22.06.2020, Brandenburg, Oranienburg: Menschen genießen das schöne Wetter am Grabowsee unweit von Oranienburg (Quelle: dpa / Paul Zinken).
Video: Brandeburg Aktuell | 27.06.2020 | Mona Ruzicka | Bild: dpa-Zentalbild

Touristen aus Corona-Hotspots - Brandenburger Hotelverband befürwortet Übernachtungsverbote

Die Ferien haben begonnen, auch die Berliner und Brandenburger starten in den Urlaub. Gleichzeitig greift in vielen Bundesländern ein Beherbergungsverbot für Menschen aus Corona-Risikogebieten. Nur wer einen negativen Test nachweisen kann, darf übernachten.

Seit Samstag gilt in zwölf von 16 Bundesländern eine Regelung für Urlauber aus deutschen Corona-Risikogebieten: Nur wer mit einem Attest nachweisen kann, dass er nicht mit dem Virus infiziert ist, darf in Hotels, Pensionen und anderen Unterkünften übernachten. Das Attest "muss sich auf eine molekularbiologische Testung stützen, die höchstens 48 Stunden vor der Anreise vorgenommen worden ist", heißt es in dem Beschluss von Bund und Ländern vom Freitag. Berlin und Brandenburg hatten diese Regeln schon vorab verhängt.

"Um Unheil von uns fernzuhalten"

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) befürwortete am Samstag die Regelung. Er tue sich zwar mit der Entscheidung auch schwer, sagte der Brandenburger Dehoga-Präsident Olaf Schöpe am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. "Ich denke aber, um Unheil von uns fernzuhalten, muss es diese Restriktionen geben."

Schöpe sagte, er hoffe, dass die Leute nicht zahlreich vor den Hotels und Pensionen stünden und dann wieder zurückgeschickt werden müssten. Informationen dazu hatte er zunächst nicht. Er gehe aber davon aus, dass die Menschen aus den betroffenen Landkreisen selbst die Information über die Beschränkungen hätten.

Reaktion auf Virusausbruch in Schlachthöfen

Das Beherbergungsverbot, das Brandenburg am Freitag verhängte, gilt in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen. Wer seit Samstag (27. Juni) aus einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt kommt, in dem oder in der es in sieben Tagen vor der Abreise mehr als 50 neue Infektionen pro 100.000 Einwohner gab, darf nicht mehr einreisen. Einreisen darf in jedem Fall, wer aus beruflichen oder medizinischen Gründen zwingend notwendig nach Brandenburg kommt.

Das Beherbergungsverbot ist auch eine Reaktion auf einen Virusausbruch in Nordrhein-Westfalen. In einem Schlachtbetrieb der Firma Tönnies wurden mehr als 1.500 Menschen positiv auf das Virus getestet. Das Land NRW schränkte für die beiden betroffenen Kreise Gütersloh und Warendorf das Alltagsleben vorläufig bis zum 30. Juni wieder deutlich ein.

Laut Robert Koch-Institut fiel im Kreis Warendorf die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage mit 47,9 inzwischen wieder unter den entscheidenden Wert von 50. Auch im Kreis Gütersloh sank die Kennziffer weiter. Mit 177,7 Fällen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (zuvor 192,8) liegt der Wert aber weiter deutlich über der Marke von 50.

