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Quelle: dpa/Frank May

Grippe und Schnupfen loswerden

Diese Hausmittel helfen wirklich gegen Influenza und Erkältung

Kann Kälte krank machen? Wie viele Tassen Heiße Zitrone helfen, um eine Grippe loszuwerden? Zur Linderung von Infekten und Atemwegserkrankungen können Hausmittel beitragen - was die Wirkung angeht, kursieren allerdings einige Mythen.

Die Grippewelle ist die Hochsaison der Zitronen und der Salbeitees, der Vitamintabletten und der Ingwerwurzeln. Dass Hausmittel bei Atemwegserkrankungen wie Influenza und Schnupfen Linderung verschaffen können, ist richtig, zumindest in vielen Fällen. Bei der Frage, was gegen Infekte der Atemwege hilft, sind allerdings auch falsche Annahmen verbreitet - mit Risiken und Nebenwirkungen.

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Kann Kälte krank machen?

Eine Grippe oder eine Erkältung wird durch Viren ausgelöst und nicht direkt durch Kälte. Dass Kälte direkt krank machen kann, ist also ein Irrglaube. Richtig ist, dass Kälte das Immun­system schwächen und warme Heizungs­luft im Winter die Schleim­häute in der Nase aus­trocknen kann. Da die Immunzellen in der Nasenschleimhaut auf Feuchtigkeit angewiesen sind, können Erkältungsviren leichter eindringen. Schnupfen, Halsschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber und andere Symptome sind die möglichen Folgen. Erkältungsviren und das Influenza-Virus (Grippevirus) sind das ganze Jahr im Umlauf.

Schnupfen oder Erkältung, was ist der Unterschied?

Schnupfen ist ein Symptom, das zumeist bei einer Erkältung auftritt. Auslöser von Erkältungserkrankungen sind Erkältungsviren, insbesondere Rhinoviren und Coronaviren. Schon vor der Verbreitung des neuartigen Coronavirus im Jahr 2019 haben andere Coronaviren Erkrankungen der Atemwege ausgelöst.

Schnupfen kann außerdem im Rahmen eines grippalen Infekts (Influenza) vorkommen oder als Symptom einer bakteriellen Infektion, zum Beispiel bei Keuchhusten, Scharlach oder Tuberkulose. Der Infekt führt dann zu einer Nasenschleimhautentzündung, der Rhinitis.

Auch bei Allergien tritt oftmals Schnupfen auf, worauf der Begriff "Heuschnupfen" schon hinweist. Hier ist kein Infekt mit Viren und Bakterien Auslöser für Schnupfen, sondern zum Beispiel Pflanzenpollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben sowie Schimmelpilze. Der Körper reagiert mit einer überschießenden Immunreaktion auf diese Umweltstoffe, die an sich harmlos sind. Auf diese Allergene kann man sich bei Arzt oder Ärztin auch gezielt testen lassen.

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Wie lange dauert ein Schnupfen?

Ein akuter Schnupfen (Rhinitis) als Symptom einer Erkältung sollte nach ein bis zwei Wochen abklingen. Anders sieht es aus, wenn es sich um einen chronischen Schnupfen handelt. Die Dauer ist dann abhängig davon, was die Ursache des Schnupfens ist.

Wer zum Beispiel eine schiefe Nasenscheidewand hat und deshalb unter einer verstopfen Nase leidet, wird das Problem möglicherweise erst dann los, wenn er sich operieren lässt. Auch Allergien können ein Auslöser von Schnupfen sein. Wenn Schnupfen länger als ein bis zwei Wochen anhält, sollte die Ursache bei einem Arztbesuch abgeklärt werden.

Was hilft gegen Schnupfen?

Gegen den Schnupfen selbst helfen abschwellende Nasensprays, die man aber nicht länger als eine Woche anwenden sollte, weil sie süchtig machen können. Es gibt aber auch Nasensprays mit Salzlösung, die weniger problematisch sind. Helfen können auch Nasenduschen mit Salzlösung, Inhalieren (etwa von Eukalyptusextrakten) sowie bestimmte Hausmittel und Verhaltensmaßnahmen wie ausreichendes Trinken und Luftbefeuchtung. Ebenfalls von Vorteil ist ausreichend Schlaf und körperliche Ruhe, insbesondere bei Fieber.

Was verschlimmert Schnupfen und Erkältung?

Alles, was unser Immunsystem schwächt, kann auch die Funktion der Nasenschleimhaut schwächen und somit einen Schnupfen (Rhinitis) verschlimmern. Eine unausgewogene Ernährung, zu wenig Schlaf, aber auch Stress und zu wenig Bewegung an frischer Luft.

