Reaktionen auf Habeck-Vorstoß - "Ein früherer Kohleausstieg? Nicht mit uns"

Mi 04.01.23 | 15:31 Uhr
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Rauchschwaden steigen aus den Kuehltuermen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde auf. (Quelle: dpa/A.Franke)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.01.2023 | Ute Sander | Bild: dpa/A.Franke

Laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck soll der Kohleausstieg in Deutschland schneller klappen als zunächst geplant. Die Südbrandenburger Politik reagiert mit Unverständnis und fordert geschlossen die Einhaltung von Zusagen.

Harald Altekrüger, Landrat des Spree-Neiße-Kreises im Südosten Brandenburgs, hat auf die Forderung nach einem früheren Kohleausstieg ablehnend reagiert. "Nicht mit uns", lässt er sich in einer gemeinsamen Mitteilung seines Landkreises, des Kreises Oberspreewald-Lausitz und der Stadt Cottbus am Mittwoch zitieren.

Zum Jahresanfang hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck einen früheren Kohleausstieg, insbesondere in den ostdeutschen Kohlerevieren, ins Spiel gebracht. Statt 2038 solle hier schon 2030 keine Kohle mehr verbrannt werden, so Habeck. Die Ministerpräsidenten der ostdeutschen Kohleländer, Rainer Haseloff (Sachsen-Anhalt) und Michael Kretschmer (Sachsen) hatten dieser Forderung genau wie Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bereits eine Absage erteilt. Nun legte die Kommunalpolitik nach.

"Strukturwandel ist gefährdet"

Die Äußerung Habecks sei für ihn überraschend und "zur Unzeit" gekommen, erklärte Altekrüger. In seinem Landkreis liegen die Tagebaue Jänschwalde und Welzow, sowie die Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe. "Für unsere regionale Wirtschaft und die Einwohnerinnen und Einwohner unserer schönen Lausitz würde dieses Ausstiegsszenario erhebliche Einschnitte mit sich bringen und sogar die erfolgreiche Umsetzung des Strukturwandels in den brandenburgischen als auch in den sächsischen Braunkohlerevieren massiv gefährden", so Altekrüger. Bei der Umsetzung der Strukturwandelprojekte oder auch bei der Nutzung neuer Technologien, beispielsweise Wasserstoff zur Energieversorgung, sei Zeit aktuell die wichtigste Ressource, so der Landrat weiter.

Das von der Kohlekommission ausgehandelte Ausstiegsdatum 2038 bedeute für die Lausitz vor allem Planungssicherheit. "Gerade in Zeiten wie diesen, in der wir uns ernsthaft der Frage nach einer allzeit sicheren Energieversorgung stellen müssen, bedarf es politischer Entscheidungen, die den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes langfristig Sicherheit geben können", fährt Altekrüger fort. Der Strukturwandel lasse sich nur schrittweise vollziehen. Er fordere deshalb Verlässlichkeit von der Politik.

"So geht man nicht mit Menschen um"

Unterstützt wird Harald Altekrüger auch vom Cottbuser Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD). "So geht man nicht mit Menschen um. So macht man keine Wirtschafts- und Energiepolitik. So gefährdet man als Bundesminister die Glaubwürdigkeit von Politik, von Kompromissen und vor allem gefährdet man so die Zeitpläne und Aktivitäten aller Lausitzer Akteure mitten im Strukturwandel", so Schick in der Mitteilung.

"Nach wie vor gelten die Aussagen der Kohlekommission zum Ausstieg", erklärte zudem Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze (parteilos). Auch ein Bundesminister müsse die darauf beruhenden Gesetze akzeptieren. Erst müsse die Energiewende gelingen bevor man sich von der Grundlastversorgung der Kohlekraftwerke verabschieden könne, so Heinze. Aus seiner Sicht würde ein früherer Kohleausstieg eine deutliche Verteuerung von Strom für die Verbraucher mit sich ziehen. Habecks "guter Vorsatz für das neue Jahr" mache nur Sinn, wenn dieser auch eine Chance auf Realisierung habe. "Rein politisches Wunschdenken unter Ausblendung der Gesetze der Physik ist wenig angebracht", so Heinze.

