ADAC-Umfrage - Fußgänger fühlen sich in Potsdam besonders sicher

Fr 24.11.23 | 06:16 Uhr
  42
Symbolbild: Passanten in Potsdam bei Regenwetter mit Schirm. (Quelle: dpa/Schwarz)
Audio: Fritz | 23.11.2023 | Marie Boll | Bild: dpa/Schwarz

Seit Jahren befragt der ADAC Fußgängerinnen und Fußgänger zu ihrem Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr: Potsdam schneidet dieses Mal bundesweit am besten ab. Am meisten genervt sind die Befragten von E-Scootern.

  • ADAC hat jeweils mehr als 3.000 Fußgänger in 16 deutschen Städten befragt
  • Potsdam in puntko Sicherheitsgefühl vorne, Berlin landet nur im Mittelfeld
  • abgestellte und zu schnelle E-Scooter größtes Ärgernis
  • Zahl verletzter und getöteter Fußgänger sinkt leicht

Etwa jeder zweite Fußgänger fühlt sich in Deutschland sicher. Das zeigen die Ergebnisse einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des ADAC unter Einwohnern der 16 bevölkerungsreichsten deutschen Städten. Im Vergleich zu vergangenen derartigen Umfragen ist der Wert praktisch stabil. Am besten schnitt Potsdam ab: 66 Prozent gaben an, sich zu Fuß im Verkehr sicher zu fühlen. Damit nimmt Potsdam den Spitzenplatz ein, vor München und Hamburg. Im Vergleich zur letzten vergleichbaren ADAC-Umfrage 2021 hat Potsdam um zehn Prozentpunkte zugelegt.

Berlin landet im Mittelfeld und trifft ziemlich genau den Durchschnitt: 51 Prozent der Befragten gaben an, sich im Straßenverkehr zu Fuß sicher zu fühlen. Dieser Wert ist im Vergleich zu 2021 stabil. Ganz hinten landeten Saarbrücken und Köln. Der Automobilclub hat eigenen Angaben zufolge 3.253 Fußgänger ab 18 Jahren befragt, er gab nicht an, ob die Umfrage repräsentativ ist.

E-Scooter, zugeparkte Kreuzungen, fehlende Gehwege

Die Teilnehmer wurden auch gefragt, was sie im Verkehr am meisten stört. Mehr als die Hälfte der Befragten in Potsdam (55 Prozent) nannte auf Gehwegen abgestellte Fahrzeuge wie E-Scooter, Fahrräder oder Motorräder, in Berlin waren es 59 Prozent. Das Thema landete in fast jeder Stadt auf Platz 1. "Im Vergleich zur letzten Umfrage haben die genannten Störungen durch E-Scooter merklich zugenommen, andere Störungen sind insgesamt auf gleichem Level geblieben", sagte Claudia Löffler, Sprecherin des ADAC Berlin-Brandenburg rbb|24. Die Zahl der Unfälle in Berlin, an denen E-Scooter beteiligt waren, ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.

Genauer befragt gaben im Bundesdurchschnitt jeweils 71 Prozent aller Befragten an, dass sie als Fußgängerinnen und Fußgänger am meisten die achtlos auf Gehwegen abgestellten E-Scooter störten und dass diese Fahrzeuge zu schnell unterwegs seien. 69 Prozent kritisierten, dass die Gehwege unerlaubt von E-Scooter-Fahrern genutzt würden, und 67 Prozent sagten, sie störe es, dass diese beim Abbiegen nicht auf Fußgänger achteten.

Befragte Fußgängerinnen und Fußgänger in Berlin störte am häufigsten die eingeschränkte Sicht an Kreuzungen durch parkende Autos (61 Prozent, Potsdam: 48 Prozent). Die Instandhaltung und Reparatur der Infrastruktur, beispielsweise holprige Gehwege, schätzen 53 Prozent der Befragten in Berlin als schlecht ein. In Potsdam bemängelte ein relativ großer Anteil der Befragten das Fehlen von Gehwegen (42 Prozent).

E-Scooter- und Fahrradfahrer vergleichsweise häufig als rücksichtslos bezeichnet

E-Scooter-Nutzerinnen und -Nutzer werden unter allen befragten Fußgängern in Deutschland mit Abstand am rücksichtslosesten empfunden (55 Prozent) - vor Radfahrenden und anderen Fußgängern. An Radfahrerinnen und Radfahrern stören sich 47 Prozent der zu Fuß gehenden Umfrageteilnehmer. Hierbei wurden der zu geringe Abstand beim Überholen (65 Prozent) sowie ausbleibendes oder zu spätes Klingeln beim Überholen (63 Prozent) als Störfaktoren genannt.

