Kroate folgt auf Urs Fischer - Unions neuer Trainer Nenad Bjelica setzt auf Disziplin

Mo 27.11.23 | 08:01 Uhr | Von Till Oppermann
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Unions neuer Trainer Nenad Bjelica an der Seitenlinie seines Ex-Klubs Trabzonspor. Quelle: imago images/Seskim Photo TR
Audio: rbb24 Antenne Brandenburg | 26.11.2023 | Nachrichten | Bild: imago images/Seskim Photo TR

Nenad Bjelica wird neuer Cheftrainer des 1. FC Union. Obwohl er als Trainer in Deutschland noch völlig unbekannt ist, trat er bei seiner Vorstellung selbstbewusst auf. Der Kroate setzt auf Disziplin und will dominanten Fußball spielen. Von Till Oppermann

Dirk Zingler brachte etwas unfreiwillig auf den Punkt, was wohl alle gedacht haben, die bei Unions Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Trainers Nenad Bjelica auf dem Podium saßen. "Es ist nicht angenehm, aber notwendig", sagte der Präsident und meinte eigentlich den Vorgang, überhaupt mitten in der Saison den Trainer zu wechseln.

Diesen kurzen Satz hätte er aber auch problemlos auf die 25 Minuten im Veranstaltungsraum 'Schlosserei' im Zentrum der Haupttribüne der Alten Försterei übertragen können. Zingler und Sport-Geschäftsführer Oliver Ruhnert wirkten nach der elftägigen Trainersuche sichtlich erschöpft. Und Bjelica musste spüren, dass in den vergangenen fünf Jahren auf seinem Stuhl der erfolgreichste Trainer der Union-Geschichte gesessen hatte. "Es ist keine leichte Herausforderung, auf Urs Fischer zu folgen", gab der Kroate zu.

Bjelica will Mannschaft disziplinieren

Fischer hatte Erfolg, dafür wurde er geliebt. Aber das ist nicht die ganze Geschichte: Die sympathische Schrulligkeit des begeisterten Hobbyanglers, der selbst auf einem Champions League-Platz noch schmunzelnd über das Saisonziel "Klassenerhalt" sprach, passte perfekt zum Underdog-Image, das viele Unioner gerne für sich beanspruchen. Urs Fischer war Union und Union war Urs Fischer. Nur galt das zuletzt nicht mehr für die Beziehung zwischen Trainer und Mannschaft. Fischer selbst kam zu dem Schluss, dass er die Spieler nicht mehr erreichte und wünschte sich seinen Abgang.

Deshalb stand bei der Suche nach einem neuen Trainer die menschliche Ebene im Vordergrund, wie Zingler erklärte. Trainer, die gut darin seien, taktische Formationen zu trainieren, gebe es viele. "Bei der Menschenführung trennt sich die Spreu vom Weizen", sagte Zingler. Welche Art der Menschenführung von Bjelica zu erwarten ist, machte der Kroate unmissverständlich klar. Bjelica erwartet Disziplin. Er möge Spieler, die auf dem Platz Leistung zeigen: "Wer das bringt, wird mein Freund. Wer nicht, wird Probleme haben." Die Mannschaft scheint diese klare Linie nach Ansicht der Vereinsführung zu brauchen.

Trainer spricht sechs Sprachen

Als Bjelica 2013 mit Austria Wien in den Champions League-Playoffs gegen Dinamo Zagreb spielte, klebte er die ganze Kabine mit Zeitungsartikeln voll. Die kroatische Presse unterschätzte Austria in den Artikeln, Bjelica wollte seine Mannschaft provozieren und es gelang: Austria besiegte den favorisierten Gegner und zog in die Gruppenphase ein. Als Bjelica Jahre später dann Trainer in Zagreb war, schrieb er ebenfalls Geschichte: Zum ersten Mal nach über 40 Jahren erreichte er mit Dinamo das Champions League-Achtelfinale.

Seine Qualität als Trainer hat der 52-Jährige bewiesen und fühlt sich jetzt bereit für den Schritt in die Liga, in der er als Spieler des 1. FC Kaiserslautern bereits einige Jahre verbrachte. Außerdem spricht Bjelica sechs Sprachen fließend: Bei Union kann er zum Beispiel mit Josip Juranovic auf Kroatisch, mit Brenden Aaronson auf Englisch, mit Leonardo Bonucci auf Italienisch und mit dem Großteil der Mannschaft auf Deutsch sprechen. In den Einzelgesprächen, die Bjelica mit jedem Spieler führen möchte, wird ihm das helfen.