Aber auch Kälte ist ein Faktor, der Schnupfen verschlimmern kann. Sie führt dazu, dass die Nasenschleimhaut gereizt wird und austrocknet; dadurch kann sie Krankheitserreger nicht mehr so gut abwehren. Aber auch ein zu langer Gebrauch von Nasensprays, die abschwellende Wirkstoffe enthalten, wie zum Beispiel Tramazolin, Oxymetazolin oder Xylometazolin (Alpha-Sympathomimetika), kann einen Schnupfen verschlimmern. Hinzu kommt, dass die Nasenschleimhaut durch die fortwährende Verwendung von Nasensprays selbst die Fähigkeit verlieren kann Krankheitserreger und Schadstoffe zu filtern.

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Welche Mittel helfen bei Erkältung gut - und welche weniger?

Die Einnahme von Vitamin C kann eine Erkältung nicht verhindern. In Studien verkürzte die Einnahme bestimmter Vitamin-C-Präparate die Erkältungsdauer bei Leistungssportlern um einen Tag. Die Einnahme hoher Dosen von Vitamin C ist jedoch nicht sinnvoll, denn überschüssiges Vitamin C wird über Urin ausgeschieden. Eine sehr große Menge Vitamin C kann zu Durchfall und Blähungen führen.

Hochdosiertes Zink (in verschreibungspflichtigen Mengen) konnte in Studien die Dauer einer Erkältung bei Erwachsenen um bis zu zwei Tage verringern. Bei Kindern allerdings konnte dieser Effekt nicht beobachtet werden. Zudem kann eine zu hohe Dosis Zink giftig sein und Übelkeit und Erbrechen zur Folge haben.

Halsschmerztabletten enthalten meistens Schmerzmittel und lokale Antiseptika, die die Infektion bekämpfen sollen. Allerdings helfen sie in der Regel nicht sehr viel mehr als Placebos. Durch das Lutschen der Tabletten wird der Hals besser befeuchtet - das lindert den Schmerz.

Die Wirkung von Schleimlösern ist nicht belegt - Acetylcystein, Ambroxol oder Bromhexin bringen vermutlich wenig bis gar nichts. Bei pflanzlichen Mitteln wie Thymian oder Efeu ist die Quellenlage nicht eindeutig - allerdings deuten bisherige Beobachtungen auf einen allenfalls geringen Effekt hin.

Grippe oder Erkältung - was ist der Unterschied?

Die Grippe wird auch Influenza oder echte Grippe genannt. Sie ist eine hochansteckende, fieberhafte Infektionskrankheit.

Auslöser eines grippalen Infekts sind Influenzaviren (Grippeviren), die durch Tröpfcheninfektion in den Körper gelangen. Die Erkältung tritt ebenfalls in der kalten Jahreszeit häufiger auf. Dann ist die natürliche Abwehrfunktion des Körpers herabgesetzt. Erkältungen kommen viel häufiger vor als die Grippe. Auch bei Erkältung sind die Verursacher Viren. Es gibt hier jedoch über 200 verschiedene Viren als mögliche Auslöser.

Anders als die banale Erkältung ist die Grippe aber eine ernste Infektion: Grippeviren (Influenzaviren) schwächen den Körper stark und so kann die Influenza sogar lebensbedrohliche Komplikationen zur Folge haben.

Typisch für den Grippe-Verlauf ist ein heftiger Beginn. Innerhalb weniger Stunden fühlt man sich krank. Oft treten mehrere Beschwerden gleichzeitig auf. Die Symptome erscheinen stark. Meist setzt schnell Fieber ein. Es steigt auf über 38 Grad und höher. Das Fieber hält mehrere Tage an. Kopfschmerzen können schwer sein. Auch die Atemwege sind betroffen. Häufig leidet man von Anfang an unter trockenem und schmerzhaftem Husten.

Mit einer Grippe kann eine starke Erschöpfung einher gehen. Man fühlt sich richtig krank und bleibt für 5 bis 7 Tage im Bett. In der Regel es dauert es 7 - 14 Tage, bis man sich vollständig erholt fühlt, manchmal sogar mehrere Wochen. Bei manchen Personen verläuft die Grippe jedoch auch milder und sie haben nur erkältungsartige Beschwerden. Bei älteren Menschen zeigen sich manchmal auch nur Symptome wie Verwirrtheit und Desorientierung.

Bei einer Erkältung sind die Symptome wesentlich schwächer ausgeprägt. Sie entwickeln sich langsamer. Oft lösen die Beschwerden einander ab, sodass z. B. anfangs mäßig starke Kopfschmerzen oder leichte Gliederschmerzen auftreten, später eine laufende Nase und am Ende Husten. Der Husten ist dann oft verschleimt. Fieber zeigt sich eher selten und wenn, dann steigt es nicht so hoch an, nur bis etwa 38 Grad.

Eine laufende Nase ohne Fieber ist typisch für eine Erkältung. Schon nach wenigen Tagen hat man bei der Erkältung ein deutliches Gefühl der Besserung. Sie ist üblicherweise nach rund 7 Tagen überwunden.