Knapp ein Drittel der Befragten (31 Prozent) hält andere Fußgängerinnen und Fußgänger für rücksichtslos, wenn diese ihr Umfeld nicht beachten. Dieser Wert ist im Vergleich zu 2021 um 7 Prozentpunkte gestiegen. 61 Prozent der Befragten sagten, sie störe am meisten an den anderen Fußgängern, dass diese ständig auf ihr Smartphone schauten.

Vergleichsweise wenig werden Autofahrer als Störung genannt: 29 Prozent der Befragten empfinden diese ihren Antworten zufolge als rücksichtslos. 62 Prozent aller Befragten stimmten der Aussage zu, es störe sie, dass Autofahrer beim Abbiegen Fußgänger nicht im Blick hätten.

Zahl verletzter und getöteter Fußgänger sinkt nur leicht - anders als der Gesamttrend

Der ADAC Berlin-Brandenburg appellierte am Donnerstag, auf Fußgängerinnen und Fußgänger mehr Rücksicht zu nehmen. Er forderte mehr barrierefreie Übergänge für eingeschränkt mobile Fußgänger, außerdem mehr getrennte Verkehrsflächen für Fußgänger und Radfahrer - und verstärkte Kontrollen von Falschparkern auf Rad- und Gehwegen.

Im Jahr 2022 starben laut ADAC bundesweit 368 Fußgänger bei Verkehrsunfällen, mehr als 26.000 wurden verletzt - diese Zahlen sind in den vergangenen zehn Jahren nur leicht gesunken. Das liegt auch am demographischen Wandel und somit einem höheren Anteil älterer Fußgänger, bei gleichzeitigem steigendem Verkehrsaufkommen, sei es durch motorisierte Fahrzeuge oder Fahrräder. Fußgänger, die bei Verkehrsunfällen verletzt oder getötet werden, sind überproportional häufig ältere Menschen Insgesamt gab es in Berlin und Brandenburg im vergangenen Jahr jeweils so wenige Unfälle und Verkehrstote, wie zuvor seit Jahrzehnten nicht mehr.

Sendung: Fritz, 23.11.2023, 12:30 Uhr

42 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 42.

    Ggf. fand sie im neu entstandenen Fußgängerbereich am Landtag und der südlichen Friedrich-Ebert-Straße statt, wo vorher noch eine geteilte Welt zwischen dem Alten Markt und dem Neuen Markt herrschte, jetzt aber der Zusammenhang wieder erlebt werden kann.

    Die Stoßrichtung der Fragen, also deren Mehrzahl, ging dabei in Richtung Radfahrende und in Richtung E-Scooter, die ja tatsächlich lästig sind. Zugeparkte Gehwege und zugeparkte Kreuzungsbereiche aber waren seitens des ADAC kein Thema. Nicht verwunderlich also.

  2. 41.

    Das Problem ist - Radfahrer benötigen Heutzutage, eigene, sicherere, breite und Barriere arme und Kreuzungs arme Fahrradwege.
    Fußgänger oder Paare, die in Gruppen nebeneinander laufen und der viel schnellere Radfahrer, vertragen sich nunmal äußerst schlecht, auf einem schmalen Geh/Radweg.
    Autos in Deutschland haben eigene Straßen/Autobahnen und verdrängen Radfahrer/Fußgänger von ihren ,,Auto-Privatstraßen,,.
    Und Fußgänger, Radfahrer, Trolleys, E-Roller, Geh-und Fahrhilfen, etc. sollen sich, den übriggebliebenen schmalen Verkehrsraum teilen - und dazu noch Zigtausende, an jeder Ecke, geparkte Karossen, die nur für eine Stunde täglich, benutzt werden.

  3. 40.

    Ich finde die Studie sehr aufschlussreich weil sie den Irrglauben vieler Autohasser unter Grünen und deren Ableger offenlegt welche Autofahrer eher kriminalisieren. Am Ende zeigt sich wer „umweltfreundlicher“ aktiv Radikal ist. Kennzeichen an Räder zur Täterermittlung wäre überfällig

  4. 39.

    Das stimmt : die Potsdamer Infrastruktur war vor 40 Jahren noch fortschrittlicher, durchdachter und intakter, als Heutzutage.
    Vieles ist seit der politischen Wende, an sinnvoller Infrastruktur verloren gegangen.

  5. 38.

    Ich würde da sehr differenzieren: Im Umfeld des Landtags hat sich die Situation erheblich verbessert. Statt einer faktisch siebenspurigen Stadtautobahn ist hier ein großzügiger Flanierbereich erstanden, die ansprechende Gestaltung der Häuser ist gerade am Entstehen.

