Start der Pilzsaison - Studieren geht über Krepieren: So sammeln Sie die richtigen Pilze

Fr 23.09.22 | 07:23 Uhr | Von Jenny Barke
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Gesammelte Steinpilze liegen im September 2022 in einem Korb. (Quelle: rbb/Jenny Barke)
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Audio: rbb24 Inforadio | 20.09.2022 | Jenny Barke | Bild: rbb/Jenny Barke

Experten gaben noch im August schlechte Prognosen ab: Für eine gute Pilzsaison sei es dieses Jahr zu trocken gewesen. Doch nun sprießen sie allerorten. Ein sonst selten Gesichteter findet sich besonders häufig. Alle wichtigen Infos zur Pilzsaison. Von Jenny Barke

Warum wachsen in diesem Jahr so viele Pilze?

Trotz langer Trockenheit und hoher Temperaturen im Sommer sprechen Experten dieses Jahr von einer guten bis sehr guten Pilzsaison. Lokal und regional gibt es Unterschiede, aber grundsätzlich gilt: Dort, wo es in Berlin und Brandenburg die vergangenen Wochen viel geregnet hat, sprießen jetzt viele Speisepilze. Der Grund: Die Mykorrhiza, die Pilzwurzeln, haben nach der langanhaltenden Wärme das Wasser im Boden aufgenommen und sich dadurch gekräftigt. Pilze brauchen Wasser, um ihre Fruchtkörper auszubilden, die Pilzfreunde gerne sammeln.

Hotline Giftnotruf

Welche Pilze finden sich besonders häufig?

Die "Könige der Pilze", die in den meisten Jahren eher selten gesehenen Steinpilze, entwickeln sich diesen Herbst "explosionsartig", hat Wolfgang Bivour, Vorsitzender beim Brandenburgischen Landesverband der Pilzsachverständigen, beobachtet. Sie sind wegen ihres würzigen Aromas sehr beliebt bei Sammlern.

Steinpilze mögen Bivours Erfahrung nach besonders trockene Sommer - wenn dann im Herbst Regen folgt. Auch die Krause Glucke, Maronen, Birken- und Butter- sowie Riesenschirmpilze fühlen sich unter den aktuellen klimatischen Bedingungen sehr wohl.

Welche Speisepilze erkennen sogar Laien?

Für den Einstieg empfiehlt Julia Einöder vom Nabu Berlin Röhrlinge. Das sind Pilze, die auf der Unterseite des Huts einen Schwamm haben. In Berlin und Brandenburg wachsen nur zwei Arten mit Schwamm, die ungenießbar oder giftig sind. Diese Hexen- oder Satanspilze erkennt man unter anderem am roten Stiel.

"Es gibt immer wieder Pilzvergiftungen, weil Leute mit irgendwelchen Apps und Büchern kommen. Aber da mahnen wir: Vorsicht ist geboten!", so Einöder. Wer unsicher ist, sollte die Pilze lieber stehen lassen oder sich beraten lassen.

Pilze sammeln in der Region (Quelle: rbb24)
Bild: rbb24

Wo finde ich Rat, wenn ich unsicher bin?

In Brandenburg bietet unter anderem der Brandenburgische Landesverband der Pilzsachverständigen Beratungen an. Eine Liste pilzkundiger Berater hat der Verband auf seiner Webseite veröffentlicht [wp.blp-ev.de].

In Berlin bietet unter anderem der Botanische Garten [bgbm.de] kostenlose Pilzberatungen und Tipps zum Pilzesammeln an.

Was muss ich zum Pilzesammeln mitnehmen?

Um die Pilze zu transportieren, empfiehlt sich ein luftiger Korb. In Plastiktüten oder -gefäßen werden die sensiblen Fruchtkörper gequetscht. Werden sie luftdicht verpackt, können manche Arten zudem sogar giftige Stoffe ausbilden.

