Baustellenchaos im Ferienverkehr - Endstation B96

Sa 29.07.23 | 10:43 Uhr | Von Karsten Zummack
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Archiv: Geduld wird den Kraftfahrern auf der B96 zwischen Oranienburg und Löwenberg nördlich Berlins abverlangt. (Foto: picture allliance)
Video: rbb24 | 28.07.2023 | Karsten Zummack | Bild: picture allliance

Auf der B96 Richtung Rügen reiht sich aktuell eine Baustelle an die nächste Umleitung. Geschäfte verlieren Kundschaft, Anwohner sind genervt - und ein Kater musste offenbar wegen einer Google-Empfehlung mit dem Leben büßen. Von Karsten Zummack

Schlicht unermüdlich rauscht hier normalerweise der Verkehr vorbei. Der Ort Nassenheide nördlich von Oranienburg ist so etwa die direkteste Verbindung zur Ostsee. Die B96 zählt zu den Hauptschlagadern des Auto- und Lkw-Verkehrs in Brandenburg. Doch dieser Tage bleibt die Hauptstraße nahezu verwaist, es dominieren Baufahrzeuge, Sackgassen- und Einfahrtverbotsschilder.

"Ein mittleres Erdbeben"

Auch Jürgen Thiele lebt plötzlich defacto in einer Sackgasse. Wenn der 82-jährige Unternehmer im Ruhestand ins benachbarte Oranienburg will, schafft er das normalerweise in wenigen Minuten. Nun dauert der Weg mal locker eine Stunde. "Es ist natürlich ein mittleres Erdbeben, für die Anlieger schon dramatisch", schimpft Thiele über den Verkehr. Schließlich ist die offizielle Umleitung über Herzberg/Mark und Löwenberg 50 bis 60 Kilometer lang.

Für das Wochenende vom 11. bis 13. August plant der umtriebige Rentner ein riesiges Truckertreffen in Nassenheide. Obwohl die Besucher nur unter erschwerten Umständen anreisen können, denkt er nicht an eine Absage. Schließlich stecken viel Geld, Zeit und Herzblut in den Vorbereitungen. Wer die glitzernden Laster sehen möchte, sollte sich allerdings auf eine längere Anreise einstellen.

Umsatzeinbußen und Mehrkosten

Unter Baustellen und Umleitung leiden natürlich viele Unternehmen in der Umgebung. Wenn der Durchgangsverkehr wegfällt, spiegelt sich das in den Umsätzen nieder. Die Bäckerei Plessow in Teschendorf hat erst mal Betriebsferien gemacht, muss nun wahrscheinlich mit kleineren Brötchen vorliebnehmen. Imbissstände, Restaurants, Tankstellen oder Gemüsehändler verbuchen ebenfalls Einbußen.

Betroffen ist auch der Getränkegroßhandel Quak in Teschendorf. Mit seinen zehn Beschäftigten beliefert der Betrieb vor allem Gastronomen in Berlin. Doch das ist durch die weiträumigen Umleitungen im Moment eine große Herausforderung. "Da die Umfahrung einfach zu kompliziert ist, haben unsere Fahrer täglich etwa zwei Stunden längere Arbeitstage", klagt Juniorchefin Sandra Quak. Hinzu kämen ein höherer Spritverbrauch sowie der Verschleiß der Lkw.

Fahrbahnen verschlissen

An der B96 in Oberhavel gibt es aktuell gerade zwei Baustellen. Die eine wird laut Plan noch bis 1. Dezember abschnittsweise bei Nassenheide und Teschendorf für Vollsperrungen sorgen. Laut Landesbetrieb Straßenwesen ist dort die Fahrbahn verschlissen, Binder- und Deckschicht müssen teilweise erneuert werden. "Wenn wir jetzt noch länger warten würden, wäre der Sanierungsstau noch größer", rechtfertigt die stellvertretende Behördensprecherin Dorothee Lorenz die Baumaßnahmen.

Ähnlich sei es an der zweiten Baustelle auf der B96 in Gransee. Bis Ende August müssen Auto- und Lkw-Fahrer auch hier mit Einschränkungen rechnen.

Doch warum muss das alles in der Urlaubszeit sein, wenn viele auf dem Weg an die Ostsee sind? Das fragen sich viele in der Umgebung. "Wir machen das jetzt in den Sommerferien, damit wir den Schülerverkehr nicht beeinträchtigen. Der hat für uns oberste Priorität", so Lorenz. Dass die Straße teilweise gleich voll gesperrt wird, begründet sie mit der Sicherheit der Bauleute. Für einseitige Arbeiten sei die B96 an den betroffenen Stellen nicht breit genug.

