Wirtschaftsforschung - Zwischenbericht sieht Arbeitskräftemangel als Hemmnis im Lausitzer Strukturwandel

Mi 16.08.23 | 17:30 Uhr
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Luftaufnahme Bahnwerk Cottbus (Foto: rbb/Screenshot/Wiesner)
Audio: Antenne Brandenburg | 16.08.2023 | Lars Fuchs | Bild: rbb/Screenshot/Wiesner

Der Strukturwandel in der Lausitz ist grundsätzlich auf einem guten Weg. Das sagen Forscher aus Halle und Essen. Problematisch ist aber schon jetzt der Fachkräftemangel, außerdem sind noch längst nicht alle Fördermittel aufgebraucht.

Das Bundeskabinett hat sich am Mittwoch mit dem Strukturwandel in der Lausitz befasst. Gegenstand der Beratungen war ein Zwischenbericht, der von den Leibniz-Instituten für Wirtschaftsforschung in Halle (Saale) und Essen ausgearbeitet worden war. Er soll zeigen, wie die Strukturentwicklung in der Lausitz nach dem beschlossenen Braunkohleausstieg funktioniert.

Fortschritt bemessen an acht Kategorien

Die Forscher bescheinigen eine grundsätzlich positive wirtschaftliche Entwicklung, allerdings mit einigen Hemmnissen. So sei ein Problem der bereits bestehende Fachkräftemangel in der Region. Die vom Bund zur Verfügung gestellten Strukturmittel seien bislang "im Großen und Ganzen in wachstumsfördernde Verwendungen gelenkt" worden, zukünftig solle aber mehr darauf geachtet werden, Maßnahmen zu stärken, die den Fachkräftebedarf absichern.

Dazu zählen die Forscher etwa (vor-)schulische Bildung, berufliche Bildung, aber auch die Verbesserung von Standortbedingungen für hochqualifizierte Beschäftigte. Zudem sei eine verstärkte Zuwanderung von Fachkräften notwendig - das erfordere eine Willkommenskultur in den betroffenen Regionen.

Die Forscher bemessen die Strukturentwicklung in der Lausitz laut dem Bericht an insgesamt acht verschiedenen Kategorien: Erreichbarkeit, Bildung, Kultur, Gesundheit, Standorte für Betriebe, Forschung und Entwicklung, Klima und Nachhaltigkeit und Sozialkapital. Der Fortschritt in den einzelnen Bereichen verlaufe unterschiedlich, das sei aber auch erwartet worden, so die Forscher.

Fördermittel bisher kaum abgerufen

Der Zwischenbericht stellt außerdem fest, dass ein großer Teil der Fördermittel bislang noch nicht abgerufen worden sei, wenngleich viele Projekte "in der Pipeline" seien. Auch das sei nicht überraschend, da die entsprechenden Planungen Zeit bräuchten.

Damit allein aus Zeitdruck aber nicht Projekte gefördert werden, die eigentlich nicht förderfähig wären, nur um das vorhandene Budget auszunutzen, sollten die Förderbedingungen noch einmal angepasst werden, so die Wissenschaftler. Die Arbeitsplätzesituation habe sich sogar leicht verbessert, so die Forscher. Das treffe allerdings nicht auf den sächsischen Teil der Lausitz zu.

Auch der Landrat von Spree-Neiße, Harald Altekrüger (CDU), hatte kürzlich dem rbb gesagt, der Strukturwandel bringe mehr Arbeitsplätze, als durch den Kohleausstieg verloren gingen. Die Forscher sagen in ihrem Zwischenbericht auch, dass eine zuvor befürchtete Abwanderungswelle von Fachkräften bislang ausgeblieben sei.

Checkpoints lassen weiter auf sich warten

Der Zwischenbericht ist der erste seiner Art. Alle zwei Jahre sollen nun weitere folgen. Die Forscher waren zuvor auch nicht davon ausgegangen, alle Faktoren bereits jetzt untersuchen zu können. Die Auswirkungen der verschiedenen Maßnahmen könnten erst nach einer gewissen Zeit beurteilt werden.

Neben den Zwischenberichten zur Strukturentwicklung sind auch sogenannte Checkpoints im Kohleausstiegsgesetz vorgesehen. Dabei soll geprüft werden, wie sich der Strompreis aufgrund des Ausstiegs verändert und ob die Versorgungssicherheit mit Strom auch ohne Kohlekraftwerke gesichert bleibt.

Der erste dieser Checkpoints war für 2022 vorgesehen. Er war wegen des Ukrainekrieges und der daras resultierenden Energiekrise und der belastung der Ministeriumsmitarbeiter aber auf die zweite Jahreshälfte 2023 verschoben worden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.08.2023, 8:30 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Gleichmacherei keineswegs. Beschäftigen Sie sich mit den Begriffen, wenn Sie langsamer nochmal Stück für Stück lesen. Da steckt mehr drin als auf den ersten Blick zu erkennen.

  2. 15.

    "Die niederlausitzer Borniertheit findet sich übrigens flächendeckend in allen Bereichen der Gesellschaft, bis hin zur BTU." Wohl ein Blick eines Großstädters aus der hohen Warte der Haupstadt Berlin auf das Umland. Ich finde die Menschen in Brandenburg ganz normal, viele vom Land haben aber Vorbehalte gegen bornierte Großstädter und leider sind viele Berliner für unschönes Verhalten im Umland in Brandenburg bekannt - die wenigen Versauen halt den Eindruck für alle Berliner.