Zum Sammeln sollte man ein Messer verwenden, mit dem man den Fruchtkörper vom Stiel abschneidet. Reißt man den Pilz aus der Erde, verletzt man den Fuß, an dem unterirdisch das Pilzgeflecht hängt. Damit das Geflecht nicht austrocknet, die Stelle wieder mit Erde bedecken.

Wo finde ich Pilze?

Pilzsammler halten ihre guten Fundorte gerne geheim, denn einige Pilze sind standortgebunden und wachsen an selber Stelle im Folgejahr wieder. Für Brandenburg kann man aber allgemein sagen: überall dort, wo Niederschlag gefallen ist. Zum jetzigen Zeitpunkt empfiehlt Pilzexperte Bivour Touren in Laub- und Laubmischwäldern. In den Kiefernforsten gebe es bisher nur spärlich Pilze, deren Flora bilde sich dort erst in den kommenden Wochen aus.

Für Berlin wird Einöder vom Nabu Berlin recht konkret: "Am Müggelsee kann man vom Wege aus Pilze sehen, hier gibt es Riesenschirmlinge und Röhrlinge. Auch im Grunewald und auf Wiesen finden sich Pilze."

Wie viele Pilze darf ich mitnehmen?

Es gibt eine Sammelbeschränkung für Pilze. Demnach darf man nur geringe Mengen zum eigenen Verzehr aus dem Wald mitnehmen. Das sind in etwa ein bis zwei Kilo pro Tag und Person.

Was muss ich beim Pilzsammeln noch beachten?

Einöder und Bivour möchten dafür sensibilisieren, sich im Wald wie ein Gast zu verhalten. "Er wäre toll, wenn man ein paar Pilze für die Tiere stehen lässt", so Einöder. Zudem sollte man beim Querwaldein-Suchen darauf achten, möglichst keine Äste abzubrechen. Besonders trockene Waldgebiete sollte man meiden, da hier die Bäume geschwächt sind. In trockenen Gebieten finden sich sowieso weniger Pilze.

Einöder rät zudem dazu, auf den Wegen zu bleiben, man finde viele Pilze auch, ohne den Wald zu durchkämmen. Daneben gelten die üblichen Regeln im Wald: keinen Müll entsorgen, kein Feuer entfachen.

Zudem sollten Zäune und Gatter wieder geschlossen werden, falls man bei der Pilzsuche welche durchquert. Der Landkreis Dahme-Spreewald warnt aktuell vor einer möglichen Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Paarungswillige Wildschweine sind derzeit auf der Suche nach Partnern sowie Eicheln und legen dabei teilweise lange Strecken zurück.

Sendung: rbb24 Inforadio, 20.09.2022, 16:05 Uhr

Beitrag von Jenny Barke

18 Kommentare

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  1. 18.

    Da sprechen Sie mir aber aus der Seele. Und was soll das denn schon wieder mit diesem Giftnotruf? Der ist für Pilzberatung und -vergiftungen gar nicht zuständig! Wer meint, wegen Pilze geht es ihm nicht gut, der wendet sich auf direktem Weg an einen Arzt und geht nicht sonstwo hin. Mein Sohn ist übrigens Rettungsarzt und weist seine Patienten ständig auf diese Falschmeldung hin.

  2. 17.

    Ja, Grünlinge sind wohl leider giftig, haben wir bis vor 20 Jahren aber auch noch mitgenommen, waren bei uns (Oberlausitz, alte Heimat...) aber schon immer eher selten. Pfifferlinge musste man halt die Stellen kennen und Butterpilze (einfach lecker) gab es auch nicht sooo viele, dass wir die weggegeben hätten (an die Nachbarn, die nicht (mehr) in den Wald wollten/konnten). Also diese Pilze haben wir immer behalten.
    Steinpilze (die wir nicht selbst abgetrocknet haben), Rotkappen (heute leider auch schon oft selten zu finden) und Birkenpilze waren die "Masse", die wir verteilt haben.
    Heute sammeln wir gerne mal nur Krause Glucken. Damit ist der Korb schnell voll und gibt lecker Gerichte damit :)

  3. 16.