Habeck sieht wirtschaftliche Gründe für früheren Ausstieg

Wirtschaftsminister Habeck hatte zuvor erklärt, dass es für einen früheren Ausstieg in Ostdeutschland einen Konsens geben müsse. Er wolle dies nicht per Weisung entscheiden. "Es muss in einer breiten Allianz als guter Plan verstanden werden", so Habeck gegenüber der Deutschen Presseagentur. Diese Allianz für einen Ausstieg 2030 habe es in Nordrhein-Westphalen gegeben.

"Konsens heißt ja nicht, dass alle mitmachen, aber dass es politisch gewollt und getragen wird. In Ostdeutschland ist die Skepsis deutlich größer. Und dann muss man schauen, ob so eine Verabredung möglich ist", nahm Habeck die Kritik bereits vorweg.

Aus seiner Sicht sprechen vor allem wirtschaftliche Gründe gegen die Kohle. Die Verstromung von Kohle rechne sich ab 2030 schlicht nicht mehr, da der sogenannte Zertifikatehandel nachgeschärft worden sei. Unternehmen müssen ihr Recht auf den Ausstoß von Treibhausgasen nachweisen, können mit diesen Nachweisen, den Zertifikaten, aber auch handeln. Die Zertifikate sollen stärker verknappt werden, kostenlose Zertifikate soll es nicht mehr geben. Dadurch, so Habeck, werde die Kohleverstromung teurer und unattraktiv.

Auch Habeck erklärte, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet sein müsse. "Es
müssen wasserstofffähige Kraftwerke gebaut sein. Die gibt es noch nicht, die müssen entwickelt und produziert werden", sagte der Minister.

Kohleausstiegsgesetz gilt weiterhin

Das Lausitzer Braunkohleunternehmen Leag reagierte zurückhaltend auf den Habeck-Vorstoß. Auch das Unternehmen betonte die Wichtigkeit von Planungssicherheit. Für die Leag gelte "die Maxime eines geordneten Kohleausstiegs ebenso wie die im Kohleausstiegsgesetz formulierten Checkpoints zur Prüfung eines vorfristigen Ausstiegs". Im Kohleausstiegsgesetz war festgelegt worden, dass der Ausstieg auch 2038 nur dann vollzogen wird, wenn eine Versorgungssicherheit mit Strom aus anderen Quellen hergestellt worden ist.

Die Lausitzer Braunkohlekraftwerke sind voraussichtlich die letzten deutschen Kohlekraftwerke, die vom Netz gehen. In Nordrhein-Westphalen ist der Ausstieg bereits auf 2030 vorgezogen worden. Der Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung sieht einen Ausstieg "idealerweise" 2030 vor. Nach wie vor gilt allerdings das Kohleausstiegsgesetz, das ein Ende der Kohleverstromung für 2038 vorsieht. Voraussetzung ist die Erfüllung sogenannter Check-Points, die regelmäßig überprüft werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.01.2023, 14:30 Uhr

76 Kommentare

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  1. 76.

    Für sie als Kohle und Atomfreund vielleicht ganz interessant
    Google weiß alles
    Geben Sie einfach mal " Windpark Schmölln " ein
    Erster Windpark kombiniert mit Speicher in Deutschland
    Weitere Projekte in Deutschland in Planung
    Die Entwicklung geht weiter und ich hoffe das sie der Kohle und Atomlobby den Garaus machen

  2. 75.