Genervte Schleichweg-Anrainer

Und so bleibt es eben bei weitläufigen Umleitungen. Doch wo ein Wille, ist für viele Autofahrer offenbar auch ein Schleichweg. Sie kämpfen sich — wie von Google Maps oft empfohlen — seit zwei Wochen über eine schmale Straße durch die kleinen Orte Neuhof und Neuendorf. Dabei ist die weder für Durchgangsverkehr noch für einen zweispurigen Betrieb ausgelegt.

Schon jetzt sind Risse und Schlaglöcher zu sehen. Auch ein Kater wurde bereits totgefahren. Besitzerin Chantal Haarbach hat daraufhin eine Bürgerinitiative gegründet.

"Wir machen uns Sorgen, dass es auch mal ein Kind treffen könnte", sagt die Studentin. Sie organisierte am vergangenen Sonntag vor Ort eine Demonstration mit 50 bis 60 Teilnehmern. Die Gemeinde Löwenberger Land hat inzwischen reagiert und die Durchfahrt für Nicht-Anlieger gesperrt. Doch daran halten sich noch längst nicht alle. Die Polizei kontrolliert jetzt verstärkt die Einhaltung der Regelung.

Sanierung noch bis Dezember

Die Bauarbeiten auf der B96 gehen derweil gut voran. Trotzdem brauchen Anwohner, Ostsee-Urlauber und Pendler für die kommenden Monate starke Nerven. Bis mindestens Anfang Dezember ist noch mit Umleitungen und Sperrungen zu rechnen.

Sendung: rbb24, 29.07.2023, 21:45 Uhr

Beitrag von Karsten Zummack

24 Kommentare

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  1. 24.

    Ich finde es genauso schlimm, dass die 96 seit Wochen in Berlin gesperrt ist . Ein Rohrbruch an der stark befahrenen Kreuzung, Oranien Damm, Ecke Waidmannsluster Damm. Ich verstehe diese laxe Planung und Arbeit an einer der wichtigsten Straßen Deutschland nicht!Wochenende ist tabu nachts ist tabu Tags wenige Arbeitskräfte im Einsatz. Für was haben wir so eine riesige Bau - Verwaltung? Es ist eine Bundesstraße !!
    Mit freundlichen Grüßen
    Volkmar Dressel

  2. 23.

    Ich möchte mal darauf hinweisen, dass es gerade die Nassenheider Bürger sind die den seit 25 Jahren geplanten Ausbau der B96 Umgehung verhindern. Also bitte nicht jammern liebe Nassenheider, der Verkehr durch euren Ort wird sich in den nächsten Jahren bestimmt noch verdoppeln, ich wünsche Euch dann viel Spaß mit dem Stau auf der B96.

  3. 22.

    Wenn an solchen Baustellen dann wenigstens in 2 Schichten gearbeitet würde, damit es schnell fertig wird... Stattdessen passiert nach Sperrung und Baustelleneinrichtung meist nicht so viel und wenn, herrscht oft nur wenig Betrieb auf solchen Baustellen. So erlebt man es sehr oft. Dann die Koordination - jetzt der Abschnitt, dann der nächste, die dazwischen liegende Brücke oder der Bahnübergang ein anderes Mal.

  4. 21.

    Das Problem besteht bereits jetzt, ist im Artikel hinreichend beschrieben.

    Tja, dieser Rentner will nicht auf das geplante Treffen verzichten, und so wird das Problem am 11. bis 13. August lediglich verschärft, Vieleicht ist es nicht nur das Geld, sondern auch die Zeit, die ihm davonlauft, und er handelt nach dem Motto: "was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen".

  5. 20.

    Wieso?
    Ist ganz Brandenburg jetzt im Urlaub oder in Rente?Haben wir als Berliner da was verpasst,wir müssen trotz Schulferien zur Arbeit fahren und stecken dann auch im Stau,trotz Nahverkehrs.

  6. 19.

    Wird ausserhalb der Ferien gebaut - Gemecker; wird innerhalb der Ferien gebaut - Gemecker; wird nichts gemacht - Gemecker; Tagesbaustellen - dauern zu lange; Nachtbaustellen - sind zu laut und Wanderbaustellen verlaufen sich. Ja, was denn nun?

  7. 18.

    Also ich wohne selber in der Nähe und dieses Gejammer der Anwohner finde ich völlig lächerlich.
    Ich meine sie fahren mit dem Auto auch durch andere Wohngegenden und es ist doch ganz normal, dass man jetzt die Abkürzung nimmt. Sowas egoistisches dann für sich eine Sonderregelung zu fordern.
    Die Straßen auf dem Schleichweg hatten auch vorher Risse, es ist ja auch völlig egal, es ist eine natürliche Geschwindigkeitsbegrenzung und man kann sie ganz problemlos mit dem Auto fahren.

  8. 17.

    Der Autor versucht sich an einer sehr launigen Schreibe, teilweise unpassend.

  9. 16.

    Warum? Nur weil ich mich auf ihr Niveau eingelassen habe? Sie können ja nicht mal eine Frage vernünftig stellen.

