Klinikum Frankfurt (Oder)
Audio: Antenne Brandenburg | 11.11.2020 | Marie Stumpf | Bild: Marie Stumpf/rbb

Pflegemangel in Brandenburg - Intensivmediziner bilden eigene Pfleger in Beatmung weiter

Gerade in Corona-Zeiten braucht es viele ausgebildete Intensivpfleger in den Krankenhäusern, doch der Mangel an Fachpersonal spitzt sich zu. Während manche Kliniken Patienten verlegen müssen, greifen andere zu Notlösungen. Von Marie Stumpf

Das Asklepios Klinikum in Schwedt (Oder) in der Uckermark hat aufgestockt: Sechs neue Beatmungsplätze sind entstanden. Insgesamt gibt es nun 16. Doch um sie auch bedienen zu können, fehlt es an Fachpersonal in der Intensivpflege.

Als Notfalllösung bilden nun hauseigene Intensivmediziner des Klinikums die Pfleger in Sachen Beatmung weiter. "Bei allem Respekt kann ich aus meiner beruflichen Erfahrung aber sagen, dass das immer nur unterstützende Tätigkeiten in der Intensivpflege bleiben werden", gibt Pflegedienstchefin Steffi Gnauck zu bedenken. Eine Schulung im Haus könne keine zweijährige Fachweiterbildung ersetzen.

Klinikum in Frankfurt (Oder) besser aufgestellt

Etwas besser sieht die Lage im Klinikum Frankfurt (Oder) aus. Hier sind mehr als 550 Pflegedienstkräfte beschäftigt. Noch reiche das Personal aus, um die Versorgung - auch die der Covid-19-Patienten - zu gewährleisten, sagt der stellvertretende Ärztliche Direktor Michael Kiehl. Eine Weiterbildung von Pflegern in Sachen Intensivpflege sei aktuell noch nicht notwendig. "Am Limit sind wir definitiv noch nicht, wir können sogar noch mehr Patienten betreuen", so Kiehl. "Im Moment sind etwa 10 Prozent der maximal leistbaren Kapazität ausgeschöpft."

Aktuell liegen im Klinikum Frankfurt (Oder) 15 Patienten mit einer Corona-Infektion. Einer von ihnen befindet sich auf der Intensivstation, zwei auf der normalen Station und elf auf der so genannten Intermediate Care Station, wo Patienten mit einem gesteigerten Pflegebedarf liegen.

Zusätzlich werden auf der Intensivstation sechs Betten nur für Covid-19-Patienten freigehalten - mit der Möglichkeit auf Aufstockung auf maximal 30 Betten.

Andere Krankenhäuser verlegen ihre Patienten

Das spricht sich rum. Immer öfter müssen Patienten aus anderen Kliniken nach Frankfurt (Oder) verlegt werden, weil anderswo die Kapazitäten nicht ausreichen. "Wir bekommen Patienten aus Eisenhüttenstadt oder auch aus Königs Wusterhausen", sagt Kiehl. "Es ist mehr als in der ersten Corona-Welle, aber es ist im Moment nicht besorgniserregend."

Um Engpässe schnell kompensieren zu können, tauschen sich die großen Kliniken in Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt, Beeskow, Bad Saarow, Woltersdorf, Rüdersdorf und Strausberg einmal wöchentlich in einer Telefonkonferenz aus.

Corona-Patienten im Durchschnitt länger krank

Doch bei aller Vorbereitung gibt es auch im Klinikum Frankfurt (Oder) Einschränkungen. Dadurch, dass Betten freigehalten und Personal zur Betreuung der Covid-19-Patienten aus dem Normalbetrieb abgezogen werden muss, fehlen dem Krankenhaus Einnahmen. "Bei uns ist das momentan eine Reduktion von etwa 40 Prozent der Normalkapazität", sagt Kiehl.

Und noch eine Veränderung gibt es im Vergleich zur ersten Corona-Welle: Die Corona-Patienten blieben im Schnitt länger im Krankenhaus als im Frühjahr, sagt Kiehl.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.11.2020, 14:10 Uhr

Beitrag von Marie Stumpf

3 Kommentare

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  1. 3.

    Menschen die sich innerlich verabschiedet haben und gegangen sind sind weg. Aber es wachsen welche nach und müssen mit einer Ausbildung befähigt und danach noch Bezahlt werden. Das ist die Aufgabe von Spahn altmaier und Braun in solchen Situationen. Alle Drei haben versagt.

  2. 2.

    Na klar kein Problem, sie werden auch sicher gerne die Mehrkosten dann über Steuern und mehr abgaben von ihrem Gehalt oder Rente mitfinanzieren wollen, vielen Dank.

  3. 1.

    Habe gerade das engstirnische Interview auf Inforadio mit Frau Nat und Herrn Spahn gehört, wie sich doch der Minister die Aufstockung des Pflegepersonals vorstellt!
    Ich habe Magenkrämpfe bekommen. Man könne nicht die Leute zurück holen und ihnen dafür Geld bezahlen, damit sie zurück kommen, war die Aussage des Ministerers. Warum denkt der so Engstirnisch? Wenn es mehr Geld in der gesamten Pflege geben würde und Pflege lukrativer wäre als eine Stelle in der IT Branche, wäre das Problem auf nicht so langer Sicht erledigt, lieber Herr Minister. Machen Sie endlich das Portemonnaie auf!

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