Märkisch-Oderland - Abriss der Hochbrücke durch Bad Freienwalde hat begonnen

Mi 04.10.23 | 18:45 Uhr
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Archivbild:Die Hochbrücke der Bundesstraße 158 geht Mitten durch den Kurort Bad Freienwalde im Landkreis Märkisch-Oderland (Brandenburg).(Quelle:dpa-Zentralbild/P.Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.10.2023 | Elke Bader | Bild: dpa-Zentralbild/P.Pleul

Jahrelang wurde über die Zukunft der Hochbrücke in Bad Freienwalde gestritten - Abriss oder Sanierung? Jetzt steht fest: In Brandenburgs ältester Kurstadt wird Platz geschaffen. Die Abrissarbeiten haben bereits begonnen.

Der umstrittene Abriss der Hochbrücke über der Innenstadt von Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) hat am Mittwoch begonnen. Für den Verkehr bleibt die Brücke, die mitten durch den Stadtkern führt, drei Jahre gesperrt. Über die Entscheidung sind Anwohner sowie Stadtverordnete unterschiedlicher Meinung.

Die Hochstraße, welche die B 158 über die Dächer hinweg ins Oderbruch und in Richtung Polen führt, soll nach unten verlegt werden. Zudem soll ein Kreisverkehr die B 158 künftig mit den derzeit noch darunter liegenden Straßen verbinden. Ende August stimmten die Stadtverordneten in einer Sitzung mit elf zu neun Stimmen für diese Maßnahme und beauftragten eine Baufirma mit den Arbeiten.

Drohende Aberkennung des Titels "Moorheilbad"

Hauptgrund der Befürwortung sei die Sorge der Aberkennung des Titels "Moorheilbad" gewesen, sagte Bürgermeister Ralf Lehmann (CDU) dem rbb. Ihm zufolge war der Brückenabriss eine Auflage des Landes-Fachbeirates für Kur-und Erholungsorte.

Das Bauwerk wurde in den 1980er Jahren für die Bundesstraße B 158 gebaut. Wegen des massiven Betonbauwerks stand zur Debatte, ob die Stadt ihren Status als "Moorheilbad" behalten könne. Schon seit 2003 fordert das Landesgesundheitsministerium den Abriss der Hochstraße. Die Brücke sei ein städtebaulicher Missstand, der beseitigt werden müsse. "Ein Kurort muss sich von der Gestaltung her im Ortscharakter entsprechend auszeichnen", so Lehmann weiter.

Für die ansässige Rehaklinik sei der Heilbad-Status nicht zwingend aber von Vorteil, sagte Geschäftsführerin Angela Krug dem rbb. "Es entscheiden sich vieler unser Patienten für unser Klinik, auch wegen des kur-änlichen Enselmbles und wegen des Moores."

Ungeklärte Verkehrsverlauf bringt Unsicherheiten auf

Einige Stadtverordnete plädieren hingegen seit 2020 dafür, die Brücke zu erhalten. Etwa Detlef Malchow, Vorsitzender einer Fraktion aus zwei Bürgerbündnissen und der FDP. "Ich bin für den Kurort-Status und mich wundert, dass wir die Brücke abreißen, um den Verkehr durch die Stadt leiten", sagte Malchow. "Ich gehe davon, dass wir so hohe Schadstoffbelastung erhalten, dass wir dadurch den Kurort-Status gefährden."

Wie der Verkehr weiter durch die Stadt verlaufen soll, bleibt unklar. Stefan Wiedemann, Trainer des Bad Freienwalder Wintersportvereins, hat diesbezüglich Bedenken. Die B 158 zu den Skisprungschanzen sei schon lange gesperrt. Er befürchtet negative Auswirkungen für viele, falls weitere Umleitungen in der Gegend gefahren werden müssen. "Wie kommen die Kinder zur Schule?" Es bleibe nicht mehr viel Zeit, Sport mit den Kindern zu machen. So wie Wiedmann müssen nun viele Bad Freienwalde ihre täglichen Wege umdisponieren.

Im Frühjahr soll der Bau des Kreisverkehrs beginnen. Im Herbst 2026 sollen die Wriezener Straße angebunden und die Südrampe abgerissen werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.10.2023, 16:12 Uhr

Mit Material von Elke Bader

 

23 Kommentare

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  1. 23.

    Danke für die Informationen. Wie würde es denn im Untergrund aussehen - ich weiß, teuerste lösung, aber mal rein technisch - vielleicht wenigstens im inneren Stadtzentrum. Der Verkehr wird nicht so schnell verschwinden oder geben die Alternativrouten noch Kapazitäten her?
    Die Umfahrung könnte ja schon etliche Kilometer davor abzweigen, da ja eher Fernverkehr aus Berlin - wie wäre Ausbau Tiefensee-Prötzel-Wriezen. Was soll das Ziel in Polen sein? Die nächst größere Stadt mit Fernverkehrsstraßen in Polen ist Königsberg/Nm (Chojna).

