Pal Dardai vor einem Spiel seiner Mannschaft. Quelle: imago/Eibner
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Zum Abschied von Pal Dardai - "Habe gezeigt, dass ich Bundesliga kann"

Viereinhalb Jahre tanzten die Hertha-Profis nach seiner Pfeife. Nach dem finalen Saisonspiel gegen Bayer Leverkusen verabschiedet sich Pal Dardai als Cheftrainer. Am Ende wurde die Klubikone Opfer des eigenen Erfolgs. Von Jakob Rüger

Es war der 5. Februar 2015, als Herthas Rekordspieler Pal Dardai in Jogginghose und dicker dunkler Jacke erstmals auf den Schenckendorffplatz trat, um seine abstiegsbedrohte Hertha zu retten.

Die Zeit als Bundesliga-Trainer hat ihre Spuren hinterlassen. Das dunkle Haar ist heute etwas heller geworden, die Gesichtszüge rauer, auf der Stirn und unter den Augen zeichnen sich leichte Fältchen ab. Doch eines hat sich nicht verändert: das freche Lächeln im Gesicht des Ungarn. Seinen Humor hat sich der mittlerweile 43-Jährige stets bewahrt.

Mit Spaß gegen den Druck

"Ich mache meinen Job mit Spaß", hat Pal Dardai mit einem breiten Grinsen einmal gesagt und in der Tat, auf den wöchentlichen Pressekonferenzen brachte er die Journalisten häufig zum Schmunzeln. ("Zu Hause gibt es richtig gutes Kalbsschnitzel. Stellt bitte schnell eure Fragen.") Ja - Pal Dardai ist ein Genussmensch, das Öffnen einer Flasche Rotwein gehörte nach Bundesliga-Siegen für ihn dazu. Nach einem 2:0-Sieg gegen die Bayern grinste er entschuldigend: "Der Manager wird schimpfen, er wollte die Tabellenführung." Dafür hätte Hertha noch höher gewinnen müssen. Und als seine Mannschaft zweimal hintereinander ein Eigentor fabrizierte, wollte der Ungar gar mit seinem Team "in die Kirche gehen".

Mehr als Motivator

Bei der unscheinbaren Hertha mauserte sich Dardai zum heimlichen Gesicht der Mannschaft, auch wenn er diese Rolle ablehnte. "Ich bin nicht der Star. Das Geheimnis ist der Teamgeist. Bei uns herrscht eine super Atmosphäre und die nutzen wir." Dardai fungierte dabei auch als emotionaler Antreiber. Zuckerbrot und Peitsche war sein Trainer-Motto. Als Taktikfuchs oder gar "Laptop-Trainer" galt Dardai hingegen nie. Das ärgerte ihn. Denn mit dem schiefen Dreieck im Mittelfeld oder der Vorgabe, alle sieben Minuten eine Torchance zu erspielen, brachte er Stabilität und in den ersten Monaten seiner Amtszeit den Klassenerhalt.

Der Traum vom Pokalfinale

In Dardais erster kompletter Saison als Cheftrainer träumten die Fans zwischenzeitlich von der Champions League. Nach dem dritten Platz in der Hinrunde wurden die Berliner 2016 aber am Ende nur Siebter. Ein Jahr später schaffte Dardai immerhin den Sprung in die Europa League. Die Eigengewächse Jordan Torunarigha, Arne Maier oder Maximilian Mittelstädt führte er mit Bedacht aber Beständigkeit an die Startelf heran.

Seinen großen Trainertraum hat sich Dardai aber nicht erfüllen können. Als erster Herthaner sprach er offiziell vom Erreichen des Berliner Pokalfinals. Nach jahrelangen Blamagen in diesem Wettbewerb taten das viele als Scherz ab. Doch das Lachen verging, als die Alte Dame im April 2016 plötzlich im Pokal-Halbfinale stand. Im ausverkauften Olympiastadion sollte das Spiel gegen Dortmund für Dardai zur Krönung werden. Doch Hertha verlor mit 0:3. 

Stagnation wird nicht verziehen

"Ich habe immer geträumt, mit Hertha etwas aufzubauen, wie damals Ajax Amsterdam. Eigener Nachwuchs, großer Fußball - aber das braucht Geduld und Zeit". Die bekam Dardai nicht, denn das Vereinsumfeld wurde ungeduldig. Nach den ersten zwei Jahren, in denen es kontinuierlich bergauf ging, stagnierte Hertha in der dritten und vierten Dardai-Saison. Ein Platz im gesicherten Tabellenmittelfeld war nicht mehr genug.

Ein Manko blieben stets die sportlichen Einbrüche in der Rückrunde. Dafür fand Dardai sehr zum Ärger von Manager Michael Preetz nie eine Lösung. Der Manager kritisierte öffentlich eine fehlende Weiterentwicklung bei Team und Trainer. Anspruch und Wirklichkeit passten nicht mehr zusammen. Dardai spürte den Druck auch auf medialer Ebene. Er kritisierte die hohen Erwartungen in Berlin und vergriff sich bei seiner Medienkritik auch einmal in der Wortwahl ("Das ist sogenannter geplanter Mord").  

Zu stolz für Enttäuschung

"Als Trainer hat du einen Sechswochenvertrag. Wenn du sechs Mal verlierst, fangen die Medien an zu schießen", sagte er einmal, "das ist so". Am Ende wurden ihm, trotz aller Verdienste, sogar schon fünf Niederlagen in Folge zum Verhängnis. Der stolze Ungar würde es nie offen zugeben, doch das Ende als Cheftrainer und die Ungeduld des Managers haben ihn getroffen. "Ich habe mich nicht angeboten und gesagt, ich will unbedingt Chef werden, Hertha hat mich als Trainer ausgewählt." Dafür war er seinem Herzensverein dankbar, wie er immer wieder betont hat. "Ich habe hier viel gelernt in meiner Zeit als Cheftrainer." Nun ist das Ende gekommen.

Zurück zum Nachwuchs?

"Ich habe ein perfektes Leben gehabt. Als U15-Trainer habe ich mit dem Team alles gewonnen, hatte Spaß auf dem Platz, musste aber keine Zeit mit Journalisten investieren", blickte er noch im März schmunzelnd zurück. "Mein Auftrag war Kinder weiterbilden und dafür zu begeistern, Herthaner zu sein. Ein wunderschönes Leben." Eines, das er bei all dem Stress vielleicht auch vermisst hat in den letzten Jahren.

Es gibt die Option in den Hertha Nachwuchs zurückzukehren im Sommer 2020. Ob das passiert ist allerdings fraglich, in anderen Bundesligavereinen hat man Dardais solide Arbeit registriert. Deshalb sagt der Ungar nicht ohne Stolz über seine Trainerzeit bei Hertha: "Wer hätte das gedacht damals bei meiner ersten Pressekonferenz, dass es viereinhalb Jahre werden würden. Ich habe gezeigt, dass ich Bundesliga kann."

Arbeitstier, Weinliebhaber und Rekordmann

Sendung: rbbUM6, 17.05.2019, 18:00 Uhr

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