11.07.2020, Berlin: Ansichtskarten der Stadt Berlin werden in Sichtweite des Brandenburger Tors verkauft. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Audio: Inforadio | 10.08.2020 | Anke Michel | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Hotels melden steigende Buchungszahlen - Berliner Tourismus kämpft sich mühsam aus Corona-Loch

Um fast 60 Prozent ist die Zahl der Berlin-Urlauber im ersten Halbjahr eingebrochen. Die Corona-Krise hat den Tourismusmotor der Hauptstadt abgewürgt. Doch es gibt Hoffnung: Seit Juni kommen wieder mehr Menschen nach Berlin, auch aus dem Ausland.

Die Berliner Tourismusbranche steckt noch in der Corona-Krise, registriert aber einen spürbaren Aufschwung. Seit Juni kämen wieder deutlich mehr Gäste in die Hauptstadt, sagte Burkhard Kieker, Chef der Berliner Tourismusgesellschaft Visit Berlin, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Nach zwei erfolgreichen Monaten Anfang des Jahres habe es mit dem Lockdown im März einen Absturz bis fast auf null gegeben. Seit Juni gebe es aber eine deutliche Erholung, so Kieker: "Wir sind derzeit bei 30 bis 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr." Dieses Niveau bei den Gästezahlen erwarte er auch für die zweite Jahreshälfte.

Im Juni 2020 kamen rund 270.000 Gäste nach Berlin, 78 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahrs. Damals übernachteten noch über 1,2 Millionen Touristen in der Hauptstadt. Im Vergleich zu den Monaten März bis Mai ist es aber eine spürbare Verbesserung.

Fast 60 Prozent weniger Übernachtungen

Wie stark der Berliner Tourismus unter der Corona-Krise leidet, belegen Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, die am Montag veröffentlicht wurden. Demnach bereisten von Januar bis Juni 2,7 Millionen Gäste die Hauptstadt. Das waren 59 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Die Zahl der Übernachtungen sank im ersten Halbjahr entsprechend auf 6,5 Millionen. Die durchschnittliche Bettenauslastung lag im ersten Halbjahr bei nur rund 30 Prozent - im Vorjahreszeitraum waren es noch etwas mehr als 60 Prozent.

Besonders stark brach die Zahl der Gäste aus dem Ausland ein: Auch nach den Lockerungen gab es im Juni rund 93 Prozent weniger ausländische Gäste als im gleichen Monat des Vorjahrs.

Vor allem Gäste aus Übersee kommen - auch auf Grund der Einreisebeschränkungen - nicht mehr nach Berlin. So sank die Zahl der Gäste aus den USA, Australien sowie Asien um über 90 Prozent im Vergleich zum Juni 2019.

Bange Blicke Richtung Herbst

Im Vergleich zu manchen anderen Städten stehe Berlin damit noch gut da, sagte Kieker. "Das liegt daran, dass wir auch bei deutschen Touristen sehr beliebt sind." Es gebe aber auch schon wieder Gäste vor allem aus Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich, die nach Berlin kämen, sagte Kieker. Auch aus Großbritannien sei das zu beobachten.

"Aber viele europäische Gäste fehlen noch." Touristen aus Italien und Spanien etwa reisten noch kaum wieder in die deutsche Hauptstadt. "Der Sommer war ungefähr wie erwartet", sagte Kieker. "Wir blicken skeptisch in den Herbst", schränkte er zugleich ein.

Bettenangebot um 16 Prozent niedriger

Nicht nur bei den Nächtigungszahlen, sondern auch bei den Betrieben hinterlässt das Coronavirus eine Delle. Im Vergleich zum Juni 2020 ging das Bettenangebot für Touristen um über 17 Prozent auf rund 127.000 zurück. Deutlich weniger Hotels, Gaststätten, Jugendherbergen und Pensionen sind diesen Juni geöffnet.

Noch ist unklar, ob diese Betriebe bloß temporär geschlossen sind oder ob diese Zahl das erste Anzeichen einer Pleitewelle im Berliner Tourismus sein könnte.

Visit Berlin hatte Werbekampagne gestartet

In Berlin dürfen seit dem 25. Mai in Hotels und Pensionen wieder Touristen übernachten. Zuvor kamen wegen der Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise wochenlang nur Geschäftsreisende.

