Mit einem Rollkoffer steht eine Frau am 28.02.2020 an einem Straßenrand. (Quelle: dpa/Fernando Gutierrez-Juarez)
Audio: Radioeins | 26.11.2020 | Gespräch mit Sophia Wetzke | Bild: dpa/Fernando Gutierrez-Juarez

Touristische Zimmervermietung - "Wenn du 'Geschäftsreise' ankreuzt, frage ich nicht weiter nach"

Touristische Zimmervermietungen in Berlin und Brandenburg sind verboten. Doch halten sich Anbieter auf Onlineplattformen an die Regelung, wenn Vermietungen unbemerkt in Privatwohnungen stattfinden? Sophia Wetzke hat es ausprobiert.

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr müssen Gästehäuser in Berlin und Brandenburg per offizieller Anordnung auf einen Großteil ihrer Übernachtungsgäste verzichten. Beherbergungsverbot – das lässt an verwaiste Hotelbetten und leere Luxus-Lobbys denken. Doch das Verbot touristischer Unterbringung gilt ebenso für private Zimmervermietungen übers Netz.

Die Startseite der Internetplattform Airbnb erweckt allerdings einen ganz anderen Eindruck: Sie sieht aus wie zu vorpandemischen Zeiten. Suche ich nach einer Unterkunft für zwei Personen übers Wochenende in Berlin, bekomme ich über 300 Angebote angezeigt. Das "Studio-Apartment in Berlin Mitte" könnte ich im gewählten Zeitraum buchen, oder den "Cozy Room in the Heart of Friedrichshain". Minimalistisch und modern eingerichtete Zimmer, professionell fotografiert in Szene gesetzt. Nach dem Klick ins Inserat weist mich ein gelb umrandeter Textkasten darauf hin, dass es lokale Reisebeschränkungen geben könnte, über die ich mich bitte selbst informieren solle.

Vermieter ist bei den Auflagen in der Pflicht

Der Begriff "Reisebeschränkungen" erscheint etwas irreführend, schaut man sich die aktuell geltenden Regelungen für Brandenburg und Berlin an. Denn verboten ist nicht das eigentliche Reisen, sondern die Übernachtung zum Zwecke des touristischen Aufenthalts. Ausführen muss diese Anordnung nicht ich als Touristin, sondern die Personen, die Zimmer vermieten. Das dürfen sie prinzipiell zwar noch tun, allerdings nur an Geschäftsreisende oder Gäste, deren Übernachtung aus privaten Gründen zwingend notwendig und nicht aufschiebbar ist.

Manche Anbieter machen es leicht, zu schummeln

Als ich versuche, mehrere Angebote zu buchen, meldet sich sofort der Vermieter eines der Airbnb-Apartments und möchte wissen, was der Grund meiner Reise sei. Nach einigem Hin und Her per Mail räume ich schließlich ein, dass meine Geschäftsreise ein Vorwand ist. Meine Anfrage wird vom Vermieter sofort storniert.

Ein anderer Anbieter macht es mir deutlich leichter. Nachdem ich per Airbnb-Chatfunktion unbedarft frage, ob ich denn überhaupt anreisen dürfe, gibt er sich kumpelhaft und verschwörerisch: "Wir gehen davon aus, dass dein Besuch aus geschäftlichen Gründen ist. Sofern du Geschäftsreise auf dem Meldeschein vor Ort so ankreuzt, werden wir nicht weiter nachfragen."

Nachbarschaft als Kontrollinstanz

Andrea* [Name von der Red. geändert] vermietet über Airbnb und ähnliche Plattformen ein großes Ferienhaus mit Sauna in Brandenburg – zurzeit nur an Geschäftsreisende, sagt sie. Sie halte sich so gut es geht an die Regelung, könne den wahren Grund der Buchung aber nie zu 100 Prozent überprüfen.

Momentan fragten häufiger Filmteams an. Wenn die mit Kameras, Lichttechnik und Visagisten anrückten, sei der Geschäftszweck klar erkennbar. "Ich hatte letztens aber auch eine Buchung von einem Start-up; die wollten übers Wochenende mit mehreren Leuten eine Teambuilding-Maßnahme machen. Wie soll ich das überprüfen? Klar kann ich gucken: Hat der Mensch ein Start-up? Aber ich weiß nicht, ob die wirklich alle dort arbeiten oder ob das nur ein Vorwand ist."