    Andere können das.

  10. 15.

    Warum das auf Straßenbaustellen mit Wochenend- und Nachtarbeit usw. in Bayern geht, in Brandenburg aber nicht? Mal den Bund fragen. Der ist nämlich für die Finanzierung der Bundesstraßen zuständig.
    Soweit es sich hingegen "nur" um Landesstraßen etc. handelt, ist die Antwort sehr einfach: da in den genannten Zeitfenstern den Beschäftigten Zuschläge gezahlt werden, die die Baukosten erheblich erhöhen, ist es eben eine Frage des Geldes, was geht und was nicht. Soll heißen: Bayern ist ein reiches sog. Flächenland-West(Steuereinnahmen/Einwohner, Brandenburg ein armes sog. Flächenland-Ost. Wo mehr Knete ist, geht auch mehr. Wie in Jedermanns eigenem Leben: die einen können mehr, die anderen weniger. Erklärt eben, warum Bayern "mehr" kann.

  11. 14.

    Es ist erstaunlich, welcher Blödsinn hier so durchgelassen wird.
    Wenn Sie eine Frage nicht verstehen, lassen Sie es einfach ...

  12. 13.

    verstehe ich nicht „ein Kater musste wegen einer Google Empfehlung mit dem Leben büßen „???macht sich der RBB24 jetzt darüber lustig wenn ein Tier totgefahren wurde ,das wäre sehr primitiv

  13. 12.

    Warum die Banane krumm ist?

    "Am Anfang, wenn die Bananen noch klein sind und zwischen den Blättern herauswachsen, wachsen sie nach unten. Wenn sie dann größer werden und die Blütenblätter abgefallen sind, wachsen sie zunehmend nach oben Richtung Licht. Das heißt, sie verändern die Richtung im Laufe des Wachstums; dadurch werden sie krumm."

  14. 11.

    "Megabaustellen werden (nicht nur?) in Brandenburg erfahrungsgemäß einen Monat, maximal 3 Monate vorher angekündigt. "

    Okay, das habe ich tatsächlich nicht bedacht. Ich dachte so eine Megabaustelle wird lange vorher angekündigt. Mea culpa.

    Dann hätte man doch statt "glitzernden Laster" das schreiben können. Hier ging flotte Schreibe vor journalistischer Sorgfalt.

  15. 10.

    "Megabaustellen werden (nicht nur?) in Brandenburg erfahrungsgemäß einen Monat, maximal 3 Monate vorher angekündigt. "

    Okay, das habe ich tatsächlich nicht bedacht. Ich dachte so eine Megabaustelle wird lange vorher angekündigt. Mea culpa.

  16. 9.

    Vielleicht etwas voreilig ge-/verurteilt?

    So ein Treffen braucht schon eine gewisse Vorbereitungszeit, ein Jahr ist da relativ normal. Megabaustellen werden (nicht nur?) in Brandenburg erfahrungsgemäß einen Monat, maximal 3 Monate vorher angekündigt. 2-4 Monate vor dem Treffen werden die Vorbereitungen wohl so weit fortgeschritten sein, daß es kein Zurück ohne gewaltige Verluste mehr gibt.

  17. 7.

    Nicht die Baustellen sind das Problem.

    "Für das Wochenende vom 11. bis 13. August plant der umtriebige Rentner ein riesiges Truckertreffen in Nassenheide. Obwohl die Besucher nur unter erschwerten Umständen anreisen können, denkt er nicht an eine Absage. Schließlich stecken viel Geld, Zeit und Herzblut in den Vorbereitungen. "

    DAS ist das Problem.

  18. 6.

    Ich frage mich auch immer, warum ausgerechnet in Deutschland und da im Flachland Baustellen ewig dauern müssen.
    Komischwerweise, im Süden, also Bayern, wird auf solchen Megabaustellen selbst Sonntags gearbeitet, in Sachsen, Brandenburg, ..., sieht man auf vielen Straßenbaustellen von Freitag Mittag bis Montag Früh Niemanden.

    Wie es anders geht, konnte ich schon oft genug ausgerechnet im Gebirge erleben. Am frühen Morgen rückt die erste Maschine an und hobelt rund 5 Km einer Straße in den Dolomiten ab, ab Mittag wird asphaltiert, am 2. Tag werden noch die Gullyeinfassungen fertiggestellt und die neuen Striche aufgepinselt. Daß das ganze ohne Vollsperrung auskommt, ist wohl selbstredend. Gut, dort wurde vermutlich beim Grundausbau nicht der bei uns übliche Pfusch abgeliefert, so daß nur regelmäßig die Verschleißschicht erneuert werden muß.

  19. 5.

    Eine 60 km lange Umleitung hinter Oranienburg sollte viel früher angezeigt werden, damit man sich anders orientieren kann. Stattdessen nur Umleitungsschilder ohne die Länge der Umleitung anzugeben!

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