Archivbild: Zahlreiche Busfahrer nehmen am 14.05.2020 mit ihren Bussen an einer Demonstration von Busunternehmen, Busvermittler und Busreiseveranstaltern vor dem Brandenburger Tor teil. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Bild: dpa/Jörg Carstensen

Wirtschaftliche Folgen der Corona-Krise - Busfahrer planen kilometerlange Protestkorsos durch Berlin

Die Corona-Regeln treffen die Reisebranche hart, etliche Busunternehmen ringen um ihre Existenz. Fahrer und Unternehmer wollen deshalb am Mittwoch mit Hunderten Bussen in Berlin protestieren. Die Aktion könnte den Verkehr in der Innenstadt lahmlegen.

Drei kilometerlange Korsos, jeder mit mehr als 100 Bussen, könnten am Mittwoch ab 11 Uhr den Verkehr in weiten Teilen um der Berliner Innenstadt lahmlegen. 

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO), die Gütegemeinschaft Buskomfort (GBK) und der RDA Internationaler Bustouristik Verband haben unter dem Motto "Aktionstag zur Rettung der Busunternehmen" zu einem bundesweiten Protest aufgerufen. Mit ihrer Aktion wollen Busfahrer und Busunternehmen auf eine "dramatische wirtschaftlichen Lage der Branche" in Folge der Corona-Krise aufmerksam machen. Die Organisatoren schreiben in ihrem Aufruf zur Demo, dass ein Großteil der deutschen Busunternehmen trotz der Corona-Lockerungen vor dem wirtschaftlichen Aus stehe.

Branche kämpft um 220.000 Arbeitsplätze

Die Branchenverbände fordern von der Politik wirksame Hilfen, um die betroffenen Unternehmen vor dem Ruin zu bewahren. Andererseits will die Branche bundesweit einheitliche Lockerungen der Reisebeschränkungen, die von den Ländern bislang unterschiedlich gestaltet werden. Seit Montag dürfen in Berlin und Brandenburg etwa wieder Reisebusse unter Einhaltung der Abstandsregeln im Innenraum fahren. Der Fernlinien-Anbieter Flixbus hatte bereits am Montag angekündigt, den Betrieb schrittweise wieder aufzunehmen. Ab Donnerstag will Flixbus bundesweit wieder 50 Strecken bedienen. 

Katrin Aufderheide, Sprecherin vom Internationalen Bustouristikverband RDA sagte rbb|24, für die Busbetreiber sei die Landkarte der Bundesrepublik momentan ein Flickenteppich unterschiedlicher Reiseregeln. "Wie die Hygieneverordnungen in Bussen genau umgesetzt werden sollen, unterscheidet sich oft von Land zu Land und ist häufig so schwammig definiert, dass die Busunternehmer verunsichert sind." Neben finanziellen Hilfen brauche es deshalb dringend einheitliche Regeln, sagt Aufderheide.

Verbände fordern bundesweit einheitliche Regeln

Die Verbandssprecherin betont, dass die Krise kleine und mittelständische Familienunternehmen besonders hart treffe, jeden Tag würden den Unternehmen in Deutschland 2,3 Millionen Euro verloren gehen. Laut der Website der Demo-Kampagne "#busretten.de" geht es nicht nur um die Existenzen der Busunternehmer, sondern auch um rund 220.000 Arbeitsplätze.

Wegen der Corona-Pandemie hatten die Länder Busreisen im Inland im März untersagt, für Auslandsreisen gilt darüber hinaus noch bis einschließlich 14. Juni eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Die Verbände wollen am Mittwoch in Berlin auch für die schnelle Aufhebung von "unnötigen internationalen Reisebeschränkungen" demonstrieren, wie es in der Erklärung der Initiatoren heißt. 

Drei Routen durch Berlin

Weil für jeden der drei geplanten Korsos laut Organisatoren mehr als 100 Busse angemeldet wurden, dürfte jeder einzelne Tross mehr als einen Kilometer lang sein. In der Zeit vom Start der Demo um 11 Uhr bis zum geplanten Ende gegen 13 Uhr kommt es auf den Routen deshalb zu erheblichen Einschränkungen im Straßenverkehr (vgl. Grafik). Die Routen führen von Westen, Norden und Südosten in die Stadtmitte.