Im Zweifelsfall lehnt Andrea die Buchung ab – auch aus Angst, die Nachbarn könnten sie verpfeifen. "Dann bekomme ich ein Bußgeld. Das habe ich zuletzt häufiger von anderen Airbnb-Vermietern gehört, dass denen das passiert ist. Ich glaube nicht, dass die Polizei herumfährt und kontrolliert, aber das Volk ist wohl wachsam und schwärzt schon mal Vermieter an, die sich nicht dran halten."

Archivbild: Möbliertes Apartement im Prenzlauer Berg am 25.04.2014. (Quelle: imago images/Liz Eve)Den Bezirken liegen keine konkreten Zahlen vor, wie häufig unerlaubt an Touristen vermietet wird

Bezirke: kaum Kapazitäten für Kontrollen

Fliegt eine touristische Übernachtung auf, riskieren Vermieterinnen und Vermieter ein Bußgeld zwischen 1.000 und 10.000 Euro. Berliner Hotspots für Airbnb-Vermietungen sind Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Die Kontrollmöglichkeiten der zuständigen Ordnungsämter seien jedoch mehr als begrenzt, bestätigen beide Bezirke auf Nachfrage.

Zwar würden Streifen im Außendienst sofort einschreiten, wenn in einem Hotel viel Betrieb zu sein scheint oder vor dem Hostel Gruppen mit Rollkoffern stehen. Airbnbs aber seien von außen nicht erkennbar. Zudem fehlten den Behörden die Befugnisse, sich Zutritt zu Privatwohnungen zu verschaffen. Um in Schreibtischarbeit sämtliche Onlineportale nach illegalen touristischen Vermietungen zu scannen, habe man kein Personal.

Airbnb selbst sieht sich auf Anfrage nicht zuständig, die Einhaltung des Beherbergungsverbotes zu kontrollieren. Man verstehe sich als reine Plattform, als "ein Marktplatz, auf dem Gastgeber ihre Unterkünfte anbieten können und auf dem Gäste diese Unterkünfte buchen können. Airbnb ist kein Unterkunftsanbieter und kein Reisevermittler", heißt es im schriftlichen Statement. Man informiere die Hosts jedoch regelmäßig per E-Mail über aktuell geltende Infektionsschutzregelungen.

Bilanz: Wer will, findet eine Unterkunft

Wie häufig zurzeit tatsächlich unerlaubt an Touristinnen und Touristen vermietet wird, lässt sich nicht belegen. Den Bezirken liegen keine konkreten Zahlen zu Verstößen vor. Auf den Onlineportalen selbst lässt sich anhand von Gästebewertungen aus dem November zwar indirekt ablesen, dass in Berlin und Brandenburg Zimmer und Apartments vermietet worden sind – ob diese Buchungen touristischer oder geschäftlicher Natur waren, ist allerdings nicht erkennbar. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga kritisiert, dass auf den Onlineplattformen unterm Radar illegal weitervermietet werden könne, während sich die großen Hotels an die Regelungen hielten.

Die meisten Vermieter, das war ein Eindruck der Recherche, kommen zumindest ihrer Fragepflicht nach, ob der Gast geschäftlich oder privat reist. Doch mit etwas krimineller Energie auf beiden Seiten, ließe sich problemlos eine Unterkunft finden. Sofern die Nachbarschaft nicht genauer hinschaut, liegen die Kontrollmöglichkeiten für touristisch vermietete Privaträume fast bei null.

Verwandte sollen in Hotels absteigen können

Fraglich ist natürlich, wie attraktiv die Hauptstadt zurzeit für einen Städtetrip ist, bei geschlossenen Restaurants und spärlichen Freizeitangeboten. An der East Side Gallery, wo sonst dutzende Berlin-Touristen für Instagram-Fotos posieren, sind an einem sonnigen Nachmittag vor allem Einheimische unterwegs. Viele von ihnen berichten von ähnlichen Eindrücken: Die Touri-Hot-Spots seien viel leerer als sonst. Wenn man mal Rollkoffer rattern höre, gehörten die meist zu wichtig aussehenden Anzugträgern.