    @OMG
    Meine Oma liess nur Pfifferlinge, sie sagte Pfefferlinge, Steinpilze und Grünlinge gelten. Was beim Druck blau wurde,war giftig. Der Grünling galt als Delikatesse. Heute gilt er als giftig und steht gleichzeitig unter Naturschutz. So ändern sich die Zeiten.
    Butterpilze gab es in Massen. Da hätten Sie Ihre Freude gehabt.

  4. 15.

    Das stimmt,denn wie auch wieder falsch gesagt,der Hexenröhling sei giftig...ist er ebend nicht sondern er ist ein sehr guter Speisepilz und ich finde es wieder grauenvoll mit diesen regelrechten Aufruf Artikeln die unwissenden Menschen in die Wälder zu holen,erlebe es täglich hier in der Dübener Heide,es wird alles erstmal rausgerissen und dann arglos weggeschmissen,meine Fresse wenn ihr nicht wisst was das für ein pilz ist lässt ihn stehen

  5. 12.

    Wir gehen lieber zu unserem eigenen Pilzberater, und das schon 40 Jahre lang, als das wir uns mit diesem urkomischen Artikel auch nur ansatzweise anfreunden könnten.

  6. 11.

    Weshalb wird hier ständig nur ein angeblicher "Verband" aus Potsdam genannt, der kaum 25 Hansel zählt, obwohl im riesigen Flächenland Brandenburg die Anzahl der Pilzberater (nicht "Pilzsachverständige") und damit das Beratungsangebot um das 3 bis 4-fache höher ist? Sehr eigenartig!

  7. 10.

    Empfehlungen für die nächsten Überschriften für Pilzsammelartikel:
    Richtig erkennen statt für immer pennen
    Nimm nicht die weiß-roten sonst gehts in Tal der Toten
    Nur mitnehmen, was man mag sonst war's der letzte Tag

  8. 9.

    Ich hau mich weg ^^ nur die Headline reicht für einen schönen Freitag :)

  9. 8.

    Dieser Artikel bedarf der gründlichen Durchsicht. Die Fehlerquote ist enorm. Und durch falsches und unreflektiertes Abschreiben wird er auch nicht besser. Und wesentlich ist auch: Jeder Bürger hat das Recht, sich seinen eigenen Berater nach seinen Kriterien zu suchen.

  10. 7.

    Ñach dem Krieg 45-47 gingen wir nach dem Unterricht Pilze suchen. Die "Guten": Steinpilze und Pfiferlinge blieben zu Hause, der Rest Maronen, Butterpilze und Birkenpilze verkauften wir für 2 RM je kg an die Betreiber der Ausflugsschiffe, die damit Restaurants in Berlin belieferten, für Pilze brauchte man keine Marken. Wir hatten täglich einige kg,ein schöner Verdienst für Kinder. Jeder hatte sein Revier, das fäglich abgesucht wurde, meist der eigene Wald.

  11. 5.

    Das mit dem Abschneiden oder Herausdrehen ist so eine Sache: bei Röhrlingen wohl uninteressant aber bei Blätterpilzen ist die Knolle u.U. ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen essbar und (hoch-)giftig. Dazu hat übrigens jedes Pilzbuch / jeder Experte eine andere Meinung!
    Ansonsten „Stiel vom Fruchtkörper abschneiden“ ist eine sehr unglückliche Formulierung….
    Und bei den Röhrenpilzen gibt es außer den (leicht) giftigen auch noch den ungenießbaren Gallenröhrling - unbedingt vermeiden!

  12. 4.

    dazu noch:
    Sie ging in den Wald und sammelte Pilze---------JETZT stillt se

    ( ob rbb DAS veröffentlicht ? )

  13. 3.

    Ach ja, haste nicht verstanden, den Witz!
    Ich gehe heute mal auf die Suche am Wegesrand so als Testlauf.

  14. 2.

    Ich esse jeden Pilz nur einmal. Können sie mir bitte verraten, wie sie einen Speisepilz mehrfach essen?

  15. 1.

    Jeder Pilz ist essbar!
    Manche allerdings nur einmal…

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