Route 1 startet am Olympia-Stadion, führt über den Großen Stern zum Brandenburger Tor und dann in drei Schleifen zur Siegessäule und zum Brandenburger Tor.

Route 2 beginnt nahe dem Flughafen Tegel, führt über die Müllerstraße/Chausseestraße zur Friedrichstraße, dann Unter den Linden, in die Wilhelmstraße, am Reichstag vorbei Richtung Bellevue und schließlich in drei Schleifen zurück zum Reichstag.

Route 3 beginnt an der Puschkinallee in Treptow, verläuft vor dem Roten Rathaus über die Leipziger Straße, den Gendarmenmarkt, die Hannah-Ahrendt-Straße und die Ebertstraße bis zum Potsdamer Platz. In drei Schleifen fahren die Busse dann über die Stresemannstraße und vom Willy-Brandt-Haus und bis zum Bundesfinanzministerium.

Sendung: Inforadio, 27.05.2020, 8 Uhr

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36 Kommentare

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  1. 36.

    ... nur mal zur Info der moderne Reisebus ist gleich nach der Bahn das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ,er rangiert sogar noch vor dem Elektroauto und ist ganz gewiss keine Dreckschleuder, in den letzten Jahren haben viele Busunternehmen in neue Busse investiert weil sie auch Auflagen der Politik erfüllen mussten ,wer da von Dreckschleudern spricht hat ja nun gar keine Ahnung was die CO2 Belastung durch Verkehrsmittel angeht .

  2. 35.

    Diese Aktion sollten sie täglich machen,Dann bewirken sie vielleicht etwas.

  3. 34.

    Eine Kolone gilt als ein Fahrzeug. Wenn der erste Bus grün hatte, gilt das deshalb auch für die folgenden Busse. Aggressiv fand ich da eher z.B. die Kampradler, die auf dem linksseitigen Fußgängerüberweg den Weg der Kolone querten.

  4. 33.

    Wenn Sie die soziale Frage klären wollen, warum argumentieren Sie dann mit falschen Umweltaussagen? Wieso unterstellen Sie, Busnutzer würden "ständig" Bus fahren? Wieso nehmen Sie Ihre Mobilitätsbedürfnisse (lärmende "Oldtimerfahrten") als Maß für andere? Vor allem aber: was wollen Sie bei einem CO2-Ausstoß von 3kg/100km (wegen der 110km/h; sonst 2,3) bei den Fernbussen denn noch reduzieren?? Echt CO2-neutral ist nun mal nur Solar- und Windstrom. Zur drastischen NOx-Verminderung um bis zu 90% gibt's seit langem Diesel-Kats mit "AdBlue". - Nochmal zum Vergleich: Ihr PKW erzeugt 18kg CO2 auf 100km, Ihr Moped 12 kg. Und zwar zusätzlich zu Bussen und Bahnen, die eh unterwegs sind. Noch Fragen?

  5. 32.

    Rechenaufgabe: Wie groß müsste der Kreis sein, wenn es drei Routen mit je mindestens 1 Kilometer Länge gibt. Oder wie groß müsste dafür das Regieurngsviertel sein? Mano - manchmal kotzt es mich an, wie argumentiert wird

  6. 31.

    Toll - Me, Myself and I: Nur schade, dass 220.00 Beschäftigte und deren Angehörige Konsumenten sind, die auch Ihr Gehalt bezahlen? Oder gehören Sie zu denen, die glauben, das Gehalt zahlt die Firma?

  7. 30.

    Wo fahren denn die Busfahrer agro? Und nur mal zur Info, bei solchen Sachen werden generell von der Polizei alle Ampeln der Strecken auf gelb geschaltet damit andere Verkehrsteilnehmer nicht zu Schaden kommen.
    Ihr ganzer Kommentar kann man nur als weltfremt bezeichnen.

    In übrigen hat diese Aktion mein Zuspruch so wie viele Dinge auch. Die Menschen möchten arbeiten aber der Senat denkt gar nicht an Lockerungen oder nur ganz vorsichtig... wie bei den Igeln. Da wird der Finanzminister aber tief in seine Geldbörse greifen müssen wenn das so weitergeht.