All jenen, trotz Reisebeschränkungen zu Weihnachten ihre auswärtigen Verwandten in die Stadt holen wollen, gab der Regierende Bürgermeister immerhin Grund zur leisen Hoffnung. Wer die Feiertage in Berlin mit der Familie verbringen will, soll dann ganz legal ein Zimmer buchen dürfen.

Sendung: Radioeins, 26.11.2020, 09:40 Uhr

Beitrag von Sophia Wetzke

21 Kommentare

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  1. 21.

    Ja, leider ist diese Haltung inzwischen sehr weit verbreitet, dass der derjenige beschimpft wird, der Fehlverhalten und Verantwortungslosigkeit benennt, allerdings nicht derjenige, der sich falsch verhält. Leider ist gerade in Berlin diese Haltung bei den Polizisten Berlins immer wieder anzutreffen. Teils aus falsch verstandener "Toleranz", teils aus Faulheit, teils aus Überlastung und personeller Unterversorgung. Klar ist auf jeden Fall, dass man in dieser Stadt bei einigen Vergehen keinerlei Folgen zu befürchten hat.

  2. 20.

    "Kriminelle Energie" - ist das wirklich ihr Ernst? ... Und plötzlich ist man krimineller "Lust-Reisender"

  3. 19.

    Einfach mal alle anzeigen bzw. die Behörden in Kenntnis setzen, würde ich sagen.
    Besser als nur kopfschüttelnd zuzusehen und sich zu ärgern.
    Denn legal ist das alles sicher nicht und da muss man ein Zeichen setzen.
    Oder sollte es zumindestens versuchen. Wo kein Kläger, da kein Richter, heißt es doch so schön, und so etwas darf einfach nicht durchgewunken werden.

  4. 18.

    Ich finde schummeln ist ok.

    Aber ich halte mich an die meisten Regeln und bin kein sogenannter Querdenker.
    Aber lebe in Trennung mit vielen Kindern, die alle zwei Wochen quer durch die Republik reisen und arbeite in einem KKH.

    Meine Kinder haben so viele Kontakte, wie soll ich mich schützen?
    Ich kann doch meine Kinder nicht ablehnen?

    Am Ende ist es Schicksal.


  5. 17.

    Die Hotels leiden extrem unter den Beschränkungen. Restaurants dürfen immer hin noch Essen zur Abholung zubereiten, um sich etwas Geld zu verdienen. Das könne aber nur ein Beitrag sein, die Kosten zu decken. Bei Hotels in Berlin sieht die Lage dramatisch aus. In den Berliner Hotels sei die Situation derzeit unterirdisch. Die Belegung sei häufig unter zehn Prozent. Hotels haben düstere Aussichten in Corona ZEITEN, auch sie brauchen Einnahmen. Hotelübernachtungen über Weihnachten für Verwandtenbesuche sollte in der Hauptstadt möglich sein. Das verdammte Virus unterscheidet nicht zwischen Tourismus und Verwandtenbesuch, und das sich Leute in Hotels nicht alle an Regeln halten, hat sich gezeigt und ist bewiesen.

  6. 16.

    Sind wir ehrlich...viele sind von diesen Einnahmen abhängig. Sie benötigen diese zum Leben. Die versprochenen 75% vom Staat bekommt keiner.

    Ich kenne leider auch Kosmetikerinnen und Nagelfeen die ihr Arbeit nun daheim machen.
    Nein, ich gehe nicht hin

  7. 15.

    Man muss sich nur mal die vielen Annoncen auf eBay Kleinanzeigen anschauen. Da werden massig möblierte Wohnungen oder Zimmer für Tagessätze zur Vermietung angeboten. Manche sogar inkl.Frühstücksservice und Stadtführung.
    Alles von privaten Vermietern, kein airbnb, und mit nur kurzen Vornamen. Nichts gewerbliches. Jeden Tag neue Anbieter, Fotos bleiben gleich. Und auf den Bildern sieht man frische Handtücher bereitgelegt und Infokarten, wie im Hotel.
    Ich suche gerade ein WG-Zimmer, dadurch bin ich darauf gestoßen und es wird gefühlt jeden Tag mehr.
    Das regt mich so auf, denn diese Wohnungen fehlen auf dem Wohnungsmarkt, werden schwarz vermietet, keine Steuern nix und stehen jetzt teilweise schon wochenlang leer.

