Mehr als 38 Milliarden Euro pro Jahr - Berliner Senat plant Rekordausgaben für 2024 und 2025

Di 11.07.23 | 18:46 Uhr
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Symbolbild: Kai Wegner (CDU, r), Regierender Bürgermeister von Berlin, und Iris Spranger (SPD), Berliner Senatorin für Inneres und Sport, laufen durch das Rote Rathaus. (Quelle: dpa/H. Albert)
Video: rbb24 Abendschau | 11.07.2023 | Dorit Knielig | Bild: dpa/H. Albert

Bezirke, Schulen, Polizei und Feuerwehr: Berlins neue Regierung rechnet in den kommenden beiden Jahren mit Rekordausgaben. Unterdessen sind bei den Steuereinnahmen keine Rekorde zu erwarten.

Der Berliner Senat hat den Entwurf für den neuen Doppelhaushalt für die Jahre 2024/25 beschlossen. Vorgesehen sind Ausgaben in Höhe von 38,63 Milliarden Euro im kommenden Jahr. 2025 sollen es laut Entwurf sogar 39,87 Milliarden Euro sein.

Damit wird das Land Berlin im nächsten und übernächsten Jahr noch einmal deutlich mehr ausgeben als bisher. Im aktuellen Jahr belaufen sich die Ausgaben auf 37,7 Milliarden Euro. Im Spätsommer und Herbst wird der Etatentwurf in den Ausschüssen des Abgeordnetenhauses weiter beraten. Voraussichtlich im Dezember soll er dann vom Parlament beschlossen werden.

"Es ist ein Chancenhaushalt und es ist ein Zukunftshaushalt", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Dienstag bei der Vorstellung des Zahlenwerks. Der Senat setze klare Schwerpunkte für bessere Bildung, mehr Sicherheit durch mehr Investitionen in Polizei und Feuerwehr, eine starke Wirtschaft, mehr Digitalisierung und soziale Sicherheit, so Wegner.

Senat aktiviert Rücklagen in Milliardenhöhe

Ein ähnlicher Zuwachs ist bei den Steuereinnahmen nicht zu erwarten. Zahlreiche Prognosen sagen ein eher schwaches Wirtschaftswachstum voraus. Im Bereich der Grunderwerbssteuer muss Berlin aufgrund der Flaute auf dem Immobilienmarkt mit nennenswerten Einbußen rechnen. Dagegen wird das Aufkommen aus Umsatz- und Lohnsteuer dem Entwurf zufolge steigen. Allerdings ist hier die Inflation der wesentliche Antrieb.

Zwischen Einnahmen und Ausgaben klafft dem Entwurf zufolge eine Lücke von rund 2,8 Milliarden Euro (2024) beziehungsweise 2,5 Milliarden Euro (2025). Damit das Land Berlin nicht noch tiefer in die Verschuldung rutscht, aktiviert der Senat für den neuen Doppelhaushalt Rücklagen in Höhe von 4,6 Milliarden Euro, die bislang nicht genutzt wurden.

Der Schuldenberg des Landes bleibt nahezu unverändert bei rund 66 Milliarden Euro.

Finanzsenator Stefan Evers (CDU) betonte, das finanzielle Umfeld mit Inflation und steigenden Zinsen sei schwierig, trotzdem schaffe der Senat Spielräume, "um Berlin zukunftsfest zu machen." Weil die geplanten Ausgaben die Einnahmen um mehrere Milliarden übersteigen, musste der Senat laut Evers "quer durch den Garten der Landesrücklagen spazieren, um Spielräume zu schaffen."

Bezirke, Bildung, (digitale) Verwaltung

Größter Block im Etat-Entwurf ist der Einzeletat für die Berliner Bezirke. Hier veranschlagt der Senat für 2024 rund 10,81 Milliarden Euro und 2025 sogar 10,98 Milliarden Euro. Einige Bezirke hatten zuletzt vehement mehr Geld gefordert.

Daraufhin waren den Bezirken noch einmal 100 Millionen Euro pro Jahr mehr versprochen worden. Finanzsenator Evers hatte auch darauf hingewiesen, dass alle Bezirke zusammen über Rücklagen von insgesamt 336,7 Millionen Euro verfügen.

Zweitgrößter Einzelposten ist der Etat der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familien mit 5,38 Milliarden Euro allein im kommenden Jahr. Für den Bereich Wissenschaft, Gesundheit, Pflege sind demnach 3,48 Milliarden Euro eingeplant.

