Uckermark - Künstler suchen Hinweise zur Geschichte der "Grünen Villa" in Schwedt

Grüne Villa der Kunstbanausen Leokardia Hateville und Stefan Lange in Schwedt
Audio: Antenne Brandenburg | 15.06.2021 | Riccardo Wittig | Bild: rbb

Die Kunstbanausen - zwei junge Graffiti-Künstler aus Schwedt - haben vor einigen Jahren die "Grüne Villa" erworben und bauen sie zur Kleinkunst-Bühne aus. Nebenher erforschen sie auch die Geschichte des Hauses und bitten die Schwedter um Hilfe.

Einsam steht sie dar, eine Villa in der Berliner Straße in Schwedt (Uckermark). Der Hausbesitzer: verschwunden. Die Retter der verfallenden Villa: zwei Kunstbanausen. Hört sich an wie ein Krimi, ist im Grunde aber eher eine Romanze. Zwei junge Graffiti-Künstler haben die sogenannte "Grüne Villa" erworben und richten dort jetzt eine Kleinkunst-Bühne ein.

Im Stil der goldenen 20er Jahre

Stolz schreitet Leokardia Hateville durch die hohen Räume. Kräftige Farben, auffällige Ornament-Tapete, bunte alte Kacheln, verschnörkelte Türgriffe und großformatige Fotos sorgen bei vielen Besucherinnen und Besuchern für Staunen. Hateville - mit blutroten Lippen, heller Haut und langen, schwarzen Haaren selbst ein Kunstwerk und als Pin-up-Modell tätig - freut sich über den Überraschungseffekt. "Wir entführen die Leute quasi in eine andere Welt", meint sie verschmitzt. Doch das soll es noch nicht gewesen sein. Während sie spricht, hallen ihre Pläne als Echo von den Wänden wider: "Die Bühne wird schwarz und in der Mitte ein Ornament, wo dann drinsteht 'Grüne Villa' - in Gold!"

Hateville und Stefan Lange nennen sich die Kunstbanausen von Schwedt. Aktuell sind sie auf der Suche nach den richtigen Farbentönen. Noch ist auf einer Etage Baustelle. Eine erste Idee haben sie aber bereits auf Butterbrotpapier festgehalten: Auch hier soll es goldfarbene Verzierungen geben.

Der größte Raum in ihrer Villa verwandelt sich gerade in einen Kleinkunst-Saal. Er soll im Stil der 1920er Jahre hergerichtet werden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg und so rührt Stefan Lange derzeit noch den Tapetenkleister an. "Der Fußboden ist schon geschliffen. Jetzt muss noch tapeziert werden, dann kommen noch Dekorationssachen. Die Beleuchtung und die Vorhänge fehlen."

Leokardia Hateville in der Grünen VillaLeokardia Hateville in der "Grünen Villa"

Kunst raus aus dem stillen Kämmerlein

Vor fünf Jahren haben sie das Haus von der Stadt gekauft, unter der Bedingung, dass es öffentlich zugänglich bleibt. Die Idee mit der Kleinkunst lag schnell auf der Hand, sagt Leokadia Hateville: "Wir sind ja selber sehr kunstinteressiert und daraus ist auch die Idee entstanden". Partner Stefan Lange ergänzt, dass der Gedanke dahinter ist, eine Plattform schaffen. Geplant sei, das Haus für andere Künstler öffnen, die hier ausstellen, performen oder vortragen möchten. Auch Filmabende und Workshops sind geplant: "Es gibt viele Menschen, die still zu Hause im Kämmerchen sitzen und tolle Sachen machen, von denen niemand weiß."

Schwierige Suche nach Geschichte

Die Leidenschaft der Kunstbanausen ist es, alte Dinge zu bewahren. Ihr größtes Projekt ist die "Grüne Villa". Dabei ist ihnen auch die Geschichte des Hauses wichtig. Im Schwedter Stadtarchiv stöberten Hateville und Lange deshalb auch in historischen Adressbücher der Stadt von 1911 bis 1938.

Die "Grüne Villa" hat eine wechselvolle Geschichte. Sie beginnt als Wohnhaus eines Bauunternehmers. Zu DDR-Zeiten diente sie dann Stasi-Haus, etwas später als Schulungsgebäude für Krankenschwestern. Unterlagen dazu lagern auch im Depot des Schwedter Stadtarchivs. In Abertausenden von Akten hoffte Stefan Lange darauf, zumindest ein altes Foto der Villa zu entdecken. Bisher vergeblich, dafür entdeckte er alte Pläne vom Haus und erfuhr, dass der alte Hausbesitzer als verschwunden gemeldet ist.

Die Suche nach den begehrten Fotos wollen Lange und Hateville aber so schnell nicht aufgeben. Wo das Archiv nicht weiterhelfen kann, rufen sie deshalb jetzt die Einwohnerinnen und Einwohner von Schwedt auf, sie mit Material über das Haus gleich neben dem Schwedter Asklepios-Klinikum zu unterstützen. Auch Geschichten oder Kenntnisse über ehemalige Bewohner sind gesucht.

Nebenher basteln die Kunstbanausen weiter am Interieur und der Bühne. Erste Veranstaltungen im Kleinkunst-Saal soll es dann im kommenden Jahr geben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.06.2021, 14:10 Uhr

Mit Material von Riccardo Wittig und dpa

Kontakt

Kunstbanausen - Malerei & Fassadenkunst

Berliner Allee 14 16303 Schwedt/Oder

Tel: 0172-1538201

tarorider@hotmail.com

 

2 Kommentare

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  1. 2.

    Schöne Sache, dem Haus eine Geschichte zu geben. Die Daten des Eigentümers scheinen ja bekannt. Wenn er Bauunternehmer war, dann u. U. Maurermeister. Mal bei der Innung nachfragen. War er getauft? Taufregister. Geheiratet, Kinder? Mal bei der Gemeinde nachfragen. War er noch wehrfähig? WAST anfragen. Gab es eine Freimaurerloge? Das wären so einige Möglichkeiten. Oder die andere Variante, Volkssturm, Flucht oder NKWD,und leider zu Tode gekommen. Dann wäre eine Suchanfrage beim DRK vielleicht hilfreich.

  2. 1.

    Leider kann ich nichts zur Geschichte beitragen. Allerdings finde ich das Konzept ziemlich cool. Und der Bulli sieht ja nun mal richtig geil aus.... :))

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