Was ist der Unterschied zwischen Influenza und Corona?

Bei einer Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) sind die Symptome ebenfalls Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Schnupfen, Husten, Halsschmerzen und Fieber. Eindeutig lässt sich eine Grippe nur auf Basis der Symptome daher nicht von einer Infektion mit COVID-19 unterscheiden. Bei Verdacht auf COVID-19 sollte man sich daher testen - nur das bringt völlige Gewissheit.

Grippe loswerden: Was hilft gegen Influenza?

Das Wichtigste: Im Bett bleiben und sich körperlich schonen. Verläuft die Grippe mild, sind keine Medikamente nötig. Zur Behandlung der Beschwerden kann man schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente (z. B. Acetylsalicylsäure oder Paracetamol) verwenden.

Da Fieber den Körper bei der Bekämpfung der Viren unterstützt, sollte man fiebersenkende Medikamente erst ab einer Temperatur von über 39 Grad nutzen. Kindern unter 12 Jahren dürfen keinesfalls Medikamente mit Acetylsalicylsäure (Aspirin) einnehmen, da Schädigungen im Gehirn bzw. der Leber entstehen können.

Menschen mit einer chronischen Erkrankung wie z. B. Bluthochdruck sollten sich zur Wahl der geeigneten Mittel vorab beraten lassen, z. B. indem sie bei einer Apotheke oder beim Arzt bzw. der Ärztin anrufen.

Schwangere sollten Medikamente nur nach Vorstellung bei einer Ärztin bzw. einem Arzt einnehmen.

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Krankschreibungen wegen Atemwegserkrankungen auf Rekordhoch

Zum Jahresende ächzen viele Betriebe unter dem hohen Krankenstand. Besonders Krankschreibungen wegen Atemwegserkrankungen haben deutlich zugenommen, wie rbb|24 von den Krankenkassen erfuhr.

Mit Wadenwickeln lässt sich das Fieber um etwa ein halbes Grad senken. Man darf sie nur anwenden, wenn man keinen Schüttelfrost hat. Die Wassertemperatur sollte 10 Grad unter der Körpertemperatur sein. Je ein Baumwolltuch wird getränkt und um den Unterschenkel gewickelt, von der Kniekehle bis zum Knöchel. Darüber wickelt man trockene Tücher. Sobald die Wickel sich nach einigen Minuten warm anfühlen, wiederholt man den Vorgang noch einige Male.

Bei hohem Fieber ist es wichtig, viel zu trinken, um die ausgeschwitzte Flüssigkeit auszugleichen. Geeignet sind Kräutertees oder warmes Wasser. Kamille und Ingwer wirken leicht entzündungshemmend. Spitzwegerich, Eibisch und Holundertee helfen bei Husten.

Inhalieren bei Husten befeuchtet die Atemwege und soll den Schleim lösen. Man kann Inhalationsgeräte nutzen oder über einer Schüssel unter einem großen Tuch den Dampf einatmen, etwa 10 Minuten lang. Dies wird jedoch wegen der Verbrühungs-Gefahr nicht für Kinder empfohlen.

Gurgeln mit Salzwasser oder Kräutertees (Salbeitee oder Kamillentee) befeuchtet die Schleimhäute und kann Schmerzen im Hals lindern. Man sollte jeden Schluck mehrere Sekunden lang tief im Rachen gurgeln. Die Flüssigkeit anschließend unbedingt ausspucken.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Impfung gegen Influenza allen Menschen ab 60 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen wie Immunschwäche, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronischen Lebererkrankungen. Ebenso wird eine Impfung empfohlen für gesunde Schwangere (ab dem 4. Schwangerschaftsmonat) und Personen, die andere Risikopersonen beruflich oder privat pflegen. Für Kinder bzw. Jugendliche ist eine Impfung laut STIKO nur sinnvoll, wenn sie Vorerkrankungen haben.

Fehlendes Personal

Jedes achte Kinder-Krankenhausbett in Berlin nicht in Betrieb

Hausmittel gegen Influenza (Grippe) - was sollte man vermeiden?

Heißes Baden oder saunieren sind bei Influenza und Erkältungen eher kontraproduktiv, weil sie den Körper zusätzlich belasten. Dass eine Erkrankung ausgeschwitzt werden kann, ist ein Mythos.

Antibiotika sind gegen Influenza und auch gegen Grippe machtlos, weil beide Krankheiten durch Viren ausgelöst werden und Antibiotika nur gegen bakterielle Infektionen helfen.

Heiße Zitrone hilft bei einer Erkrankung nicht so sehr, wie es den Anschein haben kann. Vitamin C ist hitzelabil, kochendes Wasser macht einen großen Teil des Vitamin C Gehalts in Zitronen oder Ingwer zunichte. Auch ein heißer Grog ist keine Hilfe bei der Genesung, weil Alkohol das Immunsystem zusätzlich schwächt und dem Körper Wasser entzieht.

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