Förderung des Aalbestandes - Brandenburger Fischer setzen mehr als 400.000 Jungaale aus

Do 22.09.22 | 18:17 Uhr
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In einer Schüssel tummeln sich Tausende von Jungaalen. Hunderttausende Tiere werden in Brandenburgs Gewässer gesetzt. An dem europaweiten Projekt zur Erhaltung der Art beteiligen sich 80 Fischereibetriebe. (Foto: Lars Dettmann/Landesfischereiverband Brandenburg-Berlin)
Lars Dettmann/Landesfischereiverband Brandenburg-Berlin
Audio: Antenne Brandenburg | 22.09.2022 | Magdalena Dercz | Bild: Lars Dettmann/Landesfischereiverband Brandenburg-Berlin

Hunderttausende kleine Aale sind in Brandenburger Gewässer gesetzt worden, um deren Bestand zu erhöhen. Im besten Fall wandern sie von der Oder aus in einigen Jahren in die Nordsee - und von dort weiter in ihre Laichgewässer im Golf von Mexiko.

Fischer in Brandenburg haben am Donnerstag mehr als 400.000 Jungaale in Gewässer im Süden und Osten des Landes ausgesetzt. Sie haben ein Gesamtgewicht von 1.600 Kilogramm und sind mehr als 100.000 Euro wert, wie der Landesfischereiverband Brandenburg-Berlin und die Fischereischutzgenossenschaft Havel Brandenburg mitteilten.

"Der Sinn und Zweck ist, dass wir das ausgleichen wollen, was der Mensch im Sinne des Wortes verbaut hat", sagte Lars Dettmann vom Fischereiverband dem rbb. Normalerweise würden die Jungaale aus der Nordsee die Elbe aufwärts aufsteigen und sich geeignete Räume im Süßwasser bis hinter den Spreewald suchen. "Weil wir Menschen aber jede Menge Schleusen, Stauwehre und Sperranlagen eingebaut haben, ist dieser Weg verbaut", so Dettmann.

400 Kilo Jungaale in die Oder entlassen

Auch in die Oder wurden am Donnerstag Aale entlassen. Das macht laut Dettmann auch Sinn, da seit dem großen Fischsterben genug Zeit ins Land gegangen ist. "Wir wissen seit dem 19. August - seit den ersten Probeuntersuchungen des Instituts für Binnenfischerei Potsdam, dass es in der Oder noch reichlich Fisch gibt", so Dettmann. "Man muss sich den Fluss nur anschauen, die Oder lebt wieder", pflichtete Flussfischer Andre Schneider bei.

Selbst sensible Arten wie der Steinbeißer fänden sich noch in beachtlichen Größenordnungen im Fluss wieder, ergänzte Dettmann. Aus den gleichen Untersuchungen wisse man, dass immer noch Fisch-Nährtiere wie Mückenlarven oder Bachflohkrebse in entsprechender Größenordnung zu finden seien. Alles in allem bedeute dies, dass "die Bedingungen jetzt so sind, wie wir sie für die Jungaale brauchen, dass alle dort aufwachsen können", erklärte er.

Fischer Andre Schneider hat tausende Jungaale in die Oder gesetzt. (Foto: Magdalena Dercz/rbb)

"Vor diesem Hintergrund hat sich die Albe-Fischfarm, der Lieferant für das Brandenburger Aal-Besatz-Projekt, entschlossen, dort aus seiner eigenen Tasche - aber unterstützt vom Isle Stewart Ship Found, den Bestand da wiederaufzubauen." Dettmann sagte, dass 400 Kilo Jungaale im Gegenwert von 25.000 Euro am Donnerstag bei Küstrin-Kiez (Märkisch-Oderland) in die Oder entlassen wurden. Es waren rund 100.000 Tiere. Ziel sei es, Verluste, die es im Aalbestand durch das massenhafte Fischsterben gab, wieder auszugleichen, so der Geschäftsführer des Fischereiverbands.