  8. 29.

    Es geht aber um die Preisdrückerei und das Ausnutzen prekärer Subunternehmer, denen der Preisdruck am Hintern hängt und die Demo total beknackt ist.
    Jo Frank - informiert bin ich durchaus - ich meinerseits empfehle mal genau zu lesen und zu verstehen was ich schrieb. Im Gegensatz zu meinen gelegentlichen Motorrad-Oldtimerfahrten habe ich dann wohl doch weniger Ausstoß von Schadstoffen, als jemand, der mit Fernreisebussen ständig fährt-das nur am Rande.
    Wenn das Lesen meiner Kommentare auf Verständnisboden gefallen sei, wäre herauszulesen, dass meine Art der Mobilität dann entsprechend weniger belastend ist, als ständiges Reisen mit Dieselstinkebussen, die auf der Autobahn schneller als 100 km/h fahren, immer am 110´er Limit und damit eben durch die höhere Leistung durch den noch höheren Luftwiderstand als bei 100 oder 90 km/h mehr ausstoßen - kann man auch gut selbst ausrechnen.
    Noch Fragen zu meiner Bilanz und der der Busse? Und Filtersysteme mindern nicht die CO2 und NoX-Bilanz

  9. 28.

    "Alle, die jetzt schon wieder über den Bus meckern, sollte daran denken: wie kommen die Kinder morgens zur Schule oder die Bevölkerung zum Arzt / Einkauf (gerade auf dem Land)? Wie kommen die Urlauber von den Flughäfen in die Hotels?"
    Das sind aber 2 verschiedene Dinge.
    Ersteres betrifft den ÖPNV, den regionalen Busverkehr und ggf. Schulbusse,die im Regelfall zwar durch Coronabeschränkungen beeinzrächtigt waren aber nicht hinsichtlich des Tourismus.
    Diese Busdemo betrifft den Tourismus,der aufgrund der Coronaverordnungen brach liegt,weshalb viele Busunternehmen um ihre Existenz kämpfen.
    Das hat und hatte nichts mit der Beförderung von Schülern zur Schule und der Bevölkerung zum Arzt oder Einkauf zu tun.

  10. 27.

    Das ist doch ein klassischer Fall von ‚erst lesen, dann schreiben‘. Sie können doch den Artikel überhaupt nicht gelesen haben, oder müssen resistent gegenüber Informationen sein, um nach dem Artikel davon auszugehen, hier ginge es um den ÖPNV..

  11. 26.

    Kein Verständnis für das aggressive Fahrverhalten der Busfahrer*innen bei dieser Aktion heute: Reisebusse fahren mit hoher Geschwindigkeit bei roter Ampel über Kreuzungen, die NICHT von der Polizei abgesichert sind und gefährden andere Verkehrsteilnehmer. Das ist unverantwortlich und konterkariert den Sinn der Aktion - dann lieber weiter keine Reisebusse in der Stadt!

  12. 25.

    Warum fahren sie nicht im Kreis um den Reichstag und das Bundeskanzleramt? Da haben sie doch die, die sie auf ihre Nöte aufmerksam machen wollen. Kreis drum, keiner rein, keiner raus. Dann sollten auch die Politiker von ihren Lobbystühlen (Lobby ist hier nicht der Eingangsbereich) runterfallen.

  13. 24.

    Mal in aller Deutlichkeit - Der Fernbus ist ein extrem umweltfreundliches Verkehrsmittel: Ein Durchschnitts-Motorrad erzeugt pro Person und Kilometer 6 mal so viel CO2 wie ein Fernbus, ein PKW 9 mal so viel. Ein Hochgeschwindigkeits-Fernzug immerhin noch bis zu anderthalb Mal so viel. Und gegen sonstige Schadstoffe haben moderne Dieselmotoren leistungsfähige Filter. Bitte informieren statt (versehentlich oder nicht) Fake News zu verbreiten. Z.B. hier:
    https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/co2-rechner-fuer-auto-flugzeug-und-co/

  14. 23.

    Der Staat ist keine Vollkaskoversicherung! Jeden Tag rufen weitere Branchen nach staatlicher Unterstützung. Bezahlen werden wir das früher oder später alle. Dann schreien die gleichen wegen Abzocke und staatlicher Ausbeutung.

