Symbolbild - Eine Frau trägt an einem Strand einen Mundschutz (Bild: imago-images/David Inderlied)
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Kabinettsbeschluss - Reisewarnung für 29 europäische Länder fällt ab 15. Juni weg

Darauf haben Touristen und Hoteliers seit Wochen gewartet: Die Bundesregierung hebt für die meisten europäischen Staaten die coronabedingten Reisewarnungen auf. Allerdings wird die Reisefreude der Deutschen vor allem in einem Land gebremst: Spanien.

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch beschlossen, die geltende weltweite Reisewarnung ab dem 15. Juni für die meisten europäischen Staaten aufzuheben. Gelten soll dies für die EU-Staaten, weitere Mitgliedsstaaten des Schengener Abkommens sowie für Großbritannien, wie Außenminister Heiko Maas (SPD) anschließend mitteilte. Allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass dann touristische Reisen in die genannten Länder in allen Fällen wieder möglich sind.

Einzelwarnungen als Ersatz

Laut einem Eckpunktepapier des Kabinetts sollen die am 17. März für alle rund 200 Länder der Welt pauschal verhängte Warnung vor touristischen Reisen durch individuelle Reisehinweise ersetzt werden. Darin wird dann über die landesspezifischen Risiken informiert.

Gänzlich aufgehoben werden die Reisewarnung nur für die 26 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union, das gerade aus der EU ausgetretene Großbritannien und die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums, die nicht Mitglied in der EU sind: Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein.

Verzögerung bei Spanien und Norwegen

Für einzelne der 31 Länder wird sich der Schritt möglicherweise noch verzögern. Das könnte nach jetzigem Stand unter anderem das Urlaubsland Nummer eins der Deutschen betreffen: Spanien. Die Regierung in Madrid will erst am 1. Juli die Grenzen für ausländische Touristen wieder öffnen. Dann soll auch die zweiwöchige Zwangsquarantäne für alle Einreisenden aufgehoben werden.

Auch die norwegische Regierung erwägt, das bestehende Einreiseverbot bis zum 20. August aufrecht zu erhalten. Am Freitag gab die Regierung in Oslo allerdings bekannt, dass zumindest Dänen ab dem 15. Juni einreisen können. Es soll nun geprüft werden, ob man die Grenzen für Reisende aus "einzelnen anderen nahe liegenden europäischen Ländern" öffnen kann.

Keine zweite Rückholaktion bei neuen Lockdowns

Die Bundesregierung macht in dem Eckpunktepapier klar, dass die Reisewarnung für bestimmte Länder oder Regionen reaktiviert werden kann, wenn die Zahl der Neuinfektionen wieder drastisch steigt. Dabei will sie sich an der für Deutschland geltenden Obergrenze von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen orientieren.  

Wird diese überschritten, behält sich die Bundesregierung "Schutzmaßnahmen" vor. "Dazu können bspw. länder- oder regionsspezifische Reisewarnungen gehören", heißt es in dem Papier. Das gilt auch für den Fall, wenn einzelne Staaten die erforderlichen Maßnahmen zum Infektionsschutz im Tourismusbetrieb nicht ausreichend ergreifen. Grundlage werden dabei die von der EU-Kommission entworfenen Richtlinien sein. Die Rückholaktion für 240.000 deutsche Touristen nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie soll auf jeden Fall nicht wiederholt werden. "Eine Abholung deutscher Staatsangehöriger durch die Bundesregierung während einer möglicherweise im Ausland verhängten Quarantäne bleibt ausgeschlossen", heißt es in dem Papier.

Noch nicht entschieden hat die Bundesregierung, wie sie mit den Ländern außerhalb der EU umgehen will. Maas hatte sich dazu am Dienstag zurückhaltend geäußert. "Möglicherweise wird dies noch eine Zeit in Anspruch nehmen", sagte er. Vor allem die Türkei, die Nummer drei unter den beliebtesten Urlaubsländern der Deutschen, hofft darauf, dass auch für sie die Reisewarnung aufgehoben wird.  

Jubel in der Reisebranche

Der Deutsche Reiseverband (DRV) hat die Aufhebung der Reisewarnung für die meisten europäischen Staaten begrüßt. "Das ist ein richtiger und ganz wichtiger Schritt für die Reisenden und natürlich die Reisewirtschaft mit ihren hunderttausenden Beschäftigten", erklärte DRV-Präsident Norbert Fiebig am Mittwoch in Berlin. Damit gebe es jetzt wieder ein Stück Planungssicherheit "und der Motor für die Wiederaufnahme des Reisens kann anlaufen".