Von Amerika nach Brandenburg nach Amerika

Gefangen wurden die Glasaale für die Aussetzaktion in Brandenburg an den Küsten Südfrankreichs. "Bis dort hatten sie einen Weg vom angenommenen Laichgebiet in der Sargassosee im Golf von Mexico von 4.500 Kilometer hinter sich", so Dettmann. Im Südosten Brandenburgs wurden die Aale schließlich am Donnerstag an verschiedenen Orten aus Behältern eines Spezial-Lkw in die Wasserkammern der Fischerboote umgeladen. "Die Fischer fahren danach an geeignete, geschützte Uferbereiche und setzen die Aale dort mit kleinen Keschern portionsweise aus", so Dettmann weiter.

Neben der Oder wurden auch rund 21.500 Aale für den Senftenberger See (Oberspreewald-Lausitz) angeliefert. Anschließend ging es weiter zu den Spreewaldfischern. Zum Abschluss ging es zur Hegegemeinschaft Schwielochsee (Dahme-Spreewald) und danach zum Storkower See und Scharmützelsee (beide Oder-Spree). "Wenn wir Angler und Fischer nicht nachhelfen würden, wäre der Aal schon seit Jahrzehnten bei uns aus den heimischen Gewässern verschwunden", so Dettmann.

Alle Besatzgewässer haben laut Verband einen freien Zugang zum Einzugsgebiet der Elbe beziehungsweise über die Oder in die Ostsee. Dadurch können die Fische in die Nordsee schwimmen, wenn sie die Laichreife erreicht haben. Von dort geht es für sie wieder weiter in die Laichgewässer im Golf von Mexiko.

Hohe natürliche Sterblichkeitsrate

Seit 2006 gibt es dieses Projekt zur Wiederauffüllung des europäischen Aal-Laicher-Bestands, das von der Fischereigenossenschaft koordiniert wird. "Es ist europaweit das umfangreichste Aalbesatzprojekt und leistet den wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der Besatzziele des Aalmanagementplanes für das gesamte Elbeeinzugsgebiet", so der Fischereiverband. Seit 2006 seien 90 Millionen Jung-Aale ausgesetzt worden. In diesem Jahr waren es in Brandenburg mehr als zehn Millionen Aale.

Doch nicht alle überleben. "Ein Großteil unterliegt der natürlichen Mortalität", so Dettmann. "Wir gehen davon aus, dass es zehn bis 20 Prozent von dem, was wir aussetzen, hoffentlich schafft, groß und stark zu werden und dann auch abzuwandern."

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.09.2022, 16:40 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Vielleicht würde es dem vom Aussterben bedrohten Aal helfen, wenn er nicht vom Menschen verzehrt würde. Wäre ja möglich. Auch ist es zweifelhaft, inwieweit gewinnorientierte Unternehmen und ihre Dachverbände sinnstiftend und inhaltlich Zutreffendes zum Thema beitragen können. Als gäbe es keine Wissenschaftler*innen und als säße Expertise aussschließlich bei Angelnden, die obendrein die gesamte Fangquote noch einmal zusätzlich aus den Gewässern holen. Solche Aktionen dienen dem Überleben von manchen Fischereibetrieben, wenn alles so läuft, wie sie es sich erhoffen, nicht dem Tierschutz, wie hier angedeutet wird. Dass die Glasaale großem Stress ausgesetzt sind und schon beim Transport vielfach verenden, passt natürlich nicht in einen Schönwetterbericht der Lebensmittelindustrie. 20% Erfolgsquote ist auch "gelinde" aufgerundet. Der "Erfolg" lässt sich nicht messen, Auswirkungen von Glasaalaussetzungen sind bisher nicht nachgewiesen - bis dato also 0%. Die Fischerei dankt für die PR.

  2. 2.

    Ein Problem für die in den Flüssen wandernden
    Fischen stellen die Wasserkraftwerke da. Ein Viertel des Fischbestandes werden in den Turbinen geschräddert.

  3. 1.

    Unser Fischermeister KLOSE hat bereits vor längerer Zeit Glasaale im Stienitzsee ausgesetzt. Seine Forellen schmecken einfach lecker; die leben im sauberen Tagebauwasser.

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