Der Schiffsanleger in Templin
Audio: Antenne Brandenburg | Dilan Polat | 23.04.2020 | Bild: rbb / Dilan Polat

Corona trifft Brandenburger Wirtschaft - Hoffnung und Leiden in der Uckermärker Tourismusbranche

Kleine Geschäfte sind wieder offen, aber Restaurants und Hotels bleiben dicht. Eine Templiner Hotelbetreiberin macht sich trotz staatlicher Hilfe große Sorgen. Aber es gibt auch Hoffnung.

Gähnende Leere herrscht an den Anlegestellen am Templiner Hafen. Direkt daneben liegt auch das Hotel Eichwerder. Anfang März waren hier noch fast alle Betten belegt. Dann kam mit den Corona-Einschränkungen die große Stornierungswelle. Jetzt beherbergt das Hotel nur noch eine Handvoll Geschäftsreisende.

Hotels gehen bei Stornierungen leer aus

„Gerade im Mai und Juni, vor den Sommerferien, finden normalerweise viele Gruppenreisen statt“, erzählt Inhaberin Gabriele Förder-Hoff, „Die waren für uns lukrativ, weil sie auch mal über eine Woche blieben. Bis Ende Juni sind die jetzt alle storniert.“ Bei den Absagen steht das Hotel meist mit leeren Händen da. Das liege auch an der Zusammenarbeit mit großen Online-Buchungsportalen wie Booking.com, erzählt Förder-Hoff. Die diktierten den Hotels die Stornierungsregeln. „Viele von uns überlegen, das in Zukunft wieder strenger zu regeln“, sagt Förder-Hoff.

Gabriele Förder-Hoff vor ihrem Hotel Eichwerder in TemplinGabriele Förder-Hoff vor ihrem Hotel Eichwerder in Templin

Finanzielle Not trotz Landeshilfe

Erst im vergangenen Jahr hatte sie sich mit nachhaltigen Wellness-Angeboten auf Familienfeiern spezialisiert, außerdem die Außenfassade und die Zimmer renovieren lassen. Dafür hatte Förder-Hoff auch einen Kredit aufgenommen. Jetzt reichen Kurzarbeitergeld und die Soforthilfe vom Land nicht aus, um ihre Liquidität zu sichern. Und auch die Betriebsschließungsversicherung des Hotels greift nicht. „Das liegt daran, dass wir als Betrieb nicht vom Gesundheitsamt geschlossen wurden“, erklärt Förder-Hoff, „Stattdessen dürfen wir durch die Verordnung keine Touristen und Familienfeiern mehr aufnehmen und die machten 98 Prozent unseres Umsatzes aus.“

Deswegen wünscht sich Gabriele Förder-Hoff, dass sich das Land, die Versicherungen und der Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg an einen Tisch setzen und eine Kompromisslösung entwickeln, wie sie in Bayern schon angestrebt wird. Außerdem fordert sie ein zweites Soforthilfepaket für die Tourismusbranche.

Nachfrage auch in Corona-Zeiten

Ernst Volckhardt, Geschäftsführer der Templiner Tourismus Marketing GmbH, hat noch weitere Forderungen an die Politik: „Gebt ein Datum, auch wenn es noch in ferner Zukunft liegt“, sagt der Tourismusexperte, „In der Hotelerie habe ich so viele Dinge zu beachten: Zimmer, Reingung, Abläufe beim Frühstück, beim Check-In: All das erfordert Vorlauf.“

Volckhardt fordert einen Zeitplan auch deswegen, weil nach der Stornierungswelle auch wieder viele Menschen Buchungen anfragen: „Manche wollen gerade jetzt aufs Land, um von dort zu arbeiten oder weil sie in Kurzarbeit sind. Es gab ungefähr genauso viele Nachfragen wie Stornierungen.“

Templiner Hotel vorbereitet

Auf solche Gäste hat sich Gabriele Förder-Hoff im Hotel Eichwerder mit einer digitalen Gästemappe vorbereitet: „Damit kann man sein Ausflugsprogramm zusammenstellen und auch mit der Rezeption kommunizieren. So muss man sich nicht ständig begegnen.“ Und wenn die Gäste dann wieder kommen, erwartet sie außerdem neues Interieur: Inhaberin Förder-Hoff hat die Geschäftspause genutzt und Holzkunstwerke ihres Vaters in den Zimmern aufgehängt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.04.2020, 13:20 Uhr.

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