"Letzte Generation" - LKA ermittelt gegen sechs Klimaaktivisten nach Aktion am Flughafen BER

Fr 25.11.22 | 13:11 Uhr
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Aktivisten vom Aufstand der Letzten Generation auf der Landebahn des BER mit Transparent, auf dem steht: "Was wenn die Regierung es nicht im Griff hat?" (Quelle: dpa/Stefan Müller)
dpa/Stefan Müller
Audio: rbb24 Inforadio | 25.11.2022 | Hannes Hönemann | Bild: dpa/Stefan Müller

Es geht unter anderem um gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr und Hausfriedensbruch: Gegen sechs Klimaaktivisten, die am Donnerstag den BER zeitweise lahmgelegt hatten, wird nun ermittelt.

Nach der Störaktion am Hauptstadtflughafen BER hat das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg die Ermittlungen übernommen. Es ermittele gegen sechs Klimaaktivisten unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr, Störung öffentlicher Betriebe sowie Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung, sagte Polizeisprecher Mario Heinemann am Freitag.

Fünf Männer und eine Frau im Alter von 20 bis 32 Jahren seien am Donnerstag bei der Aktion auf dem Flughafengelände in Schönefeld festgenommen und Gewahrsam genommen worden. Einer der Männer sei auf richterlichen Beschluss weiterhin dort, so der Sprecher. Die anderen Beschuldigten sind nach seinen Angaben wieder auf freiem Fuß.

Flughafen will Sicherheit verbessern

Die Flughafengesellschaft kündigte unterdessen an, das Sicherheitskonzept verbessern zu wollen. Das sagte Flughafensprecher Hannes Hönemann am Freitagmorgen im rbb24 Inforadio. "Wir denken da zusammen mit der Polizei nach, die auch die Aufgabe hat, die Flugbetriebsflächen mit zu sichern", konkretisierte der Sprecher. Sollte es Möglichkeiten geben, den Zaun um das Betriebsgelände noch stabiler zu machen, "dann werden wir das selbstverständlich machen", so Hönemann. Schließlich sei das Vorgehen der Klimademonstranten "hochgefährlich und hochriskant" gewesen.

Die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei bewertete Hönemann positiv. In den anderthalb Stunden, die die Aktion gedauert hat, habe kontrolliert werden müssen, ob auch alles sicher sei. Das habe sehr gut geklappt.

Aktion wurde live auf Twitter gestreamt

Nach Angaben der Bundespolizei hatten sich zwei Gruppen am Donnerstagnachmittag Zugang zum Flughafengelände des BER verschafft. Einige Menschen hätten sich am Boden festgeklebt. Die "Letzte Generation" teilte mit, dass einige Aktivisten mit Fahrrädern über das Gelände gefahren seien. Die Aktion wurde live auf Twitter gestreamt.

Der Berliner Flughafen stoppte vorübergehend den Betrieb auf beiden Start- und Landebahnen. Fünf Starts mussten nach ersten Angaben wegen der Aktion gestrichen werden, davon waren dem Flughafen zufolge 750 Passagiere betroffen. Erst nach eineinhalb Stunden konnten die beiden Start- und Landebahnen des BER gegen 18:20 Uhr wieder freigegeben werden.

Flughafen-Blockade laut Faeser "absolut inakzeptabel"

Die Aktion der Klima-Demonstranten ist parteiübergreifend kritisiert worden. Den Flughafen zu blockieren sei "eine erneute Eskalation und absolut inakzeptabel", schrieb etwa Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bei Twitter. "Diese Aktionen zerstören wichtige gesellschaftliche Akzeptanz für den Kampf gegen den Klimawandel", so Faeser weiter.

Der Brandenburger Innenminister Michael Stübgen (CDU) bezeichnete die Aktion als "gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr". Es würde sich "um eine schwere Straftat" handeln, "die im schlimmsten Fall sogar Menschenleben gefährdet. Das ist durch nichts zu rechtfertigen." Er nannte die Aktivisten Kriminelle.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Unionsparteien im Bundestag, Andrea Lindholz (CSU), forderte "konsequente Strafen" für die Störung des Flugbetriebs. Sie sah mit der Beeinträchtigung des Flugverkehrs "eine weitere rote Linie" überschritten. Flughäfen seien "keine Bühne für politische Aktionen", erklärte Lindholz, weil dort "sehr schnell Menschenleben in Gefahr kommen" könnten.

Linke verteidigt Aktionen der "Letzten Generation"

Das Demonstrationsrecht sei zwar ein Grundrecht, sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), die Aktionen würden aber immer skrupelloser. Der Berliner FDP-Chef Sebastian Czaja sprach von "Klima-Kriminellen".

