicht nehmen lassen. Ein Funkenmädchen wird Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) den Schlips abschneiden. Coronabedingt wird jedoch nicht der echte Stadtchef herhalten müssen, sondern eine extra angefertigte Pappfigur. Wann die Aktion genau stattfindet, will der Verein nicht bekannt geben. So soll vermeiden werden, dass sich Menschen ansammeln. Später soll auch noch ein sieben Meter langer Schlips am Balkon eines Ehrenmitglieds gekürzt werden.

Als dritte Aktion ist eine Scheckübergabe an das Carl-Thiem-Klinikum Cottbus geplant. 500 Euro wurden zusammen mit dem "Kinderkarnevalverein Cottbus" gesammelt. Sie sollen an die Clownssprechstunde am CTK gehen. "Mehr Karneval haben wir diese Session nicht zu bieten", sagt Marion Hirche.

Auch die rbb-Fernsehgala muss umplanen

Längst im Kasten wäre ohne die Pandemie inzwischen auch die traditionelle Karnevalsgala "Heut' steppt der Adler", die in der Cottbuser Stadthalle stattfindet und vom rbb-Fernsehen aufgezeichnet wird. Zum 25. Mal hätten in dieser Session hunderte Mitwirkende die Halle zum Beben gebracht. Die Stars kommen hier nicht aus Köln und Düsseldorf, sondern aus Cottbus, Forst (Spree-Neiße) oder Finsterwalde.

In diesem Jahr geht die Gala neue Wege. Prominente Akteure aus den Karnevalsvereinen in Brandenburg und Berlin präsentieren die besten Auftritte und aufwändigsten Inszenierungen der vergangenen Jahre. Ausgewählt wurden sie von einer Jury aus Karnevalisten und Fernsehmachern. "Heut' steppt der Adler - Die schönsten Momente" zeigt das rbb-Fernsehen am 14.02.2021, 20:15 Uhr.

Was Sie jetzt wissen müssen

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.02.2021, 07:30 Uhr

Beitrag von Martin Schneider

5 Kommentare

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  1. 5.

    Jede Medaille hat ja bekanntlich zwei Seiten. Die gute Seite der Coronamedaille ist nun die, dass uns dieser ganze Karnevalsfirlefanz ersprt bleibt. Selbst im Rheinland wir am Rosenmontag regulär gearbeitet!

  2. 4.

    Tja. Letztes Jahr. als schon die ersten Infizierten in Deutschland aufgetaucht sind, musste man dringend noch feiern. Dann kam die erste Meldung, das 300 Menschen getestet werden müssen, weil ein Infizierter sich auf einer Aschermittwochsveranstaltung aufhalten musste.
    Für mich wird es so immer in Erinnerung bleiben: Covid hatte noch keinen Namen, wurde schon in Deutschland festgestellt, aber Karneval musste dringend noch gefeiert werden.

  3. 3.

    Mir hat mein Herz jedes Mal weh getan, wenn ich daran gedacht habe, was man mit dem Geld alles Gutes hätte tun können.

  4. 2.

    Karneval ist wohl das aller unwichtigste in dieser Zeit....

  5. 1.

    Karneval ist so überflüssig wie ein Kropf. Und Weiberfastnacht braucht auch keiner.

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