Fragen und Antworten - Das sollten Sie zur Verlängerung des 29-Euro-Tickets in Berlin wissen

Do 15.12.22 | 16:38 Uhr
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Zahlreiche Fahrgäste steigen am Bahnhof Zoologischer Garten in eine U-Bahn der Linie U9 ein. (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
Audio: rbb24 Inforadio | 15.12.2022 | Maximilian Ulrich | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Lange wurde darum gerungen, seit Donnerstag ist es offiziell: Das 29-Euro-Ticket geht in Berlin in die Verlängerung. Bis wann gilt sie? Und: Kann ich meine Kündigung für das Abo rückgängig machen? rbb|24 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Bis wann gilt die Verlängerung des 29-Euro-Tickets in Berlin?

Der Verkehrsverbund VBB hat eine Verlängerung des Tickets bis maximal Ende April 2023 am Donnerstag offiziell bestätigt. Bisherige Abos werden automatisch verlängert, aber auch ein Neuabschluss ist möglich.

Der Senat hatte die Verlängerung schon vor einigen Wochen angekündigt. Allerdings war lange unklar, ob der VBB die Verlängerung mitträgt, denn Brandenburg profitiert von dem Berliner Angebot nicht.

Endet mein Abo nach dem 29-Euro-Ticket automatisch oder muss gekündigt werden?

Es muss gekündigt werden, sonst fällt man nach Ende der Aktion – also spätestens Ende April 2023 – automatisch in einen normalen Abonnementvertrag (VBB-Umweltkarte, 10-Uhr-Karten, VBB-Firmentickets, usw.) für den gewählten Tarif für insgesamt 12 Monate.

Den Neukunden wurde für den Zeitraum des 29-Euro-Tickets ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt: Möglich ist die Kündigung jeweils zum Monatsende bis zum letzten Kalendertag für den kommenden Monat.

Bis wann kann ich ein Abonnement für das 29-Euro-Ticket abschließen, wenn ich es ab dem 1. Januar 2023 nutzen möchte?

Theoretisch ist ein Abschluss des Abos online immer bis zum 20. eines Vormonats möglich – also für den 1. Januar 2023 gilt der 20. Dezember als Stichtag. Im Kundenzentrum ist eine Bestellung bis zum 25. eines Vormonats möglich.

Allerdings bitten BVG und S-Bahn Berlin darum, sich möglichst schon vor den jeweiligen Stichtagen darum zu kümmern, da es wegen des hohen Interesses zu Wartezeiten bei der Bearbeitung komme. "Am komfortabelsten geht der Abschluss per Online-Beantragung", so die BVG.

In welchen Tarifzonen kann ich das 29-Euro-Ticket nutzen?

Im Berliner Tarifbereich AB.

Ich habe vor der Verlängerung des 29-Euro-Tickets bereits gekündigt. Kann ich meine Kündigung noch rückgängig machen?

Ja. Die Kündigung des Abos kann auf der Seite der BVG storniert werden. Dann wird die vorherige Kündigung unwirksam und das Abo wie jetzt geplant im Januar fortgeführt. Nach Angaben der BVG ist das bis Montag, 26. Dezember, möglich.

Die BVG bietet den Service über einen Chatbot [bvg.de] an.

Wann und wo kann ich das 29-Euro-Ticket erwerben?

Das Ticket gibt es seit dem 1. Oktober 2023 im Abonnement. Abos lassen sich nicht am Automaten kaufen, sondern nur bei den Verkehrsunternehmen selbst, also online auf den Webseiten der BVG, VBB bzw. der Berliner S-Bahn oder in den Kundenzentren.

Wer bereits ein Abo für den Berliner Tarifbereich AB hat, braucht nichts tun, denn der Preis wird automatisch auf 29 Euro monatlich gesenkt.

Ab Januar wird außerdem ein Sozialticket eingeführt, welches weiterhin 9 Euro kosten soll. Wo gilt es und wer bekommt es?

Statt wie bisher 27,50 Euro kostet das Sozialticket 9 Euro monatlich, sodass künftig Anspruchsberechtigte 18,50 Euro sparen können. Es ist wie auch das 29-Euro-Ticket auf den Tarifbereich AB in Berlin begrenzt.

Anspruchsberechtigt sind laut Berliner Senat 644.000 Menschen. Darunter fallen Menschen, die auf Arbeitslosengeld II und Sozialgeld angewiesen sind, darunter neben Langzeiterwerbslosen auch Menschen, die aufstocken müssten. Auch Asylbewerber und Wohngeldempfänger könnten das Sozialticket nutzen. Einen Berechtigungsnachweis erhalten die Betroffenen bei den Ämtern, bei denen sie ihre Hilfen erhalten, also beim Jobcenter, Wohngeldstelle oder Sozialamt.