AfD-Partei- und Fraktionschef Tino Chrupalla forderte den Verfassungsschutz auf, im Fall der "Letzten Generation" aktiv zu werden. Nicht Meinungen, sondern Handlungen müssten für dessen Bewertung maßgeblich sein. "Die Sicherung kritischer Infrastruktur muss dabei oberste Priorität haben", sagte Chrupalla.

Linken-Chef Martin Schirdewan verteidigte die "Letzte Generation" hingegen, deren Protest lege "den Finger in die Wunde der politischen Untätigkeit angesichts der Klimakatastrophe".

Ein Sprecher der Bundespolizei sagte in den ARD-"Tagesthemen", es handele sich "ganz klar" um Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Es bestehe auch die Möglichkeit, dass "ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr" stattgefunden habe.

Aktivisten wollen auf Folgen des Klimawandels aufmerksam machen

Die Aktivisten hatten in den vergangenen Wochen immer wieder den Berliner Straßenverkehr blockiert. In der Hamburger Elbphilharmonie klebten sie sich zuletzt an einem Dirigentenpult fest. Auch das im Potsdamer Museum Barberini ausgestellte Gemälde des Malers Claude Monet wurde bereits von Unterstützern der Klimaaktivistengruppe "Letzte Generation"attackiert.

Zwei Mitglieder der Klima-Protestgruppe hatten auch das Brandenburger Tor in Berlin-Mitte bestiegen und dort ein Transparent entrollt.

Ihr Ziel ist es, öffentliche Aufmerksamkeit auf die Folgen des Klimawandels zu lenken und Politiker zum Handeln aufzufordern.

Am Freitagabend kündigte die Gruppe "Letzte Generation" eine Unterbrechung der Proteste an. Bis zum Ende der kommenden Woche will sie keine Aktionen in Berlin und München mehr starten.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 25.11.2022, 19:30 Uhr

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131 Kommentare

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  1. 131.

    " Es sterben bereits jetzt in Deutschland Menschen an Folgen des Klimawandels "

    belegen Sie das bitte

  2. 130.

    " Politiker zum Handeln aufzufordern. "

    funktioniert problemlos nur bei Diätenerhöhung , Aufforderung zum Handeln ist da nicht erforderlich

  3. 129.

    Diese Menschen wollen für uns alle etwas erreichen und werden dafür in den Knast gesteckt. Ich denke es ist zu spät darüber zu diskutieren, ob ihre Mitteln zu krass sind. Es sterben bereits jetzt in Deutschland Menschen an Folgen des Klimawandels und wir müssen uns immer noch aufregen weil wir zu spät zum Termin oder in die Arbeit kommen...

  4. 128.

    Anton, Immanuel, Ansgar, ... - wo seit ihr wenn man euch aufklärend benötigt.
    Ich bin fühle mich hilflos, alle anderen Kommentar können mich nicht richten, das meiste so ANTI.
    Ich würde ja auch gerne auf diverse Folgen aufmerksam machen wollen.

  5. 127.

    Danke Marion, mein erster Gedanke. Es ist unstrittig, dass das Verhalten geahndet werden muss , nichtsdestotrotz ist es befremdlich, wie leicht es ist , in die Kathedrale der Luftfahrt einzudringen. Den Zaun mit einer Nagelschere durchtrennt, auf einem klaprigen Damenrad die Piste erobert und in Seelenruhe das Fläschchen Uhu aus dem Jutebeutel geholt. You made my day FBB

  6. 126.

    Ich fordere Haftstrafen und Schadensersatzzahlungen!!

  7. 125.

    "Wenn die Tickets erheblich teurer würden, gäbe es weniger Flugverkehr "
    Mir isses recht. Kann man wieder in einer halbvollen Economy fliegen und es sich gemütlich machen und ich muss nicht Business-Class fliegen um Platz und Ruhe zu haben. Toller Vorschlag: I LIKE!!!
    Blöder Beigeschmack: Fliegen nur für Vermögende, der Rest fährt mit dem Zelt an die See oder ins Gebirge via 9,-Euro im überfüllten Regionalexpress. Seltsame Logik haben manche Menschen. Hatten wir dieseits der Elbe alles schon einmal. Die INTERFLUG für die ELITE und die DR für die Arbeiter mit dem Hintern auf dem Koffer sitzend im Gang.
    Sachlich korrekt ist: 3,6L 100km Kerosinverbrauch in einer Boeing 747 und der Ferienflieger kommt mit 2,4 L/100km aus! (p.P. natürlich incl. Fracht)

  8. 124.