    Matthias wenn das Einkommen in Polen so niedrig ist, wer installiert dann die PV Anlagen, nicht der kleine Mann sondern wer? Wenn ich in Polen bin sehe ich auf privaten Dächern eher wenig PV Anlagen. Es ging mir nur um den Preis für die kWh wenn die nämlich hier auch nur um die 19 Cent liegt, dann würde sich einige hier überlegen ob sie soviel Geld für eine PV Anlagen ausgeben. Also wir können hier noch weiter Erbsen zählen,es wird immer jemanden geben der dafür ist und jemanden der dem nicht traut. Nur eins es gibt nicht ein Land auf der Welt das sagt wir werden unsere komplette Energieversorgung nur auf EE stützen, nicht mal die heilige Greta in Schweden. Und wir reden hier auch nicht von 10-15 Jahren eventuell 2050 kratzen wir vielleicht mal an der 100% Marke bei EE ,wenn überhaupt.

  3. 74.

    Frage mich schon die ganze Zeit was mit Ihnen nicht stimmt.
    Ach ja,nicht mitbekommen das wir Krieg in Europa haben.
    Schnell mal gegen Habeck schießen.....strunzdumm.

  4. 73.

    Moralisierungswut bringt Sie nicht weiter. Sie kommen mit wenig Sachverstand für die Komplexität des Themas daher, bzw. können es einfach nicht erfassen. Wer hält an Strukturen fest? Wir haben ja noch nicht mal genug alternative Strukturen. Fordern ist eine Sache, aber Lösungen anbieten eine andere Sache.

  5. 72.

    Mir kommen die Tränen. Wahrscheinlich sind die Karnevalisten in Cottbus im Hauptberuf als Seelsorger tätig. Wenn es keinen Wind gibt dreht sich auch keine Windmühle. Wenn die Subventionsmilliarden nicht fließen würden würde auch kein Eurokohlenkraftwerk laufen.

  6. 71.

    "Viele sind den Grünen als die Prediger der Alternativlosigkeit voll auf den Leim gegangen. Das Ergebnis sehen und merken wir langsam."
    Zeigt mir eindeutig das auch Sie es nicht begriffen haben. Die Zukunft liegt nicht am festhalten an alten Strukturen. Selbst die Industrie ist in vielen Bereichen viel weiter .
    Macht aber nichts, einfach labern lassen. Der ( dringend notwendige) Wandel ist eh nicht mehr aufzuhalten. Ob da nun ein paar Schnarchnasen noch was von sich geben oder nicht...

  7. 70.

    Warum boomt dann derzeit die PV Installation in Polen? Verdopplungszeit ca. 1Jahr.
    Wind ca 10-15% Wachstum pro Jahr.
    Simple Preisvergleiche zwischen zwei Ländern mit unterschiedlicher Wirtschaftskraft und Einkommen sind absolut irrelevant.
    Für polnische durchschnittliche Einkommensverhältnisse sind 19-20ct/kWh horrend genauso wie 1,60 für den Liter Benzin.
    Nur weil die Brötchen in der DDR nur 5 Pfennig gekostet haben, möchte ich da nicht zurück.

  8. 69.

    Zumal mit den Checkpunkten auch noch zeitiger Schluss sein kann.
    Aber die erste Evaluierung (fällig am 15.August 2022) hat das Habeck's Ministerium bis heute nicht ausweisen können.
    Die Arbeit nicht machen, aber nach 2030 brüllen....

  9. 68.

    "Alle die jetzt die Klappe wegen hoher Energiekosten aufreissen haben wohl bei vergangenen Wahlen was falsch gemacht. Das nun auch noch einige den Hasspredigern der Alternativlosen auf den Leim gehen ändert nichts."

    Hier gebe ich Ihnen recht, man hat bei den vergangenen Wahlen was falsch gemacht. Viele sind den Grünen als die Prediger der Alternativlosigkeit voll auf den Leim gegangen. Das Ergebnis sehen und merken wir langsam.

    Ansonsten bin ich erstaunt, dass ihre Wortwahl, die einem geistig geringen Niveau entspringt, hier durchgegangen ist.