Jetzt gelte es in einem weiteren Schritt auch Reiseziele außerhalb Europas zu betrachten, forderte Fiebig. "Auch dort sollte der Maßstab gelten, wie gut die einzelnen Länder die Pandemie im Griff haben, wie hoch die Infektionszahlen sind und wie gut das Gesundheitssystem dort aufgestellt ist." Wenn es diese Fakten und die Infektionslage erlaubten, könne es auch für beliebte Urlaubsregionen außerhalb Europas zu Öffnungen kommen.

Sendung:  Inforadio, 03.06.2020, 11:30 Uhr

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20 Kommentare

  1. 20.

    Großartig, Herr Außenminister Maas ! …… Mal schön im Interesse der Reiseunternehmen die Reisewarnungen in sogenannte Reisehinweise ( ein absoluter Witz ) umgewandelt und dann noch so tuen, als wenn die Deutschen allesamt nur darauf gewartet haben, dass die Grenzen für einen "sicheren und entspannten" Urlaub im Ausland öffnen. Ich kenne KEINEN, der darauf gewartet hat …. aber die Gesundheit der Menschen steht nun mal weit hinter den Interessen der Unternehmen der Reisebranche. Kapitalismus in Reinkultur !

  2. 19.

    Familien mit langfristigen Buchungen werden nun über ihre erzwungenen Stornierungskosten die Touristikunternehmen finanzieren. Vielen Dank an unsere Regierung. Die "geschenkten" Einmalzahlungen beim Kindergeld decken nur Bruchteile der Stornokosten. Alle betroffenen Familien "danken" der deutschen Regierung für dieses Geschenk. Eine Schande !

  3. 18.

    Das Problem besteht doch darin, dass alle Leute welche schon langfristig eine Reise gebucht haben und durch die anstehenden Einschränkungen auf den gebuchten Urlaub verzichten werden, auf extrem hohen Stornierungskosten sitzen bleiben. Einziger Hintergrund der Aufhebung der Reisewarnungen sind nur kommerzielle Interessen der RV. Deutsche Urlauber welche langfristig gebucht hatten ( meist Familien zur Planungssicherheit !) werden gezwungen, über Stornierungskosten die weltweiten bzw. europäischen Touristikunternehmen zu finanzieren. Eine Schande !

  4. 17.

    Natürlich sind auch Frachtschiffe leider große Umweltverschmutzer, und auch das muss geändert werden. Das ist aber kein Grund dafür, dass die überflüssigen Luxusdampfer noch *zusätzlich* überall ihren Dreck ablassen.
    Und die Küstenregionen würden sich über saubere Luft und Wasser natürlich freuen. Auf die vorbeifahrende Monster, die die Küsten verpesten und Urlauber, die die Küstenorte für ein paar Stunden Sightseeing überfluten, ihr Geld aber auf dem Schiff ausgeben, würden sie sicher gern verzichten. Und statt dessen lieber Urlauber beherbergen, die auf dem Landweg anreisen und auch eine Weile bleiben.

  5. 16.

    Wissen Sie eigentlich das die Frachtschiffe die größeren Umweltverpester sind? Die Küstenregionen werden es sicher danken wenn die Urlauber mit den Schiffen wieder kommen. Ich hoffe das wir im nächsten Jahr unsere Kreuzfahrt wie immer in vollen Zügen genießen können.

  6. 15.

    Kreuzfahrten?
    Diese umweltzerstörerische und von Dekadenz strotzende Branche kann gerne vollständig eingestellt werden. Überflüssig wie kaum irgendwas anderes.
    Die Meere und Küstenregionen in aller Welt werden es danken.

  7. 14.

    Was soll das denn nun? Ich war eher gesagt froh das dieser Flughafen nun endlich geschlossen werden sollte. Und das wegen den Urlaubern die meinen zu Coronazeiten in den Urlaub fliegen zu müssen? Mischen wir mal wieder die Viren, das wird die Zahlen wieder ansteigen lassen. Wir sind keine Brandenburger die es schaffen hier Abstand zu halten... folgen sind nach den Sommerferien wieder der Lockdown. Mit tun die Menschen leid die nun ihren Urlaub nicht stornieren dürfen weil sie verständlicherweise in dieser Zeit nicht in den Urlaub fliegen möchten.

  8. 13.

    Dieses Bashing gegen sog Lobbyisten nervt. Warum soll die Branche sich nicht freuen? Menschen brauchen Arbeit, um zu leben. Jedenfalls die Arbeitswilligen.... Wie wollen Sie denn den Lebensunterhalt der Menschen finanzieren?

  9. 12.