Im Gespräch ist, auch den Studierenden das Sozialticket zu bewilligen.

Das Sozialticket soll zunächst von Januar bis mindestens April angeboten werden. Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) stellte in Aussicht, das Ticket auch über das erste Quartal hinaus anzubieten. Die Nachfrage steige kontinuierlich.

Wann kommt der bundesweite Nachfolger für das 9-Euro-Ticket, das 49-Euro-Ticket?

Das 49-Euro-Ticket ist beschlossene Sache, Bund und Länder haben dafür vor wenigen Tagen die letzten Finanzierungsfragen geklärt. Aus Sicht der Verkehrsunternehmen ist ein Beginn des Angebots zum 1. April 2023 möglich. Als Voraussetzung dafür gilt, dass bis zum 1. April alle Bundesländer Geld aus ihren Haushalten für das Ticket freigeben. Die Finanzierung war lange Streitpunkt zwischen Bund und Ländern – inzwischen haben sie sich auf eine Teilung der Kosten zu jeweils 50 Prozent geeinigt.

Auch das 49-Euro-Ticket soll digital im Abo erhältlich und monatlich kündbar sein. Allerdings hat sich die Berliner Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) im Vorfeld skeptisch gezeigt, ob der Starttermin gehalten werden kann. Sie sieht noch viel Klärungsbedarf und geht eher von einem Start im Mai aus.

Was passiert mit meinem 29-Euro-Ticket, wenn das 49-Euro-Ticket kommt – oder sich der Starttermin für das 49-Euro-Ticket verzögert?

Ob zum Start des 49-Euro-Tickets automatisch mein 29-Euro-Ticket umgewandelt wird, ist bisher noch unklar. Wahrscheinlicher ist, dass das Ticket dann neu beantragt werden muss, da es mehr kostet.

Sollte sich der Start des 49-Euro-Tickets allerdings weiter als bis Anfang Mai verzögern, wird das 29-Euro-Ticket nicht mehr weiter verlängert. "Die Aufsichtsratsmitglieder [des VBB, Anm. d. Red.] haben aber auch deutlich gemacht, dass sie diese Zustimmung letztmalig erteilt haben", sagte Verkehrssenatorin Bettina Jarasch am Donnerstagnachmittag.

Ein dauerhaftes 29-Euro-Ticket zusätzlich zum 49-Euro-Ticket wird es demnach auch nicht geben. Denn der VBB möchte nach Start des 49-Euro-Tickets zu einem gemeinsamen Tarifsystem für beide Bundesländer zurückkehren. Ein solches hatte sich Giffey für den Berliner Innenstadtbereich gewünscht, um "Mobilität für nicht mehr als ein Euro am Tag" zu ermöglichen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 15.12.2022, 16:00 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Nein, nicht vergessen...... Welchen Fahrtbereich haben Sie gebucht? Berlin AB?

  2. 15.

    Für alle, die nicht mehr als 10 km Fahrtweg mit dem Auto haben, ist es wohl günstiger mit dem Auto zur Arbeit zu fahren als mit einem AB-Abo für 63 € monatlich.

  3. 14.

    BVG hat uns vergessen, wir müssen weiter 52€ Abo bezahlen und nicht wie alle anderen 29E!

  4. 13.

    Verstehe ich richtig, dass das 29 € -Ticket bis zum Ende der Aktion (also Ende März, spätestens April)gekündigt werden kann, ohne das ein 12-Monats-Abo zwingend ist?

  5. 12.

    Sie werden niemals ein Angebot hinbekommen, das für Alle attraktiv ist. Selbst das aktuelle Monatsticket für runde 63,- EUR im Abo ist für diejenigen, die regelmäßig den Nahverkehr nutzen immer noch um Längen günstiger, als eine Fahrt mit dem PKW. Mit dem Berliner 29-EUR-Ticket wird eine Politik-Show vorgeführt, die kaum wirkliche Entlastung bringt und einen Teil der Kunden sogar explizit ausschließt. Nicht alle Berliner arbeiten auch in Berlin. Deren Ticket bleibt unverändert bepreist. Dafür bezahlen nun alle Berliner Steuerzahler das Wahlkampfgeschenk für einen kleinen Personenkreis, welches medienwirksam vom Senat ausgeschlachtet wird. Es hätte wirksamere Möglichkeiten der Entlastung gegeben, insbesondere für Diejenigen, die das wirklich brauchen.

  6. 11.

    Mal sehen, ob es dann doch ein dauerhaftes 29-Euro-Ticket geben wird...Falls nicht, werden viele wieder aufs Auto umsteigen.