Im Juni hatte der Berliner Senat gemeinsam mit Visit Berlin mehrere Angebote und Werbekampagnen gestartet, um die schwer angeschlagene Tourismusbranche der Haupstadt wieder auf die Beine zu bringen. Viele der neuen Angebote richten sich auch an die Berliner selbst. Mit einer WelcomeBack-Karte sollen sie Ermäßigungen für bekannte Attraktionen der Hauptstadt erhalten.

Zudem wollten Hotels im Sommer mit speziellen Rabatt-Aktionen vor allem Hauptstadt-Bewohner ansprechen. Visit Berlin warb außerdem auf 1.000 Plakatwänden vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen um Besucher. Der Senat stellte für Visit Berln im Nachtragshaushalt 3,3 Millionen Euro bereit. Hinzu kamen die Soforthilfemaßnahmen für die Branche.

Sendung: Fritz, 10.08.2020, 7:30 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

21 Kommentare

  1. 21.

    Es war Alles so schön ruhig und nicht so überfüllt. Könnte gerne ein wenig so bleiben... da hatte Corona auch etwas Gutes: Mehr Ruhe, weniger Hektik und ich hatte das Gefühl, das sich bestimmt Bereiche "gesundschrumpfen". Schliesslich geht unser Verhalten ( nicht nur )in Bezug auf den ganze Tourismus immer auf Kosten von Umwelt, Gesundheit und Ruhe. Ich mag Menschen und Systeme nicht, wo stets immer NUR die Zahlen eine Rolle spielen. Das ist auf Dauer, also langfristig betrachtet, höchst schädlich für alle Beteiligten in allen Bereichen. Müssen wir immer nur wachsen ? Ich denke nicht immer so rapide wie bisher....

  2. 18.

    Die Wochen ohne Touristen war sehr erholsam. Endlich mal hatte man das Gefühl, dass gewisse Kieze wieder den Anwohnern gehören. Keine Touristen, die die Straßen, Cafés und Kneipen Berlins nur als schicke Dekoration für ihr eigenes Vergnügen ansehen. Leider ist Tourismus oftmals gleichbedeutend mit genau diesem: Orte besuchen. Orte anschauen. Orte bestaunen. Aber: wenig Respekt, wenig Interesse an den Menschen, die an diesen Orten leben.
    Darauf kann ich gerne verzichten. Gäste hingegen sind mir willkommen. Gäste, die einen Ort kennenlernen wollen. Und ihn wertschätzen.

    Leider sind diejenigen jetzt wieder hier in Berlin, die sich freuen, dass hier alles so lässig ist. Dass man angeblich so dicht und unbekümmert zusammen sein darf und niemand einschreitet. Ganz anders als daheim.

  3. 17.

    "alt eingsessenen Schönebergern". Das glaub ich Ihnen sogar. Die Alten haben schon immer über die Jungen gelästert, dieser Neid-Hass wird sich niemals geben. Solang die Alten ihren Kreuzfahrten massiv die Umwelt verpesten, viel und gerne junge, unterbezahlte Pflegekräfte in Anspruch nehmen und ansonsten nur von denen profitieren die sie so fleißig beschimpfen, sollten die mal ganz ruhig sein,

  4. 16.

    Was wird denn jetzt alles dicht gemacht? Ist es nicht eher umgekehrt. Und nach über 5 Monaten könnten auch Sie schon wissen, dass es kein lockdown in D gab. Wir hatten doch gar keine Ausgangssperre. Und mit weniger Touristen ist Berlin trotzdem attraktiv . Vor 20 Jahren gab es auch weniger Tourismus und ging es Berlin deshalb schlechter? Es gibt doch inzwischen ganze Straßen in verschiedenen Bezirken wo sich nur noch Touristen aufhielten und dachten, das wäre Berlin.

  5. 15.

    Wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist richtig. Der Rest ist Quatsch. Die Gruppen spanischer, südamerikanischer, schwedischer und NRW Touristen, die lautstark bis in den Morgen an den Wochenenden durch den Kiez ziehen, in Hauseingänge pinkeln und in Vorgärten oder auf Spielplätze erbrechen, sind bei den alt eingsessenen Schönebergern kein bisschen beliebt. Ich glaube auch nicht, dass sie wegen der Geschichte oder dem kulturellen Angebot hierher kamen. Eher weil man z. B. In Schweden erst ab 21 Jahren Alkohol kaufen darf usw. Bestimmt lässt sich das in Ihrem Stadtteil besser an.

