Fürstenwalde - Bürgermeister: Goodyear-Aus wird große finanzielle Löcher in die Stadtkasse reißen

Mo 20.11.23 | 18:33 Uhr
  32
Ein Mitarbeiter der Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH in Fürstenwalde (Oder-Spree) schiebt einen Wagen mit Reifenrohlingen durch das Werk. (Foto: dpa)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 20.11.2023 | Marie Stumpf | Bild: dpa

Das Goodyear-Aus bedeutet für Fürstenwalde nicht nur den Wegfall von mehr als 700 Stellen. Auch das Fehlen von Gewerbesteuer-Einnahmen wird ein großes Loch ins Stadtsäckel reißen. Der Bürgermeister spricht von sechsstelligen Summen.

Für die Stadt Fürstenwalde (Oder-Spree) ist das für 2027 angekündigte Aus vom Reifenherstellers Goodyear finanziell gesehen ein schwerer Schlag. Neben rund 700 gestrichenen Arbeitsplätzen wird der Wegfall der Gewerbesteuer-Einnahmen Fürstenwalde hart treffen. "Goodyear ist nicht nur einer der größten Arbeitgeber hier, sondern auch einer der größten Gewerbesteuerzahler. Das sind im Jahr sechsstellige Summen im Durchschnitt", sagte Bürgermeister Matthias Rudolph (BFZ Bündnis Fürstenwalder Zukunft) dem rbb.

Das Unternehmen hatte am Donnerstag den Beschäftigten die Schließungspläne auf einer Betriebsversammlung mitgeteilt.

Bei einem Stadthaushalt von insgesamt rund 20 Millionen Euro im Jahr ist das keine Kleinigkeit für Fürstenwalde. Aber der Bürgermeister will den Standort nach eigenen Angaben noch nicht aufgeben und sagte, er habe schon eine Idee, wie man die Fabrik vielleicht retten könnte. "Wenn man sich anguckt, was im Umfeld von Fürstenwalde an Energie-Erzeugungsanlagen aufgestellt werden soll [...], dann gibt es genug produzierte Strommengen, die auch günstig hergestellt wird", so Rudolph. Dieser günstigere Strom könnte Goodyear vielleicht zum Bleiben überzeugen. Aber er kenne die Hintergründe der Schließung nicht, so Rudolph. "Wir müssen gucken."

Gewerkschaft will protestieren

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) möchte die Schließungspläne für die Reifenproduktion von Goodyear in Ostbrandenburg nicht hinnehmen. Sie werde Protestaktionen starten und Bündnisse für den Erhalt der Reifenproduktion in Fürstenwalde organisieren, kündigte die Gewerkschaft nach Bekanntwerden der Schließungspläne am Donnerstag an.

Wirtschaftminister will kämpfen

Der Brandenburger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) zeigte sich von dieser Botschaft irritiert. Er habe nur eine minimale Vorwarnzeit gehabt. "Ich bin nicht besonders glücklich, wie das Unternehmen dort mit uns kommuniziert hat." Durch die Nähe zum Tesla-Werk, wo es einen Absatzmarkt direkt in Brandenburg gebe, sehe der Minister die Entscheidung mit einem "Fragezeichen".

Steinbach hat angekündigt, sowohl mit dem Betriebsrat als auch mit den Verantwortlichen des Unternehmens Kontakt zu suchen. Der Minister sei nicht bereit, die Entwicklung "völlig kampflos" hinzunehmen. Er wolle jeden Widerhaken nutzen, um noch eine andere Entscheidung zu erreichen.

Arbeitsagenturchef sieht viele freie Stellen in der Region

Allerdings dürften sich für die mehr als 700 Goodyear-Mitarbeiter schnell neue Jobs finden, so die Bundesagentur für Arbeit. "Es gibt aktuell mehr als 1.000 freie Stellen in Oder-Spree und viele auch in gewerklich-technischen Bereichen. Ich rechne mit erheblichen Einstellungspotenzialen bei Tesla in der nächsten Ausbauphase", sagte Jochem Freyer von der Arbeitsagentur in Frankfurt (Oder).

Zudem komme mit "Diwa House" ein Hersteller von Modulhäusern neu nach Fürstenwalde und baue aktuell Produktionskapazitäten auf. Nicht zuletzt wegen dieser Ansiedlung und der Erweiterungspläne des US-Autobauers Tesla sieht Freyer die Region wirtschaftlich nach wie vor gut aufgestellt. "Wir haben seit einigen Jahren eine gute wirtschaftliche Entwicklung", so Freyer. Die Schließungspläne von Goodyear stellten schon eine Delle da, "aber das ändert nichts am generellen Trend."

Sendung: Antenne Brandenburg, 20.11.2023, 16:40 Uhr

32 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 32.

    Aus Ihrem Bekanntenkreis. Goodyear hat aber schon länger niemanden mehr eingestellt, schon gar niemanden, der freiwillig gegangen ist.

  2. 31.

    Goodyear hat IG BCE Tarif.

    Wer soll da freiwillig zu Tesla gewechselt sein?

    Zumal Autoherstellung und Reifenherstellung kaum etwas miteinander zu tun haben. Am verwandesten wäre eventuell noch Kunststoffteile-Herstellung bei Tesla, da wird aber fast alles zugesichert.

  3. 30.

    Und warum baut BASF in China?

    Welche Produkte, für welche Märkte?

    PS: wohl die beste TopManagerin in DE ist deswegen gegangen. Den jetzigen BASF Chef interessiert doch nicht wenn es in 5-10 Jahren in China knallt, hat doch keiner mit rechnen können - Hallo Wintershall....

