Sitzvolleyball an Wriezener Schule - Wenn es eine paralympische Disziplin in den Schulunterricht schafft

Mi 29.09.21 | 16:48 Uhr
Felix und Trainer der Nationalmannschaft im Sitzvolleyball Michael Merten
Audio: Antenne Brandenburg | 29.09.2021 | Marie Stumpf | Bild: rbb

Sitzvolleyball ist seit über 30 Jahren eine Disziplin bei den Paralympischen Spielen. An einer Schule in Wriezen soll die sitzende Variante des Ballsports jetzt Teil des Unterrichts werden - und bei der Inklusion helfen.

Schüler des Evangelischen Johanniter Gymnasium in Wriezen (Märkisch-Oderland) dürften sich in der vergangenen Woche in einer Sportart der besonderen Art ausprobieren: dem Sitzvolleyball. Ursprünglich kommt diese aus den Niederlanden und ist seit 1980 eine Disziplin bei den Paralympischen Spielen. Bei den Spielen zuletzt in Tokio hat die deutsche Nationalmannschaft dabei nur knapp das Halbfinale verpasst. Doch statt zu trauern, hat der Bundestrainer nun den Schüler den Sitzvolleyball beigebracht.

Was es in Wriezen dazu braucht, ist ein im Vergleich zum Stehend-Volleyball kleines Spielfeld, ein niedrigeres Netz und zwölf Schüler, die auf dem Boden sitzend den Ball werfen. Die wichtigste Regel: Das Gesäß muss immer auf dem Hallenboden bleiben. "Die Hände ersetzen in gewissem Maße die Beine", erklärt Bundestrainer Michael Merten. "Man schiebt sich dann mit den Händen über den Boden."

Für mehr Zusammenhalt nach dem Lockdown

Noch tun sich die 42 Wriezener Schüler der zwölften Klassen bei der Übungsstunde im Sportunterricht etwas schwer. Doch im Kampf um den Ball geht es engagiert zu Sache. Mehr als einmal fliegt das Leder mit Schmackes ins Netz. Mit auf dem Feld ist auch der 18-jährige Felix. Im vergangenen Jahr hat er sein Bein bei einem Autounfall verloren. "Es ist für mich eine riesige Freude, dass so etwas stattfinden kann. Man ist nicht so ausgeschieden und alle fühlen sich quasi gleich. Cool, dass alle mitziehen und nicht meckern."

Schüler des Evangelischen Johanniter Gymnasium spielen SitzvolleyballFelix und Nationaltrainer Michael Mertens beim Sitzvolleyball

Bisher schmettern die Bälle am Johanniter Gymnasium erstmal nur im Rahmen eines Projekttages durch die Halle. Damit soll Sport auch für körperlich beeinträchtigte Schüler wie Felix möglich werden. Initiiert hat das Sportlehrer Tom Schwenk. Ihm ging es nicht nur um Inklusion, sondern auch darum, nach der langen Corona-Zeit den Zusammenhalt wieder zu stärken. "Volleyball ist ein Team-Sport, bei dem mindestens sechs Leute in einer Mannschaft sind", sagt Schwenk. "Das ist genau dieses Miteinander für ein Ziel. Das gab es eben im Home-Schooling nicht."

Härter als gedacht

Nach drei Stunden Sitzvolleyball fällt das Fazit von vielen Teilnehmenden anders aus als zunächst gedacht. Der Schweiß bei den Schülerinnen und Schülern läuft in Strömen. Einer von ihnen berichtet: "Es macht echt Spaß und ist kein Vergleich zum üblichen Volleyball. Man muss sich anders bewegen und das ist nicht ganz einfach." Andere freuen sich einfach mal wieder gemeinsam Sport zu machen. Nach den Herbstferien soll der Sitzvolleyball in Wriezen dann ein festes Angebot im Unterricht werden. Felix will auf jeden Fall mitmachen - und auch den Kontakt zum Bundestrainer hat er sich schon notiert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.09.2021, 14:10 Uhr

Mit Material von Marie Stumpf

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