    Sehe ich auch so. Ist mir zu nervig mit den Regeln. Aber wem es Spaß macht, dem wünsche ich eine gute Reise.

  10. 11.

    der chef-Lobbyist der Reisebranbranche freut sich vielleicht ein bischen zu früh. Viele haben die Neckermann-Pleite noch nicht vergessen. Neue Haftungsgrenzen gibts ja noch nicht . Viele werden auch unter Corona-Regeln keine Lust auf Urlaub im Süden haben. Und der Wachstumsmarkt Kreuzfahrten ???

  11. 10.

    Für Sie noch einmal, ICH möchte nicht mit Mundschutz und Abstandregelungen im Flugzeug, in Restaurants oder am Strand sitzen, weil das unentspannt ist und keinen Spass macht. Sollte es zu Quarantänesituationen kommen, möchte ich weder im Hotel noch im Ausland festsitzen, weil es keinen Rückflug mehr gibt - verstanden?
    Ansonsten kann fliegen wer will.

  12. 9.

    Anbetracht der Tatsache das es so viele Menschen gibt die ohne Rücksicht auf den Rest der Gesellschaft egoistisch nur ihr persönliches Verknügen im Kopf haben.,finde ich das ist ein Spiel mit dem Feuer.

  13. 8.

    Mir gehen auch die Leute auf den Keks die so tun als ob alles vorbei ist und nur um ihre Grundrechte jammern! Wir haben einfach nur Glück gehabt bis jetzt und sind auf dem besten Weg alles wieder zu verspielen!

  14. 7.

    Oder es passiert...nix. Dieser grenzenlose Pessimismus und dieses geradezu Heraufbeschwören der 2.Welle geht mir echt auf den Keks.
    Die Welle ist deutlich abgeebbt. Nun gilt es damit umzugehen. Schließlich handelt es sich hierbei nicht um die Pest.

  15. 6.

    "Also was wolltest du mit deinem Kommentar sagen?"

    Ich schätze sowas wie: "Wäre schön, wenn alle anderen auch so wie ich denken würden; dann gibt es im Herbst vielleicht keine zweite Welle"

    "und die Virologen werden sich die Hände reiben."

    Ja, verstärkt, und zwar mit Wasser und Seife....

  16. 5.

    @tina, keiner muss müssen. Wenn du zu Hause bleibst weil Masken- und Abstandspflicht ist es okay. Wenn die anderen verreisen wollen, ist doch auch okay. Also was wolltest du mit deinem Kommentar sagen?

  17. 4.

    Da haben wir mal richtig früh gebucht und nun ist man quasi bestraft, wenn man unter den Bedingungen nicht mehr reisen möchte. Toll, dass den Wünschen der Tourismusbranche nachgekommen wird, anstatt auf die Reisenden einzugehen. Ich will nicht Teil einer erneuten weltweiten Ausbreitung sein; ich will nicht mit kleinen Kindern im Hotelzimmer festhängen und ich will nicht eine von 1000en am Strand sein. Aber toll, dass man dafür noch Geld bezahlt - was nach Kurzarbeit eh knapper ist. Die Regierung kann sich zusätzliche "Kindergeldzahlungen" sparen. Ich würde lieber kostenfrei stornieren :-(

  18. 3.

    Das ist doch sehr erfreulich und wird hoffentlich von den Reisewilligen mit Bedacht genutzt.
    Falls es doch zu einem Lockdown kommen sollte, wünschte ich mir, das Staaten und Airlines zusammenarbeiten. Nicht das die Airlines einfach aufhören zu fliegen, wenn niemand mehr ins Ausland fliegen darf/will, aber geplante und gebuchte Rückflüge existieren. Somit bleibt man wieder sitzen.
    Davon war ich im März betroffen. Am Abend gab es den Rückflug noch, am nächsten Morgen standen 200 Passagiere ohne Flug da.

  19. 2.

    Ach wird das schön in einigen Wochen wenn alle aus dem Urlaub zurück kommen, die Zahl der Infizierten wird Europaweit steigen. Tourismus ist halt wichtiger als Gesundheit, aber auch aus diesen Fehlern werden die Politiker lernen und die Virologen werden sich die Hände reiben.

  20. 1.

    Na das hat mir noch gefehlt, im Flugzeug und im Urlaub Mundschutz und Kontakt- und Abstandsregelungen. An den Stränden hält sich sowieso keiner dran und wenn es dann im Ausland Coronafälle gibt und wieder Quarantäne verhängt wird, hänge ich diesmal fest, denn eine Rückholung wird es nicht geben. Da bleibe ich dieses Jahr lieber vernünftig zu hause und warte bis nächstes Jahr.

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