Die Regeln in den Bundesländern

  • Baden-Württemberg: Für Besucher aus einem Kreis mit erhöhtem Infektionsgeschehen gilt ein Beherbergungsverbot in Hotels, Gasthöfen, Pensionen, Ferienwohnungen, Campingplätzen sowie auf Wohnmobilstellplätzen.
  • Bayern: Beherbergungsverbot für Besucher aus einem Risikogebiet.
  • Berlin: Reisende aus Risikogebieten in Deutschland müssen in Berlin für zwei Wochen in Quarantäne, wenn sie keinen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen können.
  • Brandenburg: Beherbergungsverbot für Besucher aus einem Risikogebiet, wenn sie keinen negativen Test nachweisen können.
  • Bremen: Aktuell keine Restriktionen.
  • Hamburg: Ab 1. Juli Beherbergungsverbot für Besucher aus einem Risikogebiet. Hamburger, die aus deutschen Corona-Hotspots heimkehren, müssen zwei Wochen in häusliche Quarantäne. Es sei denn, sie können einen negativen Test nachweisen.
  • Hessen: Beherbergungsverbot für Besucher aus einem Risikogebiet, es sei denn sie isnd negativ getestet.
  • Mecklenburg-Vorpommern: Hier gibt es zwei Stufen für betroffene Regionen. Rot - wenn die Kennzahl 50 überschritten ist und Gelb, wenn sie knapp unterschritten ist. Menschen aus Kreisen nach beiden Kategorien dürfen nicht übernachten, es sei denn sie haben einen negativen Test. Stichtag ist die Einreise.
  • Niedersachsen: Bisher Übernachtungsverbot für Menschen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf. Obwohl die Kennziffer 50 bei der 7-Tages-Inzidenz im Kreis Warendorf Stand Freitag unterschritten wurde, gilt das Verbot laut Verordnung wegen der Inkubationszeit weiter - 14 Tage lang. Ein Ministeriumssprecher sagte, dass das Verbot aber auch in den nächsten Tagen aufgehoben werden könnte.
  • Nordrhein-Westfalen: Keine Beschränkungen für Reisende aus dem Inland. Reiserückkehrer aus Risikoregionen im Ausland müssen 14 Tage in Quarantäne.
  • Rheinland-Pfalz: Quarantänepflicht für Einreisende aus Risikogebieten im In- und Ausland - es sei denn, man kann einen negativen Coronatest nachweisen.
  • Saarland: Ab 29. Juni Beherbergungsverbot für Besucher aus einem Risikogebiet, es sei denn sie haben einen negativen Coronatest.
  • Sachsen: Beherbergungsverbot für Besucher aus einem Risikogebiet, es sei denn sie haben einen negativen Coronatest.
  • Sachsen-Anhalt: Noch keine Beschränkungen, kann sich aber laut Landesregierung in der nächsten Corona-Verordnung am 2. Juli ändern.
  • Schleswig-Holstein: Wer als Tourist aus einem Risikogebiet kommt muss zwei Wochen in Quarantäne - im Hotel. Ausnahme: Es liegt ein negativer Test vor, der höchstens zwei Tage alt ist. In Quarantäne müssen auch Einheimische, die vorher zum Beispiel im Kreis Gütersloh waren.
  • Thüringen: Einreise- und Beherbergungsverboten sind derzeit nicht geplant.

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11 Kommentare

  1. 11.

    48h Zeit um sich zu infizieren und dann das Hotel verseuchen

  2. 10.

    Aber ICKE fahre nicht nach MV und SH. Auch ohne Corona würde ich das Gedränge hassen, das kommt erschwerend hinzu, aber ich mag keine Spalter, die mir wochenlang erklären, dass man in deren Landkreise nicht einzureisen hat, wenn man Berliner ist, weil sie sauber bleiben wollen. Nun denn, dann halt nicht. Offenbar sind genug Leute aus anderen Regionen gekommen. Gut, dass keiner aus MV und SH weiss, dass Castrop Rauxel nicht in England, sondern in NRW liegt. Nahe dem Hotspot. Und Saarlouis ist auch nicht Südfrankreich.

  3. 9.

    Wo haben Sie den Unfug her, dass der Makenzwang und die Zurechtweisungen mit Schildern und Dauerdurchsagen wegen "Corona" überall auf der Welt gelten.
    70 Prozent der Länder machen fast gar nichts, angefangen gleich bei unserem Nachbarn Schweden oder auch Island.
    Da bleibt genug Auswahl.

  4. 8.

    " Ich werde garantiert nirgendwo Urlaub machen,.... "

    dann wird der Urlaub wohl ausfallen müssen , die von Ihnen genannten Restriktionen und Vorschriften gelten weltweit

  5. 6.

    " ich merke mir das auch noch für die Zeit NACH Corona. "

    ähnlich wurde auch über MV und SH kommentiert , aber jetzt alles ausgebucht und die Zufahrten zu einigen Ostseebädern sind für Tagesbesucher gesperrt , alles proppevoll

  6. 5.

    Genau so geht es mir mit allen Bundesländern, wo die Restriktionen zeigen, wie lieb sie uns haben, die Leute, die nicht von da sind... und das beste ist, ich merke mir das auch noch für die Zeit NACH Corona. Denn die Hoteliers und Landräte bleiben ja die selben Kloberköppe wie derzeit...

  7. 4.

    Liebe Hoteliers,
    niemand muss Urlaub in Brandenburg machen. Fliegen wir halt in die Ferne.
    Wenn das den Hoteliers in Brandenburg hilft, bitte.

    Ich werde garantiert nirgendwo Urlaub machen, wo ich schon an der Eingangstür Schilder lese, die mich zurechtweisen wie einen potentiellen Schwerverbrecher:
    "Abstand halten! Mund - Nase bedecken!" oder sowas wie "Gemeinsam gegen Corona".
    Ich möchte Urlaub machen und aber nicht ständig gebasht werden mit Panikmache!

  8. 3.

    Das Unheil von uns fernzuhalten, klingt ja ziemlich schlimm und nach einer ganz düsteren Zeit im letzten Jahrhundert, einladend ist anders.

  9. 2.

    "Brandenburger Hotelverband befürwortet Übernachtungsverbote" + Negativtest.
    Dann muss sich später keiner wundern/beschweren wenn die Hotels Pleite gehen.

  10. 1.

    Reicht als Nachweis nicht eine Packung Schinken von Tönnies?

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