    Völlig anders die Situation am Potsdamer Hauptbahnhof: Eine Wirrniss ohne Ende. Am oberen Kopf der Langen Brücke - also in Höhe des Bahnhofs-EKZ-Ausgangs - herrscht völlige Unklarheit über die Radweg- und Gehwegführung mit der Folge des Faustrechts des Stärkeren. Das sind in diesem Fall die Radfahrenden. Am Süd- und ÖPNV-Ausgang des Hauptbahnhofs zeigt sich, wie das ganze Areal bis zum letzten Quadratmeter hin überplant ist und alle damit überfordert sind. Von Großzügigkeit und Aufenthaltsqualität keine Spur.

  6. 37.

    Ich würde sagen: Umgekehrt ist es.

    Was Sie unter landesweiter Lobby verstehen, hat in der Landeshauptstadt Potsdam wenig Einfluss. Da sieht sich Potsdam - mehr als bei Hauptstädten anderer Bundesländer - in außerordentlich starkem Maße als stellvertretend für das gesamte Land. Wegen dieser Mentalität der faktischen Abkoppelung ist der Ruf der Stadt in entfernten Gegenden des Bundeslandes nicht unbedingt wohlwollend, wo so mancher Ministerieller erst auf die Landkarte schauen muss, ob die Prignitz nun noch in Brandenburg oder schon in Mecklenburg-Vorpommern liegt.

  7. 36.

    Infrastruktur von 1985 ist nicht so ganz zutreffend. Man kam mit dem Auto noch von der Charlottenstr. zum Luisenplatz, ums Nauener Tor gab es einen Kreisverkehr, die Hegelallee hatte getrennte Fahrspuren, hinter der Langen Brücke trennten sich die Wege noch Richtung Breite Strasse und Platz der Einheit. Man musste nicht so viele Umwege fahren.
    In der F.Engels Str fuhr noch eine Straßenbahn Richtung Babelsberg und dort noch der O-Bus.



  8. 35.

    Der Zebrastreifen ist in Potsdam allerdings ein großes Manko. M. a. W.: Es gibt kaum welche. Und das ist das Ergebnis eines zuständigen Sachbearbeiters, der vor wenigen Jahren endlich glücklicherweise in Rente gegangen ist, dem es Hauptanliegen war, möglichst jede zweite Kreuzung im Zentrum von Potsdam und von Babelsberg zu beampeln. Noch treffender: Mit Anforderungsampeln zu versehen. Grün muss für zu Fuß Gehende also extra angefordert werden, während es für den Kfz-Verkehr selbstverständlich geschaltet wird.

    Woanders werden diese Ampeln - für auf Fachkunde Wert Legende: diese Art von Lichtzeichen-Sicherungsanlagen - schon mal als "Bettelampeln" bezeichnen. Das kann in der Hauptverkehrszeit schon mal bis zu zwei Minuten Wartezeit bedeuten.

  9. 34.

    Potsdam ist zwar Landeshauptstadt- hat aber keine Lobby im Land.
    Die Politiker fahren nur zur Arbeit in den Potsdamer Landtag und dann schnell wieder nach Hause und das meist mit dem Auto oder nur zu Fuß schnell über die Lange Brücke zum Hauptbahnhof.
    Die Gelder für Infrastruktur gehen dorthin, wo die Minister/Sekretäre und Entscheidungsträger zu Hause sind.

  10. 33.

    Fußgänger - Radfahrer - Autofahrer - totales Kuddelmuddel in Potsdam.
    Zu viele Einwohner:innen und Infrastruktur von 1985.
    Für Autofahrer fehlen Straßen - Tramlinien-Ausbau kommt nicht voran - für Fahrradfahrer fehlen eigene Radwege und für Fußgänger fehlen eigene breite Bürgersteige/Fußgänger-Brücken/Übergänge/Kreuzungen.
    Nur ein paar alte und zerstörte Häuser und Kirchen werden wiederaufgebaut und die Mieten steigen ins unermessliche - aber die Infrastruktur bleibt immer gleich/unmodern, trotz Jährlichem starken Zuzug.

  11. 32.

    Die gesamte Potsdamer Infrastruktur ist um Jahre oder Jahrzehnte zurück.
    Der gesamte Verkehr, quält sich durch wenige viel zu enge Straßen - Umgehungsstrassen = Fehlanzeige.
    Die Kreuzungsbereiche sind für Fußgänger, einfach nur schrecklich und zeitraubend - da scheint gar kein Geld, für den Umbau der Kreuzungen und der gesamten Infrastruktur in Potsdam vorhanden zu sein ?