Die Ausgaben für Investitionen machen pro Jahr etwa 3,8 Milliarden Euro aus und liegen damit um knapp 200 Millionen Euro unter dem Ansatz für 2023.

Zu den Prioritäten des neuen Senats zählt die Digitalisierung der Verwaltung. Dafür soll es 43 Millionen Euro zusätzlich geben.

Im Bereich Inneres soll es in den kommenden beiden Jahren einen Aufwuchs um 2.275 Stellen geben. Der Schwerpunkt liegt laut Wegner bei Polizei und Staatsanwaltschaft. Bei der Polizei sollen in den kommenden zwei Jahren 205 zusätzliche Stellen geschaffen werden, bei der Feuerwehr 92 zusätzliche. Die Berliner Feuerwehr hatte 733 zusätzliche Stellen gefordert.

Mehr Geld für sozialen Wohnungsbau

Für Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) ist der Haushaltsentwurf Ausdruck einer allmählichen Rückkehr zur Normalität, nachdem es seit 2020 wegen der Corona-Pandemie und dann wegen des Ukraine-Kriegs Krisenhaushalte gegeben habe. Giffey stellte unter anderem heraus, dass die Mittel für den sozialen Wohnungsbau auf jährlich 1,5 Milliarden Euro verdoppelt würden.

Für das geplante 29-Euro-Ticket für Busse und Bahnen sind pro Jahr rund 300 Millionen Euro vorgesehen. Zur Umsetzung des Billig-Tickets seien unterschiedliche Modelle erarbeitet worden, erläuterte Giffey den aktuellen Stand. Nächster Schritt für den Senat sei, eines davon auszuwählen und in die Diskussion einzubringen.

Keine Einschnitte bei Radwege-Ausbau

Finanzielle Einschnitte beim Ausbau der Radwege plant der Senat laut Etatentwurf nicht. Die dafür für 2024 und 2025 vorgesehenen Mittelansätze - zusammen rund 59,1 Millionen Euro - blieben im Vergleich zum Doppelhaushalt 2022/23 faktisch auf gleichem Niveau, sagte Evers, wobei zuletzt tatsächlich nicht alle Mittel beansprucht wurden.

Zu den geplanten Ausgaben könnte noch Geld aus dem geplanten, zunächst fünf Milliarden Euro schweren Sondervermögen für mehr Klimaschutz hinzukommen, so Evers. Hierzu ist aber noch nichts entschieden.

Kritik der Opposition, Lob von Verbänden

Die Opposition kritisierte den Haushaltsentwurf erwartungsgemäß. Grünen-Fraktionschef Werner Graf monierte unter anderem, dass Rücklagen "verbrannt" und die Bezirke nicht ausreichend finanziell ausgestattet würden. Die AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker
erklärte, der Entwurf des Senats gefährde die finanzielle Zukunftsfähigkeit Berlins, unter anderem, weil keine Schuldentilgung vorgesehen sei.

Der Bund der Steuerzahler äußerte sich besorgt über die erneute Steigerung der Ausgaben. "Ein Sparhaushalt ist das nicht", erklärte der Landesvorsitzende des Verbands, Alexander Kraus. Zu kritisieren sei auch, dass der Senat an der Schuldenbremse und dem Haushalt vorbei mit dem geplanten Sondervermögen zum Klimaschutz erhebliche neue Schulden plane.

Es gibt aber auch Lob für den Entwurf des Berliner Senats: Die Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg hält das Sondervermögen für richtig. Der ökologische Verkehrsclub VCD begrüßt, dass der Senat für den Radwege-Ausbau keine Kürzungen vorsieht. Demnach sollte sich Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) "am Berliner Beispiel orientieren und die geplanten Kürzungen im Bundeshaushalt ebenfalls korrigieren".

Sendung: rbb24 Inforadio, 11.07.2023, 8 Uhr

68 Kommentare

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  1. 68.

    Strassenraum gerechter verteilen: wo stehen denn die ganze Lastenradboliden – Keller, Balkon?
    Und die Mengen von Fahrradanlehnbügel die fest verankert auch un- bzw. nur temporär genutzt, Strassen- und Wegeraum einnehmen, ist selbstredend auch nur fair, bezahlen schließlich auch Alle.

  2. 67.

    Ich habe offensichtlich zu Recht befürchtet, dass Sie nicht verstanden haben, dass der Konzilsbeschluss von Diepgen aus dem Jahr 1996 nichts mit dem späteren Baudesaster beginnend mit Wowereit II zu tun hat.

