04.05.2020, Brandenburg, Frankfurt (Oder): Mitarbeiter und Bewohner eines Pflegeheimes für Senioren der Arbeiterwohlfahrt (AWO) nehmen auf einem Balkon an einem Open-Air-Minikonzert von Musikern des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder) teil. (Quelle: dpa/Pleul)
Bild: dpa/Pleul

Corona-Neuregelungen - Brandenburg schafft Besuchs-Obergrenzen für Pflegeheime und Krankenhäuser ab

Nachdem sich die Coronalage inzwischen auch in Brandenburger Krankenhäusern und Pflegeheimen beruhigt hat, lockert die Landesregierung die Besuchsregeln: Seit Mittwoch gelten keine Personen-Obergrenzen mehr. Spontane Besuche sind aber immer noch tabu.

Die Brandenburger Landesregierung hat am Mittwoch die Regelungen für Besuche in Pflegeheimen und Krankenhäusern nochmals gelockert. Die zuletzt geltende Begrenzung auf zwei Personen pro Tag wird aufgehoben - ab sofort darf Besuch wieder ohne Obergrenze empfangen werden, wie Sozialstaatssekretär Michael Ranft am Mittwoch bekannt gab.

Zahlreiche Regelungen gelten weiterhin

Trotzdem müssen weiterhin Hygieneregelungen und organisatorische Maßnahmen eingehalten werden, wie er betonte. Besuche könnten noch nicht so spontan und unkompliziert stattfinden, wie dies vor der Pandemie möglich war. Folgende Regeln gelten auch weiterhin:

Besucher müssen grundsätzlich eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

In jedem Fall den Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten.

Grundsätzlich muss vorher ein Termin für den Besuch mit der Einrichtung telefonisch vereinbart werden.

Bei Anzeichen einer Atemwegserkrankung oder eines fieberhaften Infektes oder bei Kontakt zu einer infizierten Person dürfen die Pflegeheime nicht betreten werden.

Alle Besucher müssen sich am Eingangsbereich an das Personal wenden und dürfen nicht selbständig die Wohn- oder Besuchsbereiche aufsuchen.

Alle Besucher werden registriert, um eine Kontaktpersonennachverfolgung durchführen zu können.

Besucher haben das Personal zu informieren, wenn sie ihren Besuch beenden.

Infektionszahlen in Pflegeheimen derzeit "bei null"

Seit Mitte Juni durften Menschen in Brandenburger Pflegeheimen und Krankenhäusern laut Umgangsverordnung [landesrecht.brandenburg.de] von höchstens zwei Personen pro Tag besucht werden, vom 9. Mai bis 12. Juni war dies auf eine Person pro Tag begrenzt. Im März und April galt sogar ein komplettes Besuchsverbot.

Während der Hochphase der Corona-Pandemie war es in mehreren Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern in Brandenburg zu Ausbrüchen des Coronavirus gekommen, so zum Beispiel im Altenstift der Hoffbauer-Stiftung auf Hermannswerder in Potsdam. Bei den Krankenhäusern war das Ernst von Bergmann-Klinikum in Potsdam besonders stark von Corona-Infektionen betroffen.

"Nach mehreren kleinen Ausbrüchen ist es in den vergangenen Wochen gelungen, dass die Infektionszahlen in den Pflegeeinrichtungen und besonderen Wohnformen derzeit bei null liegen. Darüber bin ich sehr froh. Allerdings geht damit auch eine besondere Verantwortung für Familienangehörige und Freunde einher", so Staatssekretär Ranft

Branchenvertreter freuen sich über neue Regelung

Bernd Mones, Vorsitzender der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege im Land Brandenburg, begrüßte die Neuregelung: "Die bei uns wohnenden Menschen brauchen kompetente Pflege und Betreuung, aber natürlich auch den Besuch ihrer Liebsten. Wir sind sehr froh über die schrittweise Lockerung des Besuchsverbots, wissen aber auch um das weiterhin bestehende Risiko für ältere Menschen."

