Ein Mann hält ein Baby auf dem Arm (Bild: dpa/Monika Skolimowska)
Bild: dpa/Monika Skolimowska

Verrechnung mit Unterhalt - Alleinerziehende kritisieren, dass Corona-Kinderbonus nur zur Hälfte bei ihnen ankommt

Der Kinderbonus soll den von der Corona-Krise gebeutelten Eltern finanziell unter die Arme greifen. Für alle gibts im Herbst 300 Euro - außer für Alleinerziehende. Bei denen kommt der Bonus nur zur Hälfte an. Der Verband Alleinerziehender hält die Regelung für ungerecht.

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) hat die Regelung der Bundesregierung zur hälftigen Aufteilung des Kinderbonus' kritisiert. Der Verband fordert (vamv-bw.de), dass der Kinderbonus voll ausgezahlt dort ankommt, wo das Kind seinen Lebensmittelpunkt hat. Denn dort würden die Kosten entstehen, teilt VAMV-Bundesgeschäftsführerin Miriam Hoheisel dem rbb mit.

150 Euro werden bei Alleinerziehenden mit Unterhalt verrechnet

Die Bundesregierung hatte am Montag ein milliardenschweres Konjunkturpaket beschlossen. Von dem darin verankerten Kinderbonus sollen auch Familien profitieren: Pro kindergeldberechtigtes Kind will das Familienministerium ab Herbst 300 Euro auszahlen - der Bonus soll im September und Oktober in zwei Raten gemeinsam mit dem Kindergeld überwiesen werden. Die Regelung gilt auch für Kinder, die erst nach dem Stichtag der Auszahlung dieses Jahr geboren werden. Ziel ist es, die Belastungen durch die Corona-Krise auszugleichen.

Doch Alleinerziehende profitieren von der Finanzspritze weniger als andere: Unterm Strich erhalten sie nämlich nur 150 Euro. Zwar werden den Alleinerziehenden, die auch das Kindergeld ausgezahlt bekommen, die 300 Euro komplett überwiesen. Allerdings hat der sogenannte Barunterhaltspflichtige, also das nicht erziehende Elternteil, das Recht, seine Hälfte des Kindesbonus mit dem Kindesunterhalt zu verrechnen. Die 150 Euro können vom Unterhalt des Elternteils abgezogen, wenn er nachweislich Mindestunterhalt zahlt oder das Kind hälftig betreut.

In welchem Fall wird der Kinderbonus mit dem Unterhalt verrechnet?

Dafür muss der oder die Unterhaltszahlende die Verrechnung des Kinderbonus mit dem Unterhalt vom alleinerziehenden Elternteil anfordern, die 150 Euro werden nicht automatisch verrechnet. Wenn kein Unterhalt gezahlt wird, wird die volle Summe an den alleinerziehenden Elternteil gezahlt. Bekommt der oder die Unterhaltspflichtige einen Unterhaltsvorschuss, wird der Kinderbonus ebenfalls nicht verrechnet.

Für Alleinerziehende hat die Bundesregierung weiterhin beschlossen, den Entlastungsbetrag für dieses und das kommende Jahr fast zu verdoppeln - von bisher rund 1.900 Euro auf rund 4.000 Euro. In Berlin gilt ein Drittel aller Familien als alleinerziehend. In Brandenburg zählen etwa ein Viertel aller Familien als alleinerziehend. In mehr als 90 Prozent der Fälle leben die Kinder getrennter Eltern bei den Müttern.

Verband Alleinerziehender sieht Teilung als Ungerechtigkeit

Beim Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wird dies als Vorteil beschrieben: "So profitieren beide Eltern vom Kinderbonus und Ungerechtigkeiten werden vermieden." Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) sieht das anders: Durch die hälftige Aufteilung des Kinderbonus' würden erst Ungerechtigkeiten entstehen.

"Alleinerziehende hatten in der Zeit der geschlossenen Schulen höhere Kosten zum Beispiel beim Mittagessen, das sie plötzlich selbst zahlen mussten", sagt VAMV-Bundesgeschäftsführerin Hoheisel. Gleichzeitig seien günstige Lebensmittel zur Mangelware geworden. Auch Technik für das Home-Schooling hätten sich viele Alleinerziehende erst anschaffen müssen.