  3. 66.

    "Die Radfahrer Lobbyisten bekommen ja ihren Radwege, wenn auch nicht so wie grün es gerne hätte!"

    Wie gesagt, ihre Kalendersprüche für geistig Arme haben einen gewissen Unterhaltungswert. :-D

  4. 65.

    66 Milliarden Schulden das ist ja mal eine Hausnummer!
    Da kann man nur zufrieden sein, das die Gießkanne nun
    zur Seite gestellt wurde und Punkt genau gegossen wird.
    Der Laden muß ja weiter laufen, also viel Geld für Personal, Polizei und Feuerwehr wobei die gewünschte Personal Zahl nicht befriedigt wird! Wenn zwei Regieren ist es nicht so einfach alles unter einen Hut zu bekommen.
    Die Radfahrer Lobbyisten bekommen ja ihren Radwege, wenn auch nicht so wie grün es gerne hätte!


  5. 63.

    Was ändert das am folgenden Baudesaster? Konsensbeschluß und Realisierung sind zwei komplex unterschiedliche Schuhe

  6. 62.

    Wenn es nach mir ginge gar nicht.
    Ampeln einfach demontieren!
    Wieviel Strom verbrauchen die im Jahr?

  7. 61.

    51. Tom, ich glaube Sie sind nicht ganz bei Trost, hier alle Autofahrer als Kriminelle zu betiteln! Sie sind hier nicht im freien Raum also anonym! Also Vorsicht!
    Sicherlich ist es so das auch Autofahrer über rote Ampeln fahren, nur zu unterscheiden ist, der Autofahrer wird geblitzt und bekommt eine saftige Strafe, und der Radfahrer fährt lächeln weiter über der nächsten roten Ampel!
    Ich frage mich, was hat das mit den rbb24 Artikel zu tun.

  8. 60.

    Jetzt müssen sie mir nur noch die PKw-Zulassungszahlen und Flugpreise der 70er mitteilen. Und das bitte ins Verhältnis zu den 2010er-Jahren setzen.

  9. 59.

    Es wollen immer die verbieten. die bereits Freiheit überproportional genossen haben. So wie die Letzte Generation.

    Der überproportional Anstieg von CO2 kam erst in den letzten 10 Jahren +/-. Was sind die jungen Leute damals wie heute gereist. Sie sind die Reise-Weltmeister.

    In den 70ern waren Flüge kaum erschwinglich.

  10. 57.

    Erzählen sie das den jungen Bürgern, nicht mir. Ich habe meine Freiheit genossen. Sie sicherlich auch.

  11. 56.

    Nochmal, wohin wollten sie TXL ausbauen? Bernauer Straße? Kurt Schuhmacher Damm?

    Diepgen und Wissmann haben Stolpe nach allen Regeln der Kunst über den Tisch gezogen. Nach Expertenmeinung wäre Sperenberg in Frage gekommen.

  12. 55.

    Merz räumt auf. Den Rechtsruck der cDU hält weder Ochs noch Esel auf... oder so ähnlich...

    Im Ernst, Merz sortiert seine Gefolgschaft.

  13. 54.

    " Ich merke es schon, Sie haben absolut keine Ahnung, glauben Sie mir, ich könnte Ihnen das ganze genau erklären wie das gelaufen ist. "

    Nein danke, mein Zwerchfell macht vor Lachen jetzt schon nicht mehr mit.

    Ihr Unterhaltungswert ist köstlich, wo kann man sie buchen?

  14. 53.

    weil die länger auf den Bus warten müssen, da die ausgebremst und der Fahrplan ausgedünnt wurde.

  15. 52.

    Man hätte Tegel, Tempelhof und Schönefeld nach modernsten Standards Ausbauen und speziell in Tegel das zweite Sextagon bauen können. Leider ist diese kostengünstige und effektive Lösung aufgrund persönlicher Interessen eines einflußreichen Politikers in den 90‘ern verworfen worden. Und nein, die Linke oder ihre Anhänger tragen keine Verantwortung dafür.

  16. 51.

    Genau da anfangen! Bei Rot über die Kreuzung rasende Autofahrer sind nichts anderes als Kriminelle. Und leider gibt es davon sehr viele, wie wahr!

  17. 50.

    Wie soll sie das, angesichts der überhand nehmenden Kriminalität?

  18. 49.

    Wann geht die Polizei endlich gegen die bei Rot über die Kreuzung rasenden Autofahrer vor?

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