  12. 31.

    Mooooment, die Ministerin hat sich schon an dpa gewendet, dass ob der zahlreichen Beschwerden der Jäger, Kuh-, Schafhirten, die genauso um ihren Schlaf bangen wie die im Grünen wohnenden und joggenden klima-welt-schützenden Biohausfrauen - aber das kommt erst morgen ;-)

  13. 30.

    Wahrscheinlich empfindet sich jede durch andere Situationen gefährdet. Mir fällt immer besonders auf, dass Auto- und Radfahrende beim Abbiegen selten auf Fußgänger:innen achten - eigentlich lernt man das doch im Fahrunterricht, oder? Auch werden rote Ampeln gern mal überfahren und an den Zebrastreifen halten auch nicht immer alle. Disese Situationen finde ich persönlich besonders gefährlich - also immer schön wachsam bleiben.

  14. 29.

    Zum Beispiel jemand, der sein Auto nicht in der Wohnung parkt - und zu Fuß zum Auto geht ;)
    PS: In der Stadt werden die meisten Wege zu Fuß zurückgelegt :)

  15. 28.

    Sie dürfen zufrieden sein. Seit vielen Jahren lasse ich in der Potsdamer Innenstaft nur noch Geld als Parkgebühr, weil ich Arzttermine warnehme. Und ja, da gibt es noch diese freundliche Händlerin im Holländerviertel -aber keine Sorge, die kämpft schon um den Erhalt ihres Lädchens. Ansonsten meide ich die Stadt, fahre hin und wieder durch. Dritter Havelübergang war ja nicht notwendig. Jedes Brandenburger Dorf hat eine Umgehungsstraße bekommen, das Landeshauptdorf nicht.
    Die Einwohnerzahl wird hochgetrieben, die Infrastruktur hinkt weit hinterher. Das Strassenwegenetz so zurückgebaut, dass die kleinste Störung die ganze Stadt zum stehen bringt.
    Halten Sie das für sinnvoll?

  16. 27.

    Potsdam ist Autostadt, nach wie vor... Der Zu Fuß gehende kann sehn wo er bleibt. Schaut euch doch mal um, am Interhotel, am Landtag, Leipziger Eck, gut, das ist noch nicht fertig laät aber nichts Gutes Erwarten... Lange Brücke, man geht bei grün über dir Strasse und wird prompt mit den querfahrenden Radlern konfrontiert, Hauptbahnhof. wo soll ich hier rüber? Ach so erstmal vor bis zur Gleisquerung... Von den Fußgängerwartezeiten selbst an relativ unbedeutenden LSA's will ich jetzt mal gar nicht sprechen ...
    Es ist viel zu tun, lassen wir es die nächste Generation machen ...

  17. 26.

    Sie waren zu Fuß beim Länderspiel gegen die türkischen Freunde?
    Was Sie bewegt macht es Extremisten leicht...

  18. 25.

    Was ist eigentlich ein Fußgänger ?
    Ein Mensch ohne Auto, ohne Geld - oder geht der nur bummeln oder schnorren ?
    Die Gesellschaft in der Bundesrepublik ist immer noch, auf das Auto als Fortbewegungsmittel Nummer Eins, ausgerichtet.
    Das 49 Euro Ticket wird wahrscheinlich auch bald wieder teurer und die Bahn wird ständig bestreikt, fällt aus und verspätet sich und das Bahnnetz wird sowieso nie mehr erweitert oder ausgebaut - Also, ohne Auto geht gar Nichts und das ,,auf lange Sicht,, in good old Germany

  19. 24.

    Als Fußgänger fühle ich mich in Berlin nicht sicher. Nicht wegen der Autos oder dem Verkehr, sondern wegen der Passanten und der Klientel die hier rumgeistert. Ich fühle mich immer mehr als Fremdkörper, auch wegen meiner Sprache und meines Aussehens, und bin immer froh, wenn ich wieder in meiner Wohnung bin.

  20. 23.

    Wie kann ein preußisches Provinz Nest, das in der DDR total vernachlässigt wurde, Fußgänger freundlich sein ???
    - Kein ordentlicher Boulevard, keine breiten gepflegten Bürgersteige aus DDR Zeiten.
    - keine Umgehungsstrasse, zum Entlasten der Innenstadt.
    - keine Investitionen in Fußgänger-Brücken und Unterführungen.
    - fehlende Investitionen in den Umbau von Kreuzungen

Nächster Artikel