  6. 14.

    Also für mich zählen im Leben immer noch Ergebnisse und die zeigen mir das Deutschland zu einer Hand voll Länder in der Welt gehört die bisher mit Abstand am besten durch die Corona Pandemie gekommen ist . Und so traurig es ist das bei der Bekämpfung von Corona es auch viele Menschen gibt die wirtschaftlich stark betroffen sind so froh bin ich auch um jeden Menschen der keine gesundheitlichen Probleme durch Corona erleiden musste oder gar sein Leben dadurch verloren hat und kommen Sie mir jetzt nicht mit dem abgedroschenen Spruch es würde ja auch jedes Jahr ein paar Grippe Tote geben . Es weiß bis heute noch keiner welche gesundheitlichen Langzeitfolgen durch Corona entstehen egal ob bei jungen und gesunden Menschen oder bei älteren und kranken Bürgern .

  7. 13.

    Touristen sind erstens nicht immer gleich Übernachter.
    Zweitens gibt es eine große Anzahl die über Airbnb oder andere sich eine Unterkunft suchen.
    Die Letzte Woche auf dem Weg ca 20:30 zur Arbeit, Unter den Linden, kam es mir vor, als wenn wie eh und je drei Millionen Touristen in Mitte sind und gar keine Veränderung vorliegt. Weder Abstand noch Zurückhaltung.
    Vielleicht sollte man drüber nachdenken, ob vielleicht die Tage anderweitig und nicht im Sinne der klassischen Hotels gebucht worden ist.
    Ich jedenfalls würde lieber mir zu Corona ein Appartment buchen, das Internet machts möglich ;-)

  8. 12.

    Richtig, Silvio, ich kann auf Kotzbrocken aufm Gehsteig genauso verzichten wie auf Rollenkoffergerattere, auf 26 Euro Flüge nach SXF mit Billigfluglinien (hin UND rück) ebenso wie auf airbnb Gedöns. Die Stadt schafft es nicht, den Berlinern Raum zum Wohnen und Straßen zum Benutzen zu geben, Berlin schafft es nicht, an Schulen Hygieneverordnungen einzusetzen, die Viren aller Art eindämmen, aber die Leute aus den Hotspots, die sollen kommen und hier saufen, rauchen (was auch immer) und aufn Gehsteig reihern??? Ne lass mal. Wirtschaft hab für mich nix mit GASTwirtschaft zu tun, sondern mit Industrie im Bereich Metall, IT, jenseits von Dehoga.

    Alles mal zurück auf ein vernünftiges Maß, ohne Billigtourismus, an dem nur die Airlines - wie auch immer - verdienen, damit wäre viel gewonnen. Für Menschen, Umwelt, die Stadt.

  9. 10.

    Nein das macht die Regierung.....
    Leider gab es das jetzige System wonach alles dicht gemacht wird ab bestimmten Zahlen am Anfang noch nicht.
    Man kann das gern in einem Beitrag des RBB nachlesen.....
    Mit diesen Regeln hätte es in Berlin keinen Lockdown gegeben.

  10. 9.

    Bezüglich Australiens ist die Darstellung aber definitiv fehlerhaft. Auf der Liste der Risikogebiete des RKI steht nur der Bundesstaat Victoria, und das auch erst seit 7.8. also letzten Freitag.

  11. 8.

    Der Wert 78 Prozent bezieht sich ausschließlich auf den Monat Juni. Ab Juli hat der Tourismus - auch durch die Öffnung der EU-Grenzen am 15.6., in Berlin spürbar zugenommen. Herr Kiekers Bemerkung mit "30 bis 40 Prozent" bezieht sich auf das Hier und Jetzt, auf den aktuellen Stand (also Juli und August) im Vergleich zum Vorjahr. Zu den weiteren Bemerkungen: Die Sommersaison dauert offiziell noch an (ich werde das aber trotzdem ins Präteritum setzen...). Und zu den Einreisebeschränkungen: Norweger, US-Amerikaner und Australier sowie viele Asiaten dürfen derzeit nicht nach Deutschland einreisen, weil diese Staaten auf der RKI-Liste der Risikogebiete stehen. Das ist Fakt und auch keine Falschinformation in unserem Text.