Statt des einmaligen Kinderbonus' wünscht sich der Verband der alleinerziehenden Mütter und Väter eine langfristige Lösung in der Krise - etwa ein erhöhtes Corona-Kindergeld. Denn bisher könnten Eltern nur finanzielle Hilfe beanspruchen, wenn sie wegen der Kindererziehung ihrer Arbeit nicht nachgehen konnten oder können.

Interessenverband für Unterhalt fordert ebenfalls Steuerfreibetrag

Der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV) begrüßt hingegen die hälftige Teilung des Kinderbonus'. Aus Sicht des Verbandes müsse der Kinderbonus wie Kindergeld betrachtet werden, "und somit beiden Elternteilen zugutekommen", schreibt der Verband auf seiner Webseite (isuv.de). "Es geht hier um eine gerechte Aufteilung. Man muss auch die Seite der - meist - Väter sehen, die auch durch die Krise individuell getroffen wurden, beispielsweise durch Kurzarbeit und sich trotzdem in die Erziehung eingebracht haben", sagt der Verbandsvorsitzende, Familienrechtler und Mediator Klaus Zimmer.

Aus gleichem Grund fordert der ISUV deshalb neben der Aufteilung der Einmalzahlung auch, dass die vom Bund beschlossene Steuerentlastungen denjenigem Elternteil zukommt, dem es die größten steuerliche Vorteile bringt. "Vielen Alleinerziehenden nützt die aktuelle Regelung nichts, weil sie zu wenig verdienen", sagt der ISUV-Sprecher Josef Linsler. Es gehe um Konsens und eine ausgewogene Unterstützung beider Elternteile.

Unterhaltspflichtige würden in dem Konjukturpaket zu wenig Beachtung finden, so der Verband. Obwohl heute viele Eltern trotz Trennung gemeinsam erziehen würden, unterteile die Politik noch immer nur in Familien und Alleinerziehende - "Trennungseltern" oder "Unterhaltspflichtige" kämen nicht vor.

Sendung: Inforadio, 01.07.2020, 18:20 Uhr

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35 Kommentare

  1. 35.

    Mein Mann zahlt Unterhalt und wollte gerne das seine große Tochter mehr bei ihm ist während der Corona-Zeit, da er zur Zeit sowieso wegen unserer kleinen Tochter zu Hause in (unbezahlter) Elternzeit ist. Aber bis auf vereinzelte Tage und eine komplette Woche hat die Ex-Frau das nicht zugelassen. Müssen immer betteln. Obwohl wir zusätzlich zum Unterhalt von allem die Hälfte zahlen, sei es für ein neues Handy oder irgendwelche feiern wie zur Kommunion o.ä. und das ohne jegliches Mitspracherecht.
    Die Frau ist seit Jahren wieder verheiratet und es gibt ein weiteres Kind nur 2 Jahre jünger als die große.
    Schade das es hier bei den meisten Alleinerziehende nicht so ist das die Väter sich kümmern, wollte hiermit ein Beispiel zeigen das es leider auch nicht oft zugelassen wird.
    PS: Die große ist sehr gerne bei uns und fragt auch oft ihre Mutter ob sie länger bleiben darf.
    Und deswegen finden wir es gerecht das die Hälte zum Unterhalt gerechnet wird.

  2. 34.

    Unser ,Vater, ruft nicht mal zum Geburtstag seiner Tochter an. Jahrelang hat er sich nicht mal telefonisch bei ihr
    gemeldet. Spielt in München feinen ,gut, Menschen und hält sogar Vorträge an der Uni zu diesem Thema! Er arbeitet an der Uni. Nun soll er auch noch die Hälfte des Corona Zuschusses bekommen. Ich habe einen Laden und hatte Wochenlang kein Einkommen. Null! Nur Ausgaben. Absurd. Soll das gerecht sein? K.

  3. 33.

    Unfassbar, da werden von der Politik 300€ Kindergeld Bonus zugesichert und gleichzeitig wird das mit dem Unterhalt verrechnet.Ich musste unbezahlten Urlaub nehmen damit ich meine Tochter betreuen konnte. Vom Unterricht von zu Hause ganz zu schweigen. Und der Kindsvater hat nicht mal gefragt ob er die kleine mal nehmen soll. Hat einfach sein Leben weitergelebt wie bisher.
    Und jetzt soll dem auch noch die Hälfte vom Kindergeldbonus zustehen? Und solchen Leuten, die nicht mal arbeiten gehen, wird davon kein Pfennig angerechnet.