  3. 14.

    Komisch, das Gleiche sagt man in der Lausitz über Berlin. Aber in der Lausitz werden Könner für die Arbeitsplätze gesucht, keine Politiker und Philosophen mit neuen Ideen fürs Umkrempeln des Privatlebens der Einheimischen. Niemand verlangt, dass die Neuen aus Berlin anreisen müssen, zum Glück liegt der BER in LDS.

  4. 13.

    Ach also doch fast schon sozialistische Gleichmacherei.

    Nichts was Sie üblicherweise Vorschlagen hat irgendwas mit Chancen zu tun, sondern nur mit Gleichmacherei.

    Wenn alle so gleich gemacht werden, strengt sich nur keiner mehr über das Mindestmaß an. Ihre fast schon Hetze gegen Staatsorgane, die ja alle unfähig wären, verwundert dann aber. Warum sollten die such anstrengen? Sind doch alle gleich und werden sowieso bezahlt, unabhängig von Leistung, eben gleich...

  5. 12.

    Hmm, vielleicht könnten die Einheimischen in der NL ja mal drüber nachdenken, warum da keine Fachkräfte zuziehen und wozu sie Gebildete, die vielleicht etwas anders denken und andere Ideen haben, überhaupt brauchen? Die niederlausitzer Borniertheit findet sich übrigens flächendeckend in allen Bereichen der Gesellschaft, bis hin zur BTU.

  6. 11.

    Chancengleichheit, gleiche Lohneinstufungen, gleiche Arbeitszeiten, gleiche Pensionen, gleiche Möglichkeiten des Rentenpunktenerwerbes, anerkannte und geschätzte brandenburger Bildungsabschlüsse, gleiche Möglichkeiten bei Stellenausschreibungen die alle Biographien berücksichtigt usw.

    Kennen Sie den Unterschied zwischen jammern und gegen Benachteiligungen einzureten? Angesichts der Umfragewerte sind Sie es, der viel riskiert. Das Ihnen dieses „Jammern“ nicht gefällt lässt tief blicken... Weil Sie Kommentare abwerten wollen. Mit unlauteren Methoden.

  7. 10.

    Wie jetzt?

    Sind Sie neuerdings für Gleichmacherei?

    Ein Leistungsträger wird immer seine Jobwahl so treffen wie er möchte. Dazu hat er in Deutschland alle Freiheiten, nennt sich Freiheit in Bezug auf Berufswahl und Wohnort. Artikel 11 & 12 des GG.

    Aber bei Ihnen geht's wohl immer ums Jammern.

  8. 9.

    Wie jetzt?

    Sind Sie neuerdings für Gleichmacherei?

    Ein Leistungsträger wird immer seine Jobwahl so treffen wie er möchte. Dazu hat er in Deutschland alle Freiheiten, nennt sich Freiheit in Bezug auf Berufswahl und Wohnort. Artikel 11 & 12 des GG.

    Aber bei Ihnen geht's wohl immer ums Jammern.

  9. 8.

    Zu wenig Lohn?
    Also ich bin Deutsche und ich würde für alles Geld der Welt nicht dort hinziehen und arbeiten wollen.
    Vielleicht sollten einige Leute mal darüber nachdenken, und nicht immer die Schuld bei anderen suchen.

  10. 7.

    Für 10 Pfennig Caruso singen hören, funktioniert nicht.Fachkraefte mit Ausbildung erwarten Tariflöhne und mehr,sonst bleiben sie da wo sie hingegangen sind.

  11. 6.

    Nur ein Punkt von vielen Punkten der Ungleichheit und Benachteiligungen seit 34 Jahren!

  12. 4.

    Wer einmal in der westlichen Bundesländern sein viel höheres Monatsbrutto bekommen hat, der kommt nicht mehr zurück.
    Das läuft nun seit über 30 Jahren so.

  13. 3.

    Das Problem ist und war niemals der Fachkräftemangel. Das Problem im Osten ist die Einstellung und Zahlungsmoral der Ostdeutschen Arbeitgeber. (bin selbst Ossi) Wir suchen und suchen aber nur Fachkräfte zum Mindestlohn. Kann und wird nicht funktionieren.

  14. 2.

    "Zudem sei eine verstärkte Zuwanderung von Fachkräften notwendig - das erfordere eine Willkommenskultur in den betroffenen Regionen." Das hatte doch BRB schon versucht, die (zumeist Richtung Westdeutschland) Abgewanderten zum Zurückzug zu animieren. Ich glaube nicht, daß das jetzt besser funktioniert.
    "So sei ein Problem der bereits bestehende Fachkräftemangel in der Region." Welche Fachkräfte fehlen denn überhaupt genau? Könnte man das vielleicht in einem Tortendiagramm o.ä. mal aufgeteilt verdeutlichen?

  15. 1.

    Das Haupthemmnis ist die 34jährige (Standort)Fehlentscheidungsquote bei allen Großprojekten mit fremden (unserem) Geld, ohne Konsequenzen für die „FehlentscheiderInnen“.

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