Ellen Fährmann, Vorsitzende Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V., Brandenburg, würdigte in dem Zusammenhang das besonders große Engagement der Pflegekräfte in den Einrichtungen: "In den Wochen der Pandemiewelle waren es die Pflegekräfte, die manchen fehlenden Kontakt ausgeglichen haben. Jetzt geht es um eine Balance zwischen verhältnismäßiger Öffnung und Sicherheit. Ein besonderer Schutz vor Infektionen bleibt für pflegebedürftige Menschen und die Beschäftigten in der Pflege weiter dringend notwendig."

Sendung: Brandenburg aktuell, 15.07.2020, 19:30 Uhr

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7 Kommentare

  1. 7.

    Ja das sehe ich auch so. Denn sehr viele haben sich inzwischen aufgegeben. Für wen oder was sollen sie noch leben? Man hat sie ja doch alleine gelassen. Das Pflegepersonal hat jedenfalls nie die Zeit, sich genügend um die Menschen zu kümmern. Die Alten verkümmern seelisch!

  2. 6.

    Was meinen Sie mit dieser Formulierung:
    "wer im Sterben liegt, wird ungeniert Besuch empfangen"?
    Wie sind Sie denn drauf? Das klingt absolut Menschen verachtend.
    Die Pflegeheimbewohner können teilweise garnicht mehr darüber entscheiden, wer, wann zu ihnen kommt. Inzwischen haben die meisten Bewohner im Pflegeheim meiner Mutter den Verstand verloren, noch immer sind Besuche zu streng reglementiert.
    Viele versterben tatsächlich ohne Abschied.
    Was für ein grossartiger Schutz.
    Schutz für die Heime, heisst nicht unbedingt Schutz für Bewohner.
    Die Menschen fühlen sich vergessen, sehen im Fernsehern, dass das Leben für alle Anderen weiterläuft. Die Sterblichkeit von Heiminsassen durch die Isolation, wird am Ende höher sein, als durch Corona selbst.

  3. 5.

    Keiner fragt, ob die alten Menschen diese ganzen Einschränkungen überhaupt noch wollen.
    Ich gehe regelmäßig in ein Altenheim Besuche machen und viele denken anders als am Anfang. Sie wollen endlich wieder leben wie früher, ohne ständig betteln zu müssen "Darf ich das? Geht das?" Es sind nicht wenige, die glauben, dass die Gefahr nicht von ihren Liebsten ausgeht, sondern eher von dem ständig wechselnden Pflegepersonal! Denn die gehen täglich mehr ein und aus als die Besucher der Alten! Und das Personal hat begriffen, wie es sich zu verhalten hat. Denn es gibt keine größeren Ausbrüche in Altenheimen.

    Und ich denke ebenfalls, es ist genug!

  4. 4.

    Warum gleich so aggressiv? Die Zeit wird zeigen, ob meine Bedenken berechtigt sind oder nicht. Und bezüglich des Verabschiedens: wer im Sterben liegt, wird vor Corona keine Angst haben und ungeniert die Liebsten empfangen. Ob die Anderen da auch so locker drauf sind, wenn Corona ins Heim gelangt, wage ich zu bezweifeln. Die Zeiten sind für uns alle schwer, ich muss meine Kontakte auch stark reduzieren und tue das sogar freiwillig.

  5. 2.

    Na klar und derweil versterben die Alten einfach so ohne Begleitung ohne sich verabschieden zu können ohne alles, ist natürlich viel sinnvoller Herr Steffen, bei solch egoistischen Meinungen kann man einfach nur den Kopf schütteln.
    Und mit Schweden hat das gleich gar nichts zu tun, wir haben momentan so gut wie gar keine Fallzahlen, wo sollen denn die ganzen Viren erkrankten herkommen, höchstens aus ihrer Fantasiewelt.

  6. 1.

    Dann aber bitte nicht wundern, wenn wir "schwedische" Verhältnisse bekommen werden. Auch dort gab es die Todesfälle fast ausschließlich in den Alten- und Pflegeheimen. Dort hat man viel zu spät mit Besuchsverboten reagiert. Statt diese Risikogruppe zu schützen, setzt man sie jetzt hier den Besuchermassen aus, was unweigerlich dazu führen wird, das Virus in die Einrichtungen zu tragen, wo es wegen des hohen Sterberisikos eben nicht hinein sollte. Wenn das mal gut geht!

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