  8. 13.

    Die Hotels kann man gut kontrolieren, aber die Privatvermieter nicht.
    Vieleicht passt manchen von ihnen die Möglichgkeit zur Übernachtung im Hotel über Weihnachtsfeiertage deswegen nicht.

  9. 12.

    Die Zahlen werden nach den Feiertagen wieder ansteigen für uns Gastwirte bedeutet das noch länger dicht bleiben dann kommen die größten pleitewellen weil man sagt ja schon die Hilfen laufen nicht ewig weiter von was denn auch!! Wenn der ganze Spuk irgendwann mal vorbei ist wirds langweilig dann gibt's nichts mehr zum feiern oder Spaß haben!! Dann wird geheult " ach hätten wir mal "

  10. 11.

    Hallo Nancy, da haben sie als Mutter mit ihrem Kind alles richtig gemacht! Es liegt nämlich alles an der richtigen Erziehung. Toll! Alles gute für ihre Familie und vor allem für ihren Sohn!!

  11. 10.

    Solche schlimmen Verbrecher*innen müssen konsequent verfolgt und hart bestraft werden.

  12. 9.

    So ist das mit Regeln, die man kaum kontrollieren kann und noch dazu fehlt das Personal.
    Wenn gesunder Menschenverstand, Empathie und Rücksicht bei vielen Mitmenschen Fremdwörter geworden sind, weil das Ausleben des eigenen Egos wichtiger ist als die Gesundheit der Mitmenschen sind die besten Regeln sinnlos.
    Genauso wird es auch mit dem Böllern sein. Schade, dass sich jeder selbst der Nächste ist und danke an die, die diese negative Entwicklung nicht mitmachen.

  13. 8.

    Der Begriff "anschwärzen" im Interview mit "Andrea" ist verräterisch für die Moral unserer Zeiten: Nicht derjenige, der sich falsch verhält, steht in schlechtem Licht sondern derjenige, der darauf hinweist. Ob die "Abzocke" durch Blitzer, das "Denunzieren" von Falschparkern.... Modus operandi ist immer: "Ich mache falsch und weil Du darauf verweist bist Du doof!" Wir müssen dringend von sowas wegkommen als Gesellschaft, das wird uns von innen zerfressen.

  14. 7.

    Super.... Da wundert man sich noch, wenn man gegen eine Hotelöffnung an Weihnachten ist.... Es kann doch keiner kontrollieren.... Das ist wie mit dem Attest bei Maskenpflicht Befreiung, dank den gefälschten hat man es mit einem echten schwer. Mein Kind hat eine geistige Behinderung und wäre eigentlich befreit, aber er macht es besser als manch normaler Mensch....

  15. 6.

    "Als würden sich Heerscharen auf den Weg nach Berlin machen um dann wenig bis nichts machen zu können."

    Naja, z.B. die ganzen Querdenker-Dödel, die, wenn sie denn tatsächlich hier Silvester feie...äh demonstrieren dürfen, noch 1-2 Übernachtungen ranhängen, damit sie nicht nach getanem Vergnü...äh...Arbeit gleich wieder nach Hause düsen müssen....

  16. 5.

    Als wäre es was neues das regeln umgangen werden. Warum gibt es wohl den Zoll und Geschwindigkeitskontrollen ? Das war schon immer so und wird immer so sein.
    Als würden sich Heerscharen auf den Weg nach Berlin machen um dann wenig bis nichts machen zu können.
    Man sollte da nicht immer gleich die Relation aus den Augen verlieren.

  17. 4.

    Wer bitte kommt freiwillig in eine Corona-Hotspot-Stadt und übernachtet auch noch hier?

  18. 3.

    Warum all diese regeln, wenns dann doch niemanden interessiert, geschweige eine koontrolle erfolgt

  19. 2.

    Ja, typisch. Es werden immer wieder Wege gesucht um die Regeln zu umgehen. Leidtragend sind dann der Rest der Bevölkerung, der mit härteren Regeln klarkommen muss. Ähnlich wie bei einzelnen Gastwirten. Wenn einfach mal die Regeln befolgt werden würden, dann könnten wir alle schneller durch den Schlamassel kommen.

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