Die Geburtsorte der Berliner (Quelle: rbb|24)
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Video: rbb|24 | 21.08.2018 | Mara Nolte/Mark Allhoff | Bild: rbb|24

Großes Geburtsorte-Ranking - Aus diesen Städten und Ländern stammen die Berliner wirklich

Es gibt sie noch, die gebürtigen Berliner, die immer noch hier leben - aber sie sind in der Minderheit. Die heutigen Hauptstadtbewohner kommen aus Gegenden, die man nicht vermutet hätte. Wie viele stammen aus Ihrem Geburtsort? Von Götz Gringmuth-Dallmer

Der Berliner im Allgemeinen schimpft ja gerne über die zugezogenen Schwaben. Weil gefühlt alle Zugezogenen Schwaben sind. Das stimmt so natürlich nicht - aber dazu später mehr.

Fest steht: Die "echten" Berliner, die in der Stadt zur Welt kamen und immer noch hier leben, sind tatsächlich in der Minderheit. Nur knapp 47 Prozent der Hauptstädter (1.736.514) wurden auch hier geboren, rund 53 Prozent (1.975.416) haben in ihrer Geburtsurkunde einen anderen Ort verzeichnet. Das zeigen Zahlen vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, die rbb|24 ausgewertet hat. (Stand: 31.12.2017)

Sie gehören zu den Zugezogenen? Dann können Sie in der nachfolgenden Karte sehen, wie viele Menschen in der Hauptstadt ihren Geburtsort mit Ihnen teilen. Einfach einen Ortsnamen, ein Land oder ein Bundesland in das Suchfeld eingeben - oder klicken Sie sich durch unser Ranking.

Hinweis (Update: 27.08.2018): Aus technischen Gründen werden in der Karte eingangs nur Orte angezeigt, in denen mindestens 200 Menschen geboren wurden. Über die Suche findet man auch Orte mit weniger Einträgen. Orte, in denen weniger als 10 Menschen geboren wurden, werden aus technischen Gründen nicht auf der Karte angezeigt. Sie werden aber in die Gesamtrechnung der betreffenden Länder einbezogen.

An der Spitze unserer Zugezogenenliste stehen Hamburg, Brandenburg und Polen beziehungsweise die Türkei: 22.779 Berlinerinnen und Berliner wurden in der Hansestadt geboren, damit sichert sich Hamburg den Spitzenplatz unter allen Städten weltweit.

Mehr als 200.000 Berliner sind eigentlich gebürtige Brandenburger. Damit führt das einzige Nachbarbundesland das Bundesländerranking an.

Sonderfall Polen

Was die Herkunftsländer angeht, steht Polen auf der Liste ganz vorne: 136.732 Berliner kamen in Orten zur Welt, die zum heutigen polnischen Staatsgebiet gehören.

Das Land ist jedoch zugleich ein Sonderfall: Bei etwa 47.000 Personen fand die Geburt vor 1946 statt - einige von ihnen wurden aufgrund der anderen Grenzziehung zu jener Zeit somit als Deutsche geboren. Knapp 90.000 Hauptstadtbewohner erblickten nach 1946 in unserem östlichen Nachbarland das Licht der Welt.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass sich über den Geburtsort nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Staatsangehörigkeit der Zugezogenen ziehen lassen.

Türkei vor Russland und Syrien

Lässt man den Sonderfall Polen beiseite, kommen die meisten Berliner, die im Ausland geboren wurden, aus der Türkei (102.184), gefolgt von Russland (46.997), Syrien (39.774) und Bulgarien (27.696). Potenzielle Italiener um die Ecke gibt es immerhin noch 24.679. Auch diese Zahlen beziehen sich immer auf das heutige Staatsgebiet. Sie geben zum Beispiel keine Auskunft darüber, wie viele Menschen in der damaligen Sowjetunion geboren wurden.

Damaskus löst Stettin/Szczecin ab

Schaut man sich an, aus welchen Städten weltweit die Menschen nach Berlin ziehen, so gab es in den vergangenen Jahren eine deutliche Verschiebung. Ende vergangenen Jahres lebten 14.746 Menschen mit Geburtsort Damaskus in Berlin, gefolgt von Stettin/Szczecin (7.296), Aleppo (7.065), Moskau (6.657), Teheran (6.429), Breslau/Wrocław (6.280) und Beirut (5.354) sowie Istanbul (5.075).