    „Aktivisten wollen auf Folgen des Klimawandels aufmerksam machen“ + „Linke verteidigt Aktionen der "Letzten Generation"
    Zu Punkt 1 – ach ja richtig, da war ja noch was
    Zu Punkt 2 – möchte die LINKE mit ihrer Verteidigung auch seine letzte Sympatien verspielen, nun gut, bei mir hat sie es geschafft
    Offeriert sich bzw. will damit die LINKE n Auffangbecken für derart „Mitbürger“ werden?
    Ich würde mir gerne mal ansehen wie DIESE Aktivisten überhaupt so alt geworden sind, wie Diese Wohnen und dabei das Digitale nutzen, was für Klamotten sie tragen, wie sie sich ernähren bzw. es zubereiten, …
    Ach ja – wir haben ja ne Demokratie!

  9. 123.

    Und woher wissen Sie das mit den Ernteausfällen? Haben Sie eine Glaskugel oder was

  10. 122.

    " LKA ermittelt gegen sechs Klimaaktivisten "

    was gibt es da noch groß zu ermitteln ? die Personen sind bekannt, der Tatbestand zweifelsfrei , " Aktion wurde live auf Twitter gestreamt "

  11. 121.

    Es zeigt sich ganz klar wie einfach es ist, auch aus anderen Gründen auf solch ein Gebiet /Gelände zu kommen ohne das es irgendjemand bemerkt.
    Gerade die Strecke rund um Selchow ist leicht für solche Taten.
    Sollte viel mehr Streife gefahren werden.

  12. 120.

    Wie wäre es wenn die sich zu Hause festkleben, dann nerven sie nicht die Mehrheit !

  13. 119.

    Warum wird nicht gefragt, warum Menschen so verzweifelt sind, dass sie ihr eigenes Leben so stark gefährden?
    Liegt es vielleicht daran das sogenannte “Entscheidungsträger” die Dramatik der Klimakatastrophe nIcht einordnen können und die Motive als “Weltanschauung” bezeichnen? Liegt es auch daran, dass Menschen nichtlineares System, wie das Klimasystem nicht verstehen und nicht Wissen was Kipppunkte und Irreversibilität bedeuten? Liegt es am journalistischen Versagen, wie z.B. dieser Artikel so schön zeigt?

  14. 118.

    Schon Interessant, wie hier einige schärfste Bestrafung fordern. So funktioniert aber unser Rechtssystem nicht. Nach Ermittlung erfolgt ggf. Anklage und Urteil mit Strafmaß nach den geltenden Gesetzen und nicht, weil einige der Meinung sind, daß gerade diese Straftaten besonders hart zu Urteilen sind. Fordere auch mindestens 10 Jahre für Parker in Feuerwehrzufahrten oder Parken in der 2.Reihe.

  15. 117.

    Wer politische Ziele durchsetzen will sollte eine Partei gründen. Politische mit Gewalt zu erreichen wäre eigentlich fast die Definition für Terrorismus. Aber lassen wir mal die Kirche im Dorf. Insgesamt verstehe ich die Leute, halte aber die Wahl der Mittel für völlig falsch und tatsächlich auch kontrproduktiv (um dumm zu vermeiden). Wenn die sich vor Autos oder sonstige Verbrennungsmotor gesteuerte Vehikel kleben, pumpen die viel mehr in die Atmosphäre, als wären sie ein durchgefahren, geflogen oder was auch immer.

  16. 115.

    Liebe Klimaaktivisten
    Ihr hättet früher aufstehen müssen, der Klimawandel besteht ja nicht erst seit 2022, nichts gegen eure Aktionen, aber trotzdem seid ihr zu spät und denkt nicht nach, welche Konsequenzen euer Handeln hat. Das Ergebnis eurer Taten ist nur noch mehr Klimazerstörung (Staus, noch mehr Fahrzeuge (aufgrund eurer Aktionen) etc.
    Denkt mal drüber nach.

  17. 114.

    2. Versuch, der erste wurde anscheinend ........!
    "Da war nichts plötzlich und überraschend für die Piloten, denn der Tower konnte alles rechtzeitig anhalten."
    Was hätte der Tower machen sollen wenn bei einer kreisenden Maschine ein techn. Defekt aufgetreten oder ein med. Notfall an Bord passiert wäre? Hätte der Tower das Flugzeug landen lassen sollen?

  18. 113.

    Es ermittelt nicht einfach das LKA, sondern dort im Speziellen die Abteilung für politische Straftaten. Zudem ist einer der Straftäter in Unterbindungsgewahrsam genommen worden, da es sich um einen Wiederholungstäter handelt. Im Übrigen sei erneut darauf hingewiesen, dass der Flughafenzaun entsprechend internationaler Standards ausgeführt wurde, auch wenn viele noch die Mauer in Erinnerung haben.

  19. 112.

    Querdenker und LetzteGeneration vergleichen ist auch etwas seltsam. Die einen wollen die Demokratie abschaffen, die anderen sie schützen.

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