  4. 32.

    Was soll man zu all diesem politischen Irrsinn und vor allem Unsinn noch sagen? Mir fehlen die Worte! Da merkt man mal wieder, wie weltfremd die Herrschaften : ich erhöhe mir mein Gehalt wie auch immer es mir passt... sind!!! Ich bin fassungslos über soviel Dummheit! Wut ist was mich schlaflos werden lässt. Sozialstaat...ich lach mich kaputt....

  5. 31.

    Jetzt hat aber jemand die vielen Einsparungen vergessen. Benzin und Heizöl sind so billig wie lange nicht. Mehrwertsteuer ist eingespart und Strom wird auch billiger. Zudem entfallen die Kosten für übliche Freizeitbeschäftigungen (Fitnessstudio, Sportverein etc.) sowie die zugehörigen Wegekosten. Ausfall des teuren Jahresurlaubs, kein Essengehen mehr, etc., etc., ...

  6. 30.

    Der Aussage , das die Alleinerziehenden keine Mehrkosten hatten, muss ich aber widersprechen. Als Alleinerziehende hatte man mindestens mehr Strom- und Wasserkosten, oft mussten sie Urlaub nehmen, um die Kinder zu betreuen und waren vielleicht selbst auch in Kurzarbeit. Außerdem haben viele auch mehr gegessen und die Lebensmittel waren teurer. Es kam bei vielen Familien auch zu extremen Streß , da alle sozialen Kontakte und Ausgleich wie z.B. Sport weggefallen ist. Somit ist die Belastung zum größten Teil bei der Alleinerziehenden.

  7. 28.

    Kosten fallen für Alleinverziehende überhaupt nicht an. Alleinverziehende leisten ihren Beitrag durch die Verziehung des Kindes. Der Unterhaltszahler trägt im Gegenzug alle Kosten. Das nennt sich dann Barunterhalt. Insofern sollten die 300 Euro ausschließlich dem Barunterhaltszahler zugute kommen. Alles andere wäre Quatsch.

  8. 27.
    Antwort auf [Camilla] vom 04.07.2020 um 19:20

    Ärgern Sie sich bloß nicht über solche Äußerungen. Diese sagen eindeutig mehr über ihn aus, als ihm lieb sein kann.

  9. 26.

    Weil ja die Grokonic immer so gelobt wird.
    Hier ein Beispiel völliger Ideenlosigkeit.
    Mit dem Geld hätte man die konkreten Berufsverbote auffangen und für umfassende Betreuung sorgen können.
    Ebenso wird mit der MwSt.-Senkung Reichen und wohlhabenden Firmen noch die Kohle hinterhergeworfen.
    Das war ein Versagen, und es wäre schön, wenn der rbb hier auch mal die Regierenden zur Rede stellt.
    Mit dem KA-Geld braucht sich niemand brüsten.
    Das war vorher schon Teil sozialer Sicherung.

  10. 25.

    "Die 150 Euro können vom Unterhalt des Elternteils abgezogen, wenn er nachweislich Mindestunterhalt zahlt oder das Kind hälftig betreut." (Zeilen 16.-17.; letzter Satz im dritten Absatz)

    Hießt: Nur, wenn das Andere Elternteil dies Nachweisen kann dass, er/sie/ es sich daran beteiligt hat kann man die 150 verrechnen. Immerhin können ja auch Alleinerziehende Nachweisen, dass sie alles allein gestemmt haben und das Kind/ die Kinder allein betreut haben.

    "Wenn kein Unterhalt gezahlt wird, wird die volle Summe an den alleinerziehenden Elternteil gezahlt. Bekommt der oder die Unterhaltspflichtige einen Unterhaltsvorschuss, wird der Kinderbonus ebenfalls nicht verrechnet." ( Zeilen 23.-24.; letzter Satz im vierten Absatz)

  11. 24.
    Antwort auf [Thomas] vom 04.07.2020 um 17:26

    Können Sie nicht lesen? Camilla hatte doch die Situation beschrieben. Der Vater will das Kind nicht. Wieso soll er die Hälfte der 300 Euro bekommen? Wahrscheinlich wäre dem Kind ein Vater noch viel lieber. Ums Geld geht es hier nicht unbedingt. Es geht um Gerechtigkeit. Camilla verstehe ich.

  12. 23.