Bei einer ähnlichen Auswertung der Berliner Morgenpost aus dem Jahr 2015 lag hier Stettin/Szczecin (6.801) noch an der Spitze, gefolgt von Breslau/Wrocław (6.308), Moskau (5.828), Teheran (5.042), Istanbul (4.445) und Damaskus (4.332).

 

Mehr als 400 Geburtsorte in Brandenburg

Einen interessanten Blick offenbart die Statistik auf Brandenburg, das Bundesland, aus dem die meisten Zugezogenen kommen. Über 400 Geburtsorte liegen gemäß unserer Auswertung in Brandenburg. Dabei haben wir - soweit machbar - ehemalige selbständige Gemeinden der Gemeinde zugeordnet, zu der sie heute gehören. Potsdam (16.358), Frankfurt (Oder) (9.913), Königs Wusterhausen (8.448) und Rüdersdorf bei Berlin (7.894) sind die Brandenburger Kommunen, in denen die meisten heutigen Bewohner Berlins geboren wurden. Potsdam liegt dabei im Gesamt-Städteranking nach Berlin, Hamburg, Leipzig und Dresden auf Platz fünf.

Und die Schwaben?

Zurück zu den eingangs erwähnten Schwaben. Wie viele der von den Berlinern so geschätzten Mitmenschen aus dem Süden der Republik wirklich in Berlin leben, lässt sich nicht so genau ermitteln. Ein Blick auf Wikipedia hilft auch nur bedingt weiter: der Umfang Schwabens sei "heute diffus und territorial nicht fassbar", heißt es da. Es gibt zwar ganz offiziell einen Regierungsbezirk Schwaben, der liegt aber in Bayern. Schaut man sich an, in welchen Bundesländern die zugezogenen Berliner geboren wurden, steht Baden-Würtemberg auf Platz sieben und Bayern auf Platz acht.

Es gibt in Berlin immer noch mehr Menschen, die in Hannover (9.537) geboren wurden als in Stuttgart (8.979) - Platz 13 im Städteranking. Die nächste Stadt in der Liste aus dem Südwesten ist Freiburg (4859 - Platz 41). Freiburg gehört aber historisch explizit nicht zu Schwaben, sondern zu Baden. Weit abgeschlagen zwischen Hinis (Türkei) und Forst (Lausitz) kommt die Stadt Tübingen (2.286) - nur Platz 120 in unserer Liste. Die vielen Schwaben in Berlin - doch eher eine gefühlte Wahrheit?

Hier leben die "echten" Berliner - und hier die Neuhauptstädter

Soviel ist jedoch sicher: Wer sich auf die Suche nach einem echten eingeborenen Berliner macht, der wird am ehesten in Reinickendorf (57,8 % gebürtige Berliner) fündig, gefolgt von Spandau (54,1 %) und Treptow-Köpenick (53,3%). Die meisten Zugezogenen dagegen lassen sich in Mitte nieder, zwei Drittel der Einwohner dort wurden nicht in Berlin geboren (65,7 Prozent kommen von außerhalb), knapp gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg (65,4 %) und Charlottenburg-Wilmersdorf (60,2%).
 

Die Daten

Archivbild: Ein Kleinkind sitzt vor einem Computer (Bild: imago)
imago

- Geburtsorte-Statistik: Angaben zur Methode

Wie wurde die Statistik ausgewertet? Welche Ungenauigkeiten und Fehler können dabei vorliegen? Und: Statistische Angaben zur statistischen Auswertung. Von Kira Schacht

Haben Sie Anmerkungen oder einen Fehler entdeckt? Gerne nehmen wir Ihre Hinweise auf. Schreiben Sie uns unter daten@rbb-online.de

Mitarbeit: Kira Schacht, Michael Hörz (Daten), Manuel Reich und Arne Schlüter (interaktive Karte)

Sendung: Abendschau, 21.08.2018, 19.30 Uhr

Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer

Kommentar

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95 Kommentare

  1. 94.