  7. 10.

    Berlin hat offensichtlich zuviel Geld?!
    Mobilität kostet nun mal Geld. Warum nun alle Menschen nur 29 € für den ÖPNV zahlen soll verstehe ich nicht. Viele können es sich leisten und durchaus wesentlich mehr bezahlen. Warum muss jemand der gut verdient auf Kosten der Allgemeinheit für unter 1€ am Tag den ÖPNV nutzen?

  8. 9.

    Was nützt billig? Wenn ich mich drängeln muss ist das keine Alternative zum Auto.

  9. 8.

    ...sonst fällt man automatisch in einen 12 Monatsvertrag zu 49 €."
    Sind da die vorherigen 5 Monate zu 29 € enthalten oder geht das zu 49 € ab dann los?
    Bis unklar ausgedrückt!

  10. 6.

    Es gilt immer noch, dass man den Berlin-Pass braucht und keine ominöse "Kundenkarte": https://www.bvg.de/de/tickets-und-tarife/alle-tickets/zeitkarten/berlin-ticket-s
    Der Preis ist bei dem Link natürlich noch nicht angepasst, da dies gerade erst beschlossen wurde und erstal umgesetzt werden muss.

  11. 5.

    Antwort: Pech gehabt. Besser frühzeitig beantragen. Es gab auch schon bisher keine rückwirkende Ermäßigung. Ermäßigung gibt es erst, wenn man einen Bescheid (AlgII/Bürgergeld/Wohngeld) vorlegen kann, also erst nach Bewilligung.

  12. 4.

    49 Euro ist hart an der Grenze des für mich Attraktiven. Ich habe nichts davon, dass ich dafür auch durch Wilhelmshaven, Kaufbeuren oder Ennepetal fahren könnte, weil ich dort sowieso nicht hinkomme (schon gar nicht jeden Monat). Selbst in unser ödes Umland, pardon: unseren wundervollen Speckgürtel mit all diesen aufregenden Dörfern und Kleinstädten zieht es mich nur höchst selten.

    Da ist es doch preiswerter, wieder auf Sammelkarten umzusteigen und mehr zu laufen oder Rad zu fahren, zumal in der warmen Jahreszeit.

  13. 3.

    Ehrlich? Ich habe für diesen hausgemachten Tarifdschungel keinerlei Verständnis!
    Was ist mit Berlinern die ABC nutzen oder ABC und 1 LK?
    Könnte nicht der günstigere AB-Tarif mit in den Preis für ABC einbezogen werden? Dann hätten wenigstens alle etwas davon.
    Warum muss Berlin überhaupt eine Extrawurst generieren?
    Das ist doch alles nicht mehr normal. Ist das schon Wahlkampf?
    Für mich wirkt dieser ganze Unterbietungswettbewerb skuril. Am Ende werden wir das in den kommenden Jahren ALLE mit steigenden Preisen zurückzahlen.
    Ich habe mit dieser unfähigen Berliner Affekt-Regierung langsam die Schnauze voll.
    Das ist vielleicht alles gut gemeint. Meine 88-jährige Mutter, die zu Hause die Heizung runterdrehen soll, hat davon gar nichts.

  14. 2.

    Leider kann das Ticket für 9 EUR im Monat nicht gekauft werden, da für dessen Gültigkeit zuvor bei der BVG eine = VBB-Kundenkarte-Berlin-S beantragt werden muss [allein der Nachweis der Bedürftigkeit v. Amt reicht nicht] Diesen Nachweis habe ich aber die Website: www.berlin.de/BN-Berlin-Ticket-S zeigt stets eine Fehlermeldung an. Ohne dieser Kundenkarte gibt es zZ keine Möglichkeit das Monatsticket ab Januar 2023 für 9 EUR zu erwerben - lt persönl. Auskunft des BVG-Mitarbeiters Alexanderplatz

  15. 1.

    Hallo rbb24,
    ab 1.1.23 wird es mit dem reformierten Wohngeld mehr Berechtigte geben, deren Anträge aber ja sehr, sehr lange brauchen werden. Beim letzten Mal dauerte der Weiterbewilligungsantrag schon mehr als 4 Monate - dann wäre der Angebotszeitraum für das Ticket bereits abgelaufen.
    Wissen Sie oder können Sie rausfinden, wie mit diesen Fällen verfahren wird?
    Das Wohngeld wird ja rückwirkend zum 1.1. gezahlt, auch wenn der Bescheid erst im April, Mai oder später kommt, aber Ticket, Ermäßigung Schwimmbad etc. gibt es ja kaum rückwirkend. Gibt es da eine Regelung?
    Oder einfach "Pech gehabt"?
    Danke für die Hilfe!

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