  2. 22.

    Klar sind da erstmal der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Wie ich das verstanden habe, ging es vorwiegend, aber nicht nur um die faktisch gezogene Betonwand im Südosten des Altstadtkerns, den diese Brücke ja faktisch darstellt. Die Stadt, der Kreis und auch das Land müsste sich nochmals auf den Hosenboden setzen und ein integriertes Verkehrskonzept ausarbeiten und dieses mit einem Städtebaukonzept verbinden. Das Zweitgenannte ist nun einmal für einen Kurort unerlässlich.

    Zurzeit bleibt das alles noch bei der ausschließlichen Autoverkehrsbewältigung stehen und damit im Denken der 1970er Jahre. Die wesentliche Frage ist, wie das weitläufige Kurviertel (im Süden) mit dem Schlosspark (im Norden) und dem Altstadtkern (im Osten) fußläufig und einladend verbunden werden kann.

  3. 21.

    Irgendwo hatte ich mal eine Studie/Zählung gesehen in der von >90% Privatverkehr die Rede war.
    Die Deges als zuständig für die Planung hat das Projekt in der Obhut.
    Wo der größte Anteil herkommt und wo der hin will dürfte klar sein. Also sollte Berlin im Interesse seiner Bürger sich an der Problemlösung beteiligen. Vielleicht Zigaretten-/Kraftstoffsammeltransporte nach Berlin ermöglichen oder sowas wie Butterfahrten mit dem Bus nach Hohenwutzen.
    Neue Straße aufständern in städtebaulich akzeptabel oder kurstadttauglich wird schwierig, weil man heute so hoch bauen muss, dass keine Transporter mehr drunter stecken bleiben, was regelmäßig vorgekommen ist.
    Straßenverkehr reduzieren wäre die beste Lösung.
    Eine naturschutzfachlich akzeptable Umgehung kann ich mir dort nicht vorstellen. Das wird auch baulich sehr aufwändig. Täler, Hügel alles recht eng und derzeit noch für Wanderer Naturliebhaber ein kleines Paradies.

  4. 20.

    Warum kann man eine solche aufgeständerte Straße nicht auch so bauen, daß sie sich mit dem Kurorttitel verträgt? Wäre eine architektonisch bessere Lösung nicht auch eine Variante 3?

  5. 19.

    "Für die bloß Durchfahrenden wird dies mit einer längeren Fahrtzeit verbunden sein, weil nicht einfach drüber- und vorbeigefahren werden kann, sondern abgestoppt, eingeordnet und dann weitergefahren wird." Neben der Zeit, gibt das vor Ort auch durch das Abstoppen und Wiederbeschleunigen natürlich mehr Abgas- und Lärmbelastung - insbesondere dürften da LKW auf der Bundesstraße sehr ins Gewicht fallen.

  6. 18.

    "Ja, es wurde mehrere Jahre lang über eine Ortsumfahrung nachgedacht, jedoch bis heute nicht realisiert... :-((" Dann wäre meine logische Lösung, daß man solange nicht abreißen kann, wie keine Verkehrsverlagerung7-entlastung (z.Bsp. durch eine Ortsumgehung) gebaut ist.

  7. 17.

    In einer Zeit,da man langsam erkennt,daß der Autoverkehr nicht über allem steht,sollte man die Gelegenheit nutzen dieses Monstrum mitten zwischen genutzten Häusern abzuweisen.
    Es gibt ja in Ost und West genügend solche Bauwerke,die ohne die Belange der Anwohnenden Bürger durch gewachsene Städte gefräst wurden
    Die Berliner Stadtautobahn läßt grüßen und soll ja jetzt sogar noch weiter gefräst werden.

  8. 16.

    Jepp, ENDLICH wäre in Ludwigsfelde was los ;-) Aber Spaß beiseite, eine Umfahrung durch das Industriegebiet und die L79 wäre möglich gewesen, zumal das Neubaugebiet eh eine Mauer drumherum hat (ich frage mich jedesmal, wofür... Wölfe? Löwen?)

  9. 15.

    Es gibt m. W. zwei Varianten: Die eine, das Straßennetz im Wesentlichen so zu belassen wie es ist, d. h. dass statt des Brückenmonstrums künftig ein Keisverkehr den Autoverkehr regulieren und verteilen wird. Für die bloß Durchfahrenden wird dies mit einer längeren Fahrtzeit verbunden sein, weil nicht einfach drüber- und vorbeigefahren werden kann, sondern abgestoppt, eingeordnet und dann weitergefahren wird.