    Tja, ich bin geborene Berlinerin in der x-ten Generation. Aufgewachsen in Weißensee wohne ich jetzt in Hellersdorf. Und ja, ich fühle mich schon irgendwie wie zu einer bedrohten Minderheit gehörig, zu einer aussterbenden Spezies. Das geht schon los, wenn Eierkuchen "Pfannkuchen" genannt werden, und Pfannkuchen "Berliner" ...
    Die "Überflutung" mit Rucksackberlinern ging aber - zumindest im Ostteil Berlins - schon mit dem sog. Wohnungsbauprogramm los, da wurde Berlin von Sachsen überschwemmt. Mittlerweile kenne ich in meinem Kiez hier kaum noch "richtige" Berliner und sogar die Sachsen sind schon in der Minderheit.Bei uns zuhause wurde allerdings Hochdeutsch gesprochen, wenn ich anfing zu berlinern, gab´s böse Blicke von Mutti! Jetzt, wo sich nicht mehr darauf achten kann, verfalle ich dann doch mehr und mehr in den Berliner Slang - sagt zumindest mein Partner, der auch ein Zugezogener ist und zu den 2.163 "Pseudo Berliner/innen" gehört, die aus Wismar stammen.

  2. 93.

    Vielen Dank für Ihre Antwort. Toll, dass Sie das so recherchieren und interessant, wieviele Berliner aus dieser kleinen Stadt kpmmen.

  3. 92.

    Die Mieten steigen auch für die Neuberliner. Alle zusammen, egal wo unser Geburtsort liegt und welche Farbe unser Pass hat, leiden wir unter dem Ausverkauf der Stadt an Immobilienhaie, die von diversen Landesregierungen verschlampte Baupolitik, dem Kaputsparen der öffentlichen Haushalte (zum Wohle der obersten 20 Prozent) u.a. mit den Folgen Lehrer- und Erziehermangel der Vernachlässigung des ÖPNV usw usf. Wie gesagt: Alle zusammen.
    Sag ich mal als Neuberliner mit Wurzeln in Polen, Schleswig-Holstein, der Uckermark, Berlin und was-weiß-ich-wo

  4. 91.
    Antwort auf [Lena Lilly] vom 27.08.2018 um 06:57

    Wir haben den Grund ausfindig gemacht: Orte, in denen weniger als 10 Menschen geboren wurden, werden nicht einzeln angezeigt - aus Moletai stammen 3 Menschen, die nun in Berlin leben. Sie werden allerding in der Gesamtstatistik (für Litauen) gezählt. LG aus der Redaktion

  5. 90.

    Ja, der Ort steht in der Geburtsurkunde, auf seinem deutschen Ausweis und allen anderen Dokumenten. Auf der interaktiven Karte auf Ihrer Seite ist er auch zu sehen - Moletai in Litauen.

  6. 89.

    Danke für diesen konstruktiven Ansatz und Beitrag. Es gibt viele Ansatzpunkte und Möglichkeiten sich mit den Daten auseinander zu setzen. Der Anteil an Gejammere, dass alles nicht mehr so toll sei wie früher ist ja doch erschreckend hoch hier. Als ob es im heute nicht schon immer anders gewesen wäre als im gestern. Da wünscht sich doch der eine oder andere tatsächlich als Kaulquappe ins Urstromtal zurück.

  7. 88.

    Hallo. Ist denn auf der Geburtsort Ihres Mannes auch tatsächlich der Ort eingetragen?

    Und könnten Sie uns den Ort vielleicht mitteilen, dann könnten wir kommende Woche mal nachschauen.

    Gruß!

  8. 87.

    Ganz vollständig ist die Statistik nicht. Ich habe oben den Geburtsort meines Mannes eingegeben - und angeblich stammt kein Berliner aus diesem Ort (7000 Einwohner). Er wohnt seit 20 Jahren hier, aber in der Statistik ist er anscheinend noch nicht angekommen. Ich bin wohl die Ausnahme. Der letzte Neuberliner in meiner Familie war mein Uropa im Herbst 1918 :)

  9. 86.

    Zitat zu dem Thema:
    "Eingebürgert" / "Eingeborener" biste erst dann, wenn 'de auf'm Friedhof gießen gehst". Den Spruch hab ich aber aus einem Dorf in "Mc Pomm"

  10. 85.