  12. 7.

    Auch ich bin der Meinung das man die Entwicklung des Städtetourismus etwas besser steuern sollte auch und gerade in Berlin denn nur auf billigen Sauf - Tourismus zu setzen ist sicher der verkehrte Weg und auch Entwicklungen wie AirBnB sehe ich sehr kritisch denn gerade Berlin hat ein überaus großes Angebot an Jugendherbergen , Hostels und Hotels in allen Preisstufen womit es hier also gar keinen Grund gibt das Firmen wie AirBnB dem Wohnungsmarkt gerade in den Innenstadtbezirken wichtigen Wohnraum entziehen . Aber Tourismus grundsätzlich abzulehnen finde ich genauso falsch denn es gibt in der Region nicht wenige deren Familien davon leben .

  13. 6.

    Wenn es jetzt wirklich zu den angekündigten Alkoholverboten kommt wird diese Kurve wohl wieder steil nach unten gehen. Denn welcher Tourist kommt schon, wenn er abends nicht mal sein Bierchen / seinen Wein etc. trinken darf (die Hotelbar ist schließlich auch ne Bar)

  14. 5.

    Der Tourismus ist für Berlin ein Hauptwirtschaftsfaktor. Berlin zieht Jahr für Jahr aufgrund seiner Geschichte, seiner Größe, seiner kulturellen Möglichkeiten und seiner Vielfalt Millionen von Touristen an. Das ist es was Berlin ausmacht und das ist es was die Berliner an Berlin lieben - und das ist gut so. Wenn Sie mit den daraus resultieren "Nebenwirkungen" nicht klar kommen oder diese nicht gut heißen steht es Ihnen frei wegzuziehen - für Sie wird sich Berlin, die Berliner und die Touristen nicht ändern.

  15. 4.

    " Die überzogenen und unverhältnismäßigen Corona-Maßnahmen der Bundesregierung und der Landesregierung Berlin "

    Wer legt denn fest was in dieser Weltweiten größten Pandemie seit der spanischen Grippe 1918 - 1920 überzogen ist und was nicht ... etwa Sie !!??

  16. 3.

    Dieser Beitrag enthält unerklärliche Widersprüche, die darauf hinweisen, dass ein Teil der Angaben entweder falsch, oder ein pures Wunschdenken ist. Man kann nicht behaupten; ""Wir sind derzeit bei 30 bis 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr."" und gleichzeitig i gleichem Atemzug mitteilen " Im Juni 2020 kamen (...), 78 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahrs.
    Es bleibt auch ei Geheimnis wie der Satz "die Hotels wollen im Sommer mit speziellen Rabatt-Aktionen vor allem Hauptstadt-Bewohner ansprechen" verstanden werden soll.
    Erstens der Sommer ist praktisch vorbei. Zweitens: die Vorstellung dass jemand aus eigener Wohnung ins Hotel zieht um den Hotels zu helfen scheint mir, hm, wenig realistisch.
    Unrichtig ist auch die Info, dass Probleme aus "Einreisebeschränkungen nach Deutschland" resultieren. Z.B. Australier oder Norweger dürfen nicht AUSREISEN, denn internationaler Tourismus ist dort untersagt.


  17. 2.

    Die letzten Monate waren für viele Berliner eine tolle Zeit: keine Touristen an den Hotspots, keine Partygäste in AirBnB-Wohnungen, keine Betrunkenen auf E-Scootern, keine Taxis, die für Touristen durch die Stadt rasen. Ich wünschte, die Menschen überdenken den ausgeuferten Städtetourismus. Es ist absurd, wenn Touristen neben Touristen in schlechten Lokalen sitzen und Anwohner um den Schlaf gebracht werden. Egal, ob sie gerade in Berlin, Paris, Barcelona oder sonstwo sitzen, es gibt nichts Neues oder gar Spannendes zu entdecken. Macht die Augen auf...

Das könnte Sie auch interessieren