  15. 22.

    Diese Touristen-Busse braucht kein Mensch. Es gibt ÖPNV, Bahn, Auto und Flug. Die klobigen Dreckschleudern für mit viel zu wenig Sitzplätzen sind unnütz.

  16. 21.

    Bis auf wenige Gruppen bzw. Minderheiten, wem steht das Wasser nicht bis zum Hals oder wer hat keine Probleme, sei es welcher Art auch immer. Können ja alle demonstrieren, gerne auch zu Tausenden, aber bitte ohne Busse, Traktoren, Taxis, etc.

  17. 20.

    Um von A nach B zu kommen, hätte auch Flixbus weiterhin fahren dürfen. Deren Linienverkehr war nie untersagt. Die waren aber schnell dabei, den Betrieb sowohl der Busse der Subunternehmer wie auch der angemieteten Züge einzustellen, weil es sich betriebswirtschaftlich nicht mehr lohnte. Der Fernlininenbus hat vor allem dort Vorteile, wo der Zug ein zu großes Gefäß ist. Allerdings stürzten sich die Fernlinienbusticketverkäufer zuerst auf die Rennstrecken zwischen den Metropolen, die eh schon gut mit der Bahn versorgt gewesen sind. Denn nur dort lässt sich Geld verdienen. Dazu kommen noch Nischen wie im Fahrten in Ihre angegeben Heimat.

    Bei der Demo geht es aber vor allem um Reisebus, platt ausgedrückt um den Ausflug des Kegelclubs in den Schwarzwald.

  18. 19.

    Bitte verwechseln sie nicht den ÖPNV Bus mit dem Fernbus! Das ist schon ganz was anderes hier geht es sicher und zum größten Teil um die Unternehmen die als Subbunternehmer für den grünen Riesen fahren und nicht um zum Beispiel die Barnimer Bus Gesellschaft die die regionalen Busse in Bernau Eberswalde und Bad freienwalde stellen! Auch wenn ich die Beweggründe gut nachvollziehen kann! Es geht um ihr Lebenswerk zum Teil als Familien Unternehmen

  19. 18.

    Ja hier wurden viele Argumente angebracht durch Vorredner in der Kommentar leiste und zum Umstand „nach Mallorca mit der Bahn zu reisen ?!“ natürlich wäre da vieles möglich aber zum einen durch die Hektik in unserer Zeit lassen sich viele Menschen in die Richtung drängen des der Weg zum Urlaub und zurück so schnell wie möglich geschehen muss! Was in sich schon ein wiederspuch ist! Warum kann man nicht mit der Bahn fahren? Der Bus ist auf dem Weg nach Mallorca nun wohl keine zeitliche Alternative nur im Preis! Bei mehr Nutzung wäre könnte auch bei der Bahn der Preis angenehmer sein! Man betrachte das Nachtzug Angebot unserer osteuropäischen Nachbarn in Tschechien, Slowakei, Serbien oder der Ukraine alles Länder mit einem für die Bevölkerung erschwinglichen nachtzug Angebot! Ich selber reise dort regelmäßig mit solchen Zügen und schon die Anreise ist ein Urlaub. Vor 2 Jahren sind wir mal auf einer der längsten Bahn Verbindung Europas gereist leider heute nur mit Aufwand möglich von Malmö nach Bar in Montenegro ich sage ihnen was und wenn man da so alles trifft ...! Und nein es ist aus Umwelt Sicht nicht korrekt den fernbus zu befürworten und ich finde auch die Geiz ist geil Manie des Grünen Unternehmens schrecklich auch wenn er inzwischen auf die Bahn setzt aber ich verstehe die Menschen ganz persönlich alle samt fahren sie zum Beispiel für den grünen Riesen im busgeschäft und sind kleine Familien unternehmen mit all ihren existenzen hinten dran und wenn ich dann in den Nachrichten sehe das den großen wieder ordentlich Geld in eingepumpt wird würde mir auch der Allerwertesten platzten.

  20. 17.

    Die Autofahrer wird es freuen. Wer Fahrrad fährt ist heute ein Mal mehr im Vorteil.

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