    Es liegt einfach nur am Volk selbst, dass Politiker das Volk schön über den Tisch ziehen können! Wer rennt denn alle 4 - 8 Jahre brav zum Wahllokal und setzt sein Kreuz immer wieder an der Stelle, bei denen, von den er bisher schön verar... wurde? Eigentlich scheint es allen noch viel zu gut zu gehen! Solang wie das Volk seinen Ar... nicht hochkriegt wird sich nichts ändern!

  13. 22.

    Das ist UNFASSBAR.

    Der Vater meiner Tochter hat sie noch nie gesehen, seit 17 Jahren. Sie existiert für ihn nicht. Einfach, weil er sie nicht möchte.

    Die Corona-Krise ging ihm beruflich am A... vorbei. Sein fettes Einkommen ist ihm sicher.

    Nun muss ich hier die Begründung lesen, dass sich die getrennt lebenden Väter trotz Krise in die Erziehung eingebracht haben. Das wird oft so sein. Dann sind das liebe Väter.

    So jemand, wie wir ihn "haben", sollte nicht anteilig den Bonus anrechnen dürfen. Das hat uns traurig gemacht, und wir sind total fassungslos und wütend.

  14. 21.

    Paradox ist, dass viele scheinbar nicht wissen, dass Kindergeld seit einigen Jahren keine Sozialleistung mehr ist sonderen eine steuerliche Vergütung. Und diese wird mit dem Kinderfreibetrag über eine Günstigerprüfung im Jahressteuerausgleich "verrechnet". Und zwar dort, wo das Kind seinen Lebensittelpunkt hat und das Kindergeld ausgezahlt wird. Insofern ist ab einem Jahresgehalt von ca. 90.000Euro der Freibetrag günstiger und der Kinderbonus von 300 Euro verpufft auf Null. Der Bonus kann nach aktueller Auffassung hälftig vom Unterhalstzahlenden abgezogen werden, sodass beim Kind sogar 150Euro weniger in dem Fall ankommt. Es ist leider so. Dass der Unterhalt und das Kindergeld für das Kind verwendet wird, ist selbstverständlich und bedarf keiner Diskussion. Und ob 90.000€ für eine 3-köpfige Familie viel ist, wobei noch für 2 weitere Kinder Unterhalt bezahlt werden muss, können Sie selbst entscheiden. Im Luxus leben sieht anders aus. Die vermutlich fehlenden 150 Euro tun schon weh.

  15. 18.

    Gegen die verschiedenen Laster kann man ja anarbeiten.
    Bei den Lasten ist das schwieriger, deshalb sollte es ja diese Entlastungsbeträge eigentlich geben.
    Nichts für ungut.

  16. 17.

    UNSEREN KINDERN VERSUCHEN WIR DAS TEILEN BEIZUBRINGEN (II)

    An fachlicher Information fehlt noch:

    In Deutschland gilt jeder als alleinerziehend, dessen vormaliger Partner das gemeinsame Kind zwischen 0 und 49% der Zeit mitbetreut. Neue Partner des Betreuungselternteils werden von den Kindern mitunter als Papa oder Mama angesprochen, unter ein Dach zieht man aus eher formalen Gründen dennoch nicht.

  17. 16.

    UNSEREN KINDERN VERSUCHEN WIR DAS TEILEN BEIZUBRINGEN (III)

    Während Corona gab es zahlreiche Fälle, in denen im Widerspruch zu den weiter gültigen Umgangsbeschlüssen und den temporären Pandemieverordnungen versucht wurde, den Betreuungsanteil des zweiten Elternteiles möglichst weit zurück zu drängen.
    Nicht weniger Fälle ereigneten sich, bei denen diese sogenannten Umgangs- oder Besuchselternteile ausnahmebedingt für 80% der Zeit einspringen durften bzw. mussten. Die Frage, warum bzw. auf wessen Verlangen er oder seltener auch sie anschließend wieder auf den mittleren „Normalfall“ von etwa 30% zurückfällt, stellt sich (uns) nicht.
    Beide Sachlagen gehen in der Regel mit 100% Unterhaltspflicht einher – vor Corona, während Corona, nach Corona.

    Im Vergleich zu den Jahren bis zur Volljährigkeit des Kindes und mit etwas sortiertem Blick sollte die Hälfte der geschenkten 300 EUR nicht wirklich des Aufhebens wert sein. Alleinerziehend war gestern.

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