Bjelica will dominant spielen

Auch sportlich. Denn ob in Österreich, Polen und Kroatien: Bjelicas Mannschaften galten meist als gut organisierte Teams, in denen die Aufgaben aller Spieler klar definiert waren. "Viel Struktur", nannte Ruhnert das in der Vorstellungsrunde. Gerade in diesem Punkt hat Union in dieser Saison große Probleme.

In diesem Sommer versuchten die Berliner, die Entwicklung von einer reagierenden zu einer agierenden Mannschaft zu schaffen, zum Beispiel durch mehr Ballbesitz. Das ging schief. Denn die defensive Ordnung, die Union in den letzten Jahren auszeichnete, ging verloren. Bessere Kommunikation wird entscheidend sein, um die alte Stärke wiederzufinden und die Mannschaft von einem neuen Weg zu überzeugen. "Wir wollen spielerisch dominieren", sagt Bjelica. Eine weitere Aussage, die man von Urs Fischer so wohl nicht gehört hätte.

Generell mangelt es dem Neuen nicht an Selbstvertrauen. Im Interview mit der österreichischen Fußballzeitschrift "Ballesterer" sagte Bjelica mal: "Der Trainer Bjelica wäre vom Spieler Bjelica begeistert gewesen." Auf die Frage, ob sein Start in den neuen Job mit Spielen gegen Bayern und Braga nicht zu hart wäre, antwortete Bjelica am Sonntag: "Es sind drei Punkte drin." Sollte sich dieses Selbstverständnis auf die Mannschaft übertragen, wäre für Union nach den letzten Wochen schon viel gewonnen.

Sendung: rbb24 Abendschau, 26.11.23, 19:30 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

10 Kommentare

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  1. 10.

    Was gibt es gegen die türkische Liga zu sagen?
    Wie gut kennst du dich da aus?
    Wie kannst du so abfällig gegen eine Liga sein die du wahrscheinlich gar nicht kennst.
    Unnötiger und überheblicher Kommentar.
    Ich mache Union mit dem neuen Trainer viel Glück und manchem Kommentator uniontypische Bescheidenheit und Gelassenheit!

  2. 9.

    Allen Kommentaren gossen Respekt, ich hoffe da ist einer dabei der schon mal eine Mannschaft 1.2.3. Liga geführt hat. Dem spreche ich meinen Respekt aus, denn der weis wovon er spricht.
    Urs Fischer hat sein Denkmal für ewig selber geschmiedet und wird stets in Ehren gehalten. Somit geben wir dem neuen Trainer den selben Respekt entgegen. Vielleicht Denkmal Nummer zwei, Verbleib in der Liga.

  3. 8.

    Zuerst war ich auch sehr überrascht über die Wahl des neuen Trainers. Wahrscheinlich, weil man sich selber durch die spekulierten Namen auf den Holzweg begeben hat. Aber Union ist sich treu geblieben. Bravo dafür ! Und jetzt geben wir dem Trainer mal eine Chance und denken zurück: Urs Fischer kannte bei seiner Nominierung auch kaum einer!

  4. 7.

    Warum kann man Kommentare in diesem „Internet” nicht immer ernst nehmen?
    Ich wünsche dem Trainer viel Erfolg!

  5. 6.

    Kenn ich nicht, aber von Urs Fischer hatte ich damals auch noch nix gehört…
    Hoffe ich mal, dass er sich nicht auf der Nase rumtanzen läßt!

  6. 5.

    Blödes rumgeeiere um einen Trainer, der bei union nur vorgestellt wurde. Urs Fischer war auch nur Insidern bekannt und hat Träume verwirklicht, die keiner vorher gewagt hatte zu träumen. Gebt dem Mann doch einfach ne Chance.

  7. 4.

    Oha, beeindruckender Mensch in seiner Ruhe, Fokussiertheit und Selbstsicherheit, trotz der ungeliebten Situation Pressekonferenz. An seinen Fremdsprachenkenntnissen braucht nun wirklich niemand mehr zweifeln. Und klare Ansage an die Mannschaft. Bin ja gespannt, wo Union am Ende der Saison in der Tabelle steht.

  8. 3.

    Naja, mit Dinamo Zagreb Meister zu werden, ist jetzt nicht so die Megaleistung. Dafür muß man kein Toptrainer sein. Mit Bayetn München würden auch viele Trainer Meister werden.

  9. 2.

    Kroatischer Meister ist schon eine Nummer.

    Vielleicht ist dies das Ende... Das Ende von dümmlichen Bemerkungen, die der rbb immer wieder durchgehen lässt

  10. 1.

    Ha ha, türkische Liga ist ja nun nicht gerade eine Bewerbung. Ich glaube hier istcder Anfang vom Ende... das war es ....

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