    Und so ist es nun wahr geworden, Berlin ist ein modernes Babylon. Man könnte es auch böswilig-sarkastisch als Sodom und Gomorrha bezeichnen. Bleibt natürlich die Frage, wie viele Berliner oder auch Neuberliner würden sich im Krisenfall, der irgendwann zwangsläufig einmal kommen wird, tatsächlich zu ihrer Stadt und ihrer Heimat oder neue Heimat bekennen???

    Solange alles gut ist und es allen gut geht, werden alle "Schönwetterfreundschaften" hier schon halten, aber was ist, wenn es wieder mal in der Geschichte Berlins eine Existenzkrise gibt??? Überlebt die unsere Gesellschaft noch, wenn es nirgends mehr den nötigen Zusammenhalt gibt???? Berlin hatte ja schon zwei Weltkriege, eine Blockade, eine Mauerzeit und zuvor Stadtbrände usw. erlebt!!!

  11. 84.

    Leider bekommt man in der Statistik nicht raus, wie viele von den Zugezogenen rückkehrende Kinder von den in den 40 er Jahren Evakuierten sind. Nach den Bombardierungen gab es beispielsweise Evakuierungen nach Thüringen. Sicher auch in andere Bundesländer... Aber auch das gibt es. Spannend wäre es auch.... Aber es ist auch gut, wenn aus Zahlen noch nicht alles abgelesen werden kann.

  12. 83.

    Hallo Herr Hoffmeister :-)
    Viele Grüße von der tschechischen Friedenstaube...
    Ich bin zugezogen aber nicht egoistisch schliesslich lebe ich ja auch mit einem echten Berliner. Es gibt immer noch Stammtisch;-)

  13. 82.

    Gute Statistik, die alles negative aufdeckt. Ich bin echter und geborener Friedrichshainer und gefühlt der letzte hier. Nichts tut Berlin um seine Berliner in der Stadt zu halten. Mieten werden unbezahlbar und alles wird zugebaut. Nur geldgelenkte besserwissende Egoisten ziehen in die Stadt. Ich möchte auch nur noch weg und dachte früher nie so was mal sagen zu müssen.

  14. 81.

    Sie regen sich über den Zulauf in Pankow auf? Was wäre wenn Pankow immernoch DAS „Vergnügungsviertel“ für die Berliner Bevölkerung ist und das in unserer jetzigen Zeit? Die Mieten steigen auch woanders in Berlin, so bedauerlich es ist.

  15. 80.

    In München ist es genau das Gleiche: Die Einheimischen und Bayerisch Sprechenden sind eine aussterbende Spezies. "Überfremdung" gibt es also nicht nur durch globale, sondern auch durch Binnenmigration. Ich finde es immer schade, wenn irgendwo das Alteingesessene ausstirbt bzw. in einem Multikulti-Mischmasch aufgeht. Und das hat jetzt Null mit Nationalismus, sondern nur mit einer Liebe zu Tradition und Heimat zu tun. Will heißen: Ein Afrikaner, der in München oder Berlin lebt und offen für die dortige Kultur ist, ist mir persönlich lieber als ein Schwabe, der in Berlin Wecken statt Schrippen kauft und Käsespätzle auf der Karte sucht. Lassen wir also den Berlinern ihr Eisbein und den Münchnern die Weißwurst. Das ist kulturelle Vielfalt.

  16. 78.

    Echte BerlinerInnen sind meiner Ansicht nach nur die, die hier geboren sind, und deren Vorfahren auch schon hier geboren wurden. Alles andere sind "Migranten" oder Zugezogene. Auch der Begriff "Neuberliner" passt für mich nicht.

  17. 77.

    Hallo Nico,
    ich kam 1972 gerade wegen der Berliner und ihrer Ausdrucksweise nach Westberlin. Die Atmosphäre war komplett anders. Busfahrer rissen Witze während der Fahrt und trotz der Qualmerei oben in den Doppeldeckern war die Stimmung meistens unverkrampft. So wie in der restlichen geteilten Stadt.
    Mensch Berlin, wie haste Dir verändert.

  18. 76.

    Ich möchte noch einen Berliner nachmelden, der hier nicht erfasst wurde.
    Ich komme aus der Berliner Umgebung. Weil ich mich in der Nähe meiner Eltern aufhalten wollte, kam mein Sohn im Krankenhaus meines Heimatortes zur Welt. Danach lebte er mit uns in Berlin!
    Danke :-)