  10. 67.

    Wenn Sie den Vorkommentar gelesen hätten und die Zusammenhänge betrachtet hätten, wüssten Sie das es um die letzten 2 Jahre geht.
    Das Blatt hat sich komplett gewendet.
    Die marktabhängigen Kosten der Energiepreise sind in der Preiskrise drastisch höher als die regulierten. Inzwischen 80/20.
    Langfristig wird sich das Blatt aber wieder genau andersrum wenden, da die eigentliche Energie mit dem fortschreitenden Ausbau der EE deutlich billiger wird als bisher unter Berücksichtigung der jahrelang nicht eingepreisten Folgekosten der fossilen Energiewirtschaft.

  11. 66.

    Wenn Habeck sagt, dass das emittierte CO2 der LEAG teurer als der gewonnene Strom ist, dann sollte klar sein, dass ab 2030 der Steuerzahler das „Gap“ zu zahlen hat.
    In 7 Jahren sollte möglich sein, der Kohle Adieu zu sagen oder wer will einer ausgelutschten Steuerzahlerschaft erklären, dass sie Strom doppelt und dreifach zu subventionieren hat!

  12. 65.

    Ich freue mich für Sie. Aber ihr Strom ist halt nicht umsonst sondern Sie mussten die PV Anlage bezahlen oder. Sie sind zwar unabhängiger bei Preisänderungen der Stromanbieter, aber Sie bezahlen oder haben schon für den Strom bezahlt. Das einige sich bei den Strompreise jetzt eine PV Anlage anschaffen möchten kann ich verstehen, soll jeder tun wenn er sich das finanziell leisten kann, ich werde mich aber nicht nochmal über beide Ohren verschulden ,mein Haus ist abgezahlt und gut. Sollte der Strom bei uns wie im Nachbarland Polen 19-20 Cent kosten glaube ich würden sich einige hier überlegen ob sie soviel Geld für eine PV Anlage ausgeben, es sei denn man kann sich's leisten. MfG und bleiben Sie entspannt

  13. 64.

    "Ach ja, die Wahl ist Vergangenheit" wussten Sie bis heute noch nicht, dass genau das so und nicht anders mit schöner Regelmäßigkeit in D immer wieder passiert?

  14. 63.

    Nein Wind und Sonne verlangen kein Geld. Aber Wind und Sonne waren in den ersten 2 Dezember Wochen auch mit Geld und guten Worten nicht zur Arbeit zu bewegen! Erneuerbare Energien sind richtig und wichtig, aber Idielogie heizt nicht und macht auch nicht satt!

  15. 62.

    Der Fahrplan für den Aussieg 2038 wurde langwierig und hard ausgehandelt. Nun ist er von allen Seiten akzeptiert und Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft können sich auf die Folgen einstellen, planen und handeln. Daher finde ich das erneute zündeln von Habeck verantwortungslos. 2038 war ein Kompromiss und die Politik muss für Vertrauen und Verlässlichkeit sorgen!

  16. 61.

    Es ist bald Wahl und die Nerven liegen am Rand der Gesellschaft blank.... Man muss nicht auf alles Persönliche reagieren.

  17. 60.

    Ihre Worte „Blödsinn und Dummheit“, über Kommentatoren die redlich schreiben, wird Sie einsam machen....
    Aber der Link von Ihnen hätte Potential gehabt.... die Diskussion weiter zu treiben. Schade...

  18. 58.

    Dann wissen Sie sicherlich auch nicht, dass installierte 140GW PV/WKAs zuletzt wochenlang <10% zur Versorgung beigetragen haben. (Grundlast 60-80GW)

  19. 57.

    Hohe Energiekosten
    "Alle die sich rechtzeitig über eigene EE hinreichend abgesichert haben, gehen recht entspannt damit um."
    Zustimmung und breites Grinsen....

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