  4. 29.

    ...ja, aus dem Bekannten-/ Freundes- & Familienkreis.
    Länger als 3 Monate hat es dort keiner ausgehalten. Es waren alles Schichtler. Wenn man die Quote nicht erfüllt, oder der Druck der Vorgesetzten zu hoch wurde, da half es auch nicht, dass der Lohn angeblich höher gewesen sein soll.

  5. 28.

    Und Miete, Essen, etc. bezahlt dann wer?
    Da wird Bürgergeld ja noch attraktiver.
    Wer amerikanische Verhältnisse möchte in diesem Bereich kann gerne in die USA ziehen und dort leben.

  6. 27.

    Das wissen sie jetzt woher? Oder kennen sie die beiden, die das mal gemacht haben.

  7. 26.

    Martin, auch das ist eine Denkens werter Kommentar, kann man genauso sehen!

  8. 25.

    Um Himmels Willen... Stellen Sie doch bitte Ihr unzulängliches Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge nicht so anschaulich zur Schau.

  9. 23.

    Tesla ist nicht der Arbeitsgeber, auf welchen gebaut werden sollte. Viele Mitarbeiter von Goodyear haben in ihrem Arbeitsleben einen Abstecher dorthin gemacht. Und die meisten davon sind wieder zurück zu Goodyear. Ergo: ein zweites Mal werden diese Arbeitnehmer sich bestimmt nicht mehr bei Tesla bewerben...

  10. 22.

    Um die Attraktivität wieder zu erhöhen müssen Löhne runter, Gewerkschaften in Grenzen verwiesen werden. Auch Stromkosten und Umweltauflagen müssen senken. Die Politik kann nichts für hohe Löhne."

    Und die 70-Sunden-Woche brauchen wir.
    Und Urlaub ist nur für den Patron da.
    Und Kinderarbeit.
    Und Rente gibts ab 85. Und dann auch nur für 6 Monate.
    Verdammt noch mal, das wird ein attraktives Land hier. Da kann sich Indonesien noch ne Scheibe von abschneiden.

  11. 21.

    Auf wessen Rücken sollen denn sonst Betriebsschließungen erfolgen?

    Das der Produktionsstandort Deutschland immer unattraktiver wird, liegt an den hohen Löhnen und den hohen Stromkosten.

    Sozialleistungen haben damit nichts zutun. Senkt man Sozialleistungen, wird Deutschland nicht attraktiver.

    Um die Attraktivität wieder zu erhöhen müssen Löhne runter, Gewerkschaften in Grenzen verwiesen werden. Auch Stromkosten und Umweltauflagen müssen senken. Die Politik kann nichts für hohe Löhne.

  12. 18.

    11. Natürlich haben sie mit ihren Einwand recht, es ist ja auch nicht so gemeint.
    Ich meinte nur, wer hat generell lust irgendwo und irgendwas zu investieren und aufzubauen wenn man als Investor nicht willkommen ist oder sogar mit fremden feindlichen Parolen konfrontiert wird. Leider Gottes ist es nun mal häufiger in den östlichen Bundesländern. Es war nur eine überspitzt Darstellung! Ich als geborener West Berliner bin ein absoluter Amerikaner Freund denn wir werden nicht vergessen! Freiheit!

  13. 17.

    Die Opposition macht besonders viel, um den Standort Deutschland noch unattraktiver werden zu lassen. Goodyear hat die Entwicklung früh geahnt.

  14. 16.

    Goodyear baut seit Jahren Stellen in Deutschland bis hin zu Werksschließungen ab, nicht erst in dieser Legislaturperiode. Dabei hat Habeck alles dafür getan, dass die Energiepreise trotz des Energiekriegs von Putin wieder auf dem Niveau zum Ende der Ära Merkel angelangt sind. Menschen mit geringer Qualifikation können sich zudem oft nicht vorstellen, dass Facharbeiter deutlich mehr verdienen als die Sozialleistungen bekommen würden. Denen ist oft auch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes entgangen. Das Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums aus Art. 1 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 1 GG sichert jedem Hilfebedürftigen diejenigen materiellen Voraussetzungen zu, die für seine physische Existenz und für ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben unerlässlich sind.

  15. 15.

    Die afd ist schuld? So einfach ist das? Typisches rot grünes schubladendenken. Wenn man selbst versagt hat, dann sind ebend die afd umfragewerte schuld. Und wenn die afd nicht wäre, wer wäre dann schuld? Das Wetter? Oder der Klimawandel? Vielleicht könnte es aber auch schlechte Wirtschaftspolitik a la SPD sein? Vielleicht bekommt Goodyear woanders Subventionen für ihre werksverlagerung? Oder osteuropa ist einfach günstiger was die Produktionskosten betrifft? Übrigens baut basf ein neues Werk in China anstatt in Deutschland. Liegt das an den afd umfragewerten?

  16. 14.

    Hier zeigen sich die Gründe für den Fachlräftemangel und das AfD-Umfragehoch. Zwei haben den Artikel nicht verstandenden. Einer kann plus und minus nicht unterscheiden, ein andere glaubt, dass E-Autos keine Reifen brauchen.

  17. 13.

    Noch eine bedauerliche Werksschließung und Produktionsverlagerung auf dem Rücken der Mitarbeiter und der arbeitenden Bevölkerung.
    In dieser Legislaturperiode wird leider alles dafür getan, den Standort Deutschland noch unattraktiver zu machen und die, die noch knüppeln, müssen mit aller Macht ausgepresst werden, damit die Sozialleistungen noch weiter ausgedehnt werden.
    Alles traurig geworden.

Nächster Artikel