    Dann gibt es den Vorschlag einer weiträumigen Umfahrung, um den gesamten Kurbereich zu entlasten und seine faktische Zerschnittenheit nach Norden hin zu vermeiden. Da geht es dann in der Tat durch ein Waldgebiet nordwestlich der Stadt. Mir kommt dabei immer wieder in den Sinn, wie sehr sich auf der verkehrstechnischen Ebene "Ost" und "West" in der Vergangenheit doch wie ein Ei dem anderen glichen.

  10. 14.

    Freue mich schon auf das Geheule über den Autoverkehr in Einwohnerstrassen, ihr habts ja nicht anders gewollt.

  11. 13.

    Ja, es wurde mehrere Jahre lang über eine Ortsumfahrung nachgedacht, jedoch bis heute nicht realisiert... :-((

  12. 12.

    Dann fügen Sie einfach ein Wort ein, dann ist alles gut: "heutige" Bundesstraße. Den Artikel haben Sie ja verstanden, sonst hätten Sie sich ja nicht beschwert.

  13. 11.

    Nach meiner Recherche wurde die Brücke bereits 1973 errichtet. Bei der heutigen B158 handelte es sich zu DDR Zeiten um die F158 (F = Fernverkehrsstraße). Die heutige Berliner Straße, hieß innerorts damals Straße der DSF, auch aufgrund der damaligen am westlichen Ortseingang vorhandenen von sowjetischen Truppen genutzten Kasernen und Wohnbebauungen.

  14. 10.

    Richtig ist, dass eine Ortsumfahrung lange Zeit im Gespräch war. Jedoch konnte man sich, aufgrund der örtlichen geografischen Gegebenheiten, der Finanzierung u. dem vorhandenen Kurortstatus, nicht auf eine Ortsumfahrung einigen. Allerdings hat das Land Brandenburg vor rund 3 Jahren, aus finanziellen Gründen, dass bis dahin vorhandene Programm für den Neubau von Ortsumfahrungen gestoppt. Seitdem ist Schwerpunkt von Straßenbaumaßnahmen auf den Erhalt und Umbau vorhandener Straßen orientiert.

  15. 9.

    Ich schlage vor, die Autobahnbrücke in Ludwigsfelde abzureißen und den Verkehr über einen Kreisverkehr zu leiten :-).

  16. 8.

    Und wieder fällt eine praktische Einrichtung dem Umbau und Abrisswahn zum Opfer. Ich bin Mal gespannt, was die Befürworter des Brückenabrisses machen , wenn sich vor und in ihrer Stadt die Autos stauen. Das wird besser als auf der Frankfurter Allee in Friedrichshain.

  17. 7.

    Mit einem Kurort hat das auch nichts mehr zu tun, wenn der Verkehr die Stadt ebenerdig zerschneidet, aber man könnte ja eine Fußgängerbrücke mit Rampe bauen. Die Innenstadt ist durch Kopfsteinpflaster sowieso schon stark lärmbelastet. "Kurort" ist wirklich ein Witz.

  18. 6.

    Ich erinner mich so vor ca 8 Jahren, als diese Diskussion mit der Brücke anfing, dass als Ersatz eine Umgehungsstraße kommen sollte. Ist die schon oder muss sich der ganze Bundesstraßenverkehr dann wie vor der Brücke durch die Stadt quälen?

  19. 5.

    Meines Wissens bleiben alle bisherigen Straßenverläufe erhalten, nur, dass statt des die Stadt visuell abschneidenden Brückenmonstrums künftig ein Kreisverkehr diese einschlägigen Straßen anbinden wird.

    Visuell war der Stadtkern in seiner südöstlichen Richtung abrupt und brutal zum Ende gebracht worden. Der Stadtkern wird künftig in dieser Richtung allmählich auslaufen.

  20. 4.

    So ein Ungetüm gibt's öfter. In Berlin aber auch Ludwigsfelde. Städtebauliche Todsünde. Fast so trennende wie eine Mauer. Ich hoffe, über vernünftige Umfahrungen wurde nachgedacht...

  21. 3.

    "Das Bauwerk wurde in den 1980er Jahren für die Bundesstraße B 158 gebaut" 80er und Bundesstraße?

  22. 2.

    „ In Brandenburgs ältester Kurstadt wird Platz geschaffen.“
    Das Gegenteil ist der Fall. Der bisher über die Brücke fließende Verkehr wird künftig die Straßen der Stadt verstopfen. Und ein komplizierter Kreisverkehr ist kaum dazu geeignet, den Stau aufzulösen. Letztlich eine rein ideologische, wenig rationelle Entscheidung.

  23. 1.

    Es ist schon sicher, es gibt viele Sichtweisen, für die Brücke. Die Brücke ist für mich als Durchreisender gestalterisch ein Albtraum, abreißen ist gut, diese Hässlichkeit ist doch eher eine Schande und der Abriss sollte eher ein Gewinn für die Stadt sein.

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